Der Epikutantest nach GOÄ 380 ist ein Standardverfahren in der Allergologie. Erfahren Sie alles zu Abrechnungsgrenzen, Sachkosten und Steigerungsfaktoren.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 380
Epikutantest, je Test (1. bis 30. Test je Behandlungsfall)
Die Leistungsbeschreibung der GOÄ-Ziffer 380 umfasst die Durchführung eines Epikutantests (Hautläppchentests) pro einzelnem Test. Diese diagnostische Maßnahme dient dem Nachweis einer Allergie vom verzögerten Typ (Typ-IV-Allergie), wie sie häufig bei Kontaktekzemen vorkommt. Die Leistung beinhaltet das Aufbringen der Testsubstanzen auf die Haut mittels spezieller Träger und Pflaster.
Die anschließende Begutachtung und Ablesung der Hautreaktionen ist ebenfalls Teil des diagnostischen Prozesses. Die Ziffer ist pro einzelnem Allergen bzw. Testsubstanz berechnungsfähig, jedoch auf maximal 30 Tests pro Behandlungsfall unter dieser Nummer begrenzt.
GOÄ 380 in der Praxis: Indikation und Durchführung des Epikutantests
Der Epikutantest kommt primär bei Verdacht auf eine Kontaktdermatitis zum Einsatz. Typische Auslöser sind Metalle wie Nickel oder Kobalt sowie Duftstoffe und Konservierungsmittel. Die Testsubstanzen verbleiben in der Regel für 48 Stunden unter einem allergenarmen Pflaster auf der Haut des Rückens oder Oberarms.
Nach der Entfernung der Pflaster erfolgt die erste Ablesung der Hautreaktion. Weitere Kontrollen nach 72 und 96 Stunden sind medizinisch oft notwendig, um Spätreaktionen sicher zu erfassen. Auch die Testung von sogenannten Kontrollen oder Leerwerten (wie reiner Vaseline) ist nach GOÄ-Ziffer 380 voll berechnungsfähig.
Tipp: Da Leerwerte und Kontrollen zur Absicherung des Testergebnisses dienen, können diese als eigenständige Tests im Rahmen der GOÄ 380 abgerechnet werden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 380
Fallbeispiel 1: Standard-Epikutantest bei Verdacht auf Kontaktekzem
Ein Patient stellt sich mit einem chronischen Handekzem vor. Es besteht der Verdacht auf eine Nickelallergie. Es wird ein Standard-Epikutantest mit 25 Testsubstanzen und einem Leerwert (Vaseline) appliziert. Nach 48 und 72 Stunden erfolgt die Ablesung.
Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 380, die in diesem Fall 26-mal angesetzt wird (25 Allergene plus 1 Leerwert). Die Beratungen bei Applikation und Ablesung können zusätzlich berechnet werden.
Fallbeispiel 2: Erweiterter Epikutantest bei Friseurberuf
Eine Friseurin leidet unter berufsbedingten Hautveränderungen. Es wird ein erweiterter Epikutantest mit insgesamt 35 Testsubstanzen durchgeführt. Die ersten 30 Tests werden über die GOÄ-Ziffer 380 abgerechnet.
Die verbleibenden 5 Tests dürfen nicht mehr unter der Ziffer 380 liquidiert werden. Hierfür müssen die Anschlussziffern GOÄ-Ziffer 381 (für den 31. bis 50. Test) herangezogen werden.
Fallbeispiel 3: Foto-Patch-Test bei lichtinduzierter Allergie
Bei einem Patienten besteht der Verdacht auf eine photoallergische Reaktion durch ein Kosmetikum. Die Testsubstanzen werden doppelt appliziert, wobei eine Reihe nach 24 Stunden mit UV-Licht bestrahlt wird.
Neben den Ziffern für die Epikutantests (GOÄ 380) kann für die Bestrahlung der Testfelder zusätzlich einmalig die GOÄ-Ziffer 560 (Lichttherapie) in Ansatz gebracht werden.
Häufige Fehler bei der GOÄ 380: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler liegt in der gesonderten Berechnung von Sachkosten für Testsubstanzen und Testpflaster. Diese Kosten sind gemäß den allgemeinen Bestimmungen der GOÄ bereits mit der Gebühr für die Ziffer 380 abgegolten und dürfen dem Patienten nicht separat in Rechnung gestellt werden.
Zudem beanstanden private Krankenversicherungen oft die Überschreitung der Höchstgrenze von 30 Tests pro Behandlungsfall unter derselben Ziffer. Wird die Ziffer 380 in einem Behandlungsfall öfter als 30-mal aufgeführt, führt dies unweigerlich zu Kürzungen. Für alle weiteren Tests müssen zwingend die Ziffern 381 und 382 genutzt werden.
Achtung: Achten Sie darauf, dass der Behandlungsfall in der GOÄ als Zeitraum von einem Monat definiert ist. Innerhalb dieses Monats gilt die strikte Obergrenze von 30 Tests für die Ziffer 380.
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Dokumentation der GOÄ 380: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist essenziell, um Honorarkürzungen zu vermeiden. In der Patientenakte müssen die genaue Anzahl und die Art der verwendeten Testsubstanzen exakt dokumentiert werden. Auch die Dokumentation des Leerwerts ist für die Abrechnung zwingend erforderlich.
Zusätzlich müssen die Zeitpunkte der Applikation sowie die Ergebnisse der Ablesungen (z. B. nach 48, 72 und ggf. 96 Stunden) mit dem jeweiligen Reaktionsschema (z. B. +, ++, +++) festgehalten werden. Dies belegt die medizinische Notwendigkeit der mehrfachen Befundung.
Dokumentationsbeispiel: "Epikutantestung mit Standardreihe (24 Allergene) und 1 Leerwert (Vaseline) paravertebral appliziert. Pflasterentfernung und 1. Ablesung nach 48 Std.: Positivreaktion (++) auf Nickelsulfat an Testfeld 12. 2. Ablesung nach 72 Std.: Befund bestätigt."
GOÄ 380: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 380 kann bei erhöhtem Aufwand über den Regelhöchstsatz von 2,3 gesteigert werden. Ein erhöhter Faktor (bis zum 3,5-fachen Satz) ist beispielsweise bei schwierigen Hautverhältnissen (z. B. ausgeprägtes Ekzem im Testareal) oder bei unruhigen Patienten (z. B. Kleinkindern) begründbar. Die Begründung muss patientenindividuell und nachvollziehbar in der Rechnung dargelegt werden.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der GOÄ 380 können Beratungen nach GOÄ-Ziffer 1 oder 3 für das Aufklärungsgespräch und die Befundbesprechung abgerechnet werden. Auch symptombezogene Untersuchungen nach GOÄ-Ziffer 5 sind bei der Verlaufskontrolle kombinierbar. Bei einer zusätzlichen Lichtallergietestung ist die Kombination mit der GOÄ-Ziffer 560 für die UV-Bestrahlung zulässig.
Ziffer 380 in der neuen GOÄ
An die Stelle der alten Ziffer 380 (Epikutantest, je Test (1. bis 30. Test je Behandlungsfall)) treten in der neuen GOÄ 2 spezifische Leistungen (bisher beim 2,3-fachen Satz: 4,02 €). Welche zutrifft, hängt von Analyt und Methode ab:
- 1001 Epikutantest (1. bis 30. Test je Behandlungsfall) oder kutane Testung, je Test (4,69 €) – bei: kommerzielles Testmaterial
- 1006 Epikutantest mit in eigenem Labor erstelltem, nicht kommerziellem Material, je Test (6,03 €) – bei: in eigenem Labor erstelltes, nicht kommerzielles Testmaterial
Die Bandbreite reicht von 4,69 € bis 6,03 € — die Dokumentation des Analyten entscheidet.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 380
Was hat nicht gestimmt?