GOÄ 3908.H3: PSA-Bestimmung rechtssicher abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3908.H3
Prostataspezifisches Antigen (PSA) , Ligandenassay – gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve –
Punktzahl 300  
Einfachsatz 17,49 € 1,0x
Regelhöchstsatz 20,11 € 1,1x
Höchstsatz 22,74 € 1,3x

Die Abrechnung der PSA-Bestimmung nach GOÄ 3908.H3 wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Indikationen, Höchstwerten und typischen Fehlern.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3908.H3

Prostataspezifisches Antigen (PSA) , Ligandenassay – gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve –

Die Ziffer 3908.H3 ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) unter der Rubrik der Tumormarker angesiedelt. Sie bewertet die quantitative Bestimmung des prostataspezifischen Antigens mittels eines Ligandenassays. Diese Leistung umfasst standardmäßig auch eventuell erforderliche Doppelbestimmungen sowie die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve.

Das PSA ist ein weitgehend organspezifisches Glykoprotein, das fast ausschließlich von der Prostata sezerniert wird. Es dient physiologisch der Verflüssigung des Ejakulats und liegt im Blut sowohl in freier Form (fPSA) als auch komplexgebunden vor. Die Bestimmung erfolgt in der Regel aus dem Serum des Patienten.

GOÄ 3908.H3 in der Praxis: Indikationsstellung und klinischer Nutzen

Die Bestimmung des PSA-Wertes ist ein zentraler Baustein in der urologischen Diagnostik. Die wichtigste Indikation im klinischen Alltag ist die Früherkennung des Prostatakarzinoms bei Männern ab dem 45. Lebensjahr mit einer Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren. Ein generelles Screening wird nicht empfohlen, weshalb eine ausführliche Aufklärung des Patienten im Vorfeld essenziell ist.

Darüber hinaus ist die Bestimmung bei einem bereits diagnostizierten Prostatakarzinom zur Therapieüberwachung und Nachsorge absolut indiziert. Nach einer radikalen Prostatektomie sollte der PSA-Wert innerhalb von zwei bis drei Wochen unter die Nachweisgrenze fallen. Ein erneuter Anstieg liefert frühzeitige Hinweise auf ein biochemisches Rezidiv.

Tipp: Vor der Blutentnahme sollten mechanische Irritationen der Prostata wie eine digital-rektale Untersuchung (DRU), Fahrradfahren oder eine Biopsie vermieden werden. Diese können zu falsch hohen Werten führen und das Testergebnis verfälschen.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3908.H3

Fallbeispiel 1: Vorsorgeuntersuchung auf Wunsch des Patienten

Ein symptomfreier 52-jähriger Patient wünscht nach eingehender Aufklärung eine PSA-gestützte Früherkennung. Neben der Beratung und der digital-rektalen Untersuchung wird Blut für die Bestimmung des Gesamt-PSA entnommen. Die Abrechnung erfolgt über die Ziffer 3908.H3 für das Labor sowie die entsprechenden klinischen Ziffern für Beratung und Untersuchung.

Fallbeispiel 2: Abklärung im diagnostischen Graubereich

Bei einem Patienten liegt der tPSA-Wert im Graubereich von 5,0 µg/l. Zur besseren Differenzierung zwischen einer benignen Prostatahyperplasie und einem Karzinom wird zusätzlich das freie PSA (fPSA) bestimmt, um den fPSA/tPSA-Quotienten zu berechnen. Beide Parameter (tPSA und fPSA) können jeweils mit der Ziffer 3908.H3 berechnet werden, sofern die Höchstwertregelung H3 beachtet wird.

Fallbeispiel 3: Nachsorge nach radikaler Prostatektomie

Ein Patient stellt sich zur vierteljährlichen Nachsorge im ersten Jahr nach einer radikalen Prostatektomie vor. Zur Überwachung der Tumorfreiheit wird das tPSA bestimmt. Da der Wert unter der Nachweisgrenze von 0,1 µg/l liegt, ist von einer Remission auszugehen. Die Laborleistung wird mit der Ziffer 3908.H3 zum Regelsatz liquidiert.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3908.H3: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die Abrechnung von immunchromatographischen Schnelltests über die GOÄ-Ziffer 3908.H3. Diese Schnelltests sind wissenschaftlich umstritten und weisen eine unzureichende Zuverlässigkeit auf. Eine Abrechnung dieser Schnelltests ist nicht gerechtfertigt und führt regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen.

Ein weiterer Streitpunkt ist die unkritische parallele Bestimmung von freiem, gesamtem und komplexiertem PSA (cPSA) aus derselben Probe. Obwohl die parallele Bestimmung formal berechnungsfähig ist, greift hier die Höchstwertregelung des Abschnitts H3. Zudem ist die cPSA-Bestimmung medizinisch selten zusätzlich vorteilhaft, weshalb ein gestuftes Vorgehen (erst tPSA, dann fPSA bei Graubereichswerten) empfohlen wird.

Achtung: Achten Sie penibel auf die Einhaltung der Präanalytik. Wird fPSA bei Raumtemperatur gelagert, sinkt die Konzentration um ca. 1 % pro Stunde, was zu einem falsch niedrigen Quotienten und somit zu einem falschen Verdacht auf ein Karzinom führen kann.

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Dokumentation der GOÄ 3908.H3: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die Indikation (z. B. Früherkennung auf Patientenwunsch oder Tumornachsorge) sowie das Aufklärungsgespräch über Vor- und Nachteile dokumentiert werden. Auch der zeitliche Abstand zu prostatairritierenden Ereignissen wie einer DRU sollte vermerkt sein.

Bei der Bestimmung des fPSA/tPSA-Quotienten müssen die Einzelwerte beider Parameter sowie der errechnete Quotient klar im Befundbericht ausgewiesen werden. Dies sichert die medizinische Notwendigkeit der Doppelbestimmung ab.

Dokumentationsbeispiel: "Pat. wünscht ausdrücklich PSA-Früherkennung. Aufklärung über falsch-positive/negative Befunde erfolgt. Keine DRU oder Radfahren in den letzten 48 Std. Blutentnahme für tPSA durchgeführt."

GOÄ 3908.H3: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Leistung des Abschnitts M (Labor) unterliegt die Ziffer 3908.H3 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt bei 1,15× (20,11 €), der maximale Höchstsatz bei 1,3× (22,74 €). Eine Überschreitung des Schwellenwertes auf das 1,3-Fache erfordert eine besondere, patientenbezogene Begründung, wie etwa extrem schwierige präanalytische Bedingungen oder aufwendige Differenzialdiagnostik bei unklaren Vorbefunden.

Typische Ziffernkombinationen

Die Ziffer 3908.H3 wird im Rahmen der Vorsorge häufig mit der klinischen Untersuchung der Prostata (z. B. DRU nach GOÄ 11) kombiniert. Auch die Kombination mit sonographischen Leistungen wie der transrektalen Sonographie (GOÄ 410) ist im klinischen Alltag üblich. Wichtig ist hierbei die zeitliche Abfolge: Die Blutentnahme für das Labor muss zwingend vor der Durchführung der rektalen Ultraschalluntersuchung erfolgen.

Ziffer 3908.H3 in der neuen GOÄ

Das Prostataspezifische Antigen (PSA) wird in der neuen GOÄ zur neuen Nummer 12977 — „Prostataspezifisches Antigen (Gesamt-PSA oder komplexiertes PSA und/oder freies PSA)" aus Serum oder Plasma — mit einem Festpreis von 12,12 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 20,11 €). Die neue Ziffer fasst Gesamt-PSA, komplexiertes PSA und freies PSA in einer Leistung zusammen und ist bis zu zweimal berechnungsfähig — welche PSA-Form bestimmt wurde, ist in der Rechnung anzugeben.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3908.H3

Ja, die parallele Bestimmung von freiem PSA (fPSA) und Gesamt-PSA (tPSA) ist jeweils separat nach GOÄ 3908.H3 berechnungsfähig. Allerdings muss dabei die Höchstwertregelung des Abschnitts H3 für Laboruntersuchungen beachtet werden. Ein gestuftes Vorgehen ist medizinisch oft sinnvoller.
Nein, immunchromatographische Schnelltests zur PSA-Bestimmung sind nach der GOÄ nicht berechnungsfähig. Ihre Zuverlässigkeit ist laut wissenschaftlichen Leitlinien unzureichend, weshalb eine Abrechnung als reguläre Laborleistung nicht gerechtfertigt ist.
Für die GOÄ 3908.H3 gilt der Gebührenrahmen für Laborleistungen des Abschnitts M. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz (20,11 €), der maximale Höchstsatz beim 1,3-fachen Satz (22,74 €).
Die Blutentnahme muss zwingend vor mechanischen Irritationen der Prostata wie einer digital-rektalen Untersuchung, einer Sonographie oder einer Biopsie stattfinden. Auch intensives Fahrradfahren oder Ejakulationen kurz vor der Entnahme können zu falsch hohen Werten führen.
Die Bestimmung des Quotienten ist besonders bei Gesamt-PSA-Werten im diagnostischen Graubereich von 2,0 bis 20,0 µg/l (bzw. 4,0 bis 10,0 µg/l) sinnvoll. Ein Quotient von über 25 % spricht für eine gutartige Hyperplasie, während Werte unter 15 % auf ein Karzinom hindeuten.
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