Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4049
Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) definiert die Leistung unter der Ziffer 4049 im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) wie folgt:
Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - Corticotropin (ACTH)
Diese Ziffer beschreibt die quantitative Analyse des Hormons Corticotropin (ACTH) im Plasma. Die Leistung umfasst methodisch die Durchführung als Ligandenassay (z. B. RIA, ELISA, ECLIA) und setzt im Regelfall eine Doppelbestimmung sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve voraus. Gemäß den allgemeinen Bestimmungen ist der untersuchte Parameter zwingend auf der Rechnung anzugeben.
GOÄ 4049 in der Praxis: Indikationen und klinischer Kontext
Die Bestimmung von ACTH ist ein essenzieller Bestandteil der endokrinologischen Diagnostik. Sie dient primär der Differenzialdiagnostik des Cushing-Syndroms sowie der Abklärung einer primären oder sekundären Nebennierenrindeninsuffizienz (Morbus Addison). Da ACTH pulsatil sezerniert wird und einer zirkadianen Rhythmik unterliegt, sind präanalytische Faktoren und der Entnahmezeitpunkt von entscheidender Bedeutung.
Häufig wird die Bestimmung im Rahmen von Funktionstests wie dem CRH-Stimulationstest oder dem Dexamethason-Suppressionstest eingesetzt. In diesen Fällen kann die Ziffer 4049 mehrfach für die verschiedenen Zeitpunkte der Blutentnahme berechnet werden. Eine präzise Dokumentation der Entnahmezeiten ist hierbei für die Erstattung unerlässlich.
Tipp: Achten Sie bei der Probenentnahme für ACTH penibel auf die Präanalytik. Da ACTH sehr instabil ist, muss die Blutprobe in gefrorenem Zustand (Plastikröhrchen, EDTA-Plasma) transportiert werden, um Fehlmessungen zu vermeiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4049
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Morbus Addison
Ein Patient stellt sich mit chronischer Fatigue, Hyperpigmentierung der Haut und Hypotonie vor. Zum Ausschluss einer primären Nebennierenrindeninsuffizienz veranlasst der Arzt eine basale Hormonanalyse von Cortisol und ACTH am Morgen.
Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 4049 für das ACTH sowie die GOÄ-Ziffer 4024 für das Cortisol. Da eine reguläre Doppelbestimmung im Labor durchgeführt wurde, wird die Ziffer 4049 mit dem Regelsatz von 1,15 (32,17 €) liquidiert.
Fallbeispiel 2: CRH-Stimulationstest bei Cushing-Syndrom
Zur Differenzialdiagnose eines ACTH-abhängigen Cushing-Syndroms wird ein CRH-Stimulationstest durchgeführt. Hierbei erfolgen Blutentnahmen vor sowie 30 und 60 Minuten nach der CRH-Injektion zur Bestimmung von ACTH.
Da es sich um drei separate Proben zu unterschiedlichen Zeiten handelt, ist die GOÄ-Ziffer 4049 dreimal ansetzbar. In der Rechnung müssen die jeweiligen Entnahmezeiten (z. B. 0 min, 30 min, 60 min) explizit angegeben werden, um Rückfragen der Kostenträger zu vermeiden.
Fallbeispiel 3: Einfachbestimmung bei Budgetschonung
In einem spezialisierten Labor wird aus ökonomischen Gründen oder aufgrund von Probenmangel auf eine Doppelbestimmung verzichtet und nur eine Einfachbestimmung von ACTH durchgeführt.
In diesem Fall darf nicht der volle Gebührensatz abgerechnet werden. Es erfolgt der Ansatz der Ziffer 4049 mit einem Abschlag von 34 %, sodass nur 66 % der Gebühr (18,42 € als Basis vor Multiplikation) in Rechnung gestellt werden.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4049: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4049 ist das Übersehen der 66%-Regelung bei Einfachbestimmungen. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen zunehmend, ob das Labor tatsächlich eine Doppelbestimmung durchgeführt hat. Kann dies im Streitfall nicht nachgewiesen werden, drohen Honorarkürzungen.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Nebeneinanderberechnung von Ziffern des Abschnitts M. Die Bestimmung von ACTH darf nicht mit anderen, methodisch identischen Ligandenassays für denselben Parameter kombiniert werden. Zudem müssen die Höchstgrenzen für Laborleistungen gemäß den allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M beachtet werden.
Achtung: Die bloße Angabe der Ziffer 4049 ohne die konkrete Bezeichnung des Parameters "ACTH" oder "Corticotropin" führt regelmäßig zur Beanstandung und Verzögerung der Erstattung durch die privaten Krankenversicherungen.
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Dokumentation der GOÄ 4049: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament einer erfolgreichen Abrechnung. In der Patientenakte müssen neben der medizinischen Indikation auch der genaue Zeitpunkt der Blutentnahme und die präanalytischen Besonderheiten festgehalten werden. Dies gilt insbesondere bei dynamischen Funktionstests.
Für das Laborjournal und den Befundbericht ist der Nachweis der Doppelbestimmung und der Bezugskurve essenziell. Sollte nur eine Einfachbestimmung stattgefunden haben, muss dies ebenfalls dokumentiert und in der Abrechnungssoftware entsprechend hinterlegt werden.
Dokumentationsbeispiel: Indikation: Verdacht auf sekundäre NNR-Insuffizienz. Blutentnahme für ACTH (EDTA-Plasma) um 08:00 Uhr (zirkadianes Maximum). Probe umgehend zentrifugiert, tiefgefroren und gekühlt ins Labor transportiert. Durchführung als Doppelbestimmung mittels ECLIA.
GOÄ 4049: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ-Ziffer 4049 dem Abschnitt M III angehört, liegt der normale Gebührenrahmen zwischen dem 1,0-fachen und dem 1,3-fachen Satz. Eine Steigerung über den Regelsatz von 1,15 hinaus auf bis zu 1,3 ist nur bei Vorliegen besonderer Umstände zulässig. Typische Begründungen sind ein außergewöhnlicher präanalytischer Aufwand oder schwierige Probenverhältnisse (z. B. stark lipämische oder hämolytische Proben, die eine Sonderbehandlung erfordern).
Typische Ziffernkombinationen
In der endokrinologischen Praxis wird die ACTH-Bestimmung selten isoliert durchgeführt. Sinnvolle und zulässige Kombinationen umfassen die Bestimmung von Cortisol (GOÄ 4024), Aldosteron (GOÄ 4021) oder Renin (GOÄ 4045). Bei der Durchführung von Stimulationstests kommen zudem die Ziffern für die jeweilige Substanzapplikation (z. B. i.v. Injektion nach GOÄ 253) hinzu.
Ziffer 4049 in der neuen GOÄ
Die ACTH-Bestimmung mittels Ligandenassay wird zur neuen Nummer 11983 — „Adrenocorticotropes Hormon (Corticotropin, ACTH)" — mit 24,08 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 32,18 €). Die neue Legende benennt die Methode als Signal-(Tracer-)verstärkten Immunoassay; das im Alttitel verankerte Modell mit Doppelbestimmung und Bezugskurve entfällt — die Ziffer wird künftig einheitlich je Bestimmung abgerechnet.
\nStand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4049
Was hat nicht gestimmt?