Der hochdosierte Dexamethasonhemmtest nach GOÄ 4098 ist essenziell für die Cushing-Differenzialdiagnostik. Erfahren Sie alles zu Abrechnung und Fallstricken.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4098
Dexamethasonhemmtest, Verabreichung von jeweils 3 mg Dexamethason an drei aufeinanderfolgenden Tagen (Zweimalige Bestimmung von Cortisol) - 500 Punkte
Die GOÄ-Ziffer 4098 beschreibt einen hochdosierten Funktionstest zur Untersuchung der Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse. Im Zentrum dieser Leistung steht die gezielte Verabreichung von Dexamethason über einen definierten Zeitraum von drei Tagen. Ziel ist es, die körpereigene Cortisol-Sekretion durch ein starkes synthetisches Glukokortikoid zu unterdrücken.
Die Leistung umfasst neben der eigentlichen Testdurchführung auch die zweimalige Bestimmung des Cortisolspiegels. Diese Bestimmungen dienen als Vorher-Nachher-Vergleich, um das Ausmaß der Suppression präzise zu quantifizieren. Die Ziffer ist im Abschnitt M III (Speziallabor) der Gebührenordnung verortet.
GOÄ 4098 in der Praxis: Differenzialdiagnostik des Cushing-Syndroms
Die Anwendung der GOÄ 4098 ist klinisch erst dann indiziert, wenn ein Cushing-Syndrom bereits durch einen niedrigdosierten Vortest (z. B. nach GOÄ 4097) gesichert wurde. Der hochdosierte Test dient primär der Differenzialdiagnose, um die Ursache der Überproduktion zu lokalisieren. Hierbei wird untersucht, ob eine hypothalamisch-hypophysäre Überfunktion oder ein autonomer Nebennierenrindentumor vorliegt.
Physiologisch reagiert ein hypophysäres Adenom (Morbus Cushing) meist erst auf sehr hohe Dosen von Dexamethason mit einer Suppression der ACTH-Sekretion. Ein autonomer Nebennierentumor hingegen zeigt sich von der exogenen Zufuhr völlig unbeeindruckt. Daher liefert dieser Test eine hohe diagnostische Aussagekraft von über 95 Prozent für die klinische Entscheidungsfindung.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4098
Fallbeispiel 1: Klassischer 3-Tages-Test bei zentralem Cushing
Eine Patientin stellt sich mit klinischen Zeichen eines Cushing-Syndroms und pathologischem Vortest vor. Es erfolgt die Durchführung des klassischen dreitägigen Tests mit täglich 3 mg Dexamethason. Zur Abklärung wird die GOÄ 4098 für den Funktionstest angesetzt. Zusätzlich werden die Cortisol-Bestimmungen nach GOÄ 4020 berechnet.
Fallbeispiel 2: Ambulanter 8-mg-Overnight-Test
Bei einem Patienten soll die Abklärung aus Praktikabilitätsgründen ambulant erfolgen. Es wird der etablierte 8-mg-Dexamethasonhemmtest als Über-Nacht-Variante durchgeführt. Da dieser Test die gleiche diagnostische Wertigkeit besitzt, erfolgt die Abrechnung analog nach GOÄ 4098. Die begleitende ACTH-Bestimmung wird zusätzlich über die GOÄ 4049 abgerechnet.
Fallbeispiel 3: Stationäre Abklärung bei V.a. ektopes ACTH-Syndrom
Ein Patient wird stationär aufgenommen, um ein ektopes ACTH-Syndrom von einem hypophysären Morbus Cushing abzugrenzen. Es wird das zweitägige Liddle-Protokoll mit engmaschigen Blutentnahmen durchgeführt. Aufgrund des hohen logistischen Aufwands und der stationären Überwachung wird die GOÄ 4098 mit dem Höchstsatz von 1,3 berechnet. Die Begründung dokumentiert den erhöhten Überwachungsaufwand.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4098: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die Abrechnung der GOÄ 4098 als primärer Suchtest. Private Krankenversicherungen fordern in diesen Fällen oft den Nachweis eines zuvor durchgeführten niedrigdosierten Dexamethasonhemmtests an. Ohne diese medizinische Vorstufe wird die Indikation für den hochdosierten Test häufig bestritten.
Zudem beanstanden Prüfstellen regelmäßig die fehlerhafte Kombination mit anderen Funktionstests am selben Tag. Die Ziffer 4098 darf nicht zeitgleich mit der Ziffer 4097 abgerechnet werden, da sich die Testprotokolle gegenseitig ausschließen. Auch die Überschreitung des Regelhöchstsatzes von 1,15 ohne ausreichende schriftliche Begründung führt oft zu Kürzungen.
Achtung: Achten Sie darauf, dass die Bestimmung des Urin-Cortisols im 24-Stunden-Sammelurin separat codiert wird. Diese Leistung ist nicht in der GOÄ 4098 enthalten und muss über die Ziffer 4020 abgerechnet werden.
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Dokumentation der GOÄ 4098: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch die privaten Krankenversicherungen. In der Patientenakte müssen die genauen Uhrzeiten der Dexamethason-Applikation sowie die Zeitpunkte der Blutentnahmen exakt festgehalten werden. Auch der pathologische Befund des vorausgegangenen Screening-Tests gehört zwingend in die Dokumentation.
Zusätzlich sollten eventuelle Abweichungen vom Standardprotokoll oder besondere Belastungen des Patienten vermerkt werden. Dies erleichtert im Nachgang eine eventuelle Faktorerhöhung. Eine strukturierte Dokumentationsvorlage sichert die Vollständigkeit aller abrechnungsrelevanten Daten.
Dokumentation: Hochdosierter Dexamethasonhemmtest (GOÄ 4098) bei V.a. Morbus Cushing nach pathologischem Vortest vom [Datum]. Gabe von 8 mg Dexamethason am [Datum] um 23:00 Uhr. Blutentnahme zur Cortisol- und ACTH-Bestimmung am Folgetag um 08:00 Uhr. Keine Komplikationen.
GOÄ 4098: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ 4098 dem Speziallabor zugeordnet ist, beträgt der normale Gebührenrahmen 1,0 bis 1,3. Eine Steigerung auf den Höchstsatz von 1,3 ist bei besonders schwierigen Bedingungen möglich. Typische Begründungen sind eine erschwerte Venenpunktion bei ausgeprägtem Cushing-Habitus oder ein erhöhter Betreuungsaufwand bei kognitiven Einschränkungen des Patienten.
Typische Ziffernkombinationen
In der täglichen Praxis wird die GOÄ 4098 selten isoliert abgerechnet. Sinnvolle Kombinationen umfassen die Bestimmung von freiem Cortisol im Serum (GOÄ 4020) sowie die Bestimmung von ACTH (GOÄ 4049). Auch die notwendigen Blutentnahmen nach den Ziffern 250 oder 252 können zusätzlich in Ansatz gebracht werden.
Tipp: Nutzen Sie bei der Durchführung des ambulanten 8-mg-Tests die Möglichkeit, die ACTH-Bestimmung (GOÄ 4049) sowohl vor als auch nach der Dexamethasongabe abzurechnen. Dies erhöht die diagnostische Sicherheit und sichert das zustehende Honorar.
Ziffer 4098 in der neuen GOÄ
Ziffer 4098 (Dexamethasonhemmtest, Verabreichung von jeweils 3 mg Dexamethason an drei aufeinanderfolgenden Tagen (Zweimalige Bestimmung von Cortisol)) geht in der neuen Nummer 11844 auf: „Dexamethason-(Hemm-)Test Abklärung Hypercortisolismus; Serum oder Plasma; zweimal Cortisol; Auswertung: apparativ-quantitativ-deskriptiv.“ — fester Satz 20,46 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 33,51 €). Welcher Hemmtest durchgeführt wurde, ist in der Rechnung anzugeben (z.B. niedrig dosiert über Nacht).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4098
Was hat nicht gestimmt?