Die GOÄ-Ziffer 4099 beschreibt den dreitägigen Dexamethasonhemmtest. Dieser Artikel beleuchtet Abrechnung, medizinische Relevanz und moderne Alternativen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4099
GOÄ-Ziffer 4099: Dexamethasonhemmtest, Verabreichung von jeweils 9 mg Dexamethason an drei aufeinanderfolgenden Tagen (Zweimalige Bestimmung von Cortisol) – 500 Punkte.
Die Leistungsbeschreibung der GOÄ-Ziffer 4099 umfasst einen spezifischen endokrinologischen Funktionstest zur Abklärung einer Überfunktion der Nebennierenrinde. Im Zentrum steht die Verabreichung einer definierten Dosis des Glukokortikoids Dexamethason über einen Zeitraum von drei Tagen. Ziel ist es, die körpereigene Cortisolproduktion zu unterdrücken und die hormonelle Regulationsachse zu überprüfen.
Inbegriffen in diese Ziffer ist die zweimalige Bestimmung des Cortisolspiegels im Blut oder Speichel. Die Ziffer ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt 15 (Funktionsteste) verortet. Sie stellt eine Pauschale dar, die sowohl die Durchführung des Tests als auch die beiden Laboranalysen abdeckt.
GOÄ 4099 in der Praxis: Medizinische Relevanz und Alternativen
In der modernen Endokrinologie hat der in der GOÄ-Ziffer 4099 beschriebene Testablauf an Bedeutung verloren. Die Verabreichung von insgesamt 27 mg Dexamethason über drei Tage entspricht nicht mehr den aktuellen medizinischen Leitlinien. Neuere Fachliteratur beschreibt dieses hochdosierte Schema kaum noch, da präzisere und für den Patienten schonendere Testverfahren etabliert sind.
Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass die Ziffer 4099 im Praxisalltag nahezu vollständig durch modernere Protokolle ersetzt wurde. Meist kommt der klassische Dexamethason-Kurztest (mit 1 mg oder 2 mg) oder der Standard-Langtest (mit 8 mg) zum Einsatz. Diese moderneren Verfahren werden häufig über andere Ziffernkombinationen oder die Ziffer 4098 abgerechnet.
Achtung: Da die Ziffer 4099 mit 500 Punkten identisch bewertet ist wie die Ziffer 4098, ergibt sich bei der Verwendung modernerer Testprotokolle kein wirtschaftlicher Nachteil, wenn auf die medizinisch etablierte Ziffer 4098 ausgewichen wird.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4099
Fallbeispiel 1: Durchführung des klassischen dreitägigen Hemmtests
Ein Patient stellt sich mit klinischen Zeichen eines Cushing-Syndroms vor. Zur Differenzialdiagnostik wird das historische, dreitägige Testprotokoll mit täglich 9 mg Dexamethason durchgeführt. Die Cortisolbestimmung erfolgt vor Beginn und am vierten Tag.
Die Abrechnung erfolgt korrekt über die GOÄ-Ziffer 4099 zum Regelhöchstsatz (1,15-fach für Laborleistungen). Die enthaltenen zwei Cortisolbestimmungen dürfen nicht separat berechnet werden.
Fallbeispiel 2: Abgrenzung zum Standard-Dexamethasontest
Bei Verdacht auf ein endogenes Cushing-Syndrom entscheidet sich der Arzt für den leitlinienkonformen zweitägigen Dexamethason-Hemmtest (Low-Dose-Test mit insgesamt 4 mg). Da dieses Schema nicht der Ziffer 4099 entspricht, wird dieser Test anders codiert.
Hier ist die Abrechnung der Ziffer 4099 ausgeschlossen. Stattdessen erfolgt die Abrechnung über die GOÄ-Ziffer 4098, die ebenfalls mit 500 Punkten bewertet ist und dem modernen Standard entspricht.
Fallbeispiel 3: Vorzeitiger Abbruch des Funktionstests
Der dreitägige Test wird am zweiten Tag aufgrund von Unverträglichkeiten oder Nebenwirkungen des Patienten abgebrochen. Es konnte nur eine Cortisolbestimmung durchgeführt werden.
Da die Leistungsvoraussetzungen der Ziffer 4099 (zweimalige Bestimmung) nicht vollständig erfüllt sind, darf die Ziffer nicht abgerechnet werden. Stattdessen werden die tatsächlich erbrachten Einzelleistungen, wie die Cortisolbestimmung nach GOÄ 4026, einzeln in Rechnung gestellt.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4099: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4099 ist die zusätzliche Berechnung der Cortisolbestimmungen. Da die zweimalige Bestimmung von Cortisol explizit im Leistungstext der Ziffer 4099 genannt ist, ist sie mit der Gebühr abgegolten. Eine zusätzliche Abrechnung der Ziffer 4026 für diese beiden Messungen führt regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen.
Ein weiterer Kritikpunkt von Prüfstellen betrifft die medizinische Notwendigkeit. Da das in Ziffer 4099 beschriebene Schema mit 27 mg Dexamethason in der aktuellen Literatur als obsolet gilt, fordern Kostenträger häufig detaillierte Begründungen für die Wahl dieses extrem hochdosierten Verfahrens. Die Verwendung der Ziffer 4098 is in der Regel die sicherere und medizinisch plausiblere Option.
Tipp: Bei der Abrechnung von Laborleistungen des Abschnitts M ist stets auf den reduzierten Gebührenrahmen zu achten. Der Regelhöchstsatz liegt hier bei 1,15 und der Höchstsatz bei 1,3. Ein Steigern auf den Faktor 2,3 ist bei reinen Laborziffern ausgeschlossen.
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Dokumentation der GOÄ 4099: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Für die GOÄ 4099 müssen die genauen Zeitpunkte der Dexamethason-Gabe sowie die Dosierung von jeweils 9 mg an den drei aufeinanderfolgenden Tagen exakt dokumentiert werden. Auch die Zeitpunkte der Blutentnahmen für die Cortisolbestimmung müssen minutengenau erfasst sein.
Zusätzlich sollten die Laborergebnisse der beiden Cortisolmessungen direkt in der Patientenakte hinterlegt und dem Testprotokoll zugeordnet werden. Dies belegt zweifelsfrei, dass die im Leistungstext geforderten zwei Bestimmungen tatsächlich stattgefunden haben.
Dokumentationsbeispiel:
Dexamethason-Hemmtest (GOÄ 4099) vom [Datum 1] bis [Datum 4].
- Tag 1-3: Je 9 mg Dexamethason p.o. um 08:00 Uhr verabreicht.
- Cortisol-Basalwert am [Datum 1] um 08:00 Uhr: [Wert] µg/dl.
- Cortisol-Wert nach Hemmung am [Datum 4] um 08:00 Uhr: [Wert] µg/dl.
Keine Komplikationen während der Durchführung.
GOÄ 4099: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ-Ziffer 4099 zum Abschnitt M gehört, unterliegt sie dem eingeschränkten Gebührenrahmen für Laborleistungen. Eine Steigerung über den Regelhöchstsatz von 1,15 bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur mit einer schriftlichen, patientenbezogenen Begründung zulässig. Typische Begründungen sind schwierige Venenverhältnisse bei den Blutentnahmen oder eine erschwerte Compliance des Patienten während des dreitägigen Testablaufs.
Typische Ziffernkombinationen
Neben dem eigentlichen Funktionstest können begleitende ärztliche Leistungen abgerechnet werden. Hierzu gehören die Beratung nach GOÄ-Ziffer 1 oder die symptombezogene Untersuchung nach GOÄ-Ziffer 5 an den Tagen der persönlichen Arzt-Patienten-Kontakte. Die Blutentnahmen selbst sind bei Laboruntersuchungen im eigenen Labor meist mit der Ziffer 250 berechenbar, sofern die allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M dies im konkreten Fall zulassen.
Ziffer 4099 in der neuen GOÄ
Die alte Ziffer 4099 wird zur Nummer 11844 — „Dexamethason-(Hemm-)Test Abklärung Hypercortisolismus; Serum oder Plasma; zweimal Cortisol; Auswertung: apparativ-quantitativ-deskriptiv.“ — mit festem Satz von 20,46 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 33,51 €). Welcher Hemmtest durchgeführt wurde, ist in der Rechnung anzugeben (z.B. niedrig dosiert über Nacht).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4099
Was hat nicht gestimmt?