Die fraktionierte Magensekretionsanalyse nach GOÄ 4100 gilt heute weitgehend als obsolet. Erfahren Sie alles über Abrechnung, Fallstricke und Alternativen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4100
Fraktionierte Magensekretionsanalyse mit Pentagastrinstimulation (Viermalige Titration von HCl) - Punktzahl: 280
Die Leistung nach GOÄ-Ziffer 4100 beschreibt ein klassisches funktionsdiagnostisches Verfahren zur Überprüfung der Magensäuresekretion. Im Zentrum steht dabei die Pentagastrinstimulation, welche die Belegzellen des Magens zur Sekretion von Salzsäure (HCl) anregt.
Der Ablauf erfordert das Legen einer Magensonde und die anschließende fraktionierte Gewinnung von Magensaft. Über einen Zeitraum von einer Stunde werden im Abstand von jeweils 15 Minuten insgesamt vier Fraktionen gesammelt. In diesen Proben erfolgt die titrimetrische Bestimmung der Salzsäurekonzentration.
GOÄ 4100 in der Praxis: Klinische Relevanz und moderne Alternativen
In der modernen gastroenterologischen Praxis hat die GOÄ 4100 stark an Bedeutung verloren. Die Methode gilt heute durch den flächendeckenden Einsatz der Gastro-Duodenoskopie inklusive histologischer Biopsieaufarbeitung weitgehend als obsolet.
Ein weiteres praktisches Hindernis stellt die Verfügbarkeit des Stimulanzmittels dar. Pentagastrin ist in Deutschland derzeit nicht als Fertigarzneimittel zugelassen, was die Durchführung im Praxisalltag erheblich erschwert. Gegebenenfalls muss das Präparat über internationale Apotheken importiert werden.
Dennoch kann die Bestimmung der Säurekapazität in seltenen Spezialfällen, wie etwa bei der Diagnostik eines extremen Zollinger-Ellison-Syndroms oder bei therapierefraktären Ulzera, erwogen werden. Meist weicht man jedoch auf die laborchemische Bestimmung von Gastrin im Serum aus.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4100
Fallbeispiel 1: Diagnostik bei Verdacht auf Zollinger-Ellison-Syndrom
Ein Patient stellt sich mit rezidivierenden, therapierefraktären peptischen Ulzera vor. Zur differenzialdiagnostischen Abklärung eines Gastrinoms wird eine fraktionierte Magensekretionsanalyse unter Pentagastrinstimulation durchgeführt. Nach erfolgreichem Import des Stimulanzmittels erfolgt die Sondenlegung und die vierfache Titration. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4100 zum Regelsatz sowie die Materialkosten für das importierte Pentagastrin.
Fallbeispiel 2: Überprüfung der Säuresekretion bei schwerer atrophischer Gastritis
Bei Verdacht auf eine autoimmune atrophische Gastritis (Typ-A-Gastritis) soll das Ausmaß der Anazidität quantifiziert werden. Nach subkutaner Gabe von Pentagastrin wird der Magensaft fraktioniert über eine Stunde hinweg gewonnen. Die anschließende Bestimmung zeigt das vollständige Fehlen von freier Salzsäure. Die Abrechnung erfolgt über die Ziffer 4100 unter Dokumentation der Indikation zur Funktionsprüfung.
Fallbeispiel 3: Erweiterte Diagnostik mit mehr als vier Titrationen
Zur präzisen Ermittlung des Basal-Acid-Output (BAO) und des Maximal-Acid-Output (MAO) sind über die vier Standardfraktionen hinaus weitere Titrationen medizinisch notwendig. Neben der GOÄ 4100 für die Grundleistung werden die zusätzlichen Titrationen separat erfasst. Hierbei ist die Abgrenzung zur GOÄ-Ziffer 3662 für die reine HCl-Bestimmung im Magensaft zu beachten.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4100: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Streitpunkt mit privaten Krankenversicherungen und Beihilfestellen betrifft die medizinische Notwendigkeit der Untersuchung. Da das Verfahren in den Leitlinien weitgehend durch endoskopische und serumchemische Verfahren ersetzt wurde, fordern Prüfer oft eine detaillierte Begründung für den Verzicht auf modernere Alternativen.
Ein weiterer Fehler liegt in der fehlerhaften Abrechnung der Sachkosten. Die Kosten für das importierte Pentagastrin müssen exakt nachgewiesen und als Auslagen gemäß § 10 GOÄ gesondert in Rechnung gestellt werden. Pauschale Aufschläge ohne Einzelnachweis werden regelmäßig beanstandet.
Achtung: Da Pentagastrin in Deutschland nicht zugelassen ist, muss der behandelnde Arzt den Patienten vorab umfassend über den Off-Label-Use beziehungsweise den Importcharakter des Medikaments aufklären und dies schriftlich dokumentieren.
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Dokumentation der GOÄ 4100: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die genaue Dosierung des Pentagastrins (standardmäßig 6 µg/kg Körpergewicht) sowie der exakte zeitliche Ablauf der Saftgewinnung festgehalten werden.
Zudem sollten die Messergebnisse aller vier Fraktionen einzeln mit ihren jeweiligen Titrationswerten dokumentiert werden. Auch die Begründung für den Import des Arzneimittels und die schriftliche Einwilligung des Patienten gehören zwingend in die Dokumentationsunterlagen.
Dokumentationsbeispiel: Indikation: Verdacht auf gastrinombedingte Hypersekretion. Aufklärung über Importpräparat Pentagastrin erfolgt. Applikation von 450 µg Pentagastrin s.c. (Körpergewicht 75 kg). Fraktionierte Magensaftgewinnung über Magensonde um 08:00, 08:15, 08:30 und 08:45 Uhr. Titrationsergebnisse der HCl-Bestimmung: Fraktion 1: X mmol/l, Fraktion 2: Y mmol/l, Fraktion 3: Z mmol/l, Fraktion 4: W mmol/l.
GOÄ 4100: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Als Leistung des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) unterliegt die GOÄ 4100 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt bei 1,15-fach, der maximale Höchstsatz bei 1,3-fach. Eine Überschreitung des Schwellenwertes auf den 1,3-fachen Satz ist nur bei außergewöhnlich hohem Aufwand zulässig.
Gründe für eine solche Steigerung können beispielsweise eine extrem erschwerte Sondenlegung bei anatomischen Besonderheiten oder eine unvorhergesehene, erhebliche Verzögerung der Sekretionsphase sein. Diese Umstände müssen auf der Liquidation einzelfallbezogen und nachvollziehbar begründet werden.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der Funktionsanalyse selbst können begleitende Leistungen abgerechnet werden. Hierzu gehört insbesondere das Legen der Magensonde sowie eventuelle begleitende Blutentnahmen zur Bestimmung des Serum-Gastrins nach GOÄ-Ziffer 4051.
Tipp: Werden zur exakten Bestimmung von BAO und MAO mehr als die in der Ziffer 4100 implizierten vier Titrationen durchgeführt, können diese zusätzlichen Analysen unter Beachtung der Bestimmungen zur Ziffer 3662 separat liquidiert werden.
Ziffer 4100 in der neuen GOÄ
Ziffer 4100 (Fraktionierte Magensekretionsanalyse mit Pentagastrinstimulation (Viermalige Titration von HCl)) hat in der neuen GOÄ keinen direkten Nachfolger. Der Entwurf sieht keine eigenständige Nachfolgeleistung vor; die Methode gilt als überholt oder ist in anderen Positionen aufgegangen. Bisher beim 2,3-fachen Satz: 18,77 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4100
Was hat nicht gestimmt?