Der Laktat-Ischämietest nach GOÄ 4107 ist essenziell für die Myopathiediagnostik. Erfahren Sie alles zur korrekten Abrechnung und Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4107
Laktat-Ischämietest (Fünfmalige Bestimmung von Laktat) - 900 Punkte
Die GOÄ-Ziffer 4107 beschreibt eine spezialisierte laborchemische Funktionsuntersuchung aus dem Abschnitt M III 15 der Gebührenordnung für Ärzte. Diese Leistung umfasst die fünfmalige Bestimmung von Laktat im Rahmen eines standardisierten Ischämiebelastungstests. Ziel des Verfahrens ist es, Störungen des anaeroben Glykogenabbaus in der Skelettmuskulatur nachzuweisen.
Die Ziffer deckt das gesamte Testverfahren inklusive der fünf Laktatmessungen ab. Die Durchführung erfordert eine präzise zeitliche Taktung der Blutentnahmen vor und nach der ischämischen Belastung. Andere Laborparameter, die im Rahmen desselben Funktionstests bestimmt werden, fallen nicht unter diese Ziffer.
GOÄ 4107 in der Praxis: Diagnostik metabolischer Myopathien
Der Laktat-Ischämietest, auch als Unterarmtest oder Greiftest bekannt, wird bei Verdacht auf eine metabolische Myopathie eingesetzt. Typische klinische Symptome, die diese Untersuchung rechtfertigen, sind belastungsabhängige Muskelkrämpfe, Myalgien oder eine permanente Muskelschwäche. Der Test nutzt den physiologischen Effekt, dass die Laktatkonzentration bei Muskelarbeit unter Ischämiebedingungen normalerweise stark ansteigt.
Das Standardprotokoll sieht vor, dass der Patient im nüchternen Zustand untersucht wird. Nach einer basalen Blutentnahme wird am kontralateralen Oberarm eine Blutdruckmanschette über den systolischen Druck aufgepumpt. Unter dieser ischämischen Bedingung führt der Patient für eine Minute schnelle Faustschlüsse aus, bevor der Druck abgelassen wird. Die weiteren Blutentnahmen erfolgen exakt nach einer, drei, fünf und zehn Minuten.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4107
Fallbeispiel 1: Verdacht auf McArdle-Syndrom (Glykogenose Typ V)
Ein 24-jähriger Patient klagt über schmerzhafte Muskelkrämpfe kurz nach Beginn intensiver körperlicher Betätigung. Zum Ausschluss einer Glykogenose Typ V wird ein Laktat-Ischämietest durchgeführt. Die Laktatwerte zeigen über den gesamten Testverlauf keinen nennenswerten Anstieg, während die parallel bestimmten Ammoniakwerte physiologisch ansteigen. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4107 für den Laktattest sowie die GOÄ-Ziffer 3774 für die Ammoniakbestimmungen.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf Myoadenylat-Deaminase-Mangel (MAD-Mangel)
Eine Patientin stellt sich mit chronischer Muskelschwäche und vorzeitiger Erschöpfung vor. Der durchgeführte Ischämietest zeigt einen normalen Anstieg des Laktats, jedoch bleibt der Anstieg des Ammoniaks vollständig aus. Dies weist auf einen Myoadenylat-Deaminase-Mangel hin. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ 4107 in Kombination mit der entsprechenden Anzahl an Ammoniak-Einzelbestimmungen.
Fallbeispiel 3: Abklärung unklarer belastungsabhängiger Myalgien
Bei einem Patienten mit diffusen Muskelschmerzen unter Belastung wird der Test zur Differenzialdiagnostik eingesetzt. Beide Parameter, Laktat und Ammoniak, zeigen einen normalen, korrelierenden Anstieg nach der Belastungsphase. Eine metabolische Myopathie kann somit weitgehend ausgeschlossen werden. Die erbrachte Leistung wird regulär nach GOÄ 4107 liquidiert.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4107: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Abrechnungsfehler ist die zusätzliche Liquidation der einzelnen Laktatbestimmungen. Da die fünfmalige Bestimmung explizit im Leistungstext der GOÄ 4107 verankert ist, dürfen die Einzelmessungen nicht separat nach GOÄ 3781 berechnet werden. Dies führt bei Prüfungen durch private Krankenversicherungen oder Beihilfestellen regelmäßig zur Kürzung.
Ein weiterer Fehler betrifft die fehlerhafte Zuordnung von Begleituntersuchungen. Die für den Test notwendigen Blutentnahmen sind in der Regel mit den Laborleistungen abgegolten, sofern kein gesonderter venöser Zugang über eine Verweilkanüle medizinisch begründet und dokumentiert wird.
Achtung: Die Abrechnung von Einzel-Laktatwerten nach GOÄ 3781 neben der GOÄ 4107 für denselben Testablauf ist unzulässig und wird von Kostenträgern konsequent gestrichen.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ 4107: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist für die rechtssichere Abrechnung der GOÄ 4107 unerlässlich. In der Patientenakte müssen die Indikation, das genaue Belastungsprotokoll sowie die exakten Uhrzeiten der Blutentnahmen festgehalten werden. Auch die gemessenen Laktatwerte (und ggf. Ammoniakwerte) für alle fünf Messzeitpunkte müssen dokumentiert sein.
Besonders wichtig ist der Nachweis, dass die Ischämiezeit und die Belastungsphase den medizinischen Standards entsprachen. Dies schützt die Praxis vor Regressforderungen und erleichtert die Begründung bei eventuellen Rückfragen der Kostenträger.
Dokumentation: Laktat-Ischämietest bei V. a. metabolische Myopathie. Basale Blutentnahme (Laktat: 1,1 mmol/l). Ischämie linker Arm (Manschette 200 mmHg) für 60 Sek. unter maximalem Faustschluss. Blutentnahmen nach Entlastung: 1. Min (1,2 mmol/l), 3. Min (1,1 mmol/l), 5. Min (1,2 mmol/l), 10. Min (1,1 mmol/l). Ausbleibender Laktatanstieg dokumentiert.
GOÄ 4107: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ 4107 dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) angehört, liegt der Regelhöchstsatz bei 1,15 und der Höchstsatz bei 1,3. Eine Überschreitung des Schwellenwertes von 1,15 ist nur bei Vorliegen besonderer Erschwernisse zulässig. Typische Begründungen sind schwierige Venenverhältnisse, die den wiederholten Blutentnahmezyklus erheblich verzögern, oder eine mangelnde Compliance des Patienten während der Ischämiephase.
Typische Ziffernkombinationen
In der klinischen Praxis wird der Laktat-Ischämietest fast immer mit der Bestimmung von Ammoniak kombiniert. Die parallele Bestimmung von Ammoniak erfolgt nach der GOÄ-Ziffer 3774 und kann für jede der fünf Entnahmen separat berechnet werden. Zudem kann das Legen einer Verweilkanüle nach GOÄ 272 berechnet werden, wenn dies für die mehrfachen Blutentnahmen medizinisch notwendig war.
Tipp: Rechnen Sie die Ammoniakbestimmungen nach GOÄ 3774 immer separat ab, da diese nicht im Leistungsumfang der GOÄ 4107 enthalten sind, aber für eine differenzierte Diagnose zwingend benötigt werden.
Ziffer 4107 in der neuen GOÄ
Ziffer 4107 (Laktat-Ischämietest (Fünfmalige Bestimmung von Laktat), bisher beim 2,3-fachen Satz: 60,33 €) wird in der neuen GOÄ je nach Indikation und Methode unterschiedlichen Leistungen zugeordnet:
- 11859 „Laktat-(Greif-)Test Abklärung metabolische Myopathien“ (110,18 €) — bei: Laktat-Greif-Test mit fünfmal Ammoniak
- Kein Nachfolger in der neuen GOÄ bei: Laktat-Ischämietest ohne fünfmal Ammoniak
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4107
Was hat nicht gestimmt?