Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4165
Untersuchung mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve-Flecainid
Die GOÄ-Ziffer 4165 beschreibt eine hochspezifische Laborleistung aus dem Bereich der Spezial-Laboruntersuchungen. Sie dient der quantitativen Bestimmung des Wirkstoffs Flecainid im Blut von Patienten. Diese Analyse wird mittels eines sogenannten Ligandenassays durchgeführt, um eine präzise Steuerung der medikamentösen Therapie zu ermöglichen.
Unter einem Ligandenassay versteht man eine immunochemische Methode, bei der die Bindung zwischen einem Antigen und einem Antikörper zur Konzentrationsbestimmung genutzt wird. Typische Verfahren sind beispielsweise der ELISA oder der Radioimmunoassay. Die Ziffer deckt alle notwendigen Teilschritte der Analyse ab, weshalb eine Doppelbestimmung bereits im Leistungsumfang enthalten ist.
GOÄ 4165 in der Praxis: Therapeutisches Drug Monitoring von Flecainid
Flecainid ist ein hochwirksames Antiarrhythmikum der Klasse Ic, das vor allem zur Behandlung von supraventrikulären Arrhythmien eingesetzt wird. Aufgrund seiner geringen therapeutischen Breite ist eine engmaschige Überwachung des Serumspiegels medizinisch geboten. Ein zu niedriger Spiegel gefährdet den Therapieerfolg, während ein zu hoher Spiegel schwerwiegende proarrhythmische Nebenwirkungen auslösen kann.
Das therapeutische Drug Monitoring (TDM) mittels der GOÄ-Ziffer 4165 ist daher in verschiedenen klinischen Situationen indiziert. Dazu gehören insbesondere die Phase der Neueinstellung, der Verdacht auf eine mangelnde Compliance des Patienten oder das Vorliegen einer Niereninsuffizienz. Da Flecainid überwiegend renal ausgeschieden wird, droht bei eingeschränkter Nierenfunktion eine gefährliche Wirkstoffkumulation.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4165
Fallbeispiel 1: Ersteinstellung auf Flecainid
Ein Patient mit paroxysmalem Vorhofflimmern wird ambulant auf eine Therapie mit Flecainid eingestellt. Nach Erreichen des Steady-States am vierten Behandlungstag erfolgt eine Blutentnahme zur Bestimmung des Talspiegels. Die Laboranalyse dient der Überprüfung, ob sich die Wirkstoffkonzentration im therapeutischen Bereich befindet.
Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 4165 zum Regelsatz. Zusätzlich werden die Blutentnahme nach GOÄ 250 und die vorausgegangene Beratung nach GOÄ 1 liquidiert. Der untersuchte Parameter wird auf der Rechnung explizit ausgewiesen.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf Intoxikation bei Niereninsuffizienz
Eine ältere Patientin unter stabiler Flecainid-Therapie stellt sich mit neu aufgetretenem Schwindel und Bradykardie vor. Die laborchemische Untersuchung zeigt eine akute Verschlechterung der Nierenfunktion. Es besteht der dringende Verdacht auf eine Akkumulation des Antiarrhythmikums durch eine Ausscheidungsstörung.
Zur Abwendung akuter Gefahren wird eine sofortige Bestimmung des Flecainid-Spiegels veranlasst. Die Abrechnung der Ziffer 4165 erfolgt hierbei zum Regelsatz. Die medizinische Begründung der akuten Indikation wird in der Patientenakte lückenlos dokumentiert.
Fallbeispiel 3: Kontrolle bei Arzneimittelinteraktion
Bei einem Patienten unter Flecainid-Therapie muss aufgrund einer Begleiterkrankung ein starker CYP2D6-Inhibitor neu angesetzt werden. Da dieser Abbauweg für Flecainid entscheidend ist, wird eine engmaschige Spiegelkontrolle vereinbart. Die erste Kontrolle erfolgt wenige Tage nach Beginn der Kombinationstherapie.
Die Bestimmung des Serumspiegels wird über die GOÄ-Ziffer 4165 abgerechnet. Die medizinische Begründung der Interaktionsgefahr rechtfertigt die Indikationsstellung zweifelsfrei und schützt vor Regressen.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4165: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger formaler Fehler bei der Liquidation der GOÄ-Ziffer 4165 ist das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Rechnung. Die Leistungsbeschreibung fordert explizit, dass der untersuchte Parameter anzugeben ist. Die bloße Nennung der Ziffer ohne den Zusatz „Flecainid“ führt regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen.
Ein weiterer Abrechnungsfehler betrifft die unzulässige separate Berechnung von Vorbereitungs- oder Hilfsleistungen. Die Erstellung der aktuellen Bezugskurve sowie eventuelle Doppelbestimmungen sind laut Legendentext bereits mit der Gebühr abgegolten. Diese dürfen nicht über andere Ziffern zusätzlich in Rechnung gestellt werden, da dies als unzulässige Doppelabrechnung gewertet wird.
Achtung: Ohne die explizite Nennung des Parameters „Flecainid“ auf der Liquidation kann die Erstattung durch private Krankenversicherungen oder Beihilfestellen rechtmäßig verweigert werden.
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Dokumentation der GOÄ 4165: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Schild gegen Honorarkürzungen und Rückfragen der Kostenträger. In der Patientenakte muss die medizinische Notwendigkeit der Spiegelbestimmung klar ersichtlich sein. Dazu gehört neben der Hauptdiagnose auch die konkrete Fragestellung, wie etwa die Überprüfung der Compliance oder der Ausschluss einer medikamentösen Toxizität.
Zudem sollte der genaue Zeitpunkt der Blutentnahme im Verhältnis zur letzten Medikamenteneinnahme dokumentiert werden. Nur so lässt sich der gemessene Wert klinisch korrekt als Tal- oder Spitzenkonzentration interpretieren. Diese Angaben stützen die Plausibilität der Leistungserbringung im Falle einer nachfolgenden Prüfung.
Tipp: Dokumentieren Sie stets den genauen Zeitpunkt der letzten Tabletteneinnahme und der Blutentnahme. Dies ist für die Interpretation des Flecainid-Spiegels medizinisch essenziell und sichert die Plausibilität der Untersuchung.
Dokumentation: Indikation: TDM bei Flecainid-Therapie wegen V.a. Überdosierung (Schwindel, QRS-Verbreiterung). Blutentnahme um 08:00 Uhr (Talspiegel vor Morgendosis). Letzte Einnahme gestern 20:00 Uhr. Laborwert Flecainid (GOÄ 4165): 1150 ng/ml (erhöht). Dosisreduktion veranlasst.
GOÄ 4165: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 4165 gehört zum Abschnitt M III/IV der Gebührenordnung. Für diese Laborleistungen gilt ein eingeschränkter Gebührenrahmen, der vom Einfachsatz (1,0) bis zum Höchstsatz (1,3) reicht. Der Regelhöchstsatz, auch Schwellenwert genannt, liegt bei 1,15.
Eine Überschreitung des Schwellenwerts bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur in begründeten Einzelfällen zulässig. Als Begründung können ein außergewöhnlicher präanalytischer Aufwand oder eine extrem schwierige Probenbeschaffenheit dienen. Die Begründung muss auf der Rechnung verständlich und patientenbezogen formuliert sein.
Typische Ziffernkombinationen
In der täglichen Praxis steht die Bestimmung von Flecainid selten isoliert. Häufig wird die GOÄ-Ziffer 4165 zusammen mit Basisleistungen wie der Blutentnahme nach GOÄ 250 berechnet. Auch die Beratung des Patienten über das Testergebnis nach GOÄ 1 oder GOÄ 3 ist eine regelmäßige Begleitdokumentation.
Zusätzlich ist die Kombination mit anderen Laborparametern wie dem Serum-Kreatinin nach GOÄ 3584 zur Überwachung der Nierenfunktion sinnvoll. Auch Elektrolytbestimmungen, insbesondere Kalium nach GOÄ 3509, werden oft parallel durchgeführt, da Elektrolytverschiebungen die kardiale Toxizität von Flecainid massiv verstärken können.
Ziffer 4165 in der neuen GOÄ
Die alte Ziffer 4165 wird zur Nummer 11662 — „Antiarrhythmika, je Medikament, IA z.B. Chinidin, Flecainid, Lidocain, Propafenon; Serum oder Plasma; Signal-(Tracer-)verstärkter Immunoassay; Auswertung: apparativ-quantitativ.“ — mit festem Satz von 18,60 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 16,76 €). Abrechenbar: 1x je Medikament. Das/Die untersuchte(n) Antiarrhythmikum(a) ist/sind in der Rechnung anzugeben.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4165
Was hat nicht gestimmt?