Leitfaden zur rechtssicheren Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4188 (Nortriptylin-Bestimmung) für Ärzte und Abrechnungsfachkräfte mit Beispielen und Tipps.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4188
Untersuchung mittels Ligandenassay - einschließlich vorhergehender Säulentrennung, gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve-Nortriptylin
Die GOÄ-Ziffer 4188 beschreibt eine hochspezialisierte Laborleistung aus dem Bereich der Ligandenassays. Diese Methode dient der quantitativen Bestimmung des trizyklischen Antidepressivums Nortriptylin im Serum des Patienten. Die Ziffer deckt alle notwendigen analytischen Schritte ab, um ein präzises Messergebnis zu liefern.
Im Leistungstext ist explizit festgelegt, dass eine eventuell erforderliche Säulentrennung bereits abgegolten ist. Auch eine eventuell notwendige Doppelbestimmung zur Qualitätssicherung sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve dürfen nicht separat in Rechnung gestellt werden. Diese Bestandteile sind integraler Teil der Leistungslegende.
GOÄ 4188 in der Praxis: Therapeutisches Drug Monitoring
Die Bestimmung von Nortriptylin ist ein klassischer Bestandteil des Therapeutischen Drug Monitorings (TDM). Da Nortriptylin eine enge therapeutische Breite aufweist, ist die Überwachung des Serumspiegels medizinisch hochgradig relevant. Zu niedrige Spiegel führen zum Therapieversagen, während zu hohe Konzentrationen schwere kardiotoxische Nebenwirkungen auslösen können.
Typische Indikationen für die Abrechnung der GOÄ 4188 sind die Neueinstellung des Patienten oder eine Dosisanpassung. Auch bei ausbleibender klinischer Wirkung trotz ausreichender Dosierung ist die Untersuchung indiziert. So lässt sich ein Non-Responder-Status oder eine mangelnde Patienten-Compliance objektiv nachweisen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4188
Fallbeispiel 1: Ersteinstellung auf Nortriptylin
Ein Patient mit einer schweren depressiven Episode wird neu auf das Medikament Nortriptylin eingestellt. Nach Erreichen des Steady-State nach etwa einer Woche erfolgt die Blutentnahme zur Bestimmung des Therapiekorridors.
Die medizinische Begründung liegt in der Überprüfung der korrekten Dosierung zur Vermeidung von Nebenwirkungen. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4188 mit dem Regelsatz von 1,15 (46,92 €) neben der Blutentnahme nach Ziffer 250.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf Non-Compliance
Bei einer Patientin zeigt sich trotz einer verordneten Tagesdosis von 100 mg Nortriptylin keinerlei klinische Besserung. Es besteht der begründete Verdacht auf eine mangelnde Therapietreue.
Die Bestimmung des Serumspiegels dient dem Nachweis oder Ausschluss der Medikamenteneinnahme. Die Abrechnung erfolgt über die Ziffer 4188 zum Regelhöchstsatz.
Fallbeispiel 3: Akuter Verdacht auf Intoxikation
Ein älterer Patient wird mit Verwirrtheitszuständen und Herzrhythmusstörungen in der Praxis vorstellig. Da er Nortriptylin einnimmt, besteht der dringende Verdacht auf eine Überdosierung.
Aufgrund der akuten Gefährdung und der Notwendigkeit einer sofortigen Laboranalyse ist eine beschleunigte Bearbeitung erforderlich. Die Abrechnung der Ziffer 4188 erfolgt hier mit dem Höchstsatz von 1,3 (53,04 €).
Häufige Fehler bei der GOÄ 4188: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4188 ist die zusätzliche Berechnung von Vorbereitungsschritten. Da die Säulentrennung explizit im Leistungstext genannt wird, darf sie nicht über andere Ziffern separat liquidiert werden. Solche Doppelabrechnungen führen regelmäßig zu Kürzungen durch die privaten Krankenversicherungen.
Achtung: Die Ziffer 4188 darf für denselben Analyten am selben Untersuchungstag nur einmal berechnet werden. Mehrfachbestimmungen zur reinen Absicherung des Laborwertes sind mit der Ziffer abgegolten und nicht separat steigerungsfähig.
Zudem reklamieren Prüfstellen häufig die Nebeneinanderberechnung von Ziffern des Basislabors, wenn diese denselben diagnostischen Zweck erfüllen. Eine saubere Trennung von Speziallabor und Basislabor ist daher zwingend erforderlich.
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Dokumentation der GOÄ 4188: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament für eine erfolgreiche Abrechnungsprüfung. In der Patientenakte muss die konkrete medizinische Indikation für das Drug Monitoring klar ersichtlich sein. Dazu gehören Angaben zur aktuellen Dosierung und dem Zeitpunkt der letzten Tabletteneinnahme.
Dokumentation: Blutentnahme zur Bestimmung des Nortriptylin-Talspiegels bei V.a. Non-Compliance unter Medikation mit 75 mg/Tag. Laborbefund mittels Ligandenassay (inkl. Säulentrennung) liegt vor: Serum-Konzentration 45 µg/l (subtherapeutisch).
Auch der genaue Zeitpunkt der Blutentnahme (idealerweise als Talspiegel unmittelbar vor der nächsten Dosis) sollte dokumentiert werden. Dies sichert nicht nur die medizinische Aussagekraft, sondern auch die Abrechnungsfähigkeit im Streitfall.
GOÄ 4188: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Gebührenrahmen für Speziallaborleistungen der Abschnitte M III und M IV ist eingeschränkt. Der Regelhöchstsatz liegt bei 1,15, während der maximale Höchstsatz bei 1,3 liegt. Eine Steigerung auf den 1,3-fachen Satz erfordert eine patientenbezogene, medizinische Begründung.
Tipp: Nutzen Sie für die Steigerung auf den 1,3-fachen Satz Begründungen wie eine erschwerte Probenaufbereitung bei stark lipämischem Serum oder eine medizinisch indizierte Eilanalytik bei akutem Intoxikationsverdacht.
Typische Ziffernkombinationen
Die Bestimmung von Nortriptylin wird häufig mit der Blutentnahme nach Ziffer 250 GOÄ kombiniert. Auch die Beratung nach Ziffer 1 oder die symptombezogene Untersuchung nach Ziffer 5 sind typische Begleiter im Praxisalltag. Bei komplexen Fragestellungen kann zudem eine Konsultation nach Ziffer 60 GOÄ hinzutreten.
Ziffer 4188 in der neuen GOÄ
Ziffer 4188 (Untersuchung mittels Ligandenassay - einschließlich vorhergehender Säulentrennung, gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve-Nortriptylin) findet ihren Nachfolger in Nummer 11679 — „Antidepressiva, je Untersuchung (Chromatogramm), HPLC z.B. Amitriptylin, Citalopram, Desipramin, Doxepin, Imipramin, Mirtazapin, Nortriptylin, Paroxetin, Venlafaxin; Serum oder Plasma; Hochdruckflüssigkeitschromatographie (HPLC); Auswertung: apparativ-quantitativ.“ — mit festem Satz von 24,99 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 46,92 €). Das/Die untersuchte(n) Antidepressivum(a) ist/sind in der Rechnung anzugeben.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4188
Was hat nicht gestimmt?