GOÄ 4335: Antikörpernachweis korrekt abrechnen

6 Min. Lesezeit
GOÄ 4335
Qualitativer Nachweis von Antikörpern mittels Immunfluoreszenz oder ähnlichen Untersuchungsmethoden -Untersuchungen mit ähnlichem methodischen Aufwand
Punktzahl 290  
Einfachsatz 16,90 € 1,0x
Regelhöchstsatz 19,44 € 1,1x
Höchstsatz 21,97 € 1,3x
Ausschlüsse
437

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4335

Qualitativer Nachweis von Antikörpern mittels Immunfluoreszenz oder ähnlichen Untersuchungsmethoden -Untersuchungen mit ähnlichem methodischen Aufwand-

Die Gebührenordnung für Ärzte ordnet die GOÄ-Ziffer 4335 dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) zu. Diese Leistung beschreibt den qualitativen Nachweis von Antikörpern, der primär über die Methode der Immunfluoreszenz (IFT) oder über verfahrenstechnisch vergleichbare Analysen erfolgt. Die Ziffer deckt den gesamten labortechnischen Prozess von der Probenvorbereitung bis zur qualitativen Befundung ab.

Ein wesentlicher Aspekt dieser Leistungsbeschreibung ist die Vorgabe, dass die untersuchten Parameter in der Liquidation zwingend einzeln aufgeführt werden müssen. Ohne diese genaue Spezifikation ist die Rechnung formal fehlerhaft und kann von Kostenträgern zurückgewiesen werden. Vorbemerkungen des Abschnitts M II (Spezielle Laboruntersuchungen) sind hierbei strikt zu beachten.

GOÄ 4335 in der Praxis: Indikationen und Methodik

In der täglichen Praxis kommt die GOÄ-Ziffer 4335 vor allem bei der Diagnostik von Autoimmunerkrankungen und Infektionskrankheiten zum Einsatz. Typische Anwendungsbereiche sind der Nachweis von antinukleären Antikörpern (ANA) oder spezifischen Erregern wie Borrelien oder Treponemen mittels Immunfluoreszenztest. Das Verfahren liefert schnelle, qualitative Ja/Nein-Aussagen über das Vorliegen bestimmter Antikörperklassen.

Die Abgrenzung zu quantitativen Verfahren ist hierbei essenziell. Sobald eine quantitative Bestimmung oder eine Titerbestimmung durchgeführt wird, greifen andere, meist höher bewertete Ziffern des Gebührenverzeichnisses. Die Ziffer 4335 bleibt rein dem qualitativen Screening vorbehalten, das als erster diagnostischer Schritt dient.

Tipp: Es ist darauf zu achten, dass bei der Nutzung von Kombinations-Kits, die sowohl qualitative als auch quantitative Schritte beinhalten, die Dokumentation die exakte methodische Trennung widerspiegelt.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4335

Fallbeispiel 1: Verdacht auf Kollagenose

Ein Patient stellt sich mit unklaren Gelenkschmerzen und Schmetterlingserythem vor. Zum Ausschluss eines systemischen Lupus erythematodes wird ein qualitativer Suchtest auf antinukleäre Antikörper (ANA) mittels indirekter Immunfluoreszenz veranlasst. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4335 zum Regelsatz, wobei der Parameter "ANA" auf der Rechnung explizit ausgewiesen wird.

Fallbeispiel 2: Abklärung einer Borreliose

Nach einem Zeckenbiss zeigt ein Patient grippeähnliche Symptome ohne Erythema migrans. Es wird ein qualitativer Borrelien-Antikörper-Nachweis (IgG/IgM) mittels Immunfluoreszenz durchgeführt. Da es sich um zwei getrennte Antikörperklassen handelt, kann die Ziffer 4335 für jeden qualitativ untersuchten Parameter (Borrelien-IgG und Borrelien-IgM) je einmal angesetzt werden.

Fallbeispiel 3: Verdacht auf Lues (Syphilis)

Im Rahmen einer Screening-Untersuchung soll ein qualitativer Nachweis von Antikörpern gegen Treponema pallidum mittels FTA-ABS-Test (Fluoreszenz-Treponema-Antikörper-Absorptionstest) erfolgen. Da dieser Test auf der Methode der indirekten Immunfluoreszenz basiert, ist die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4335 vollumfänglich begründet und korrekt.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4335: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Liquidation. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen Rechnungen regelmäßig, wenn lediglich der Zifferntext ohne den Zusatz des konkret untersuchten Antikörpers angegeben ist. Die Angabe des Parameters ist eine zwingende Abrechnungsvoraussetzung.

Zudem ist der Ausschluss der Ziffer 437 (Zuschlag für die Anwendung von monoklonalen Antikörpern) strikt zu beachten. Die Nebeneinanderberechnung von GOÄ 4335 und GOÄ-Ziffer 437 ist laut Gebührenordnung ausgeschlossen, da die methodischen Besonderheiten bereits in der Bewertung der Ziffer 4335 berücksichtigt sind. Ein Verstoß führt unweigerlich zur Beanstandung im Prüfverfahren.

Achtung: Die Ziffer 4335 darf nicht für quantitative Bestimmungen herangezogen werden. Wenn ein Titer bestimmt wird, müssen die entsprechenden quantitativen Ziffern gewählt werden, da sonst eine Unter- oder Falschabrechnung vorliegt.

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Dokumentation der GOÄ 4335: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament jeder erfolgreichen GOÄ-Abrechnung. In der Patientenakte müssen das genaue Datum der Probenentnahme, das verwendete Testverfahren (z. B. indirekte Immunfluoreszenz) sowie das qualitative Testergebnis (positiv/negativ/grenzwertig) dokumentiert werden. Auch die medizinische Indikation für den Test muss klar aus der Akte hervorgehen.

Für die Rechnungsstellung ist zudem die exakte Benennung des Antikörpers im System zu hinterlegen, damit dieser automatisch auf die Rechnung übertragen wird. Dies verhindert manuelle Nacharbeiten und beschleunigt den Erstattungsprozess durch die privaten Krankenversicherungen erheblich.

Dokumentation: 12.10.2023 - Blutentnahme zur Bestimmung von ANA mittels IFT bei Verdacht auf Kollagenose. Ergebnis: ANA qualitativ positiv. Indikation: Unklare Arthralgien.

GOÄ 4335: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Da die GOÄ-Ziffer 4335 dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) angehört, gelten hier besondere Regeln für die Steigerung. Der Gebührenrahmen für Laborleistungen ist eingeschränkt: Der Einfachsatz beträgt 1,0, der Regelhöchstsatz liegt bei 1,15 und der maximale Höchstsatz bei 1,3. Eine Überschreitung des Schwellenwertes von 1,15 bis zum Höchstsatz von 1,3 erfordert eine schriftliche, patientenbezogene Begründung auf der Rechnung.

Gründe für eine Steigerung auf den 1,3-fachen Satz können ein erhöhter methodischer Aufwand durch störende Begleitfaktoren im Serum (z. B. starke Lipämie oder Hämolyse) oder schwierige Differenzierungen bei grenzwertigen Fluoreszenzmustern sein. Die Begründung muss für den medizinischen Laien verständlich und nachvollziehbar formuliert sein.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 4335 wird häufig in Kombination mit grundlegenden Untersuchungsleistungen wie der GOÄ-Ziffer 1 (Beratung) oder der GOÄ-Ziffer 5 (Symptombezogene Untersuchung) erbracht. Auch die Blutentnahme nach GOÄ-Ziffer 250 ist eine regelmäßige Begleitleistung, die neben den Laborziffern problemlos abgerechnet werden kann, sofern die Blutentnahme in der eigenen Praxis erfolgt.

Ziffer 4335 in der neuen GOÄ

Die alte Auffangziffer für qualitative Antikörpernachweise mittels Immunfluoreszenz bei Erregern ohne eigene Ziffer löst sich in der neuen GOÄ in eine Vielzahl erregerspezifischer Positionen auf. Welche Ziffer gilt, entscheidet der untersuchte Erreger:

Arbo- und Tropenviren

  • 11520 Chikungunya-Virus, IFT qualitativ (35,73 €)
  • 11522 Coronavirus, IFT qualitativ, Spezies-spezifisch z.B. SARS-CoV-2 (17,64 €); Spezies in der Rechnung angeben
  • 11524 Dengue-Virus, IFT qualitativ (35,73 €)
  • 11530 Flavivirus, sonstige, IFT qualitativ, Spezies-spezifisch z.B. Japan-Enzephalitis-Virus, Murray-Valley-Virus (35,73 €); Spezies angeben
  • 11534 Gelbfieber-Virus, IFT qualitativ (35,73 €)
  • 11550 Orthonairovirus, IFT qualitativ, Spezies-spezifisch z.B. Krim-Kongo-hämorrhagisches-Fieber-Virus (35,73 €); Spezies angeben
  • 11552 Orthobunyavirus, IFT qualitativ, Spezies-spezifisch z.B. Oropouche-Virus, Tahyna-Virus (35,73 €); Spezies angeben
  • 11554 Phlebovirus, sonstige, IFT qualitativ, Spezies-spezifisch z.B. Rifttal-Virus (35,73 €); Spezies angeben
  • 11560 West-Nil-Virus, IFT qualitativ (35,73 €)
  • 11562 Zikavirus, IFT qualitativ (35,73 €)

Weitere Viren

  • 11536 Hantavirus (Orthohantavirus), IFT qualitativ, mindestens zwei Spezies simultan z.B. Hantaan-Virus und Puumala-Virus (23,69 €); Spezies angeben
  • 11540 Humanes Herpesvirus 6 (HHV-6), IFT qualitativ (23,81 €)
  • 11542 Humanes Herpesvirus 8 (HHV-8), IFT qualitativ (23,81 €)
  • 11544 Lymphozytäres-Choriomeningitis-Virus (LCMV), IFT qualitativ (23,81 €)
  • 11556 Sandmückenfieber-Virus, IFT qualitativ (23,81 €)
  • 11564 Bornavirus, IFT qualitativ, Spezies-spezifisch z.B. Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) (35,73 €); Spezies angeben

Mosaik-Ansätze

  • 11644 Antikörper-Immunfluoreszenz-Mosaik I, insgesamt, mindestens zwei Substrate (36,87 €); Substrate in der Rechnung angeben; neben Nummer 11645 nicht berechnungsfähig
  • 11645 Antikörper-Immunfluoreszenz-Mosaik II, insgesamt, mindestens vier Substrate (62,83 €); Substrate angeben; neben Nummer 11644 nicht berechnungsfähig

Heute beträgt der 2,3-fache Satz der alten Auffangziffer 19,43 €. Je nach Erreger liegen die neuen Festpreise zwischen 17,64 € und 62,83 €; der in der Rechnung anzugebende Erreger bzw. das Substrat entscheidet über die richtige Ziffer.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4335

Der Einfachsatz der GOÄ-Ziffer 4335 beträgt 16,90 Euro. Bei Anwendung des Regelhöchstsatzes von 1,15-fach beläuft sich die Gebühr auf 19,44 Euro. Der maximale Höchstsatz von 1,3-fach beträgt 21,97 Euro.
Die GOÄ-Ziffer 4335 darf nicht nebeneinander mit der GOÄ-Ziffer 437 abgerechnet werden. Die Ziffer 437 stellt den Zuschlag für die Verwendung monoklonaler Antikörper dar, welcher in der 4335 bereits abgegolten ist. Andere Laborleistungen sind unter Beachtung der allgemeinen Bestimmungen kombinierbar.
Ja, die Angabe des konkret untersuchten Parameters ist eine zwingende Voraussetzung für die Abrechnung der GOÄ 4335. Ohne diese Spezifikation auf der Liquidation droht eine Ablehnung der Erstattung durch die privaten Krankenversicherungen. Die bloße Nennung der Ziffer reicht nicht aus.
Ja, eine Steigerung der GOÄ-Ziffer 4335 ist im Rahmen des Labor-Gebührenrahmens bis zum Höchstsatz von 1,3-fach möglich. Da es sich um eine Laborleistung handelt, liegt der Regelhöchstsatz bei 1,15-fach. Jede Steigerung darüber hinaus muss auf der Rechnung patientenbezogen begründet werden.
Die GOÄ 4335 wird für den qualitativen Nachweis von Antikörpern mittels Immunfluoreszenz oder ähnlichen Methoden angewendet. Typische Beispiele sind Suchtests auf antinukleäre Antikörper (ANA) oder Erregernachweise wie bei Borrelien. Sie dient primär als diagnostisches Screening-Verfahren.
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