Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4400
Bestimmung von Antikörpern mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Untersuchungen mit ähnlichem methodischen Aufwand. Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Die Leistungsziffer 4400 beschreibt eine spezialisierte Laboruntersuchung aus dem Abschnitt M (Speziallabor) der Gebührenordnung für Ärzte. Im Zentrum steht die quantitative oder qualitative Bestimmung von spezifischen Antikörpern mittels hochsensitiver Ligandenassays.
Diese methodische Plattform umfasst moderne immunologische Verfahren wie den ELISA, RIA oder Chemilumineszenz-Immunoassays (CLIA). Eventuell erforderliche Doppelbestimmungen und Bezugskurven sind mit der Gebühr bereits abgegolten und können nicht separat berechnet werden.
GOÄ 4400 in der Praxis: Indikationen und klinischer Einsatz
Der klinische Einsatz der GOÄ 4400 erstreckt sich über ein breites Spektrum der modernen Medizin, insbesondere in der Endokrinologie, Rheumatologie und Infektiologie. Typische Indikationen sind der Verdacht auf Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow.
Hierbei werden spezifische Antikörper wie Anti-TPO (Thyreoperoxidase-Antikörper) oder TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper) bestimmt. Auch in der Rheumatologie liefert der Nachweis von Autoantikörpern mittels Ligandenassay entscheidende diagnostische Hinweise.
Die Abgrenzung zu einfacheren Suchtests ist essenziell, da die Ziffer 4400 einen erhöhten methodischen Aufwand voraussetzt. Die präzise quantitative Erfassung ermöglicht zudem eine verlässliche Verlaufskontrolle unter laufender Therapie.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4400
Fallbeispiel 1: Verdacht auf autoimmune Schilddrüsenerkrankung
Eine Patientin stellt sich mit chronischer Müdigkeit und Gewichtszunahme vor. Zum Ausschluss einer Hashimoto-Thyreoiditis veranlasst die Praxis die Bestimmung der Thyreoperoxidase-Antikörper (Anti-TPO) im Labor.
Die medizinische Begründung stützt sich auf den klinischen Verdacht einer Autoimmunthyreopathie. Die Abrechnung erfolgt korrekt über die GOÄ-Ziffer 4400 unter Angabe des Parameters "Anti-TPO".
Fallbeispiel 2: Abklärung einer rheumatoiden Arthritis
Ein Patient klagt über morgendliche Gelenksteifigkeit in den Fingern. Zur differenzialdiagnostischen Abklärung wird die Bestimmung von CCP-Antikörpern (cyclisches citrulliniertes Peptid) mittels ELISA durchgeführt.
Da es sich um ein hochspezifisches Ligandenassay-Verfahren handelt, ist der Ansatz der Ziffer gerechtfertigt. Auf der Liquidation wird die Ziffer 4400 mit dem Zusatz "CCP-Antikörper" ausgewiesen.
Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei bekannter Zöliakie
Zur Überprüfung der Diäteinhaltung bei einem Zöliakie-Patienten wird die Konzentration der Gewebs-Transglutaminase-Antikörper (tTG-IgA) bestimmt. Das Labor nutzt hierfür ein automatisiertes Ligandenassay-Verfahren.
Die Verlaufskontrolle rechtfertigt die erneute Bestimmung des spezifischen Antikörpers. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4400 mit der exakten Parameterbezeichnung "tTG-IgA-Antikörper".
Häufige Fehler bei der GOÄ 4400: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4400 ist das Versäumnis, den konkret untersuchten Parameter auf der Rechnung anzugeben. Die Rechnungslegung verlangt zwingend die Nennung des Parameters, da die Liquidation andernfalls formell fehlerhaft ist.
Zudem ist der explizite Ausschluss der Ziffer 437 zu beachten. Die Ziffer 437 (Zellzählung) darf nicht nebeneinander mit der Ziffer 4400 für dieselbe biologische Probe abgerechnet werden.
Achtung: Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen Rechnungen konsequent, wenn bei der Ziffer 4400 der konkrete Parametername (z. B. "Anti-TPO") im Rechnungstext fehlt.
Ein weiterer Streitpunkt ist die unzulässige Multiplikation der Ziffer bei identischen Parametern aus derselben Sitzung. Mehrfachansätze sind nur dann zulässig, wenn verschiedenen Antikörperparameter nebeneinander bestimmt wurden.
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Dokumentation der GOÄ 4400: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation schützt vor Honorarkürzungen und rechtlichen Auseinandersetzungen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation sowie das konkrete Testergebnis des Ligandenassays unverzüglich hinterlegt werden.
Auch die Validierung des Laborbefundes durch den verantwortlichen Arzt sollte zeitnah dokumentiert werden. Dies sichert den Nachweis der erbrachten Eigenleistung im Sinne der GOÄ.
Dokumentationsbeispiel: V. a. Hashimoto-Thyreoiditis bei persistierender Erschöpfung. Blutentnahme für Anti-TPO-Bestimmung erfolgt. Laborbefund erhalten: Anti-TPO erhöht (350 IU/ml). Befundbesprechung und Therapieplanung dokumentiert.
GOÄ 4400: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die Ziffer 4400 dem Abschnitt M (Laborleistungen) angehört, liegt der Regelhöchstsatz bei dem 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Satz ist nur unter Angabe von besonderen, patientenbezogenen Erschwernissen möglich.
Typische Begründungen für eine Schwellenüberschreitung sind schwierige Probenaufbereitungen oder interferierende Substanzen im Serum des Patienten, die eine Wiederholungsmessung erforderten. Reine Praxisbesonderheiten oder organisatorische Verzögerungen rechtfertigen eine Steigerung hingegen nicht.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die GOÄ 4400 in Kombination mit der Ziffer 250 (Blutentnahme) oder anderen labordiagnostischen Basisuntersuchungen wie der Ziffer 3500 (Orientierende Untersuchung) abgerechnet. Es ist darauf zu achten, dass synergistische Laborleistungen den Ausschlusskriterien der GOÄ entsprechen.
Tipp: Werden in einer Sitzung mehrere unterschiedliche Antikörper bestimmt, kann die GOÄ 4400 mehrfach nebeneinander abgerechnet werden, sofern die jeweiligen Parameter auf der Rechnung einzeln aufgeführt sind.
Ziffer 4400 in der neuen GOÄ
Die alte Ziffer 4400 war eine Sammelziffer für alle Antikörperbestimmungen mittels Ligandenassay, die nicht explizit in der GOÄ aufgelistet waren. Die neue GOÄ kennt dieses Prinzip nicht mehr: Für jeden Analyten gibt es eine eigene Ziffer. Eine generische Auffangziffer für Antikörperbestimmungen mit ähnlichem methodischem Aufwand ist im Entwurf nicht vorgesehen. Welcher neue Code gilt, hängt vom konkret untersuchten Analyten ab und muss beim Umstieg individuell ermittelt werden.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4400
Was hat nicht gestimmt?