Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4431
Qualitativer Nachweis von Antikörpern mittels Agglutinations- oder Fällungsreaktion (z.B. Hämagglutination, Hämagglutinationshemmung, Latex-Agglutination) -Schistosomen
Die GOÄ-Ziffer 4431 beschreibt eine spezifische labordiagnostische Leistung aus dem Bereich der Mikrobiologie und Parasitologie. Im Fokus steht hierbei der qualitative Nachweis von Antikörpern gegen Schistosomen, auch bekannt als Pärchenegel. Diese Erreger sind die Verursacher der Bilharziose, einer weltweit verbreiteten Tropenkrankheit.
Die Leistung umfasst die Durchführung von Agglutinations- oder Fällungsreaktionen wie der Hämagglutination oder der Latex-Agglutination. Gemäß den offiziellen Bestimmungen der Gebührenordnung für Ärzte ist es zwingend erforderlich, den konkret untersuchten Parameter auf der Liquidation anzugeben. Ohne diesen Zusatz ist die Abrechnung formal unvollständig.
GOÄ 4431 in der Praxis: Indikationen und klinischer Kontext
Der klinische Einsatz der GOÄ 4431 erfolgt primär bei Patienten, die aus tropischen oder subtropischen Endemiegebieten zurückkehren. Ein typischer Risikofaktor ist der Kontakt mit stehenden oder langsam fließenden Süßwassergewässern in diesen Regionen. Die Infektion erfolgt durch das Eindringen der Zerkarien durch die intakte menschliche Haut.
Typische Indikationen für den Antikörpernachweis sind das Auftreten einer juckenden Dermatitis kurz nach dem Wasserkontakt oder das sogenannte Katayama-Fieber in der akuten Phase. Auch chronische Beschwerden wie schmerzhafte Miktionen, Hämaturie oder unklare gastrointestinale Symptome rechtfertigen diese parasitologische Untersuchung. Der qualitative Nachweis dient hierbei als verlässlicher Suchtest im diagnostischen Stufenplan.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4431
Fallbeispiel 1: Reiserückkehrer mit Hämaturie
Ein Patient stellt sich drei Monate nach einer Rucksackreise durch Ostafrika mit schmerzhafter Hämaturie und Dysurie in der Praxis vor. Der Verdacht auf eine urogenitale Schistosomiasis liegt nahe. Zur Abklärung veranlasst der Arzt den qualitativen Antikörpernachweis im Serum.
Die Abrechnung erfolgt mit der Ziffer 4431 zum Regelsatz (1,15-fach). Auf der Rechnung wird der Parameter explizit als Schistosomen-Antikörper (Agglutinationstest) ausgewiesen, um den formalen Anforderungen der GOÄ gerecht zu werden.
Fallbeispiel 2: Akutes Katayama-Syndrom nach Süßwasserkontakt
Eine Patientin klagt sechs Wochen nach einem Badeurlaub am Malawisee über hohes Fieber, trockenen Husten und Urtikaria. Aufgrund der klinischen Präsentation besteht der dringende Verdacht auf ein akutes Katayama-Syndrom.
Der Arzt führt den qualitativen Antikörpernachweis mittels Latex-Agglutination durch. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4431. Da die Patientin privat versichert ist, wird die Leistung direkt über die Praxisliquidation abgerechnet.
Fallbeispiel 3: Screening bei asymptomatischem Tropenaufenthalt
Ein Entwicklungshelfer bittet nach einem zweijährigen Aufenthalt in einem Endemiegebiet um ein parasitologisches Screening, obwohl er aktuell beschwerdefrei ist. Er berichtet von häufigem Kontakt mit Flusswasser.
Im Rahmen der erweiterten Vorsorgeuntersuchung wird die GOÄ 4431 für den qualitativen Nachweis von Schistosomen-Antikörpern herangezogen. Die Abrechnung erfolgt als Selbstzahlerleistung (IGeL), da keine akute Symptomatik vorliegt, jedoch ein begründetes Expositionsrisiko besteht.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4431: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4431 ist das Versäumnis, den konkreten Parameter auf der Rechnung anzugeben. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen die Erstattung regelmäßig, wenn lediglich die Ziffernummer ohne den Zusatz "Schistosomen" aufgeführt ist. Die Angabe des untersuchten Erregers ist eine zwingende Abrechnungsvoraussetzung.
Zudem muss der strikte Ausschluss der GOÄ-Ziffer 437 beachtet werden. Die Ziffer 437 regelt ebenfalls qualitative immunologische Untersuchungen. Eine Nebeneinanderberechnung am selben Behandlungstag für dieselbe Fragestellung ist ausgeschlossen und führt bei Prüfungen unweigerlich zur Streichung einer der beiden Positionen.
Achtung: Achten Sie penibel darauf, dass bei der Durchführung mehrerer parasitologischer Suchtests keine unzulässigen Doppelabrechnungen entstehen. Die GOÄ 4431 darf nicht mit anderen allgemeinen Suchtests kombiniert werden, wenn diese denselben Erreger oder dasselbe Testverfahren ohne therapeutische Konsequenz betreffen.
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Dokumentation der GOÄ 4431: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament jeder rechtssicheren Abrechnung. In der Patientenakte müssen die Anamnese (Auslandsaufenthalt, Süßwasserkontakt) sowie die klinischen Symptome detailliert festgehalten werden. Dies liefert im Falle einer Nachfrage durch den medizinischen Dienst oder die Versicherung die notwendige medizinische Begründung.
Auch das Testergebnis sowie das verwendete Testverfahren (z. B. Latex-Agglutinationstest) müssen dokumentiert werden. Die Aufbewahrung der Laborbefunde und Qualitätskontrollen ist gemäß den Richtlinien der Bundesärztekammer (Rili-BÄK) obligatorisch.
Dokumentation: Verdacht auf Schistosomiasis nach Kenia-Reise (Süßwasserkontakt im Viktoriasee). Durchführung qualitativer Schistosomen-Antikörpertest mittels Latex-Agglutination (GOÄ 4431). Ergebnis: positiv. Befundbericht an Patienten übermittelt.
GOÄ 4431: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ-Ziffer 4431 dem Abschnitt M III (Spezielle Laboruntersuchungen) angehört, unterliegt sie einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-Fache der Gebühr (6,03 €). Eine Steigerung bis zum Höchstsatz des 1,3-Fachen (6,82 €) ist nur bei Vorliegen besonderer Erschwernisse zulässig.
Gründe für eine Schwellenwertüberschreitung können beispielsweise eine schwierige Probenaufbereitung bei lipämischem oder hämolytischem Serum sein. Auch ein ungewöhnlich hoher zeitlicher Aufwand bei der Differenzierung von Kreuzreaktionen kann eine Steigerung rechtfertigen und muss auf der Rechnung kurz begründet werden.
Typische Ziffernkombinationen
In der täglichen Praxis steht die GOÄ 4431 selten allein. Typischerweise wird sie mit der GOÄ-Ziffer 250 (Blutentnahme) kombiniert. Für die vorausgehende Beratung und Untersuchung des Patienten kommen häufig die Ziffern 1 (Beratung) oder 3 (Eingehende Beratung) sowie die Ziffer 5 (Symptombezogene Untersuchung) infrage.
Zusätzlich wird oft ein großes Blutbild zur Bestimmung der Eosinophilen-Zahl angefordert, da eine Eosinophilie ein klassischer Begleitbefund bei Parasitosen ist. Hierfür kann die entsprechende Ziffer aus dem Abschnitt M I oder M II herangezogen werden, sofern die Abrechnungsausschlüsse beachtet werden.
Tipp: Kombinieren Sie die GOÄ 4431 bei begründetem Verdacht mit dem mikroskopischen Nachweis von Schistosomen-Eiern im Urin oder Stuhl (z. B. GOÄ 4400). Diese Kombination liefert eine hervorragende diagnostische Sicherheit und ist vollumfänglich nebeneinander abrechenbar.
Ziffer 4431 in der neuen GOÄ
Der Schistosomen-Antikörpernachweis mittels Agglutination wird in der neuen GOÄ als Nummer 11405 geführt — „Schistosoma, AT qualitativ Antikörpernachweis; Agglutinationstest; Auswertung: visuell-qualitativ". Festpreis: 19,14 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 6,04 €).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4431
Was hat nicht gestimmt?