GOÄ 4467: Schistosomen-Antikörper korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 4467
Quantitative Bestimmung von Antikörpern mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Schistosomen
Punktzahl 350  
Einfachsatz 20,40 € 1,0x
Regelhöchstsatz 23,46 € 1,1x
Höchstsatz 26,52 € 1,3x

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4467

Quantitative Bestimmung von Antikörpern mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - Schistosomen. Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Die GOÄ-Ziffer 4467 beschreibt eine hochspezifische Laborleistung aus dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen). Sie dient dem quantitativen Nachweis von Antikörpern gegen Schistosomen (Pärchenegel) mittels eines Ligandenassays wie beispielsweise dem ELISA-Verfahren. Diese Methode erlaubt eine präzise Bestimmung der Antikörperkonzentration im Serum des Patienten.

In der Gebühr sind eventuelle Doppelbestimmungen sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve bereits vollständig enthalten. Eine separate Abrechnung dieser Teilschritte ist daher ausgeschlossen. Die Ziffer ist dem Speziallabor (Abschnitt M III/IV) zugeordnet und unterliegt den dortigen Abrechnungsbestimmungen.

GOÄ 4467 in der Praxis: Diagnostik der Schistosomiasis

Die Schistosomiasis, auch bekannt als Bilharziose, ist eine tropische Infektionskrankheit, die durch den Kontakt mit infiziertem Süßwasser übertragen wird. In der niedergelassenen Praxis ist die Bestimmung von Schistosomen-Antikörpern vor allem bei Reiserückkehrern aus Endemiegebieten wie Subsahara-Afrika, Teilen Südamerikas oder Ostasiens relevant. Typische Symptome, die eine Untersuchung rechtfertigen, sind Fieber, Dermatitis, Hämaturie oder chronische abdominelle Beschwerden.

Die quantitative Bestimmung mittels Ligandenassay bietet gegenüber qualitativen Schnelltests eine deutlich höhere Sensitivität und Spezifität. Sie ermöglicht zudem eine erste Einschätzung der Infektionsdynamik. Da Antikörper oft erst Wochen nach der Exposition nachweisbar sind, ist der Zeitpunkt der Blutentnahme für die Interpretation entscheidend.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4467

Fallbeispiel 1: Reiserückkehrer mit Hämaturie

Ein Patient stellt sich drei Monate nach einer Urlaubsreise nach Malawi mit schmerzloser Hämaturie vor. Aufgrund des Verdachts auf eine urogenitale Schistosomiasis wird eine Blutprobe zur Antikörperbestimmung entnommen. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 4467 für den Antikörpernachweis sowie die Ziffer 3845 für die ergänzende Urinsedimentuntersuchung.

Fallbeispiel 2: Chronische Eosinophilie nach Tropenaufenthalt

Bei einer Patientin wird im Routineblutbild eine ausgeprägte Eosinophilie festgestellt. Die Anamnese ergibt einen längeren Aufenthalt in Brasilien mit Baden in Binnengewässern. Zum Ausschluss einer chronischen Schistosomiasis wird die quantitative Antikörperbestimmung nach GOÄ 4467 veranlasst.

Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle nach medikamentöser Therapie

Ein Patient mit gesicherter Bilharziose wurde vor sechs Monaten mit Praziquantel behandelt. Zur Überprüfung des Therapieerfolgs wird eine quantitative Bestimmung der Antikörpertiter durchgeführt. Der behandelnde Arzt rechnet hierfür erneut die GOÄ 4467 ab, um den Titerabfall im Vergleich zum Ausgangswert zu dokumentieren.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4467: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Formfehler bei der Liquidation der GOÄ 4467 ist das Fehlen des konkreten Parameters auf der Rechnung. Der Verordnungsgeber schreibt explizit vor, dass die untersuchten Parameter angegeben werden müssen. Eine Rechnung, die lediglich die Ziffer ohne den Zusatz Schistosoma-Antikörper ausweist, ist formal fehlerhaft.

Achtung: Die mehrfache Abrechnung der Ziffer 4467 am selben Tag für unterschiedliche Immunglobulinklassen (z.B. IgG und IgM) wird von privaten Krankenversicherungen häufig beanstandet. Ohne eine fundierte medizinische Begründung auf der Rechnung ist diese Kombination meist nicht erstattungsfähig.

Zudem müssen die Höchstgrenzen für Laborleistungen beachtet werden. Werden am selben Tag weitere Antikörperbestimmungen durchgeführt, greifen unter Umständen die Degressionsregelungen oder Höchstwertbegrenzungen des Abschnitts M, was bei der Rechnungsstellung im Vorfeld geprüft werden sollte.

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Dokumentation der GOÄ 4467: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Mittel, um Honorarkürzungen zu vermeiden. In der Patientenakte müssen die spezifische Reiseanamnese, das Expositionsrisiko (z.B. Baden im Viktoriasee) sowie die klinische Symptomatik detailliert festgehalten werden. Auch das genaue Testverfahren und die quantitativen Laborergebnisse gehören in die Dokumentation.

Dokumentation: Verdacht auf Schistosomiasis nach Kenia-Reise (Süßwasserkontakt im Juni). Symptome: Pruritus und subfebrile Temperaturen. Blutentnahme für quantitativen Schistosomen-Antikörper-ELISA (GOÄ 4467).

Tipp: Vermerken Sie bei der Anforderung im Laborblatt immer das genaue Datum des Erstkontakts mit dem potenziell infizierten Wasser. Dies erleichtert bei eventuellen Rückfragen der Beihilfe die Begründung des Untersuchungszeitpunkts.

GOÄ 4467: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Leistung des Speziallabors ist die GOÄ 4467 standardmäßig auf den 1,15-fachen Gebührensatz begrenzt. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Satz ist nur in seltenen, medizinisch besonders begründeten Ausnahmefällen möglich. Ein erhöhter Aufwand kann beispielsweise durch schwierige Probenaufbereitung bei lipämischen oder hämolytischen Seren begründet werden.

Typische Ziffernkombinationen

In der täglichen Praxis wird die GOÄ 4467 selten isoliert angewendet. Sinnvolle und erlaubte Kombinationen umfassen die Symptombezogene Untersuchung nach GOÄ 5 sowie die Beratung nach GOÄ 1 oder GOÄ 3. Im Laborbereich wird die Ziffer häufig durch das kleine Blutbild (GOÄ 3530) zur Bestimmung der Leukozytenzahl ergänzt.

Ziffer 4467 in der neuen GOÄ

Die Schistosoma-Antikörperbestimmung mittels Ligandenassay wird zur neuen Nummer 11458 — „Schistosoma, IA Antikörpernachweis, Genus-spezifisch/Spezies-spezifisch (z. B. S. mansoni); Signal-(Tracer-)verstärkter Immunoassay". Festpreis: 15,39 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 23,46 €). Das untersuchte Antigengemisch bzw. die Spezies ist in der Rechnung anzugeben.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4467

Die GOÄ-Ziffer 4467 hat eine Punktzahl von 350. Dies entspricht einem Einfachsatz von 20,40 Euro und einem Regelhöchstsatz von 23,46 Euro bei einem Steigerungsfaktor von 1,15. Der Höchstsatz mit dem Faktor 1,30 liegt bei 26,52 Euro.
Gemäß den Abrechnungsbestimmungen müssen die untersuchten Parameter zwingend auf der Rechnung angegeben werden. Fehlt diese Angabe (z. B. 'Schistosoma-Antikörper'), kann die Erstattung durch die private Krankenversicherung oder Beihilfe verweigert werden.
Ja, die Abrechnung neben anderen Antikörpernachweisen ist zulässig, sofern es sich um unterschiedliche Erreger handelt. Für denselben Erreger (Schistosomen) darf die Ziffer am selben Untersuchungstag jedoch nicht mehrfach für unterschiedliche Immunglobulinklassen berechnet werden, es sei denn, dies ist medizinisch gesondert begründet.
Die Untersuchung ist bei begründetem Verdacht auf eine Schistosomiasis (Bilharziose) angezeigt. Typische Indikationen sind unklare Hämaturie, Eosinophilie oder gastrointestinale Beschwerden nach einem Aufenthalt in tropischen oder subtropischen Endemiegebieten mit Süßwasserkontakt.
Eine Überschreitung des 1,15-fachen Satzes bis zum 1,3-fachen Satz ist bei Laborleistungen der Abschnitte M III und M IV nur in medizinisch begründeten Einzelfällen möglich. Typische Begründungen sind ein außergewöhnlich hoher Analyseaufwand oder schwierige Probenbeschaffenheiten, die detailliert dokumentiert werden müssen.
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