GOÄ A1796: Urostoma korrekt abrechnen – Tipps & Beispiele

5 Min. Lesezeit
GOÄ A1796
Anlegen eines Urostomas - (analog Nr. 1796 GOÄ ) - n. Abrechnungsempfehlung der BÄK
Punktzahl 739  
Einfachsatz 43,07 € 1,0x
Regelhöchstsatz 99,07 € 2,3x
Höchstsatz 150,76 € 3,5x

Erfahren Sie, wie Sie das Anlegen eines Urostomas nach GOÄ-Ziffer A1796 analog rechtssicher abrechnen, Fehler vermeiden und Steigerungssätze begründen.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A1796

Anlegen eines Urostomas - (analog Nr. 1796 GOÄ ) - n. Abrechnungsempfehlung der BÄK

Die GOÄ-Ziffer A1796 beschreibt das operative Anlegen eines Urostomas im Wege der Analogabrechnung. Da die ursprüngliche Gebührenordnung für Ärzte keine eigene Ziffer für diese urologische Leistung vorsieht, hat die Bundesärztekammer (BÄK) diese Analogbewertung beschlossen. Als Referenz dient die Ziffer 1796, welche primär für das Anlegen eines künstlichen Darmausgangs (Anus praeter) vorgesehen ist.

Die Leistung umfasst alle chirurgischen Schritte, die für die kutane Harnableitung erforderlich sind. Hierzu gehören die Präparation der Bauchwand, die Mobilisation der Harnleiter oder des Conduits sowie die plastische Eversion und Naht der Schleimhaut an die äußere Haut. Vorbemerkungen zur urologischen Chirurgie sind bei der Anwendung dieser Ziffer stets zu berücksichtigen.

GOÄ A1796 in der Praxis: Indikationen und klinischer Kontext

Das Anlegen eines Urostomas ist ein zentraler Bestandteil komplexer urologischer Eingriffe. Typische Indikationen in der Praxis sind fortgeschrittene maligne Tumoren der Harnblase, die eine radikale Zystektomie erfordern. Auch schwere neurogene Blasenentleerungsstörungen oder strahleninduzierte Schrumpfblasen können diese Maßnahme notwendig machen.

In der klinischen Praxis erfolgt die Ableitung meist über ein Ileum-Conduit oder mittels einer direkten Ureterokutaneostomie. Die Ziffer A1796 sichert dem Operateur eine angemessene Vergütung für diesen zeitaufwendigen und präzisionsintensiven Operationsschritt. Eine klare Abgrenzung zu rein intestinalen Stomaanlagen ist für die korrekte Abrechnung essenziell.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A1796

Fallbeispiel 1: Anlage eines Ileum-Conduits nach Zystektomie

Ein Patient mit einem muskelinvasiven Blasenkarzinom unterzieht sich einer radikalen Zystektomie. Zur Harnableitung wird ein Segment des Krummdarms isoliert und als Conduit präpariert. Das Anlegen des Urostomas erfolgt durch die Bauchwand im rechten Unterbauch.

Die Abrechnung der primären Zystektomie erfolgt nach den entsprechenden operativen Ziffern. Das eigentliche Anlegen des kutanen Stomas wird zusätzlich mit der Analogziffer A1796 liquidiert, da dieser Schritt nicht im Hauptkomplex enthalten ist.

Fallbeispiel 2: Beidseitige Ureterokutaneostomie bei Beckentumor

Bei einer Patientin mit einem fortgeschrittenen Zervixkarzinom und beidseitiger Harnleiterobstruktion wird eine palliative Harnableitung durchgeführt. Beide Harnleiter werden direkt in die Haut eingenäht (Ureterokutaneostomie).

Da hierbei zwei separate kutane Mündungen geschaffen werden, ist die Abrechnung der Ziffer A1796 begründet. Die Dokumentation muss die getrennte Präparation und Anlage beider Stomata detailliert beschreiben.

Fallbeispiel 3: Operative Revision eines stenosierten Urostomas

Ein Patient stellt sich mit einer hochgradigen Narbenstenose des bestehenden Urostomas vor. In Vollnarkose erfolgt die operative Ausschneidung des Narbengewebes und die plastische Neuanlage des Stomas.

Da der operative Aufwand der Revision dem einer Erstanalage gleicht, ist die Abrechnung der Analogziffer A1796 vollumfänglich gerechtfertigt. Eine ausführliche Begründung in der Liquidation sichert die Erstattung.

Häufige Fehler bei der GOÄ A1796: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der urologischen Abrechnung ist das Fehlen des Buchstabens "A" vor der Ziffer. Wird fälschlicherweise die Originalziffer 1796 ohne den Zusatz der Analogbewertung abgerechnet, führt dies regelmäßig zur Zurückweisung durch die privaten Krankenversicherungen, da kein künstlicher Darmausgang angelegt wurde.

Zudem beanstanden Prüfstellen häufig die Doppelabrechnung, wenn die Stomaanlage bereits in einer höher bewerteten urologischen Komplexleistung enthalten ist. Es muss daher vorab genau geprüft werden, ob die primäre Operationsziffer den Verschluss oder die Ableitung bereits impliziert.

Achtung: Achten Sie penibel darauf, die Ziffer auf der Liquidation als Analogabrechnung zu kennzeichnen. Eine direkte Abrechnung der Nr. 1796 für urologische Stomata ist formal fehlerhaft und gefährdet Ihren Honoraranspruch.

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Dokumentation der GOÄ A1796: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation im Operationsbericht ist die beste Verteidigung gegen Honorarkürzungen. Der Bericht muss die medizinische Notwendigkeit, die anatomischen Gegebenheiten und den genauen Operationsverlauf detailliert widerspiegeln.

Besonders wichtig ist die Beschreibung der plastischen Ausformung des Stomas. Die Dokumentation sollte die Mobilisation, die Durchtrennung der Schichten der Bauchwand sowie die Schleimhaut-Haut-Naht explizit erwähnen.

Dokumentation: Indikation zur Harnableitung bei Zystektomie. Anlage eines Ileum-Conduits. Ausschneiden einer Hautscheibe im rechten Unterbauch, Spaltung der Faszie und des M. rectus abdominis. Durchzug des Conduits ohne Spannung. Eversion der Schleimhaut und zirkuläre Naht mit resorbierbarem Nahtmaterial (Vicryl 4-0). Reizloses, gut durchblutetes Urostoma.

GOÄ A1796: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Steigerungssatzes bis zum 3,5-fachen Satz ist bei der GOÄ A1796 bei überdurchschnittlichem operativem Aufwand möglich. Typische Begründungen sind eine ausgeprägte Adipositas permagna des Patienten, die den Durchzug des Conduits durch die Bauchwand massiv erschwert.

Auch ausgeprägte Verwachsungen im Bauchraum nach Voroperationen, die eine zeitaufwendige Adhäsiolyse erfordern, rechtfertigen eine Schwellenwertüberschreitung. Die Begründung muss stets patientenindividuell und nachvollziehbar formuliert sein.

Tipp: Nutzen Sie für die Begründung des 3,5-fachen Satzes konkrete Zeitangaben oder anatomische Erschwernisse. Pauschale Formulierungen wie "erhöhter Zeitaufwand" werden von privaten Krankenversicherungen meist nicht anerkannt.

Typische Ziffernkombinationen

Die Ziffer A1796 wird regelhaft mit den Ziffern für die Zystektomie (z. B. GOÄ 1812) oder die laparoskopische Lymphadenektomie kombiniert. Auch Anästhesieleistungen und postoperative Überwachungsziffern sind in der Kombination üblich.

Nicht zulässig ist die gleichzeitige Abrechnung von Ziffern, die das Anlegen einer Harnableitung als integralen Bestandteil beschreiben. Eine genaue Analyse des jeweiligen OP-Berichts verhindert hier Honorarverluste.

Ziffer A1796 in der neuen GOÄ

Das Anlegen eines Urostomas (bisher Analogziffer zu Nr. 1796 GOÄ) wird in der neuen GOÄ innerhalb einer umfassenden Leistung abgebildet.

10167 „Anlage eines Ileumkonduit/Kolonkonduit, ggf. einschließlich -Mobilisation und/oder -Segmentresektion sowie Anlage des Hautstomas …" — 1.105,99 €. Die Leistung umfasst neben der Anlage des Konduits ausdrücklich auch die Anlage des Hautstomas. Der bisherige 2,3-fache Satz der Analogziffer lag bei 99,06 €; die neue Regelleistung spiegelt den erheblichen operativen Gesamtaufwand deutlich realistischer wider.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A1796

Die GOÄ-Ziffer A1796 bezeichnet das Anlegen eines Urostomas als Analogabrechnung nach der Empfehlung der Bundesärztekammer. Da in der Original-GOÄ keine spezifische Ziffer für das Urostoma existiert, wird hierfür die Nr. 1796 (Anlegen eines Anus praeter) analog herangezogen.
Der Einfachsatz der GOÄ-Ziffer A1796 liegt bei 43,07 Euro (739 Punkte). Bei der Abrechnung mit dem Regelsatz von 2,3 beträgt das Honorar 99,07 Euro, während der Höchstsatz (3,5-fach) bei 150,76 Euro liegt.
Eine Steigerung über den 2,3-fachen Satz hinaus ist bei erhöhtem operativem Aufwand zulässig. Typische Gründe sind ausgeprägte Verwachsungen im Bauchraum, anatomische Besonderheiten oder eine ausgeprägte Adipositas des Patienten.
Ja, die chirurgische Revision oder Neuanlage eines stenosierten Urostomas kann ebenfalls analog über die Ziffer A1796 abgerechnet werden. Voraussetzung ist, dass der operative Aufwand dem einer Erstanalage entspricht und dies detailliert dokumentiert wird.
Häufige Kürzungen entstehen, wenn das 'A' für die Analogabrechnung auf der Rechnung fehlt oder die Ziffer neben einer Hauptleistung berechnet wird, die das Stoma bereits beinhaltet. Eine präzise OP-Dokumentation verhindert solche Beanstandungen durch die privaten Krankenversicherungen.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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