Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer A2404 birgt Fallstricke. Unser Leitfaden zeigt, wie die Exzision von Endometrioseherden rechtssicher liquidiert wird.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A2404
Exzision von Endometrioseherden aus dem Peritoneum (Bauchfell) - analog GOÄ-Ziffer 2404 (Exzision einer tiefsitzenden oder ausgedehnten Gewebswucherung)
Die Ziffer A2404 ist eine Analogbewertung, die auf der Originalziffer 2404 basiert. Da die Gebührenordnung für Ärzte die moderne, differenzierte operative Therapie der Endometriose nicht im Detail abbildet, greifen Operateure auf diese Analogziffer zurück. Die Leistung umfasst die vollständige chirurgische Entfernung von Endometrioseherden, die sich auf oder direkt unter dem Bauchfell (Peritoneum) befinden.
Inkludiert sind dabei die Präparation des betroffenen Gewebes, die eigentliche Exzision sowie die anschließende Blutstillung im Operationsgebiet. Der operative Zugangsweg (z. B. Laparoskopie) ist in der Regel separat zu betrachten, sofern die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen. Die Ziffer stellt sicher, dass der hohe chirurgische Aufwand bei der Sanierung des Peritoneums adäquat abgebildet wird.
GOÄ A2404 in der Praxis: Indikation und korrekte Anwendung
Die Abrechnung der GOÄ A2404 setzt eine gesicherte Diagnose voraus, bei der Endometrioseherde das Peritoneum infiltrieren. Typische klinische Situationen betreffen Patientinnen mit chronischen Unterbauchschmerzen, Dysmenorrhoe oder unerfülltem Kinderwunsch. Die operative Sanierung erfolgt meist im Rahmen einer diagnostischen oder therapeutischen Laparoskopie.
Wichtig für die Praxis ist die Abgrenzung zu rein oberflächlichen Koagulationen oder Vaporisationen. Die Ziffer A2404 beschreibt explizit die Exzision, also das herausschneidende Entfernen von Gewebe. Wird ein Herd lediglich mittels Laser oder Strom koaguliert, entspricht dies strenggenommen nicht dem Leistungsinhalt der Exzision, was bei Prüfungen oft zu Problemen führt.
Tipp: Es empfiehlt sich, im OP-Bericht die chirurgische Technik präzise als Exzision (z. B. "scharfe Präparation" oder "Exzision mittels Schere/Skalpell") zu beschreiben, um Absetzungen durch Kostenträger zu vermeiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A2404
Fallbeispiel 1: Isolierter Endometrioseherd im Douglas-Raum
Eine Patientin stellt sich mit ausgeprägten zyklischen Schmerzen vor. Bei der Laparoskopie zeigt sich ein einzelner, tief infiltrierender Endometrioseherd im Bereich des Douglas-Raums auf dem Peritoneum. Der Herd wird scharf exzidiert und zur histologischen Untersuchung eingesandt.
Die Abrechnung erfolgt über die Analogziffer A2404 zum Regelsatz (2,3-fach = 74,27 €). Da es sich um einen unkomplizierten Einzeleingriff handelt, ist eine Steigerung über den Schwellenwert nicht indiziert.
Fallbeispiel 2: Multilokulärer Befall des Peritoneums
Während einer Bauchspiegelung werden insgesamt drei voneinander getrennte Endometrioseherde an unterschiedlichen Stellen des parietalen Peritoneums identifiziert. Alle drei Herde werden vollständig exzidiert.
In diesem Fall kann die Ziffer A2404 mehrfach abgerechnet werden, da es sich um anatomisch getrennte Exzisionsstellen handelt. Die genaue Dokumentation der unterschiedlichen Lokalisationen ist hierbei zwingend erforderlich.
Fallbeispiel 3: Komplexe Exzision bei ausgeprägten Verwachsungen
Es liegt eine schwere Endometriose mit massiven Verwachsungen zwischen dem Peritoneum und dem Colon sigmoideum vor. Die Exzision des Herdes erfordert eine langwierige, vorsichtige Präparation, um eine Darmverletzung zu vermeiden.
Aufgrund des extremen Schwierigkeitsgrades und des hohen Zeitaufwands wird die Ziffer A2404 mit dem Höchstsatz von 3,5 (113,02 €) abgerechnet. Die Begründung verweist auf die ausgeprägten Verwachsungen und das erhöhte Risiko einer Organverletzung.
Häufige Fehler bei der GOÄ A2404: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist die Verwechslung von Exzision und Destruktion. Private Krankenversicherungen prüfen zunehmend, ob tatsächlich eine Gewebeentnahme stattgefunden hat oder ob Herde lediglich vaporisiert wurden. Ohne histologischen Nachweis des exzidierten Gewebes wird die Anerkennung der Ziffer A2404 oft verweigert.
Zudem beanstanden Prüfstellen die unbegründete Mehrfachabrechnung. Werden mehrere Herde im selben, eng begrenzten Areal entfernt, gilt dies gebührenrechtlich oft als eine einzige Leistung. Die Abrechnung mehrerer Einheiten der Ziffer A2404 setzt voraus, dass es sich um diskrete, topographisch getrennte Regionen des Bauchfells handelt.
Achtung: Die zeitgleiche Abrechnung von Ziffern für die Adhäsiolyse (z. B. GOÄ 3110 analog) neben der Exzision ist nur dann zulässig, wenn die Verwachsungen unabhängig von der eigentlichen Endometriosepräparation gelöst werden mussten.
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Dokumentation der GOÄ A2404: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und detaillierte Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Der OP-Bericht muss die genaue Lage, die Größe und die Anzahl der exzidierten Herde beschreiben. Auch die verwendete Operationstechnik (z. B. scharfes Absetzen, elektrochirurgische Exzision) muss explizit erwähnt werden.
Zusätzlich sollte der pathologische Befundbericht in der Akte hinterlegt werden. Die histologische Bestätigung von Endometriosegewebe untermauert die medizinische Notwendigkeit und den Charakter der Exzision. Bei Steigerungen über den Schwellenwert müssen die konkreten Erschwernisse direkt im Bericht formuliert sein.
Dokumentation: "Laparoskopische scharfe Exzision eines 1,5 cm großen, tief infiltrierenden Endometrioseherdes aus dem parietalen Peritoneum der rechten Beckenwand. Vollständige Bergung des Gewebes zur Histologie. Blutstillung mittels bipolarer Koagulation."
GOÄ A2404: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Steigerungssatzes über den Faktor 2,3 hinaus ist bei der Ziffer A2404 ein wichtiges Instrument, um den tatsächlichen Aufwand abzubilden. Typische Begründungen für einen erhöhten Steigerungssatz sind eine ungünstige anatomische Lage (z. B. in unmittelbarer Nähe zum Ureter), starke Blutungsneigung oder extreme Gewebeverhärtungen. Auch eine vorausgegangene Operation im selben Gebiet, die zu massiven Vernarbungen geführt hat, rechtfertigt den Ansatz des 3,5-fachen Satzes.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die Ziffer A2404 in Kombination mit laparoskopischen Grundleistungen abgerechnet. Dazu gehört beispielsweise die Ziffer 3135 (Laparoskopie). Wichtig ist, dass der operative Zugang nicht doppelt berechnet wird. Werden im selben Eingriff auch Endometriome an den Ovarien entfernt, kommen hierfür separate Ziffern (wie die GOÄ 3118 analog) in Betracht, die neben der A2404 existieren dürfen, sofern es sich um unterschiedliche Organe handelt.
Ziffer A2404 in der neuen GOÄ
Die Hauttumor-OP im Gesicht je Läsion (bisher Analogziffer zu Nr. 2404 GOÄ, Exzision einer größeren Geschwulst) wird in der neuen GOÄ zur neuen Nummer 5601.
5601 „Exzision eines großen kutanen Prozesses (Tumor, entzündliche Prozesse, …)" — 73,10 € je Läsion. Die Lokalisation Gesicht begründet in der neuen GOÄ keinen anderen Code als bei anderen Körperstellen; die Dokumentation der Lokalisation bleibt aber klinisch und ggf. medizinisch erforderlich. Der bisherige 2,3-fache Satz der Analogziffer lag bei 74,27 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A2404
Was hat nicht gestimmt?