Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer A3087 für BVAD und Kunstherzen erfordert Präzision. Erfahren Sie alles zu Fallstricken, Steigerung und Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A3087
Anlage eines biventrikulären Unterstützungssystems (BVAD) oder eines Kunstherzes (analog GOÄ 3087)
Die GOÄ-Ziffer A3087 beschreibt als Analogbewertung die hochkomplexe chirurgische Implantation eines biventrikulären Unterstützungssystems (Biventricular Assist Device, BVAD) oder eines vollständigen Kunstherzens (Total Artificial Heart, TAH). Da diese modernen Therapieverfahren in der ursprünglichen Gebührenordnung für Ärzte nicht explizit abgebildet sind, erfolgt die Abrechnung analog über die Ziffer 3087.
Die Leistung umfasst die vollständige operative Vorbereitung, die Eröffnung des Thorax, den Anschluss des Patienten an die Herz-Lungen-Maschine sowie die präzise Platzierung und Verankerung der mechanischen Kreislaufunterstützungssysteme. Auch die anschließende Funktionsprüfung und die erste Inbetriebnahme des Systems sind integraler Bestandteil dieser Ziffer.
GOÄ A3087 in der Praxis: Indikation und klinischer Einsatz bei terminaler Herzinsuffizienz
Die Anwendung der GOÄ A3087 ist auf schwerste klinische Szenarien der terminalen biventrikulären Herzinsuffizienz (NYHA IV) beschränkt, bei denen eine rein linksventrikuläre Unterstützung (LVAD) nicht mehr ausreicht. Typische Indikationen umfassen das kardiogene Versagen nach akutem Myokardinfarkt, schwere Myokarditiden oder das Endstadium einer dilatativen Kardiomyopathie.
In der klinischen Praxis dient das System entweder als temporäre Überbrückung bis zu einer Herztransplantation (Bridge to Transplantation) oder, falls Kontraindikationen für eine Transplantation vorliegen, als dauerhafte Destinationstherapie. Die Abgrenzung zu reinen LVAD-Systemen (oft analog nach anderen Ziffern bewertet) ist essenziell, da die Ziffer A3087 explizit die biventrikuläre Unterstützung oder das Kunstherz adressiert.
Tipp: Bei der Abrechnung sollte stets darauf geachtet werden, dass die biventrikuläre Komponente oder der vollständige Ersatz des Herzens klar aus der Diagnose und dem OP-Bericht hervorgeht, um Absetzungen durch Kostenträger zu vermeiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A3087
Fallbeispiel 1: Bridge to Transplantation bei dilatativer Kardiomyopathie
Ein Patient mit bekannter, therapierefraktärer dilatativer Kardiomyopathie und akutem biventrikulärem Versagen wird zur Implantation eines BVAD vorbereitet. Der Eingriff erfolgt elektiv unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer A3087 zum Regelsatz (2,3-fach), da keine außergewöhnlichen intraoperativen Komplikationen auftraten.
Fallbeispiel 2: Notfallmäßige Implantation eines Kunstherzens (TAH)
Nach einem schweren, großflächigen Myokardinfarkt und irreversiblem Versagen beider Ventrikel erfolgt die notfallmäßige Explantation des biologischen Herzens und die Implantation eines totalen künstlichen Herzens (TAH). Aufgrund der akuten Notfallsituation und des erhöhten logistischen sowie personellen Aufwands wird die Ziffer A3087 mit einem erhöhten Steigerungsfaktor von 3,5 abgerechnet.
Fallbeispiel 3: BVAD-Implantation bei ausgeprägten Voroperationen
Bei einem Patienten mit Zustand nach aortokoronalem Bypass (ACB) ist die Implantation eines BVAD indiziert. Aufgrund massiver Verwachsungen im Mediastinum gestaltet sich die Präparation extrem zeitaufwendig und schwierig. Die Ziffer A3087 wird mit dem 3,2-fachen Satz berechnet, wobei die Adhäsionen und die verlängerte OP-Zeit detailliert begründet werden.
Häufige Fehler bei der GOÄ A3087: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ A3087 ist die fehlerhafte Abgrenzung zu rein linksventrikulären Unterstützungssystemen (LVAD). Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen sehr genau, ob tatsächlich eine biventrikuläre Unterstützung oder ein Kunstherz implantiert wurde. Die fälschliche Anwendung der A3087 bei einem reinen LVAD führt regelmäßig zu vollständigen Honorarkürzungen.
Zudem werden häufig unselbstständige Teilschritte wie die Thorakotomie oder die Kanülierung der großen Gefäße separat in Rechnung gestellt. Diese Leistungen sind jedoch nach den allgemeinen Bestimmungen der GOÄ mit der Hauptleistung abgegolten und dürfen nicht getrennt liquidiert werden. Lediglich eigenständige, nicht im unmittelbaren Zusammenhang stehende Eingriffe sind separat berechnungsfähig.
Achtung: Die zeitgleiche Abrechnung von Ziffern für einfache Herzklappenreparaturen ohne eigenständige, vom Kunstherz unabhängige Indikation wird von Prüfstellen meist als unzulässige Doppelabrechnung gewertet.
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Dokumentation der GOÄ A3087: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Fundament, um Honorarkürzungen erfolgreich abzuwehren. Der Operationsbericht muss die medizinische Notwendigkeit der biventrikulären Unterstützung detailliert darlegen. Insbesondere die hämodynamischen Parameter, die das Versagen beider Ventrikel belegen, sollten dokumentiert sein.
Der chirurgische Ablauf muss Schritt für Schritt beschrieben werden, einschließlich der Kanülierungstechniken, der Positionierung der Pumpenköpfe und der Durchführung der Systemtests. Bei Abweichungen vom Standardverfahren oder dem Auftreten von Komplikationen ist eine minutengenaue Zeiterfassung im Protokoll unerlässlich.
Dokumentation: Indikation: Terminale biventrikuläre Unterstützung bei ischämischer Kardiomyopathie. OP-Verlauf: Medianotomie, Anschluss an die HLM. Sukzessive Kanülierung des rechten und linken Ventrikels sowie der großen Gefäße. Implantation und Fixierung des BVAD-Systems Typ X. Erfolgreiche Entlüftung und schrittweise Inbetriebnahme unter transösophagealer Echokardiographie-Kontrolle. Gesamte Bypasszeit: 145 Minuten.
GOÄ A3087: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Aufgrund der Komplexität des Eingriffs ist eine Überschreitung des Schwellenwertes von 2,3 häufig medizinisch und technisch begründbar. Typische Steigerungsgründe sind anatomische Varianten, ausgeprägte Narbenbildung nach herzchirurgischen Voroperationen oder schwere intraoperative Blutungen, die einen massiven Einsatz von Gerinnungspräparaten erfordern. Auch eine signifikant verlängerte Bypass-Zeit an der Herz-Lungen-Maschine rechtfertigt einen höheren Faktor.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der GOÄ A3087 können weitere selbstständige Leistungen abgerechnet werden. Hierzu gehört insbesondere die Anwendung der Herz-Lungen-Maschine (z. B. Ziffer 3095). Auch intraoperative diagnostische Verfahren wie die transösophageale Echokardiographie (TEE) sind gesondert berechnungsfähig, sofern sie von einem separaten Untersucher durchgeführt und dokumentiert werden. Nicht kombiniert werden dürfen hingegen operative Standardzugänge, die bereits in der Ziffer A3087 enthalten sind.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A3087
Was hat nicht gestimmt?