GOÄ A3088: Radikale Prostatektomie korrekt abrechnen

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GOÄ A3088
Totale Entfernung der Prostata und der Samenblasen ohne pelvine Lymphknotenentfernung mit anschließender Rekonstruktion des Blasenhalses und der Schließmuskelfunktion sowie Potenzerhalt durch Präparation der Nervi erigentes, auch beidseitig, einschließlich Blasenkatheter, ggf. einschließlich suprapubischem Katheter, ggf. einschließlich einer oder mehrerer Drainagen,
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Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer A3088 (nervschonende Prostatektomie ohne Lymphadenektomie): Tipps zu Dokumentation, Steigerung und Fallstricken.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A3088

Totale Entfernung der Prostata und der Samenblasen ohne pelvine Lymphknotenentfernung mit anschließender Rekonstruktion des Blasenhalses und der Schließmuskelfunktion sowie Potenzerhalt durch Präparation der Nervi erigentes, auch beidseitig, einschließlich Blasenkatheter, ggf. einschließlich suprapubischem Katheter, ggf. einschließlich einer oder mehrerer Drainagen

Die Ziffer A3088 beschreibt eine hochkomplexe urologische Operation, die als Analogbewertung zur regulären Ziffer 3088 herangezogen wird. Sie bildet die moderne, nervschonende radikale Prostatektomie ab, bei der die Erhaltung der erektilen Funktion im Vordergrund steht.

Im Leistungsumfang sind neben der eigentlichen Resektion der Prostata und der Bläschendrüsen auch die aufwendige Rekonstruktion des Blasenhalses zur Sicherung der Kontinenz enthalten. Zudem sind typische postoperative Maßnahmen wie das Legen eines transurethralen oder suprapubischen Blasenkatheters sowie das Einbringen von Wunddrainagen bereits mit der Gebühr abgegolten.

GOÄ A3088 in der Praxis: Indikation und korrekte Anwendung

Die Abrechnung der GOÄ A3088 ist primär bei Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom indiziert, bei denen ein hohes Interesse am Erhalt der Potenz besteht. Voraussetzung für die Wahl dieser Ziffer ist der Verzicht auf eine pelvine Lymphadenektomie, beispielsweise bei einem sehr geringen Metastasierungsrisiko gemäß den aktuellen Leitlinien.

Die chirurgische Herausforderung liegt in der mikrochirurgischen oder laparoskopischen/roboterassistierten Präparation der hauchdünnen Nervi erigentes. Diese neurovaskulären Bündel verlaufen in unmittelbarer Nähe zur Prostatakapsel und müssen präzise geschont werden, um die postoperative Erektionsfähigkeit zu sichern.

Tipp: Da die roboterassistierte Chirurgie (z. B. mittels DaVinci-System) in der GOÄ nicht eigenständig abgebildet ist, wird die Ziffer A3088 häufig als Kernziffer für diese modernen, minimal-invasiven Eingriffe genutzt, sofern die Kriterien des Potenzerhalts und der Rekonstruktion erfüllt sind.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A3088

Fallbeispiel 1: Offene retropubische Prostatektomie

Ein 58-jähriger Patient mit einem Low-Risk-Prostatakarzinom (Gleason-Score 6, PSA 5,2 ng/ml) unterzieht sich einer offenen retropubischen Prostatektomie. Aufgrund des niedrigen Risikoprofils wird leitliniengerecht auf eine Lymphknotenentfernung verzichtet. Die Nervi erigentes werden beidseitig erfolgreich präpariert und geschont, der Blasenhals wird rekonstruiert.

Die Abrechnung erfolgt mit der Ziffer A3088 zum Regelsatz (2,3-fach). Da keine Lymphknoten entfernt wurden und der Potenzerhalt dokumentiert ist, ist die Ziffer vollumfänglich anwendbar.

Fallbeispiel 2: Laparoskopische Prostatektomie bei einseitigem Tumorbefall

Bei einem 62-jährigen Patienten mit einseitigem Tumorherd wird eine laparoskopische Prostatektomie durchgeführt. Aus onkologischen Gründen kann nur die kontralaterale Seite nervschonend präpariert werden. Eine Lymphadenektomie erfolgt nicht.

Auch bei nur einseitiger Nervenschonung ist die Abrechnung der Ziffer A3088 korrekt, da der Leistungstext die Formulierung „auch beidseitig“ enthält, was den einseitigen Erhalt explizit einschließt.

Fallbeispiel 3: Roboterassistierte Prostatektomie (RALP)

Ein Patient wünscht die Durchführung einer roboterassistierten Prostatektomie ohne Lymphadenektomie mit maximaler Schonung der Potenznerven. Der Eingriff verläuft komplikationslos unter Einsatz des DaVinci-Systems.

Die Abrechnung basiert auf der Analogziffer A3088. Der Einsatz des Operationsroboters rechtfertigt in der Regel eine Erhöhung des Steigerungsfaktors (z. B. auf das 3,5-fache) aufgrund des erhöhten technischen und zeitlichen Aufwands, darf jedoch nicht als eigene Ziffer berechnet werden.

Häufige Fehler bei der GOÄ A3088: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die zusätzliche Ansetzung von Ziffern für das Legen des Blasenkatheters (z. B. Ziffer 1728 oder 1730) oder das Einbringen von Drainagen. Diese Leistungen sind laut offiziellem Text der Ziffer A3088 explizit abgegolten und führen bei Doppelabrechnung regelmäßig zu Kürzungen durch private Krankenversicherungen.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Abgrenzung zur Ziffer A3089 (Prostatektomie mit pelviner Lymphknotenentfernung). Wurde auch nur eine minimale Lymphknotenentfernung durchgeführt, darf die A3088 nicht mehr abgerechnet werden; stattdessen ist die höher bewertete Ziffer A3089 anzusetzen. Eine Kombination beider Ziffern nebeneinander ist absolut unzulässig.

Achtung: Private Kostenträger fordern bei der Abrechnung der A3088 häufig den Nachweis, dass der Potenzerhalt operativ auch tatsächlich angestrebt und technisch umgesetzt wurde. Fehlt im Operationsbericht die detaillierte Beschreibung der Präparation der Nervi erigentes, wird die Ziffer oft auf die einfachere Prostatektomie ohne Potenzerhalt heruntergestuft.

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Dokumentation der GOÄ A3088: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation im Operationsbericht ist die beste Absicherung gegen Honorarkürzungen. Der Operateur muss die einzelnen Schritte der Präparation der neurovaskulären Bündel detailliert beschreiben. Auch die Rekonstruktion des Blasenhalses zur Sicherung der Kontinenz muss explizit erwähnt werden.

Zudem sollte dokumentiert werden, ob die Nervenschonung einseitig oder beidseitig erfolgte. Obwohl beides unter die Ziffer A3088 fällt, erhöht eine beidseitige komplexe Präparation die Plausibilität bei einer eventuellen Steigerung des Gebührensatzes.

Dokumentationsbeispiel: „... Scharfe und stumpfe Präparation des rechten und linken neurovaskulären Bündels (Nervi erigentes) unter Schonung der feinen Gefäß-Nerven-Strukturen. Vollständige Mobilisation der Prostata ohne Eröffnung der Kapsel. Anschließend Rekonstruktion des Blasenhalses mittels fortlaufender Naht und Readaptation des Schließmuskels zur Kontinenzsicherung. Einlegen eines 16-Ch-Silikonkatheters und Einbringen einer Easy-Flow-Drainage im kleinen Becken ...“

GOÄ A3088: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Ziffer A3088 kann bei erhöhtem Schwierigkeitsgrad oder überdurchschnittlichem Zeitaufwand über den Regelsatz von 2,3 hinaus bis zum 3,5-fachen Satz gesteigert werden. Typische Begründungen für eine Schwellenwertüberschreitung sind ausgeprägte Verwachsungen im kleinen Becken (z. B. nach Voroperationen), eine ausgeprägte Adipositas permagna des Patienten oder anatomische Besonderheiten wie eine sehr große Prostata.

Auch die besonders zeitaufwendige, beidseitige Präparation bei stark blutendem Gewebe kann als individuelle Begründung herangezogen werden. Die Begründung muss stets patientenbezogen und medizinisch nachvollziehbar im Rechnungstext formuliert sein.

Typische Ziffernkombinationen

Häufig wird die A3088 mit urologischen Basisleistungen oder prä- und postoperativen Untersuchungen kombiniert. Zulässig ist beispielsweise die Abrechnung von sonographischen Untersuchungen des Urogenitaltraktes im zeitlichen Umfeld der Operation. Nicht kombiniert werden dürfen jedoch operative Einzelschritte, die bereits integraler Bestandteil der Prostatektomie sind, wie die Ziffern für den Verschluss von Wunden oder die isolierte Blutstillung im Operationsgebiet.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A3088

Der entscheidende Unterschied liegt in der pelvinen Lymphknotenentfernung. Während die Ziffer A3088 die Prostatektomie ohne Lymphadenektomie beschreibt, beinhaltet die Ziffer A3089 die zusätzliche Entfernung der pelvinen Lymphknoten. Beide Ziffern dürfen nicht nebeneinander abgerechnet werden.
Ja, die Abrechnung ist auch bei einseitiger Nervenschonung vollkommen zulässig. Der offizielle Leistungstext enthält den Zusatz „auch beidseitig“, was impliziert, dass sowohl die einseitige als auch die beidseitige Präparation der Nervi erigentes unter diese Ziffer fällt.
Nein, das Legen eines Blasenkatheters sowie das Einbringen von Drainagen sind explizit im Leistungstext der Ziffer A3088 enthalten. Eine gesonderte Abrechnung dieser Hilfsleistungen ist daher ausgeschlossen und führt bei Prüfungen zu Kürzungen.
Ja, der Einsatz roboterassistierter Operationsverfahren wie dem DaVinci-System kann eine Steigerung des Gebührensatzes über den 2,3-fachen Satz hinaus begründen. Dies muss mit dem erhöhten technischen Aufwand und der erforderlichen Präzision bei der Nervenschonung patientenindividuell begründet werden.
Wenn während des Eingriffs eine pelvine Lymphknotenentfernung durchgeführt wird, muss statt der Ziffer A3088 die Ziffer A3089 abgerechnet werden. Die Ziffer A3089 deckt die Prostatektomie inklusive der Lymphadenektomie ab und ist entsprechend höher bewertet.
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