GOÄ A3089: Aortenwurzelersatz korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ A3089
Aortenwurzelersatz
Punktzahl 7500  
Einfachsatz 437,15 € 1,0x
Regelhöchstsatz 1005,44 € 2,3x
Höchstsatz 1530,02 € 3,5x

Leitfaden zur analogen Abrechnung des Aortenwurzelersatzes nach GOÄ-Ziffer A3089. Erfahren Sie alles zu Fallbeispielen, Dokumentation und Steigerungsfaktoren.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A3089

Analogbewertung zu Ziffer 3089: Ersatz der Aortenwurzel (z. B. Bentall-, David- oder Yacoub-Operation) unter Verwendung der extrakorporalen Zirkulation.

Die Ziffer A3089 beschreibt als Analoggebühr ein hochkomplexes herzchirurgisches Verfahren. Da die ursprüngliche Gebührenordnung für Ärzte den modernen medizinischen Standard des isolierten oder klappenerhaltenden Aortenwurzelersatzes nicht vollständig abbildet, erfolgt die Liquidation analog zur Ziffer 3089. Diese Ziffer deckt den vollständigen chirurgischen Ersatz der Aortenwurzel ab, unabhängig davon, ob eine mechanische Prothese, eine biologische Prothese oder ein klappenerhaltendes Verfahren angewandt wird.

Die Leistung umfasst standardmäßig die Eröffnung des Thorax, die Etablierung der extrakorporalen Zirkulation sowie die Kardioplegie zur Erzielung des Herzstillstands. Die Präparation der Aortenwurzel und die Mobilisation der Koronararterien sind ebenfalls integraler Bestandteil. Der analoge Ansatz sichert eine leistungsgerechte Vergütung dieses zeitintensiven Eingriffs.

GOÄ A3089 in der Praxis: Indikation und klinische Relevanz

Der klinische Einsatz der GOÄ-Ziffer A3089 ist an strenge medizinische Indikationen gebunden. Typischerweise liegt ein ausgeprägtes Aortenwurzelaneurysma vor, welches das Risiko einer Ruptur oder Dissektion birgt. Auch bei einer akuten Aortendissektion Typ A, die sich auf die Aortenwurzel erstreckt, ist dieser Eingriff unumgänglich.

Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet ist die operative Versorgung von Patienten mit genetischen Bindegewebserkrankungen wie dem Marfan-Syndrom. In diesen Fällen is die Aortenwurzel häufig selektiv ektatisch, während die Klappensegel selbst intakt sein können. Hier kommen klappenerhaltende Rekonstruktionstechniken zum Einsatz, die ebenfalls unter der Ziffer A3089 liquidiert werden.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A3089

Fallbeispiel 1: Bentall-Operation bei kombiniertem Vitium

Ein Patient stellt sich mit einem symptomatischen Aortenwurzelaneurysma und einer hochgradigen Aortenklappeninsuffizienz vor. Es erfolgt der komplette Ersatz der Aortenwurzel und der Aortenklappe mittels einer Composite-Graft-Prothese (Bentall-Verfahren). Die Koronararterien werden als Buttons mobilisiert und in die Prothese reimplantiert. Die Abrechnung erfolgt über die Ziffer A3089 als Hauptleistung des Eingriffs.

Fallbeispiel 2: Klappenerhaltender Ersatz nach David

Bei einer jungen Patientin mit Marfan-Syndrom und progredienter Ektasie der Aortenwurzel ist die Aortenklappe morphologisch intakt. Es wird ein klappenerhaltender Aortenwurzelersatz in David-Technik durchgeführt. Die native Klappe wird in eine Gefäßprothese reimplantiert, um ein lebenslanges Antikoagulanzien-Regime zu vermeiden. Auch diese hochkomplexe Rekonstruktion wird korrekt mit der Analogziffer A3089 berechnet.

Fallbeispiel 3: Notfallversorgung bei Typ-A-Dissektion

Ein Patient wird als Notfall mit einer akuten Aortendissektion Typ A eingeliefert, die den Klappenhalteapparat zerstört hat. Unter tiefen hypothermen Kreislaufstillstand erfolgt die Sanierung der Aortenwurzel mittels Rekonstruktion und Prothesenimplantation. Aufgrund der extremen Dringlichkeit und der hämodynamischen Instabilität wird die Ziffer A3089 mit einem erhöhten Steigerungsfaktor liquidiert.

Häufige Fehler bei der GOÄ A3089: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ A3089 ist die zusätzliche Liquidation der Koronaranastomosen. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen diese Rechnungen regelmäßig, da die Reimplantation der Koronararterien als immanenter Bestandteil des Aortenwurzelersatzes gilt. Eine separate Berechnung von Gefäßnähten am selben Operationsgebiet ist daher nicht zulässig.

Zudem wird oft fälschlicherweise die Ziffer 3088 für den Ersatz der Aorta ascendens nebeneinander berechnet. Da die Aortenwurzel anatomisch den proximalen Teil der Aorta ascendens darstellt, ist dieser Schritt in der Ziffer A3089 bereits abgegolten. Nur bei einer nachweislich getrennten, weiter distal liegenden Rekonstruktion des Aortenbogens kann eine zusätzliche Ziffer gerechtfertigt sein.

Achtung: Die Nebeneinanderberechnung von Ziffer A3089 und Ziffer 3088 für denselben Gefäßabschnitt führt fast immer zu Beanstandungen durch die Prüfstellen und sollte strikt vermieden werden.

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Dokumentation der GOÄ A3089: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Im Operationsbericht müssen die einzelnen Schritte des Aortenwurzelersatzes detailliert beschrieben werden. Insbesondere die Präparation der Koronarostien und die Art der Verankerung der Prothese müssen klar hervorgehen.

Auch die genauen Zeiten der extrakorporalen Zirkulation und des Ösophagus-Temperaturprofils bei Kreislaufstillstand sind exakt zu protokollieren. Diese Parameter dienen als objektiver Nachweis für den enormen zeitlichen und technischen Aufwand des Eingriffs.

Dokumentation: Durchführung eines klappenerhaltenden Aortenwurzelersatzes (David-I-Verfahren) bei Marfan-Syndrom. Mobilisation der Koronarostien als Buttons. Resektion der aneurysmatisch veränderten Aortenwurzel unter Erhalt der nativen Aortenklappe. Einnähen einer 28-mm-Gelweave-Valsalva-Prothese. Reimplantation der Koronarbuttons in die Prothese. Extrakorporale Zirkulationszeit: 145 Minuten, Klemmenzeit: 112 Minuten.

GOÄ A3089: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Aufgrund der extremen Variabilität der anatomischen Verhältnisse kann die Ziffer A3089 häufig über den Regelhöchstsatz von 2,3 gesteigert werden. Typische Begründungen für einen Schwellenwertüberschnitt bis zum 3,5-fachen Satz sind ausgeprägte Verwachsungen bei Reoperationen. Auch eine schwierige Blutstillung bei fragilem Gewebe oder eine stark verlängerte Ischämiezeit des Myokards rechtfertigen die Steigerung.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der Hauptleistung A3089 sind weitere Ziffern für die vollständige Abbildung des Eingriffs unerlässlich. Hierzu gehören die Ziffer 3095 für die extrakorporale Zirkulation und die Ziffer 3096 für die Kardioplegie. Auch die intraoperative transösophageale Echokardiographie zur Qualitätskontrolle kann separat berechnet werden.

Tipp: Begründen Sie Schwellenwertüberschreitungen über den 2,3-fachen Satz hinaus stets patientenindividuell und detailliert im OP-Bericht, um zeitintensive Rückfragen der privaten Krankenversicherungen zu vermeiden.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A3089

Der Aortenwurzelersatz wird analog über die Ziffer A3089 berechnet, da die GOÄ keine spezifische Ziffer für dieses komplexe Verfahren enthält. Als Referenz dient die Ziffer 3089 mit einer Bewertung von 7500 Punkten. Dies ermöglicht eine adäquate Honorierung von Operationen wie dem Bentall- oder David-Verfahren.
Für die Ziffer A3089 beträgt der einfache Gebührensatz 437,15 €. Der medizinisch übliche Regelhöchstsatz (2,3-facher Faktor) liegt bei 1005,44 €. Bei besonders schwierigen Verläufen kann der Höchstsatz mit dem 3,5-fachen Faktor auf bis zu 1530,02 € gesteigert werden.
Nein, die Mobilisation und Reimplantation der Koronararterien (sogenannte Button-Technik) ist in der Ziffer A3089 bereits enthalten. Eine separate Abrechnung als eigenständige Gefäßanastomose wird von den privaten Krankenversicherungen regelmäßig beanstandet. Sie stellt eine unzulässige Doppelabrechnung dar.
Ein Überschreiten des 2,3-fachen Satzes kann durch erhebliche Verwachsungen bei Reoperationen oder extreme anatomische Varianten begründet werden. Auch eine stark verlängerte Ischämiezeit oder akute intraoperative Blutungen rechtfertigen einen höheren Steigerungsfaktor. Diese Besonderheiten müssen detailliert im OP-Bericht dokumentiert sein.
Die Nebeneinanderberechnung der Ziffer 3088 für den Ersatz der Aorta ascendens ist am selben Gefäßabschnitt ausgeschlossen. Da der Aortenwurzelersatz nach A3089 den ascendierenden Teil funktionell einschließt, ist eine zusätzliche Abrechnung nicht zulässig. Nur bei räumlich getrennten, eigenständigen Rekonstruktionen ist eine Kombination denkbar.
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