Leitfaden zur rechtssicheren Abrechnung der GOÄ-Ziffer A3091 (endokardiales Kathetermapping). Erfahren Sie alles zu Indikationen, Steigerung und Dokumentation.
1. Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A3091
Die Ziffer A3091 ist eine Analogbewertung, die auf der regulären GOÄ-Ziffer 3091 basiert. Da moderne, hochkomplexe Mapping-Verfahren in der ursprünglichen Gebührenordnung für Ärzte nicht explizit abgebildet sind, wird diese Ziffer für spezielle elektrophysiologische Leistungen herangezogen.
A3091 (analog 3091): Endokardiales Kathetermapping bei ventrikulären Tachykardien
Die Leistung umfasst das systematische, punktuelle oder mehrdimensionale Erfassen elektrischer Potenziale direkt von der Innenschicht des Herzens (Endokard). Ziel dieser Maßnahme ist es, den genauen Ursprungsort (Fokus) oder die Reentry-Kreise einer ventrikulären Rhythmusstörung exakt zu lokalisieren. Dies geschieht in der Regel als vorbereitender Schritt vor einer gezielten Katheterablation.
2. GOÄ A3091 in der Praxis: Indikationen und klinischer Einsatz
Die Abrechnung der Analogziffer A3091 setzt eine klare medizinische Indikation voraus. Typischerweise kommt das endokardiale Kathetermapping bei Patienten mit symptomatischen ventrikulären Tachykardien (VT) zum Einsatz, die medikamentös unzureichend behandelbar sind. Auch bei häufigen, monomorphen ventrikulären Extrasystolen (VES) mit hoher Belastung für das Myokard ist das Verfahren indiziert.
In der klinischen Praxis wird zwischen dem klassischen Aktivierungsmapping und dem Substratmapping unterschieden. Während das Aktivierungsmapping eine laufende Tachykardie erfordert, kann das Substratmapping im Sinusrhythmus durchgeführt werden, um narbige Areale als potenzielle VT-Ursprünge zu identifizieren. Beide hochspezialisierten Verfahren rechtfertigen den Ansatz der Ziffer A3091.
Tipp: Achten Sie darauf, dass die Abgrenzung zu einer einfachen elektrophysiologischen Untersuchung (EPU) ohne Mapping-Charakter im Krankenblatt deutlich wird. Nur das gezielte Suchen und Rekonstruieren des arrhythmogenen Areals rechtfertigt die Analogziffer.
3. Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A3091
Um die korrekte Anwendung der Ziffer im klinischen Alltag zu verdeutlichen, dienen die folgenden drei typischen Fallkonstellationen als Orientierung.
Fallbeispiel 1: Idiopathische rechtsventrikuläre Ausflusstrakt-VT (RVOT)
Ein Patient stellt sich mit rezidivierenden, symptomatischen Palpitationen vor. Im EKG zeigt sich eine monomorphe VT mit Linksschenkelblock-Morphologie und steilem Steiltyp, passend zu einem Fokus im rechtsventrikulären Ausflusstrakt (RVOT). Im elektrophysiologischen Labor erfolgt das endokardiale Aktivierungsmapping zur präzisen Lokalisation des frühesten Aktivierungspunkts. Die Abrechnung erfolgt mit der Ziffer A3091 zum Regelsatz (2,3-fach), da keine anatomischen Besonderheiten vorlagen.
Fallbeispiel 2: Ischämische VT bei Zustand nach Myokardinfarkt
Bei einem Patienten mit bekannter ischämischer Kardiomyopathie und implantiertem ICD kommt es zu adäquaten Schockabgaben wegen schneller ventrikulärer Tachykardien. Da die Tachykardie hämodynamisch nicht stabil toleriert wird, erfolgt ein spannungbasiertes Substratmapping (Voltage-Mapping) im Sinusrhythmus zur Identifikation von Narbenkanälen. Aufgrund der extremen Komplexität und der zeitaufwendigen Rekonstruktion der Narbenareale wird die Ziffer A3091 mit einem gesteigerten Faktor von 3,0 abgerechnet.
Fallbeispiel 3: Epikardiales vs. endokardiales Mapping bei ARVC
Bei einer Patientin mit arrhythmogener rechtsventrikulärer Kardiomyopathie (ARVC) wird zunächst ein umfassendes endokardiales Mapping durchgeführt. Da sich der Fokus endokardial nicht vollständig eingrenzen lässt, wird im Verlauf ein zusätzlicher epikardialer Zugang gewählt. Für den endokardialen Teil der Prozedur wird die Ziffer A3091 korrekt angesetzt und durch die entsprechende Dokumentation des endokardialen Mapping-Protokolls untermauert.
4. Häufige Fehler bei der GOÄ A3091: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der Ziffer A3091 ist die mangelnde Abgrenzung zu den Basisleistungen der elektrophysiologischen Untersuchung. Private Krankenversicherungen (PKV) und Beihilfestellen prüfen oft genau, ob das Mapping eine eigenständige, über die EPU hinausgehende Leistung darstellt. Eine bloße Stimulation ohne räumliche Rekonstruktion darf nicht als A3091 deklariert werden.
Zudem darf die Ziffer nicht doppelt für denselben Untersuchungsgang berechnet werden, wenn lediglich verschiedene Katheter nacheinander im selben Ventrikel platziert wurden. Das Mapping definiert sich über die diagnostische Zielsetzung und die Erstellung der elektrischen Landkarte, nicht über die Anzahl der verwendeten Elektroden.
Achtung: Die zeitgleiche Abrechnung von mehreren analogen Mapping-Ziffern für denselben Ventrikel am selben Kalendertag führt in der Regel zur sofortigen Beanstandung durch die Prüfstellen. Dokumentieren Sie bei komplexen Prozeduren stets die medizinische Notwendigkeit getrennter Mapping-Schritte.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
5. Dokumentation der GOÄ A3091: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und detaillierte Dokumentation ist das wirksamste Mittel, um Honorarkürzungen abzuwenden. Der Untersuchungsbericht muss die technischen und medizinischen Details des Mappings präzise widerspiegeln. Dazu gehören Angaben zum verwendeten Mapping-System (z. B. 3D-elektroanatomisches Mapping) sowie die Anzahl der akquirierten Datenpunkte.
Darüber hinaus sollte die gefundene VT-Morphologie und die exakte anatomische Zuordnung des arrhythmogenen Substrats im Bericht beschrieben werden. Grafische Darstellungen oder exportierte Mapping-Protokolle sollten als Anlage zur Patientenakte genommen werden.
Dokumentation: Durchführung eines elektroanatomischen 3D-Endokardmappings des linken Ventrikels bei klinisch dokumentierter VT. Akquisition von 450 Mapping-Punkten im Bereich der posterolateralen Wand. Identifikation eines spätaktivierten Kanals innerhalb der Grenzzone des Infarktareals als Zielstruktur.
6. GOÄ A3091: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Eine Überschreitung des Schwellenwertes (2,3-facher Satz) bis zum Höchstsatz von 3,5 ist bei der Ziffer A3091 bei erhöhtem Schwierigkeitsgrad oder überdurchschnittlichem Zeitaufwand möglich. Typische medizinische Begründungen für eine Faktorsteigerung sind:
- Ausgeprägte hämodynamische Instabilität des Patienten während der Tachykardie, die häufige Kardioversionen oder den Einsatz von Kreislaufunterstützungssystemen erforderte.
- Besonders schwierige anatomische Verhältnisse, beispielsweise bei ausgeprägter Herzdilatation oder nach chirurgischen Voroperationen (z. B. Klappenersatz).
- Notwendigkeit eines extrem hochauflösenden Mappings (High-Density-Mapping) bei sehr diffusen, kleinteiligen Narbenstrukturen.
Typische Ziffernkombinationen
Die Ziffer A3091 steht selten isoliert auf der Liquidation. Sie wird regelmäßig mit den Ziffern für die diagnostische Herzkatheterisierung (z. B. Ziffer 3090) und der anschließenden therapeutischen Katheterablation (Ziffer 3092 analog) kombiniert. Auch die Einbringung von Schleusen und die ultraschallgesteuerte Gefäßpunktion (Ziffer 401) können je nach Einzelfall und Dokumentation zusätzlich ansetzbar sein.
Ziffer A3091 in der neuen GOÄ
A3091 (analog Nr. 3091 GOÄ) wurde für mehrere elektrophysiologische und interventionelle Herzleistungen genutzt — die neue GOÄ bildet sie separat ab:
- Elektroanatomisches Mapping (3D-Verfahren): Nummer 3036 „Zuschlag für die Anwendung von elektroanatomischen Mapping-Verfahren" — 115,00 € als Zuschlag zu 3030 oder 3034. Nicht neben 3035 berechnungsfähig.
- Katheterablation einer tachykarden Herzrhythmusstörung: Nummer 3034 — 585,51 € je Sitzung, einschließlich Erfolgskontrolle, intrakardialer Ableitungen und Stimulationsmanöver.
- Renale Sympathikusdenervation mittels Hochfrequenzstrom: Nummer 3044 — 237,20 € je behandelte Niere.
- Pulmonalvenenisolation (Katheterablation bei Vorhofflimmern): ebenfalls Nummer 3034 — 585,51 € je Sitzung.
Bisher lag der 2,3-fache Satz bei 603,27 €. Die neue Struktur trennt Mapping-Zuschlag und Ablationsleistung klar; bei Mapping plus Ablation in einer Sitzung können 3034 und 3036 kombiniert werden.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A3091
Was hat nicht gestimmt?