Wie wird die Prüfung der spontanen und reaktiven Vasomotorik nach GOÄ Ziffer A639 analog korrekt abgerechnet? Erfahren Sie alles zu Indikation und Fehlern.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A639
Prüfung der spontanen und reaktiven Vasomotorik – analog Nr. 639* GOÄ – entsprechend GOÄ § 6 (2)
Die Ziffer A639 beschreibt die Prüfung der spontanen und reaktiven Vasomotorik im Wege der analogen Bewertung. Da moderne Verfahren zur Untersuchung der autonomen Gefäßregulation in der ursprünglichen Gebührenordnung nicht abgebildet sind, erfolgt die Abrechnung gemäß § 6 Abs. 2 GOÄ analog. Diese Leistung umfasst die messtechnische Erfassung der Gefäßreaktionen auf Reize.
In der Praxis wird diese Ziffer für innovative diagnostische Verfahren herangezogen. Hierzu zählen beispielsweise die sympathische Hautreaktion (SSR) oder die lasergestützte Messung des Blutflusses. Die Erfassung kann dabei sowohl in Ruhe als auch unter definierten Provokationsbedingungen erfolgen.
GOÄ A639 in der Praxis: Diagnostik der autonomen Regulation
Die Indikation für die Ziffer A639 ist weit gefächert und betrifft vor allem die neurologische und angiologische Diagnostik. Häufige klinische Szenarien umfassen den Verdacht auf eine periphere autonome Neuropathie, wie sie typischerweise bei Diabetes mellitus auftritt. Auch bei der Abklärung einer Small-Fiber-Neuropathie liefert die Untersuchung wertvolle diagnostische Hinweise.
Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Differenzialdiagnostik von vasospastischen Erkrankungen. Hierzu gehört insbesondere das Raynaud-Syndrom, bei dem die reaktive Gefäßweite nach Kälteprovokation beurteilt wird. Durch die präzise Messung lässt sich die Funktion der glatten Gefäßmuskulatur und deren nervale Steuerung objektivieren.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A639
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Small-Fiber-Neuropathie
Ein Patient stellt sich mit brennenden Schmerzen und Missempfindungen an beiden Füßen vor. Die konventionelle Elektroneurographie zeigt unauffällige Befunde, weshalb der Verdacht auf eine Schädigung der dünnen, unmyelinisierten Nervenfasern besteht. Zur Überprüfung der autonomen Fasern wird eine sympathische Hautreaktion (SSR) durchgeführt.
Die Messung zeigt eine pathologische Amplitudenminderung an den unteren Extremitäten. Die Abrechnung erfolgt mit der Ziffer A639 analog zum Regelhöchstsatz von 1,8, da die Untersuchung im Standardzeitrahmen durchgeführt werden konnte.
Fallbeispiel 2: Abklärung eines sekundären Raynaud-Syndroms
Eine Patientin leidet unter schmerzhaften, kälteinduzierten Verfärbungen der Finger. Zur Unterscheidung zwischen einem primären und sekundären Raynaud-Phenomän wird eine Laser-Doppler-Flowmetrie mit lokaler thermischer Provokation durchgeführt. Die Messung der reaktiven Vasomotorik dokumentiert die verzögerte Wiedererwärmung und Flussregulation.
Die medizinische Notwendigkeit dieser spezialisierten Durchblutungsprüfung rechtfertigt die analoge Abrechnung. Es wird die GOÄ-Ziffer A639 mit dem Faktor 1,8 in Rechnung gestellt.
Fallbeispiel 3: Komplexe autonome Funktionsdiagnostik
Bei einem Patienten mit ausgeprägter orthostatischer Hypotonie soll die vasomotorische Regulationsfähigkeit quantifiziert werden. Aufgrund von starken unwillkürlichen Bewegungen des Patienten kommt es während der Messung zu erheblichen Artefakten. Die Untersuchung muss mehrfach wiederholt und kalibriert werden, was den zeitlichen Aufwand erheblich steigert.
Die Abrechnung erfolgt mit der Ziffer A639. Aufgrund des außergewöhnlichen Aufwands wird der Schwellenwert überschritten und der Höchstsatz von 2,5 mit entsprechender Begründung liquidiert.
Häufige Fehler bei der GOÄ A639: Was Prüfer beanstanden
Achtung: Die analoge Ziffer A639 darf nicht zeitgleich mit anderen quantitativen plethysmographischen Untersuchungen für dasselbe Gefäßgebiet abgerechnet werden, wenn diese bereits die Vasomotorik miterfassen.
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die unzulässige Kombination mit ähnlichen gefäßdiagnostischen Leistungen. Private Krankenversicherungen prüfen sehr genau, ob eine Doppelabrechnung von Ziffer A639 und regulären Ziffern wie der GOÄ 644 vorliegt. Wenn die reaktive Vasomotorik bereits Teil einer umfassenden plethysmographischen Untersuchung ist, ist die separate Analogziffer nicht begründet.
Zudem fordern Erstattungsstellen bei analogen Bewertungen häufig den Nachweis der medizinischen Notwendigkeit der gewählten Methode. Wird beispielsweise eine moderne Endothelfunktionsmessung analog abgerechnet, muss die Indikation klar aus der Dokumentation hervorgehen. Pauschale Begründungen ohne Bezug zum konkreten Krankheitsbild des Patienten führen regelmäßig zu Kürzungen.
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Dokumentation der GOÄ A639: Praxisbewährte Hinweise
Tipp: Dokumentieren Sie stets das konkret verwendete Messverfahren und die genauen Stimulationsparameter, um Rückfragen von Kostenträgern im Vorfeld zu vermeiden.
Eine lückenlose Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die präzise Fragestellung, das angewandte physikalische Prinzip sowie die Messergebnisse detailliert festgehalten werden. Auch die Dauer der Untersuchung und eventuelle Störfaktoren sollten vermerkt werden.
Für die rechtssichere Abrechnung empfiehlt sich die Integration eines standardisierten Befundberichts. Dieser sollte neben den Rohdaten auch eine klinische Interpretation der Vasomotorik enthalten.
Dokumentationsbeispiel: Verdacht auf autonome Neuropathie bei Diabetes mellitus Typ 2. Durchführung einer sympathischen Hautreaktion (SSR) an beiden Händen und Füßen nach elektrischer Stimulation. Registrierung stabiler Potenziale an den oberen Extremitäten, jedoch fehlende Antwort an den unteren Extremitäten. Befund vereinbar mit einer distalen autonomen Neuropathie.
GOÄ A639: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Ziffer A639 ist als technische Leistung im Regelfall bis zum 1,8-fachen Gebührensatz bewertet. Ein Überschreiten dieses Schwellenwerts bis zum Höchstsatz von 2,5 ist nur bei Vorliegen besonderer Umstände zulässig. Typische Begründungen für eine Steigerung sind eine extrem verlangsamte Reaktionsfähigkeit des Patienten oder technische Erschwernisse durch Tremor oder Spastiken.
Auch eine aufwendige thermische oder pharmakologische Provokation, die eine kontinuierliche Überwachung erfordert, kann eine Faktorerhöhung rechtfertigen. Die Begründung muss individuell und patientenbezogen auf der Rechnung formuliert werden.
Typische Ziffernkombinationen
Die Prüfung der Vasomotorik wird selten isoliert durchgeführt. Sinnvolle und zulässige Kombinationen ergeben sich häufig mit der neurologischen Untersuchung nach GOÄ 800 oder der elektromyographischen Diagnostik. Auch die Kombination mit Ziffern für die thermische Provokation ist unter Beachtung der jeweiligen Ausschlüsse möglich.
Nicht zulässig ist hingegen die gleichzeitige Abrechnung von Ziffern, die eine einfache orientierende Durchblutungsprüfung beinhalten, wenn diese denselben Untersuchungszweck verfolgen. Hier gilt das Zielleistungsprinzip der GOÄ.
Ziffer A639 in der neuen GOÄ
Die Prüfung der spontanen und reaktiven Vasomotorik wird in der neuen GOÄ durch die neue Nummer 2803 abgebildet — „Funktionsprüfung der peripheren arteriellen Durchblutung (z. B. nach Ratschow, Adson oder Allen)" — mit 22,70 € je Sitzung.
Die Zuordnung setzt voraus, dass die Vasomotorikprüfung tatsächlich als periphere arterielle Durchblutungs-Funktionsprüfung nach einem der genannten Provokationsverfahren durchgeführt wurde. Eine rein beobachtende Vasomotorik-Analyse ohne standardisiertes Provokationsprotokoll findet in der neuen GOÄ keine eigenständige Ziffer. Der alte 2,3-fache Satz lag bei 47,63 €; die neue Ziffer liegt deutlich darunter.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A639
Was hat nicht gestimmt?