Die analoge Abrechnung der GOÄ-Ziffer A643 bietet klare Leitlinien für die Untersuchung von Penisgefäßen und Skrotalfächern. Erfahren Sie alle Details.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A643
Analog Ansatz Nr. 643*: Nicht direktionale Untersuchungen der Penisgefäße u. / o. Skrotalfächer – analog Ansatz Nr. 643*: Periphere Arterien- bzw. Venendruck- und oder Strömungsmessung – entsprechend GOÄ § 6 (2)
Die GOÄ-Ziffer A643 beschreibt eine analoge Bewertung einer nicht direktionalen Untersuchung der Penisgefäße oder der Skrotalfächer. Da die ursprüngliche Gebührenordnung für Ärzte diese spezifische urologisch-andrologische Diagnostik nicht explizit abbildet, erfolgt die Abrechnung hilfsweise über die Ziffer 643 gemäß den Bestimmungen des § 6 Abs. 2 GOÄ.
Die Leistung umfasst die messtechnische Erfassung von Blutströmungen und Druckverhältnissen in den versorgenden Gefäßen des männlichen Genitals. Ziel ist es, hämodynamische Veränderungen ohne Richtungsbestimmung des Blutflusses präzise darzustellen. Diese Untersuchung liefert essenzielle Daten für die Beurteilung der vaskulären Perfusion.
GOÄ A643 in der Praxis: Diagnostik bei erektiler Dysfunktion und vaskulären Pathologien
In der urologischen und andrologischen Praxis stellt die Ziffer A643 ein wichtiges Werkzeug zur Abklärung einer erektilen Dysfunktion (ED) dar. Durch die Messung des arteriellen Einstroms und des venösen Abstroms können vaskuläre Ursachen der Impotenz frühzeitig identifiziert werden. Auch bei Verdacht auf eine Varikozele oder andere Durchblutungsstörungen der Skrotalfächer kommt das Verfahren regelmäßig zum Einsatz.
Die Abgrenzung zu direktionalen Verfahren ist hierbei von entscheidender Bedeutung. Während direktionale Doppler-Untersuchungen die Flussrichtung des Blutes exakt bestimmen, liefert die nicht direktionale Messung nach A643 primär quantitative Aussagen über die Strömungsgeschwindigkeit und den lokalen Gefäßwiderstand. Dies macht sie zu einer kostengünstigen und schnellen Screening-Methode.
Tipp: Nutzen Sie die Ziffer A643 gezielt im Rahmen der andrologischen Basisdiagnostik, bevor aufwendigere, invasive Verfahren wie die Schwellkörper-Pharmako-Duplexsonographie eingeleitet werden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A643
Fallbeispiel 1: Abklärung einer erektilen Dysfunktion
Ein 52-jähriger Patient stellt sich mit seit Monaten bestehenden Erektionsstörungen vor. Zur Abklärung einer arteriellen Durchblutungsstörung führt der Arzt eine nicht direktionale Strömungsmessung der Arteriae helicinae durch. Die Messung zeigt eine reduzierte Strömungsgeschwindigkeit, was den Verdacht auf eine arteriogene ED erhärtet. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer A643 mit dem Regelsatz (1,8-fach) in Höhe von 12,59 €.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf Varikozele bei unerfülltem Kinderwunsch
Ein junger Mann stellt sich wegen eines unerfüllten Kinderwunsches zur andrologischen Untersuchung vor. Bei der Palpation zeigt sich ein Verdacht auf eine linksseitige Varikozele. Zur Bestätigung der venösen Stauung erfolgt eine nicht direktionale Venendruck- und Strömungsmessung im Bereich der Skrotalfächer. Die Diagnose einer klinisch relevanten Varikozele kann gesichert werden. Die Abrechnung erfolgt über die analoge Ziffer A643.
Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle nach rekonstruktiver Gefäßoperation
Nach einer operativen Revaskularisation der Penisgefäße stellt sich der Patient zur postoperativen Verlaufskontrolle vor. Der Arzt führt eine nicht direktionale Strömungsmessung durch, um die Durchgängigkeit der Anastomosen zu überprüfen. Aufgrund der postoperativen Vernarbungen gestaltet sich die Auffindung der Gefäße als äußerst schwierig und zeitaufwendig. Die Abrechnung erfolgt mit einem erhöhten Steigerungssatz von 2,5 (17,49 €) unter Angabe der schwierigen anatomischen Verhältnisse.
Häufige Fehler bei der GOÄ A643: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer A643 ist die unzulässige Doppelabrechnung mit anderen gefäßdiagnostischen Leistungen am selben Untersuchungstag. Private Krankenversicherungen prüfen sehr genau, ob für denselben Gefäßabschnitt zusätzlich eine direktionale Doppler-Sonographie abgerechnet wurde. Dies ist nach den allgemeinen Bestimmungen der GOÄ nicht zulässig.
Zudem beanstanden Prüfstellen regelmäßig die analoge Anwendung, wenn die medizinische Notwendigkeit aus der Dokumentation nicht hervorgeht. Da es sich um eine Analogziffer nach § 6 Abs. 2 handelt, muss die Gleichwertigkeit der erbrachten Leistung mit der Originalziffer 643 (periphere Gefäßmessung) plausibel sein. Eine reine Tastuntersuchung oder eine orientierende Sonographie rechtfertigt den Ansatz der A643 keinesfalls.
Achtung: Achten Sie darauf, dass bei der Abrechnung der Ziffer A643 das Suffix "A" für "analog" sowie die genaue Leistungsbezeichnung auf der Rechnung angegeben sind, um formale Zurückweisungen durch die Beihilfe zu vermeiden.
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Dokumentation der GOÄ A643: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen neben der klaren Indikationsstellung auch die konkreten Messergebnisse festgehalten werden. Dazu gehören die erfassten Strömungsgeschwindigkeiten sowie eventuelle Abweichungen vom physiologischen Normalbefund.
Auch der zeitliche Aufwand und eventuelle Besonderheiten bei der Durchführung sollten vermerkt werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn ein erhöhter Steigerungssatz zur Anwendung kommen soll. Ein kurzes, standardisiertes Dokumentationsschema in der Praxissoftware erleichtert diesen Prozess erheblich.
Dokumentationsbeispiel:
Nicht direktionale Strömungsmessung der Penisgefäße analog GOÄ 643. Indikation: V. a. vaskuläre erektile Dysfunktion. Messung der A. profunda penis beidseits. Rechts: Strömungssignal abgeschwächt, Vmax 15 cm/s. Links: Regelrechtes Signal, Vmax 28 cm/s. Keine Komplikationen.
GOÄ A643: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer A643 kann bei Vorliegen besonderer Umstände über den Regelhöchstsatz von 1,8 (12,59 €) hinaus bis zum Höchstsatz von 2,5 (17,49 €) gesteigert werden. Typische Begründungen für eine Schwellenwertüberschreitung sind ein erheblicher zeitlicher Mehraufwand bei ausgeprägten anatomischen Varianten, postoperative Vernarbungen im Genitalbereich oder mangelnde Kooperationsfähigkeit des Patienten. Die Begründung muss patientenindividuell und nachvollziehbar auf der Liquidation formuliert werden.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die Ziffer A643 im Rahmen einer umfassenden andrologischen oder urologischen Untersuchung mit weiteren Leistungen kombiniert. Zulässig ist beispielsweise die Nebeneinanderberechnung mit der GOÄ-Ziffer 1 (Beratung) oder der GOÄ-Ziffer 5 (Symptombezogene Untersuchung). Auch die Kombination mit sonographischen Leistungen der Skrotalorgane nach Ziffer 410 ist unter Beachtung der jeweiligen Bestimmungen möglich, sofern es sich um eigenständige physikalische Untersuchungen handelt.
Ziffer A643 in der neuen GOÄ
Die nicht-direktionale Untersuchung der Penisgefäße und/oder Skrotalfächer findet ihren Nachfolger in der neuen Nummer 1263 — „Sonographische Untersuchung der Gefäße des männlichen Genitalsystems mittels B-Mode-(2D-real-time-)und Farbdoppler-Verfahren, ggf. einschließlich abschnittsweiser Mitdarstellung von benachbarten Organen und Strukturen" — mit 46,00 € je Sitzung.
Die Zuordnung setzt die in der neuen Legende beschriebene sonographische Methode (B-Mode plus Farbdoppler) voraus. Rein nicht-direktionale Untersuchungen ohne Duplex-Komponente haben in der neuen GOÄ keinen direkten Nachfolger. Der alte 2,3-fache Satz lag bei 12,58 €; die neue Ziffer liegt mit 46,00 € erheblich darüber, was den gewachsenen Anforderungen an eine standardkonforme Gefäßuntersuchung Rechnung trägt.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A643
Was hat nicht gestimmt?