GOÄ A807: Vertiefte Exploration abrechnen – Tipps & Fehler

4 Min. Lesezeit
GOÄ A807
für die vertiefte Exploration in Fortführung einer biografischen psychotherapeutischen Anamnese bei Kindern oder Jugendlichen unter Einschaltung der Bezugs- und Kontaktpersonen mit schriftlicher Aufzeichnung, auch in mehreren Sitzungen
Punktzahl 400  
Einfachsatz 23,31 € 1,0x
Regelhöchstsatz 53,61 € 2,3x
Höchstsatz 81,58 € 3,5x

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer A807 erfordert Präzision bei Dokumentation und Indikation. Erfahren Sie, wie Sie die vertiefte Exploration rechtssicher abrechnen.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A807

Die Abrechnung von psychiatrischen und psychotherapeutischen Leistungen bei Kindern und Jugendlichen erfordert oft einen erhöhten Aufwand. Die GOÄ-Ziffer A807 trägt diesem Umstand Rechnung. Sie wird gemäß § 6 Abs. 2 GOÄ analog nach Nr. 807 GOÄ berechnet.

für die vertiefte Exploration in Fortführung einer biografischen psychotherapeutischen Anamnese bei Kindern oder Jugendlichen unter Einschaltung der Bezugs- und Kontaktpersonen mit schriftlicher Aufzeichnung, auch in mehreren Sitzungen

Diese Leistung beschreibt eine vertiefte Exploration, die auf einer bereits begonnenen biografischen Anamnese aufbaut. Der Fokus liegt hierbei auf der Einbeziehung des sozialen Umfelds des jungen Patienten.

GOÄ A807 in der Praxis: Indikation und Abgrenzung in der Kinderpsychotherapie

Die Anwendung der Ziffer A807 ist in der kinder- und jugendpsychiatrischen sowie psychotherapeutischen Praxis von zentraler Bedeutung. Typische Indikationen umfassen komplexe Entwicklungsstörungen, emotionale Störungen oder Verhaltensauffälligkeiten, die eine mehrdimensionale Diagnostik erfordern.

Im Gegensatz zur einfachen Anamnese erfordert die vertiefte Exploration die aktive Einschaltung von Bezugspersonen. Dies können Eltern, Lehrer oder Erzieher sein, deren Perspektive für das Gesamtbild unerlässlich ist.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A807

Fallbeispiel 1: Diagnostik bei Verdacht auf ADHS

Ein 8-jähriger Patient stellt sich mit ausgeprägten Konzentrationsstörungen vor. In einer Folgesitzung werden die Mutter und die Klassenlehrerin detailliert zum Verhalten des Kindes befragt. Die systematische Exploration der Fremdanamnese wird schriftlich festgehalten. Die Abrechnung erfolgt mit der Ziffer A807 zum Regelsatz.

Fallbeispiel 2: Schwere Traumatisierung nach Unfall

Bei einem 14-jährigen Jugendlichen liegt der Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung vor. Die Exploration gestaltet sich aufgrund von emotionaler Blockade als äußerst schwierig. Unter Einbezug der Pflegeeltern erfolgt eine schrittweise Exploration über zwei Sitzungen. Aufgrund der Komplexität wird der 3,5-fache Steigerungssatz gewählt.

Fallbeispiel 3: Familiäre Konflikte bei Essstörung

Eine 16-jährige Patientin mit Anorexia nervosa wird in Begleitung beider Elternteile exploriert. Ziel ist die Erfassung der familiären Dynamik in Fortführung der biografischen Anamnese. Die schriftliche Aufzeichnung dokumentiert die Interaktionsmuster. Die Abrechnung erfolgt über die Ziffer A807.

Häufige Fehler bei der GOÄ A807: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der Ziffer A807 ist das Fehlen einer dokumentierten biografischen Vorarbeit. Da die Ziffer die Fortführung einer solchen Anamnese verlangt, muss diese zuvor stattgefunden haben.

Zudem beanstanden private Krankenversicherungen oft die fehlende Beteiligung von Drittpersonen. Die reine Exploration des Kindes ohne Einbezug von Bezugspersonen rechtfertigt diese Ziffer nicht.

Achtung: Die Ziffer A807 darf nicht am selben Tag wie die Ziffer 860 (biografische Anamnese) abgerechnet werden, es sei denn, es liegen zwei völlig getrennte Sitzungen mit entsprechender Uhrzeitangabe vor.

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Dokumentation der GOÄ A807: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Es müssen die Namen aller beteiligten Bezugspersonen sowie die wesentlichen Inhalte der Exploration festgehalten werden.

Auch der zeitliche Aufwand und die Aufteilung auf eventuelle mehrere Sitzungen sollten präzise dokumentiert werden. Ein Verweis auf die schriftliche Aufzeichnung ist essenziell.

Dokumentation: Vertiefte Exploration in Fortführung der biografischen Anamnese. Anwesend: Patient (12 J.) und Vater. Telefonat mit dem Hortner Herrn Schmidt zur Fremdeinschätzung. Exploration der psychosozialen Belastungspunkte. Schriftlicher Befundbericht in der Akte hinterlegt.

Tipp: Nutzen Sie standardisierte Dokumentationsbögen für die Fremdanamnese, um den formalen Anforderungen der schriftlichen Aufzeichnung stets gerecht zu werden.

GOÄ A807: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Eine Überschreitung des Schwellenwertes von 2,3 ist bei der Ziffer A807 gut begründbar. Relevante Faktoren sind ein erhöhter Zeitaufwand durch die Koordination mit mehreren Institutionen oder eine schwere Barriere in der Kommunikation mit dem Kind.

Auch eine ausgeprägte Fremdgefährdung oder hochgradig nonverbales Verhalten des Patienten können als Begründung für den 3,5-fachen Satz dienen.

Typische Ziffernkombinationen

Die Ziffer A807 wird häufig mit der Ziffer 801 (psychiatrische Untersuchung) oder therapeutischen Leistungen kombiniert. Eine zeitgleiche Erbringung mit anderen beratenden Ziffern ist genau auf Ausschlüsse zu prüfen.

Ziffer A807 in der neuen GOÄ

Die biographische Anamnese unter psychodynamischen und/oder lerngeschichtlichen Gesichtspunkten (Analogziffer A807, genutzt für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und per Video) findet in der neuen GOÄ ihren Nachfolger in Nummer 4405 „Erhebung einer biographischen Anamnese unter psychodynamischen und/oder lerngeschichtlichen Gesichtspunkten, ggf. zur Einleitung und Indikationsstellung, bei analytischer Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Gesprächspsychotherapie oder systemischer Psychotherapie, einschließlich schriftlicher Aufzeichnung, auch in mehreren Sitzungen" — 178,55 €, innerhalb von drei Kalendermonaten einmal berechnungsfähig. Gegenüber dem heutigen 2,3-fachen Satz von 53,61 € mehr als das Dreifache.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A807

Ja, die Ziffer A807 kann im Behandlungsfall mehrfach abgerechnet werden, sofern die medizinische Notwendigkeit gegeben ist. Da die Leistung auch mehrere Sitzungen umfassen kann, sollte bei wiederholter Abrechnung die jeweilige medizinische Begründung oder die Fortführung der Exploration genau dokumentiert werden.
Als Bezugs- und Kontaktpersonen gelten in erster Linie die Eltern oder Erziehungsberechtigten des Kindes oder Jugendlichen. Darüber hinaus können auch Lehrer, Erzieher, Pflegeeltern oder Mitarbeiter des Jugendamtes in die Exploration einbezogen werden.
Ja, die schriftliche Aufzeichnung ist ein obligater Leistungsbestandteil der GOÄ-Ziffer A807. Ohne eine detaillierte Dokumentation der Explorationsergebnisse in der Patientenakte ist die Leistung nicht abrechenbar.
Eine Nebeneinanderberechnung am selben Tag ist grundsätzlich ausgeschlossen, da die A807 die Fortführung der biografischen Anamnese darstellt. In seltenen, begründeten Ausnahmefällen ist dies nur bei strikter zeitlicher Trennung und separater Begründung denkbar.
Ein erhöhter Steigerungssatz kann durch einen außergewöhnlich hohen Zeitaufwand oder eine besonders schwierige Exploration begründet werden. Typische Gründe sind eine ausgeprägte Verhaltensstörung des Kindes, Sprachbarrieren oder die Koordination mit mehreren externen Institutionen.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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