Die GOÄ-Ziffer 1534 für die Probeexzision aus dem Kehlkopf ist ein zentraler Baustein der HNO-Diagnostik. Unser Leitfaden zeigt die korrekte Anwendung.
Warum Sie unter Wert abrechnen – Leitfaden zu den GOÄ-Steigerungsfaktoren
Die GOÄ erlaubt höhere Steigerungsfaktoren – und die Bundesärztekammer empfiehlt, sie öfter zu nutzen. Dieser Leitfaden zeigt, wann eine Steigerung geboten ist und wie Sie sie korrekt begründen.
Kostenlos herunterladenOffizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1534
Probeexzision aus dem Kehlkopf
Die GOÄ-Ziffer 1534 beschreibt die gezielte Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) direkt aus dem Kehlkopf (Larynx). Diese Leistung ist ein spezifischer chirurgischer Eingriff, der zur diagnostischen Abklärung von krankhaften Veränderungen dient, beispielsweise bei Verdacht auf eine bösartige Erkrankung.
In der Leistung enthalten ist die eigentliche Exzision des Gewebes mit einem geeigneten Instrument (z. B. Biopsiezange). Die vorangehende Einstellung des Kehlkopfes, meist mittels direkter Laryngoskopie, ist nicht Bestandteil der Ziffer 1534 und wird gesondert abgerechnet. Die Ziffer ist streng anatomisch auf den Kehlkopf beschränkt.
GOÄ 1534 in der Praxis: Korrekte Anwendung und Indikation
Die Abrechnung der GOÄ 1534 ist bei allen Indikationen gerechtfertigt, die eine histopathologische Untersuchung von Kehlkopfgewebe erfordern. Dies ist ein entscheidender Schritt in der Diagnostik von Larynxerkrankungen, um zwischen entzündlichen, präkanzerösen und malignen Veränderungen zu unterscheiden.
Typische klinische Szenarien umfassen die Abklärung von chronischer Heiserkeit, sichtbaren Läsionen an den Stimmlippen wie Leukoplakien oder Erythroplakien sowie unklaren Raumforderungen im Bereich des Kehlkopfes. Die Biopsie wird in der Regel während einer direkten Laryngoskopie, oft unter Verwendung eines Operationsmikroskops, durchgeführt.
Die Abgrenzung zu anderen Biopsie-Ziffern ist klar definiert: GOÄ 2401 gilt für oberflächliche Gewebe (z. B. Mundschleimhaut), GOÄ 2402 für tieferliegende Strukturen (z. B. Muskulatur). Für den Kehlkopf ist ausschließlich die GOÄ 1534 anzuwenden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1534
Fallbeispiel 1: Abklärung einer Leukoplakie
Ein 60-jähriger Patient, starker Raucher, klagt über seit Monaten bestehende Heiserkeit. Bei der endoskopischen Untersuchung zeigt sich eine weißliche, nicht abwischbare Veränderung (Leukoplakie) an der rechten Stimmlippe. Zur Ausschlussdiagnostik eines Karzinoms wird eine Probeexzision in direkter Laryngoskopie durchgeführt. Die korrekte Abrechnung umfasst die GOÄ 1533 für die Laryngoskopie und die GOÄ 1534 für die Biopsie.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf Rezidiv nach Strahlentherapie
Eine Patientin wurde vor zwei Jahren wegen eines Larynxkarzinoms bestrahlt. Bei einer Nachsorgeuntersuchung fällt eine neue, unregelmäßige Schleimhautveränderung im Bereich des ehemaligen Tumors auf. Um ein Rezidiv auszuschließen, wird eine gezielte Biopsie entnommen. Auch hier wird die Kombination aus GOÄ 1533 und 1534 abgerechnet, gegebenenfalls mit einem erhöhten Steigerungsfaktor aufgrund narbiger Verhältnisse.
Fallbeispiel 3: Unklare subglottische Schwellung
Ein Patient leidet unter zunehmender Atemnot. Eine bildgebende Untersuchung zeigt eine unklare Raumforderung unterhalb der Stimmlippenebene (subglottisch). Zur histologischen Sicherung der Diagnose wird eine Probeexzision durchgeführt. Die Abrechnung erfolgt mit GOÄ 1534, zusätzlich zur diagnostischen Laryngoskopie (GOÄ 1533) und dem Zuschlag für das Operationsmikroskop (GOÄ 440).
Häufige Fehler bei der GOÄ 1534: Was Prüfer beanstanden
Abrechnungsfehler bei der GOÄ 1534 entstehen oft durch eine falsche anatomische Zuordnung oder das Vergessen von Kombinationsmöglichkeiten. Die Kenntnis dieser Fallstricke ist für eine korrekte Liquidation unerlässlich.
Ein häufiger Fehler ist die Anwendung der Ziffer 1534 für Biopsien aus dem Rachen (Pharynx) oder dem Hypopharynx. Die Leistungslegende ist hier eindeutig: Die Ziffer gilt nur für den Kehlkopf. Für Biopsien aus dem Nasenrachenraum ist beispielsweise die GOÄ 1556, für andere Bereiche oft die GOÄ 2401 oder 2402 die korrekte Wahl.
Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 1534 für eine Probeexzision aus der Zunge, dem Gaumen oder dem Rachen wird von Kostenträgern konsequent gestrichen. Die anatomische Lokalisation muss aus der Dokumentation klar hervorgehen.
Ein weiterer Fehler ist die Nicht-Abrechnung der separat berechnungsfähigen direkten Laryngoskopie nach GOÄ 1533. Diese ist die Voraussetzung für die Biopsie und stellt eine eigenständige Leistung dar. Das Vergessen dieser Ziffer führt zu erheblichen Honorarverlusten.
Dokumentation der GOÄ 1534: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist die Grundlage für eine rechtssichere Abrechnung und beugt Rückfragen durch Kostenträger vor. Sie sollte alle relevanten Aspekte des Eingriffs umfassen.
Die Dokumentation muss die medizinische Notwendigkeit (Indikation) klar benennen. Zudem sind der genaue Ablauf des Eingriffs, die exakte Lokalisation der Gewebeentnahme (z. B. „vorderes Drittel der linken Stimmlippe“) und der Versand des Materials zur histopathologischen Untersuchung zu vermerken. Die Verwendung spezieller Instrumente sollte ebenfalls notiert werden.
Dokumentation: V. a. Larynxkarzinom bei chronischer Heiserkeit und Leukoplakie der re. Stimmlippe. In direkter Mikrolaryngoskopie (Kleinsasser) Entnahme einer Probeexzision aus dem zentralen Areal der Läsion. Blutstillung. Präparatversand an die Pathologie.
GOÄ 1534: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Eine Steigerung des Faktors über den 2,3-fachen Regelhöchstsatz hinaus ist bei Vorliegen besonderer Schwierigkeiten möglich. Diese müssen patientenindividuell und nachvollziehbar in der Rechnung begründet werden. Mögliche Gründe sind erschwerte anatomische Verhältnisse (z. B. Adipositas, kurze HWS), eine starke Blutungsneigung, die den Eingriff erschwert, oder besonders harte bzw. brüchige Gewebeverhältnisse, die die Entnahme komplizieren.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 1534 wird selten allein abgerechnet. Die Kombination mit anderen Ziffern ist die Regel und für eine vollständige Honorierung entscheidend.
- GOÄ 1533: Direkte Laryngoskopie (ggf. mit Bruststütze). Fast immer zusammen mit GOÄ 1534 berechnungsfähig, da sie den Zugang für die Biopsie schafft.
- GOÄ 440: Zuschlag für die Anwendung eines Operationsmikroskops. Bei mikrolaryngoskopischen Eingriffen ein regelhafter und notwendiger Zuschlag.
- Beratungen und Untersuchungen: Ziffern wie GOÄ 1, 3 oder 6 können im Vorfeld der eigentlichen Operation abgerechnet werden, jedoch nicht in derselben Sitzung neben den operativen Leistungen.
Tipp: Denken Sie bei mikrolaryngoskopischen Eingriffen immer an den Zuschlag nach GOÄ 440. Dessen Ansatz ist bei der Verwendung eines Operationsmikroskops zur Durchführung der Probeexzision absolut gerechtfertigt und wird in der Regel problemlos erstattet.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1534
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