GOÄ 1542: Kehlkopfplastik korrekt abrechnen & steigern

1542
Kehlkopfplastik mit Stimmbandverlagerung
J Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde
Punktzahl
1850
Einfachsatz
107,83 €
1,0x
Regelhöchstsatz
248,01 €
2,3x
Höchstsatz
377,40 €
3,5x
Ausschlüsse
1547

Die GOÄ-Ziffer 1542 für die Kehlkopfplastik ist hoch bewertet, birgt aber Tücken. Erfahren Sie alles über Indikationen, Ausschlüsse und korrekte Dokumentation.

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Warum Sie unter Wert abrechnen – Leitfaden zu den GOÄ-Steigerungsfaktoren

Die GOÄ erlaubt höhere Steigerungsfaktoren – und die Bundesärztekammer empfiehlt, sie öfter zu nutzen. Dieser Leitfaden zeigt, wann eine Steigerung geboten ist und wie Sie sie korrekt begründen.

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Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1542

Kehlkopfplastik mit Stimmbandverlagerung

Die GOÄ-Ziffer 1542 beschreibt einen komplexen, plastisch-rekonstruktiven Eingriff am Kehlkopf. Der obligatorische und zentrale Leistungsinhalt ist die Verlagerung eines Stimmbandes (auch Stimmlippe genannt). Ziel des Eingriffs ist in der Regel die Wiederherstellung oder Verbesserung der Stimmfunktion (Phonation) oder die Erweiterung der Atemwege.

Diese Leistung umfasst verschiedene chirurgische Techniken, die entweder von außen (z.B. Thyreoplastik) oder endoskopisch durch den Mund erfolgen können. Entscheidend für die Abrechnung ist nicht der Zugangsweg, sondern die tatsächlich durchgeführte plastische Umformung des Kehlkopfgerüsts mit einer daraus resultierenden Positionsänderung der Stimmlippe.

GOÄ 1542 in der Praxis: Indikationen und operative Ziele

Die Abrechnung der GOÄ 1542 ist bei spezifischen klinischen Szenarien gerechtfertigt, die eine strukturelle Veränderung des Kehlkopfes erfordern. Die häufigste Indikation ist die einseitige Stimmlippenlähmung (Recurrensparese), beispielsweise nach einer Schilddrüsenoperation, die zu einer unvollständigen Schließung der Stimmritze (Glottisinsuffizienz) führt.

Operative Ziele, die unter diese Ziffer fallen, sind:

  • Medialisierung: Die gelähmte Stimmlippe wird zur Mitte hin verlagert, um den Stimmlippenschluss zu verbessern. Dies führt zu einer kräftigeren, weniger behauchten Stimme und reduziert das Risiko des Verschluckens (Aspiration).
  • Lateralisierung: Bei einer beidseitigen Stimmlippenlähmung, die die Atemwege verengt, wird eine oder beide Stimmlippen nach außen verlagert, um die Stimmritze zu erweitern und die Atmung zu erleichtern.

Die Abgrenzung zu anderen Ziffern ist wichtig. Während einfache Unterspritzungen der Stimmlippe (z.B. mit GOÄ 1540) augmentative Verfahren sind, beschreibt die GOÄ 1542 einen strukturell-verändernden Eingriff am Kehlkopfskelett.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1542

Fallbeispiel 1: Medialisierungsthyreoplastik bei Recurrensparese

Klinische Situation: Ein 58-jähriger Patient leidet seit einer Strumektomie an einer heiseren, kraftlosen Stimme und häufigem Verschlucken. Die Laryngoskopie zeigt eine linksseitige Stimmlippenlähmung in Paramedianstellung mit deutlicher Glottisinsuffizienz.

Begründung und Abrechnung: Zur Verbesserung des Glottisschlusses wird eine Thyreoplastik Typ I nach Isshiki durchgeführt. Dabei wird von außen ein Fenster in den Schildknorpel gefräst und ein Silikonimplantat eingesetzt, um die gelähmte Stimmlippe nach medial zu verlagern. Dieser Eingriff erfüllt exakt die Leistungslegende und wird mit GOÄ 1542 abgerechnet.

Fallbeispiel 2: Endoskopische Laterofixation bei beidseitiger Lähmung

Klinische Situation: Eine Patientin mit beidseitiger Stimmlippenlähmung leidet unter ausgeprägter Atemnot bei Belastung (Belastungsdyspnoe) und nächtlichem Stridor. Die Stimmlippen stehen median und engen die Atemwege stark ein.

Begründung und Abrechnung: Um einen Luftröhrenschnitt zu vermeiden, wird eine endoskopische Laterofixation einer Stimmlippe durchgeführt. Dabei wird die Stimmlippe mittels einer Naht nach lateral gezogen und fixiert, um die Glottis zu erweitern. Da es sich um eine plastische Maßnahme mit Verlagerung der Stimmlippe handelt, ist die GOÄ 1542 korrekt anzusetzen.

Fallbeispiel 3: Arytenoid-Adduktion bei großer posteriorer Lücke

Klinische Situation: Ein Patient weist nach einem Trauma eine Lähmung auf, die zu einer großen Lücke im hinteren Drittel der Stimmritze führt, was durch eine alleinige Medialisierung nicht zu beheben ist.

Begründung und Abrechnung: Es wird eine kombinierte Operation aus Thyreoplastik und einer Arytenoid-Adduktion durchgeführt, bei der der Aryknorpel repositioniert wird. Dieser erhöhte operative Aufwand rechtfertigt nicht nur die Abrechnung der GOÄ 1542, sondern auch eine Steigerung des Faktors über den Regelhöchstsatz hinaus mit entsprechender Begründung.

Häufige Fehler bei der GOÄ 1542: Was Prüfer beanstanden

Die hohe Bewertung der Ziffer 1542 führt zu einer genauen Prüfung durch Kostenträger. Folgende Punkte werden häufig beanstandet:

  • Verwechslung mit GOÄ 1547: Der häufigste Fehler ist die falsche Abgrenzung zur GOÄ 1547 (Kehlkopfteilresektion). GOÄ 1542 ist ein rekonstruktiver Eingriff, GOÄ 1547 ein resezierender Eingriff (z.B. bei Tumoren). Die beiden Ziffern schließen sich gegenseitig aus.
  • Fehlende Stimmbandverlagerung: Die Leistungslegende fordert explizit eine „Stimmbandverlagerung“. Andere plastische Eingriffe am Kehlkopf ohne diese Maßnahme (z.B. eine reine Narbenlösung) rechtfertigen den Ansatz nicht. Die Verlagerung muss im OP-Bericht klar dokumentiert sein.
  • Abrechnung der Tracheotomie: Manchmal wird fälschlicherweise angenommen, eine notwendige Tracheotomie sei Bestandteil der Leistung. Dies ist nicht der Fall.

Achtung: Eine während des Eingriffs oder zur postoperativen Sicherung der Atemwege notwendige Tracheotomie ist eine eigenständige Leistung und kann und muss gesondert mit der GOÄ-Ziffer 2751 abgerechnet werden.

Dokumentation der GOÄ 1542: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist entscheidend, um die Abrechnung der GOÄ 1542 gegenüber Prüfstellen zu verteidigen. Der Operationsbericht ist hier das zentrale Element.

Die Dokumentation sollte folgende Punkte umfassen:

  1. Präoperative Diagnostik: Befund der Laryngoskopie/Stroboskopie mit genauer Beschreibung der Stimmlippenstellung und Funktion.
  2. Indikationsstellung: Klare Begründung für die Notwendigkeit des Eingriffs (z.B. „Dysphonie Grad III bei Glottisinsuffizienz“).
  3. Detaillierter OP-Bericht: Genaue Beschreibung der chirurgischen Schritte, die zur Verlagerung der Stimmlippe geführt haben (z.B. „Anlage eines Knorpelfensters“, „Einbringen eines Implantats“, „Anlage einer lateral fixierenden Naht“).
  4. Postoperativer Befund: Beschreibung des erzielten Ergebnisses (z.B. „verbesserter Glottisschluss“, „erweiterte Stimmritze“).

Dokumentation: „OP-Bericht: Durchführung einer Thyreoplastik Typ I links bei Z.n. Recurrensparese. Nach Inzision und Darstellung des Schildknorpels Anlage eines Knorpelfensters auf Höhe der Stimmlippe. Einbringen eines zurechtgeschnittenen Gore-Tex-Streifens zur Medialisierung der linken Stimmlippe bis zum Erreichen eines vollständigen Glottisschlusses. Endoskopische Kontrolle bestätigt die korrekte Lage.“

GOÄ 1542: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die GOÄ 1542 ist eine Leistung, bei der eine Steigerung über den 2.3-fachen Regelhöchstsatz (bis zum 3.5-fachen Höchstsatz) bei Vorliegen besonderer Schwierigkeiten, eines erhöhten Zeitaufwandes oder besonderer Umstände gerechtfertigt sein kann. Eine aussagekräftige, patientenindividuelle Begründung in der Rechnung ist zwingend erforderlich.

Mögliche Begründungen sind:

  • Erschwerte Bedingungen durch Vernarbungen nach Voroperationen oder Bestrahlung.
  • Besonders komplexe anatomische Verhältnisse.
  • Notwendigkeit eines kombinierten Verfahrens (z.B. Thyreoplastik mit Arytenoid-Adduktion).
  • Starke Blutungsneigung oder intraoperative Komplikationen.

Tipp: Formulieren Sie die Begründung für den Steigerungsfaktor so konkret wie möglich. Statt „erhöhter Aufwand“ schreiben Sie besser „erheblich erschwerte Präparation im stark vernarbten Halsbereich nach mehrfacher Voroperation und Radiatio“.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 1542 kann sinnvoll mit weiteren Ziffern kombiniert werden:

  • GOÄ 441: Zuschlag für die Anwendung eines Operationsmikroskops.
  • GOÄ 1500/1501: Kehlkopfspiegelung (indirekt/direkt) zur prä- oder postoperativen Kontrolle.
  • GOÄ 2751: Tracheotomie (falls medizinisch notwendig).
  • Anästhesieleistungen: Z.B. GOÄ 481 (Intubationsnarkose > 1 Stunde).
  • Allgemeine Ziffern für Beratung (GOÄ 1/3), Untersuchungen (GOÄ 6/7) und postoperative Visiten.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1542

GOÄ 1542 beschreibt eine plastisch-rekonstruktive Operation am Kehlkopf mit Stimmbandverlagerung, während GOÄ 1547 eine Kehlkopfteilresektion, also die Entfernung von Kehlkopfanteilen, umfasst. Die Ziffer 1542 zielt auf Funktionsverbesserung (Stimme, Atmung), die Ziffer 1547 meist auf die Tumorentfernung. Beide Ziffern sind nicht nebeneinander abrechenbar.
Ja, eine im Rahmen der Kehlkopfplastik erforderliche Tracheotomie ist eine eigenständige Leistung und kann gesondert abgerechnet werden. Hierfür ist die GOÄ-Ziffer 2751 (Tracheotomie) anzusetzen. Dies gilt sowohl für eine temporäre als auch für eine permanente Anlage.
Typische Indikationen sind einseitige oder beidseitige Stimmlippenlähmungen (Recurrensparesen), die zu Stimmstörungen (Dysphonie) oder Atemnot (Dyspnoe) führen. Auch Kehlkopfstenosen oder Zustände nach Traumata, die eine plastische Rekonstruktion mit Stimmbandverlagerung erfordern, rechtfertigen den Ansatz dieser Ziffer.
Eine Steigerung über den 2.3-fachen Satz kann durch einen überdurchschnittlichen Aufwand begründet werden. Beispiele hierfür sind schwierige anatomische Verhältnisse durch Vernarbungen nach Voroperationen oder Bestrahlung, ein besonders komplexes operatives Vorgehen oder unerwartete intraoperative Komplikationen. Die Begründung muss patientenindividuell und nachvollziehbar sein.
Ja, die Leistungslegende der GOÄ 1542 definiert nicht den operativen Zugangsweg. Daher kann die Ziffer sowohl für offene Eingriffe von außen (z.B. Thyreoplastik) als auch für endoskopische Verfahren (z.B. endoskopische Laterofixation) angesetzt werden, solange der obligate Leistungsinhalt – eine Kehlkopfplastik mit Stimmbandverlagerung – erfüllt ist.
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