GOÄ 1741: Phimoseoperation korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 1741
Phimoseoperation
Punktzahl 370  
Einfachsatz 21,57 € 1,0x
Regelhöchstsatz 49,61 € 2,3x
Höchstsatz 75,50 € 3,5x
Ausschlüsse

Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 1741 (Phimoseoperation): Erfahren Sie alles über OP-Methoden, Ausschlüsse, Steigerungsfaktoren und Dokumentation.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1741

GOÄ-Ziffer 1741: Phimoseoperation – 370 Punkte

Die Leistungsbeschreibung der GOÄ-Ziffer 1741 umfasst die operative Behandlung einer angeborenen oder erworbenen Phimose. Unabhängig von der gewählten Operationstechnik ist diese Ziffer die zentrale Abrechnungsgrundlage für diesen urologischen Eingriff. Sie deckt sowohl die vollständige oder teilweise Entfernung der Vorhaut als auch rekonstruktive, vorhauterhaltende Verfahren ab.

In der Praxis bedeutet dies, dass sämtliche gängigen Operationsmethoden wie die Zirkumzision (Beschneidung) oder verschiedene Formen der Präputiumplastik unter dieser Ziffer subsumiert werden. Auch der Einsatz spezieller Hilfsmittel wie der Gomco-Klemme oder des Plastibell-Geräts ist mit der Gebühr abgegolten. Zusätzliche Gebühren für die reine Schnittführung oder Nahttechnik können nicht gesondert in Rechnung gestellt werden.

GOÄ 1741 in der Praxis: Indikationen und OP-Verfahren

Die Indikation zur Phimoseoperation nach GOÄ 1741 ist bei einer medizinisch relevanten Verengung der Vorhaut gegeben, die zu Beschwerden wie Miktionsstörungen, rezidivierenden Balanitiden oder Schmerzen führt. Der behandelnde Arzt muss vorab entscheiden, ob ein vorhauterhaltendes oder ein resezierendes Verfahren medizinisch indiziert und vom Patienten gewünscht ist.

Bei der Präputiumplastik (Vorhautplastik) bleibt die Vorhaut vollständig erhalten, indem beispielsweise durch Längsschnitte und anschließende Quervernähung (z. B. Triple-Inzision) der Ring erweitert wird. Demgegenüber steht die Zirkumzision, bei der die Vorhaut entweder komplett (radikal) oder nur teilweise (partiell) reseziert wird. Beide operativen Ansätze sind gleichermaßen über die GOÄ 1741 abzurechnen.

Tipp: Achten Sie darauf, dass bei ambulant durchgeführten Operationen in der eigenen Praxis der OP-Zuschlag nach Ziffer 442 (Zuschlag für ambulante operative Leistungen) angesetzt wird, um den erhöhten Sachkostenaufwand adäquat abzubilden.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1741

Fallbeispiel 1: Radikale Zirkumzision bei erworbener Phimose

Ein 45-jähriger Patient stellt sich mit einer ausgeprägten, vernarbten Phimose nach rezidivierenden Balanitiden vor. Es erfolgt eine radikale Zirkumzision in Lokalanästhesie. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 1741 zum Regelsatz (2,3-fach), kombiniert mit der Lokalanästhesie (z. B. GOÄ 491) und dem ambulanten Operationszuschlag GOÄ 442.

Fallbeispiel 2: Vorhauterhaltende Präputiumplastik bei einem Jugendlichen

Bei einem 14-jährigen Patienten wird aufgrund einer moderaten Phimose eine schonende Vorhautplastik (Triple-Inzision) durchgeführt. Die Vorhaut bleibt vollständig erhalten. Auch dieses plastisch-rekonstruktive Verfahren wird korrekt über die GOÄ-Ziffer 1741 abgerechnet, da die Ziffer alle methodischen Varianten der Phimoseoperation abdeckt.

Fallbeispiel 3: Erschwerte Phimoseoperation bei ausgeprägten Verwachsungen

Ein 60-jähriger Patient mit Diabetes mellitus weist extrem feste, entzündliche Verklebungen zwischen Vorhaut und Glans auf. Die Präparation gestaltet sich zeitaufwendig und schwierig. Hier wird die GOÄ 1741 mit einem erhöhten Steigerungssatz (3,5-fach) abgerechnet, wobei die schwierige Präparation explizit in der Rechnung begründet werden muss.

Häufige Fehler bei der GOÄ 1741: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der urologischen Abrechnung is die unzulässige Nebeneinanderberechnung von Vorarbeiten oder Akutmaßnahmen. Die GOÄ-Ziffer 1741 weist einen strikten Abrechnungsausschluss auf: Sie darf nicht am selben Behandlungstag neben den Ziffern 1740 (Inzision der Vorhaut, z. B. dorsale Inzision) oder 1742 (Operation der Paraphimose) berechnet werden.

Wird beispielsweise bei einer akuten Paraphimose zunächst eine Notfall-Inzision (GOÄ 1740) durchgeführt und in derselben Sitzung die definitive Phimoseoperation (GOÄ 1741) angeschlossen, ist nur die höher bewertete Ziffer 1741 abrechenbar. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen diese Ausschlusskriterien sehr genau und kürzen Rechnungen bei Verstößen umgehend.

Achtung: Die alleinige Lösung von physiologischen Vorhautverklebungen bei Kleinkindern rechtfertigt nicht den ansatzweisen Gebrauch der GOÄ 1741. Hierbei handelt es sich nicht um eine Phimoseoperation, sondern um eine wesentlich geringer bewertete Leistung, die oft im Rahmen einer Untersuchung erbracht wird.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 1741: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das beste Schild gegen Honorarkürzungen. Im OP-Bericht müssen die Indikation, das gewählte OP-Verfahren (z. B. Zirkumzision oder Plastik) sowie die verwendeten Materialien und Anästhesieverfahren detailliert festgehalten werden. Besonders bei Abweichungen vom Regelsatz ist eine präzise Beschreibung der anatomischen Besonderheiten unerlässlich.

Falls Verwachsungen, Entzündungszeichen oder starke Blutungen den Eingriff erschwert haben, müssen diese erschwerenden Faktoren zeitnah dokumentiert werden. Dies erleichtert die spätere Formulierung einer rechtssicheren Begründung für die Schwellenwertüberschreitung erheblich.

Dokumentationsbeispiel:
Diagnose: Erworbene, vernarbte Phimose. Durchführung einer radikalen Zirkumzision. Lokalanästhesie mittels Peniswurzelblock (GOÄ 491). Intraoperativ Darstellung massiver, derber Verwachsungen zwischen innerem Vorhautblatt und Glans penis. Mühsame, scharfe Präparation unter Schonung des Gewebes. Blutstillung mittels bipolarer Koagulation. Nahtversorgung mit resorbierbarem Nahtmaterial.

GOÄ 1741: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Der Regelsatz der GOÄ 1741 liegt bei 49,61 € (2,3-facher Satz). Bei besonders schwierigen anatomischen Verhältnissen, ausgeprägten Vernarbungen (z. B. bei Lichen sclerosus) oder einer erheblich verlängerten Operationszeit kann der Faktor bis auf 3,5 (75,50 €) gesteigert werden. Typische Begründungen sind ein "erhöhter Zeitaufwand durch extreme Verwachsungen" oder eine "schwierige Blutstillung bei hämorrhagischer Diathese".

Typische Ziffernkombinationen

Neben der GOÄ 1741 können verschiedene begleitende Leistungen abgerechnet werden. Hierzu gehören die Lokalanästhesie (z. B. GOÄ 490 oder 491) sowie der ambulante OP-Zuschlag nach GOÄ 442. Nicht zulässig ist hingegen die gesonderte Berechnung von Wundverschlüssen oder einfachen Blutstillungen im Operationsgebiet, da diese als Zielleistung der Phimoseoperation gelten.

Ziffer 1741 in der neuen GOÄ

Die bisherige Ziffer 1741 erhält in der neuen GOÄ die Nummer 10244 — „Operation einer Phimose, komplett oder inkomplett, ggf. einschließlich Frenulumplastik" — mit einem Festpreis von 171,16 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 49,61 €).

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1741

Ja, die Frenulumplastik nach GOÄ 1743 ist neben der GOÄ 1741 berechnungsfähig, sofern sie eine eigenständige Indikation besitzt und nicht Teil des Standard-OP-Verfahrens ist. Achten Sie auf eine präzise Dokumentation der getrennten operativen Schritte.
Die GOÄ-Ziffer 1741 darf nicht am selben Behandlungstag neben den Ziffern 1740 (Inzision der Vorhaut) und 1742 (Operation der Paraphimose) abgerechnet werden. Diese Leistungen gelten als abgegolten oder sind systemisch ausgeschlossen.
Ja, bei einer ambulant in der Praxis durchgeführten Phimoseoperation kann der Zuschlag nach GOÄ-Ziffer 442 zusätzlich berechnet werden. Dies deckt den erhöhten apparativen und personellen Aufwand ab.
Eine Steigerung bis zum 3,5-fachen Satz lässt sich durch erhebliche Verwachsungen, starke intraoperative Blutungen oder ausgeprägte Vernarbungen begründen. Der erhöhte Zeitaufwand und die anatomische Schwierigkeit müssen im OP-Bericht detailliert dokumentiert sein.
Ja, die GOÄ-Ziffer 1741 deckt alle operativen Methoden zur Behebung einer Phimose ab. Dazu gehören sowohl die vollständige Zirkumzision als auch vorhauterhaltende Plastiken wie die Präputiumplastik.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich