Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 1760 für die Varikozelenoperation: Indikationen, Fallbeispiele, Steigerungsfaktoren und typische Fallstricke.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1760
Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) beschreibt die Ziffer 1760 im Abschnitt K (Urologie) wie folgt:
Varikozelenoperation mit hoher Unterbindung der Vena spermatica (Bauchschnitt)
Diese urologische Leistung umfasst die operative Sanierung eines Krampfaderbruchs des Hodensackes über einen abdominalen beziehungsweise retroperitonealen Zugangsweg. Die hohe Unterbindung der betroffenen Hodenvene (Vena spermatica) steht hierbei im Mittelpunkt des Eingriffs. Ziel der Operation ist es, den pathologischen Reflux von venösem Blut in den Hoden dauerhaft zu unterbinden.
Die Leistung nach GOÄ 1760 beinhaltet den operativen Zugang, die Darstellung und Präparation der Gefäße sowie die anschließende Ligatur der Vena spermatica. Auch der schichtweise Wundverschluss sowie die unmittelbare postoperative Überwachung sind mit dieser Gebühr abgegolten.
GOÄ 1760 in der Praxis: Indikationen und operative Verfahren
Die Varikozele tritt in den meisten Fällen einseitig auf der linken Seite auf, was anatomisch durch die rechtwinklige Einmündung der linken Hodenvene in die linke Nierenvene bedingt ist. Eine therapeutische Indikation zur Operation besteht vor allem bei chronischen Schmerzen, einer fortschreitenden Hodenatrophie oder einer Einschränkung der Spermienqualität im Zuge einer ungewollten Kinderlosigkeit.
Klinisch etabliert haben sich für diesen offenen Zugangsweg vor allem zwei Operationsmethoden. Die Operation nach Bernardi sieht die selektive, hohe retroperitoneale Ligatur der Hodenvenen unter Schonung der Arteria spermatica vor. Demgegenüber steht die Operation nach Palomo, bei der das gesamte Gefäßbündel inklusive der Arterie hoch ligiert wird.
Tipp: Da die Varikozele in seltenen Fällen auch beidseitig auftreten kann, ist bei einer bilateralen Operation die GOÄ 1760 zweimal berechnungsfähig. Achten Sie in diesem Fall auf eine präzise Dokumentation beider Operationsseiten.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1760
Um die korrekte Abrechnung im Praxisalltag zu verdeutlichen, dienen die folgenden drei klinischen Szenarien als Orientierung.
Fallbeispiel 1: Einseitige offene Varikozelenoperation nach Bernardi
Ein 28-jähriger Patient stellt sich mit einer symptomatischen, linksseitigen Varikozele Grad III und einem pathologischen Spermiogramm vor. Es erfolgt die offene, retroperitoneale hohe Ligatur der Vena spermatica links (Bernardi-Operation) unter stationären Bedingungen. Die Abrechnung erfolgt mit dem Regelsatz (Faktor 2,3), da keine intraoperativen Besonderheiten auftraten. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 1760 zum Betrag von 198,42 €.
Fallbeispiel 2: Beidseitige Varikozelenoperation bei bilateralem Befund
Bei einem 32-jährigen Patienten mit unerfülltem Kinderwunsch wird eine beidseitige Varikozele diagnostiziert. Der Operateur führt über zwei separate retroperitoneale Zugänge eine hohe Unterbindung der Venae spermaticae beidseits durch. In der Liquidation wird die GOÄ 1760 zweimal aufgeführt (oder mit dem Faktor 2,0 bei doppelter Menge), jeweils unter Angabe der behandelten Seite (rechts/links).
Fallbeispiel 3: Ambulante Durchführung mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad
Eine linksseitige Varikozelenoperation wird ambulant durchgeführt. Aufgrund von ausgeprägten Verwachsungen nach einer früheren Appendektomie gestaltet sich der retroperitoneale Zugang extrem schwierig und zeitaufwendig. Der Arzt rechnet die GOÄ 1760 mit dem Höchstsatz von 3,5 (301,94 €) unter Angabe der konkreten Begründung ab. Zusätzlich wird der ambulante OP-Zuschlag nach GOÄ 445 (128,23 € bei Faktor 1,0) geltend gemacht.
Häufige Fehler bei der GOÄ 1760: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 1760 ist die Verwechslung mit der laparoskopischen Varikozelenligatur. Da der Leistungstext explizit einen Bauchschnitt fordert, darf die Ziffer 1760 bei minimal-invasiven, laparoskopischen Eingriffen nicht direkt herangezogen werden. Für laparoskopische Verfahren müssen entsprechende analoge Bewertungen gewählt werden.
Zudem ist eine Nebeneinanderberechnung der GOÄ 1760 mit der GOÄ 1759 (Varikozelenoperation, auch mit Resektion von Venenstrecken) für denselben Operationssitus ausgeschlossen. Die GOÄ 1759 beschreibt in der Regel den inguinalen oder skrotalen Zugangsweg und stellt eine eigenständige, konkurrierende Leistung dar.
Achtung: Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen vermehrt, ob bei der Abrechnung der GOÄ 1760 tatsächlich ein offener retroperitonealer oder transabdominaler Zugang dokumentiert wurde. Fehlt dieser Nachweis im OP-Bericht, droht eine Honorarkürzung auf das Niveau der günstigeren GOÄ 1759.
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Dokumentation der GOÄ 1760: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und rechtssichere Dokumentation ist das Fundament jeder erfolgreichen GOÄ-Abrechnung. Der Operationsbericht muss die medizinische Notwendigkeit sowie den exakten Ablauf des Eingriffs zweifelsfrei belegen. Wichtig ist die genaue Beschreibung der Schnittführung, um den geforderten Bauchschnitt (Laparotomie bzw. retroperitonealen Zugang) nachzuweisen.
Darüber hinaus sollten die Identifikation, die selektive Präparation und die doppelte Ligatur der Vena spermatica detailliert beschrieben werden. Auch die Erwähnung des Erhalts der Arteria spermatica (bei der Methode nach Bernardi) stützt die Plausibilität des Berichts.
Dokumentationsbeispiel: Hautschnitt im linken Unterbauch. Schichtweise Präparation bis in den Retroperitonealraum. Darstellung des Funiculus spermaticus. Selektive Isolierung der ektatischen Vena spermatica unter Schonung der Arterie und der Lymphbahnen. Doppelte Ligatur und Durchtrennung der Vene. Schichtweiser Wundverschluss. Keine Komplikationen.
GOÄ 1760: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Eine Überschreitung des Regelhöchstsatzes (Faktor 2,3) bis zum Höchstsatz (Faktor 3,5) ist bei Vorliegen besonderer Erschwernisse möglich. Typische Begründungen für eine Faktorerhöhung bei der GOÄ 1760 sind:
- Erhebliche postoperative oder entzündliche Verwachsungen im Retroperitonealraum.
- Extreme Adipositas des Patienten, die den operativen Zugang deutlich erschwert.
- Anatomische Varianten mit multiplen, separat zu ligierenden Venenästen.
Die Begründung muss stets patientenbezogen, konkret und für den medizinischen Laien verständlich auf der Rechnung formuliert werden.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der operativen Hauptleistung nach GOÄ 1760 können weitere urologische und allgemeine Leistungen anfallen. Häufig kombiniert wird die Ziffer mit präoperativen Ultraschalluntersuchungen der Hoden und des Retroperitoneums (z. B. nach GOÄ 410). Auch postoperative Kontrollen und Verbandswechsel (GOÄ 2007) sind in den Folgetagen berechnungsfähig.
Wird der Eingriff ambulant in der Praxis oder einer Tagesklinik durchgeführt, ist der Zuschlag GOÄ 445 für ambulante Operationen obligat. Dieser Zuschlag sichert dem Operateur eine zusätzliche Vergütung für die bereitgestellte Infrastruktur.
Ziffer 1760 in der neuen GOÄ
Die bisherige Ziffer 1760 (Varikozelenoperation mit hoher Unterbindung der Vena spermatica (Bauchschnitt), heute 198,42 € beim 2,3-fachen Satz) verteilt sich in der neuen GOÄ auf mehrere Leistungen:
- 10137 Retroperitoneale Varikozelenoperation, laparoskopisch (310,89 €)
- 10138 Operative Entfernung einer Varikozele (263,13 €)
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1760
Was hat nicht gestimmt?