GOÄ 1775: Prostata-Behandlung richtig abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 1775
Behandlung der Prostata mittels physikalischer Heilmethoden (auch Massage) – gegebenenfalls mit Gewinnung von Prostata-Exprimat –
Punktzahl 45  
Einfachsatz 2,62 € 1,0x
Regelhöchstsatz 6,03 € 2,3x
Höchstsatz 9,17 € 3,5x

Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 1775: So rechnen Sie die physikalische Behandlung der Prostata und die Exprimatgewinnung rechtssicher und optimiert ab.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1775

Behandlung der Prostata mittels physikalischer Heilmethoden (auch Massage) – gegebenenfalls mit Gewinnung von Prostata-Exprimat –

Die GOÄ-Ziffer 1775 beschreibt eine urologische Leistung, die sowohl therapeutische als auch diagnostische Aspekte umfasst. Im Zentrum steht die Anwendung von physikalischen Heilmethoden an der Vorsteherdrüse, wozu klassischerweise die Prostatamassage zählt.

Die Leistung kann zur Entlastung bei einer Prostatastauung dienen oder gezielt zur Gewinnung von Sekret (Exprimat) eingesetzt werden. Da die Leistungslegende den Plural verwendet, sind auch bei der Kombination mehrerer physikalischer Maßnahmen in einer Sitzung keine Mehrfachberechnungen zulässig.

GOÄ 1775 in der Praxis: Indikationen und therapeutischer Nutzen

In der urologischen Praxis wird die Ziffer 1775 häufig bei Patienten mit einer chronischen Prostatitis oder dem chronischen Beckenschmerzsyndrom (CPPS) angewendet. Die manuelle Stimulation führt zu einer Entlastung des gestauten Gewebes und kann die lokale Durchblutung fördern.

Ein weiterer wichtiger Einsatzzweck ist die Gewinnung von Prostata-Exprimat für die anschließende Laboranalytik. Dies ist entscheidend, um bakterielle Erreger bei rezidivierenden Harnwegsinfekten oder Entzündungen der Vorsteherdrüse nachzuweisen.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1775

Fallbeispiel 1: Chronische Prostatitis mit Exprimatgewinnung

Ein Patient stellt sich mit chronischen Beschwerden im Dammbereich vor. Zum Ausschluss einer bakteriellen Infektion führt der Arzt eine Prostatastauungsmassage durch und gewinnt Prostata-Exprimat für das Labor. Abgerechnet werden die symptombezogene Untersuchung, die GOÄ 1775 sowie die anschließende mikroskopische Untersuchung des Sekrets.

Fallbeispiel 2: Physikalische Entstauungstherapie

Bei einem Patienten mit einer ausgeprägten, nicht-bakteriellen Prostatastauung erfolgt eine therapeutische Massage zur Schmerzlinderung. Diese rein therapeutische Maßnahme wird als alleinige physikalische Leistung mit der GOÄ-Ziffer 1775 liquidiert.

Fallbeispiel 3: Kombination mit transrektalem Ultraschall

Vor einer geplanten Wärmeapplikation an der Prostata führt der Urologe eine sonografische Kontrolle durch. Die Ultraschalluntersuchung (GOÄ 410) und die anschließende physikalische Behandlung der Prostata mittels Wärmeapplikation (GOÄ 1775) sind in dieser Kombination nebeneinander berechnungsfähig.

Häufige Fehler bei der GOÄ 1775: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler ist die mehrfache Abrechnung der Ziffer am selben Tag, wenn verschiedene physikalische Methoden kombiniert wurden. Da die Leistungslegende explizit von "Heilmethoden" im Plural spricht, ist die Mehrfachabrechnung pro Sitzung ausgeschlossen.

Zudem beanstanden private Krankenversicherungen gelegentlich die Nebeneinanderberechnung mit rein diagnostischen Palpationen. Eine klare Abgrenzung zwischen der diagnostischen rektalen Untersuchung und der therapeutischen Massage ist daher essenziell.

Achtung: Die Ziffer 1775 darf nicht für eine einfache, rein diagnostische digital-rektale Untersuchung (DRU) herangezogen werden. Hierfür ist die GOÄ-Ziffer 11 oder 50 zu wählen.

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Dokumentation der GOÄ 1775: Praxisbewährte Hinweise

Eine vollständige Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch Kostenträger. In der Patientenakte muss die medizinische Notwendigkeit der physikalischen Therapie klar hervorgehen.

Es sollte dokumentiert werden, welches konkrete Verfahren (z. B. Massage, Thermotherapie) angewendet wurde und ob Sekret gewonnen werden konnte. Auch die Verträglichkeit der Maßnahme durch den Patienten sollte kurz notiert werden.

Dokumentation: Chronische Prostatitis bei V. a. bakterielle Genese. Durchführung einer transrektalen Prostatamassage zur Entstauung und Gewinnung von Prostata-Exprimat. Exprimat erfolgreich asserviert und ins Labor versandt. Keine Komplikationen.

Tipp: Notieren Sie bei der Exprimatgewinnung immer das makroskopische Ergebnis (z. B. "Sekret tropfenweise gewonnen"), um die Durchführung der GOÄ 1775 zweifelsfrei zu belegen.

GOÄ 1775: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Ein erhöhter Steigerungsfaktor (bis zum 3,5-fachen Satz) kann bei der GOÄ 1775 u. a. durch schwierige anatomische Verhältnisse begründet werden. Auch eine stark schmerzhafte Palpation oder eine ausgeprägte Abwehrspannung des Patienten, die die Massage erschwert, rechtfertigt eine Faktorsteigerung.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 1775 lässt sich hervorragend mit diagnostischen Ziffern kombinieren. Häufig erfolgt die Abrechnung zusammen mit der Symptombezogenen Untersuchung (GOÄ 5) oder der urologischen Untersuchung (GOÄ 11). Auch die Kombination mit der Sonografie der Prostata (GOÄ 410) ist im Praxisalltag üblich und zulässig.

Ziffer 1775 in der neuen GOÄ

Die alte Ziffer 1775 (Behandlung der Prostata mittels physikalischer Heilmethoden (auch Massage) – gegebenenfalls mit Gewinnung von Prostata-Exprimat –, heute 6,03 € beim 2,3-fachen Satz) löst sich in der neuen GOÄ in mehrere Leistungen auf — die Abrechnung hängt vom konkreten Eingriff und den Patientenmerkmalen ab:

  • Bei Gewinnung von Prostata-Exprimat und Exprimat-Urin: 5119 Behandlung der Prostata zur Gewinnung von Prostata-Exprimat und Exprimat-Urin (6,26 €)
  • Kein Nachfolger im Entwurf vorgesehen (Leistung entfällt oder geht in umfassendere Leistungen auf)

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1775

Nein, die GOÄ 1775 ist pro Sitzung und Kalendertag nur einmal berechnungsfähig. Dies gilt auch dann, wenn mehrere verschiedene physikalische Methoden wie Massage und Wärme nacheinander angewendet werden.
Ja, die Gewinnung von Prostata-Exprimat ist ein fakultativer Bestandteil der Leistungslegende der GOÄ 1775. Die Stimulation zur Sekretgewinnung wird somit über diese Ziffer abgegolten.
Ja, eine vorangehende Ultraschalluntersuchung der Prostata nach GOÄ 410 ist neben der physikalischen Behandlung nach GOÄ 1775 voll berechnungsfähig. Beide Leistungen müssen jedoch medizinisch begründet und dokumentiert sein.
Ein erhöhter Steigerungsfaktor kann durch schwierige anatomische Verhältnisse, starke Schmerzen des Patienten oder einen überdurchschnittlichen Zeitaufwand begründet werden. Auch eine ausgeprägte Abwehrspannung des Patienten ist ein anerkannter Steigerungsgrund.
Nein, für eine rein diagnostische digital-rektale Untersuchung darf die GOÄ 1775 nicht herangezogen werden. In diesem Fall sind je nach Kontext die GOÄ-Ziffern 5, 11 oder 50 die korrekte Wahl.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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