Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 1776: Erfahren Sie alles über die korrekte Abrechnung, typische Fallbeispiele, Ausschlussziffern und rechtssichere Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1776
Eröffnung eines Prostataabszesses vom Damm aus
Die GOÄ-Ziffer 1776 beschreibt eine urologische Operationsleistung zur Entlastung eines eitrigen Infektherdes in der Vorsteherdrüse. Der Eingriff erfolgt über das Perineum (Damm), um einen direkten und sicheren Abfluss des Eiters zu gewährleisten. Diese Leistung umfasst die Inzision der Haut, das stumpfe Vordringen zum Abszess sowie die vollständige Entleerung und Spülung der Abszesshöhle.
Vorbemerkungen des Abschnitts K schränken die Abrechnung im urologischen Bereich teilweise ein. Die Ziffer 1776 deckt alle typischen Teilschritte des operativen Zugangs und der primären Wundversorgung ab. Eine gesonderte Berechnung von operativen Einzelschritten, die zum Standardrepertoire dieses Eingriffs gehören, ist nicht zulässig.
GOÄ 1776 in der Praxis: Indikation und klinischer Ablauf
Ein Prostataabszess stellt ein schweres, potenziell lebensbedrohliches Krankheitsbild dar, das meist aus einer verschleppten oder unzureichend behandelten akuten Prostatitis resultiert. Die Indikation zur operativen Eröffnung ist gegeben, wenn sonografisch oder computertomografisch eine fluktuierende Einschmelzung nachgewiesen wurde. Typische Symptome sind hohes Fieber, perineale Schmerzen und akuter Harnverhalt.
Der Zugang vom Damm aus bietet den Vorteil, dass die Harnröhre geschont wird und ein breiter Abflussweg etabliert werden kann. Die Abgrenzung zu transurethralen Verfahren ist essenziell, da die GOÄ 1776 ausschließlich für den perinealen Zugangsweg definiert ist. Andere Zugangswege müssen über entsprechende urologische Alternativziffern abgebildet werden.
Tipp: Sollte sich der Abszess als unerwartet tief liegend oder gekammert erweisen, kann dies einen erhöhten Zeitaufwand begründen. Dieser Mehraufwand rechtfertigt eine Erhöhung des Steigerungssatzes über den Regelsatz hinaus.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1776
Fallbeispiel 1: Akuter Prostataabszess bei chronischer Prostatitis
Ein Patient stellt sich mit septischen Temperaturen und starken perinealen Schmerzen vor. Die transrektale Sonografie zeigt einen großen, fluktuierenden Abszess im rechten Prostatalappen. Es erfolgt die sofortige perineale Inzision und Drainage in Lokalanästhesie. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 1776 zum Regelsatz (2,3-fach) neben den entsprechenden sonografischen Leistungen.
Fallbeispiel 2: Abszesseröffnung unter erschwerten Bedingungen
Bei einem Patienten mit ausgeprägter Adipositas permagna und bekannter Blutungsneigung wird ein Prostataabszess vom Damm aus eröffnet. Aufgrund der anatomischen Verhältnisse gestaltet sich das Auffinden der Abszesshöhle als äußerst schwierig und zeitaufwendig. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 1776 und einem erhöhten Steigerungssatz (3,5-fach) unter Angabe der konkreten Erschwernisse.
Fallbeispiel 3: Rezidivierender Abszess mit ausgedehnter Spülung
Nach einer unvollständigen Rückbildung eines urologischen Infekts bildet sich ein rezidivierender, mehrkammeriger Prostataabszess. Der Behandler eröffnet den Abszess vom Damm aus, bricht die Septen stumpf auf und legt eine großkalibrige Spül-Saug-Drainage ein. Neben der GOÄ 1776 werden die postoperative Überwachung und die Labordiagnostik liquidiert.
Häufige Fehler bei der GOÄ 1776: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der urologischen Abrechnung ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von Ziffern, die demselben Ziel dienen. Die GOÄ-Ziffer 1776 darf explizit nicht neben der Ziffer 303 (Eröffnung eines oberflächlichen Abszesses) abgerechnet werden. Da die Eröffnung des Prostataabszesses die Inzision der Haut bereits beinhaltet, ist die Ziffer 303 abgegolten.
Ebenfalls ausgeschlossen ist die Kombination mit den Ziffern 2428 bis 2430, welche größere operative Eingriffe an der Prostata und den Samenblasen beschreiben. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen zudem genau, ob der Zugangsweg korrekt dokumentiert wurde. Ein transurethraler Zugang darf niemals fälschlicherweise unter der Ziffer 1776 liquidiert werden.
Achtung: Die fehlerhafte Doppelabrechnung von Oberflächenanästhesien oder einfachen Wundverbänden im Rahmen des Haupteingriffs führt regelmäßig zu Beanstandungen und sollte vermieden werden.
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Dokumentation der GOÄ 1776: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Im OP-Bericht muss der perineale Zugangsweg explizit erwähnt und der Operationsverlauf schrittweise dargestellt werden. Dazu gehören Angaben zur Inzisionstiefe, zur Beschaffenheit des Sekrets und zur Platzierung von Drainagesystemen.
Auch die präoperative Diagnostik, wie beispielsweise der sonografische Befund, muss in der Patientenakte dokumentiert sein. Dies sichert die medizinische Notwendigkeit des Eingriffs ab. Bei einer geplanten Steigerung des Gebührensatzes müssen die patientenindividuellen Besonderheiten direkt im Bericht hervorgehoben werden.
Dokumentation: "Nach Lokalanästhesie und sterilem Abdecken erfolgt die perineale Inzision quer über dem Damm. Stumpfes Vordringen nach dorsal unter digitaler Kontrolle bis zur Prostata-Kapsel. Eröffnung der fluktuierenden Abszesshöhle, Entleerung von ca. 15 ml rahmigem Eiter. Ausgiebige Spülung mit Antiseptikum und Einlegen einer Easy-Flow-Drainage."
GOÄ 1776: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Steigerungssatzes bis zum 3,5-fachen Satz erfordert eine nachvollziehbare Begründung auf der Rechnung. Typische Gründe sind eine erschwerte Präparation bei ausgeprägten Vernarbungen nach Voroperationen oder eine starke Adipositas des Patienten. Auch eine erhöhte Blutungsneigung oder die Notwendigkeit einer aufwendigen, mehrfachen Spülung bei gekammerten Abszessen rechtfertigen den erhöhten Satz.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der operativen Leistung nach Ziffer 1776 können begleitende urologische Untersuchungen abgerechnet werden. Hierzu gehören die transrektale Sonografie (GOÄ 410, ggf. 420) zur präoperativen Planung und postoperativen Kontrolle. Auch die Anlage eines transurethralen oder suprapubischen Blasenkatheters zur Harnableitung ist in der Regel separat berechnungsfähig, sofern die medizinische Notwendigkeit besteht.
Ziffer 1776 in der neuen GOÄ
Die bisherige Ziffer 1776 erhält in der neuen GOÄ die Nummer 10214 — „Eröffnung eines Prostataabszesses vom Damm oder vom Rektum aus" — mit einem Festpreis von 169,98 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 49,61 €).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1776
Was hat nicht gestimmt?