GOÄ 2164: Beckenresektion korrekt abrechnen – Tipps & Honorar

5 Min. Lesezeit
GOÄ 2164
Operative Entfernung einer Beckenhälfte einschließlich plastischer Deckung, auch in mehreren Sitzungen
Punktzahl 3700  
Einfachsatz 215,66 € 1,0x
Regelhöchstsatz 496,02 € 2,3x
Höchstsatz 754,81 € 3,5x
Ausschlüsse

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2164 für die operative Entfernung einer Beckenhälfte erfordert Präzision. Erfahren Sie alles zu Fallstricken und Ausschlüssen.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2164

Operative Entfernung einer Beckenhälfte einschließlich plastischer Deckung, auch in mehreren Sitzungen

Die GOÄ-Ziffer 2164 beschreibt eine der umfangreichsten und anspruchsvollsten Leistungen im Bereich der Gelenkchirurgie und Orthopädie. Diese Ziffer deckt die vollständige oder weitgehende operative Entfernung einer Beckenhälfte ab, die medizinisch auch als Hemipelvektomie bezeichnet wird. Der Eingriff stellt eine extreme chirurgische Intervention dar, die meist als Ultima Ratio gewählt wird.

Ein wesentlicher Aspekt dieser Leistungsbeschreibung ist der Einschluss der plastischen Deckung. Das bedeutet, dass der anschließende Verschluss des großen Weichteildefekts, beispielsweise durch lokale Verschiebelappen, bereits mit der Ziffer abgegolten ist. Zudem stellt der Zusatz „auch in mehreren Sitzungen“ klar, dass die Ziffer für den gesamten Behandlungszyklus nur einmalig berechnet werden kann, selbst wenn der Eingriff aus klinischen Gründen aufgeteilt werden muss.

GOÄ 2164 in der Praxis: Indikationen und klinischer Alltag

Die Indikation zur Durchführung einer Hemipelvektomie und damit zur Abrechnung der GOÄ 2164 ist im klinischen Alltag selten und hochspezifisch. Hauptsächlich kommt dieser Eingriff bei fortgeschrittenen, malignen Knochentumoren oder Weichteilsarkomen des Beckens vor, die eine weite Resektion im gesunden Gewebe erfordern. Auch schwere, lebensbedrohliche Beckentraumata mit massiver Zerstörung der knöchernen und vaskulären Strukturen können diese Operation notwendig machen.

Aufgrund der anatomischen Komplexität erfordert der Eingriff eine präzise interdisziplinäre Planung. Die Abrechnung setzt voraus, dass tatsächlich eine vollständige Beckenhälfte oder zumindest ein funktionell gleichwertiger, massiver Teilbereich des Beckenknochens reseziert wurde. Kleinere Teilresektionen des Beckenkamms oder des Os ilium ohne Kontinuitätsunterbrechung des Beckenrings fallen nicht unter diese Ziffer.

Tipp: Bei extrem ausgedehnten Befunden, die eine Rekonstruktion des Beckenrings mittels Allotransplantat oder Spezialprothesen erfordern, sollten die entsprechenden Rekonstruktionsziffern zusätzlich geprüft und separat dokumentiert werden.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2164

Fallbeispiel 1: Hemipelvektomie bei Chondrosarkom

Ein Patient stellt sich mit einem fortgeschrittenen, schmerzhaften Chondrosarkom des linken Os ilium vor. Nach interdisziplinärer Tumorkonferenz erfolgt die Indikation zur inneren Hemipelvektomie unter Erhalt der Extremität. Der Operateur entfernt die linke Beckenhälfte und führt die plastische Weichteildeckung mittels eines lokalen Myokutanlappens durch. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 2164 zum 2,3-fachen Satz, da keine außergewöhnlichen Komplikationen auftraten.

Fallbeispiel 2: Mehrzeitige Resektion bei infiziertem Tumorrezidiv

Bei einem Patienten mit einem Rezidiv eines Osteosarkoms im Beckenbereich muss die Resektion der Beckenhälfte in zwei Schritten erfolgen. Im ersten Schritt erfolgt die Tumorresektion und die temporäre Einbringung eines Platzhalters, im zweiten Schritt nach Infektfreiheit die definitive plastische Deckung. Trotz der Durchführung in zwei getrennten Sitzungen darf die GOÄ 2164 nur einmalig abgerechnet werden, da der Leistungstext mehrzeitige Sitzungen explizit einschließt.

Fallbeispiel 3: Erschwerte Präparation bei Zustand nach Bestrahlung

Eine Patientin benötigt eine Hemipelvektomie nach vorangegangener hochdosierter Strahlentherapie im Beckenbereich. Die Operation gestaltet sich durch massive Gewebeverklebungen und Vernarbungen der Gefäß-Nerven-Scheiden extrem schwierig und zeitaufwendig. Der Eingriff dauert doppelt so lange wie üblich. Die Abrechnung der GOÄ 2164 erfolgt hier mit dem 3,5-fachen Steigerungssatz unter Angabe der konkreten Begründung (erhöhter Zeitaufwand durch radiogene Fibrose).

Häufige Fehler bei der GOÄ 2164: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 2164 ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von Ziffern, die bereits im Leistungsumfang enthalten sind. Insbesondere die Ausschlussziffern 2265 (operative Einrenkung einer veralteten Hüftgelenkluxation) und 2294 (Exartikulation im Hüftgelenk) führen bei gleichzeitiger Ansetzung regelmäßig zu Kürzungen durch die privaten Krankenversicherungen.

Ein weiterer Streitpunkt mit den Kostenträgern ist die separate Abrechnung von plastischen Deckungsverfahren. Da der Wortlaut der GOÄ 2164 die „plastische Deckung“ ausdrücklich nennt, sind einfache Schwenklappen oder Spalthauttransplantate zur Deckung des primären Operationsdefekts mit der Gebühr abgegolten. Nur extrem aufwendige, mikrochirurgisch anastomosierte freie Transplantate können unter strengen Voraussetzungen separat begründet werden.

Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 2164 neben der Ziffer 2294 (Exartikulation im Hüftgelenk) ist explizit ausgeschlossen. Wenn eine Hemipelvektomie mit einer Exartikulation einhergeht, ist dieser kombinierte Eingriff primär über die höher bewertete Ziffer 2164 abzubilden.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 2164: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und detaillierte OP-Dokumentation ist das wichtigste Instrument, um Honorarkürzungen bei der GOÄ 2164 erfolgreich abzuwehren. Der Operationsbericht muss den genauen Umfang der Knochenresektion beschreiben und die Notwendigkeit der Entfernung der Beckenhälfte klar darlegen. Auch die Durchführung und der Typ der plastischen Deckung müssen präzise dokumentiert werden.

Zusätzlich sollten alle Faktoren, die den Eingriff erschweren, wie starker Blutverlust, anatomische Varianten oder vorangegangene Operationen, im Bericht hervorgehoben werden. Dies liefert die notwendige Argumentationsbasis für eine eventuelle Faktorerhöhung über den Regelsatz hinaus.

Dokumentation: „...Vollständige Freilegung des linken Beckenrings. Resektion der linken Beckenhälfte unter Schonung der großen Beckengefäße. Histologischer Randschnitt tumorfrei. Plastischer Verschluss des Defekts mittels gestieltem M. tensor fasciae latae-Lappen. Gesamt-OP-Dauer: 240 Minuten...“

GOÄ 2164: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Aufgrund der enormen Komplexität einer Hemipelvektomie ist eine Überschreitung des Schwellenwertes (2,3-fach) in vielen Fällen medizinisch begründbar. Typische Kriterien für eine Steigerung bis zum 3,5-fachen Satz sind ein extrem hoher Blutverlust mit der Notwendigkeit massiver Transfusionen, ausgeprägte Adhäsionen nach Voroperationen oder Bestrahlungen sowie ein hohes Infektionsrisiko bei adipösen Patienten. Die Begründung muss patientenindividuell und nachvollziehbar auf der Rechnung formuliert sein.

Typische Ziffernkombinationen

Erlaubt und häufig sinnvoll ist die Kombination mit Ziffern für die Anästhesie, die postoperative Schmerztherapie oder spezielle osteosynthetische Stabilisierungsmaßnahmen am verbleibenden Beckenring. Auch die Ziffer 2293 (Exartikulation im Kniegelenk) ist im Gegensatz zur Ziffer 2294 nicht explizit ausgeschlossen, sofern eine entsprechende klinische Konstellation vorliegt. Alle kombinierten Leistungen müssen jedoch streng auf ihre anatomische und zeitliche Unabhängigkeit geprüft werden.

Ziffer 2164 in der neuen GOÄ

Die bisherige Leistung erhält die neue Nummer 7699 — „Externe Hemipelvektomie, einschließlich - plastischer Deckung mit den erforderlichen …“. Der Festpreis liegt bei 1.700,00 €. Zum Vergleich: der heutige 2,3-fache Satz beträgt 496,02 €.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2164

Die GOÄ-Ziffer 2164 wird für die operative Entfernung einer Beckenhälfte (Hemipelvektomie) einschließlich der plastischen Deckung berechnet. Typische Indikationen sind maligne Knochen- oder Weichteiltumoren im Beckenbereich. Die Leistung umfasst auch mehrzeitige Eingriffe.
Die Ziffern 2265 (operative Einrenkung einer veralteten Hüftgelenkluxation) und 2294 (Exartikulation im Hüftgelenk) dürfen nicht am selben Tag neben der GOÄ 2164 abgerechnet werden. Dies dient der Vermeidung von Doppelabrechnungen bei anatomisch überschneidenden Eingriffen.
Ja, die plastische Deckung des Defekts ist integraler Bestandteil der Leistungsbeschreibung der GOÄ 2164. Eine gesonderte Abrechnung von plastischen Schwenklappen oder freien Transplantaten für den Primärverschluss ist daher in der Regel ausgeschlossen.
Zum Regelhöchstsatz (2,3-facher Faktor) beträgt das Honorar für die GOÄ-Ziffer 2164 genau 496,02 Euro. Der einfache Gebührensatz liegt bei 215,66 Euro, während der Höchstsatz (3,5-fach) mit 754,81 Euro vergütet wird.
Nein, die GOÄ 2164 darf auch bei Durchführung in mehreren Sitzungen nur einmal für den gesamten Behandlungsfall berechnet werden. Der Wortlaut der Ziffer schließt die mehrfache Abrechnung für denselben Eingriff explizit aus.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich