GOÄ 2591: Plexusrekonstruktion korrekt abrechnen

6 Min. Lesezeit
GOÄ 2591
Interfaszikuläre Defektüberbrückung eines Nervenplexus nach vollständiger Präparation desselben mit autologen Transplantaten und perineuraler mikrochirurgischer Naht
Punktzahl 6000  
Einfachsatz 349,72 € 1,0x
Regelhöchstsatz 804,36 € 2,3x
Höchstsatz 1224,02 € 3,5x

Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2591: Erfahren Sie alles über Indikationen, Steigerungsfaktoren und die fehlerfreie Dokumentation.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2591

Interfaszikuläre Defektüberbrückung eines Nervenplexus nach vollständiger Präparation desselben mit autologen Transplantaten und perineuraler mikrochirurgischer Naht

Diese hochkomplexe neurochirurgische Leistung beschreibt die Rekonstruktion eines Nervengeflechts (Plexus), bei dem ein Substanzverlust vorliegt. Die Leistung umfasst die vollständige, präzise Darstellung des betroffenen Plexusabschnitts sowie die Überbrückung des Defekts. Hierbei kommen autologe Transplantate zum Einsatz, die in mikrochirurgischer Technik interfaszikulär eingepasst werden.

Ein wesentlicher Bestandteil der Leistungslegende ist die perineurale mikrochirurgische Naht. Dies bedeutet, dass die mikrochirurgische Adaptation des umkleidenden, grobkollagenfaserigen Bindegewebes (Perineurium) um die einzelnen Faszikelbündel herum erfolgt. Da die Legende explizit von Transplantaten im Plural spricht, ist die Einbringung mehrerer Transplantatsegmente bereits mit der Gebühr abgegolten.

GOÄ 2591 in der Praxis: Rekonstruktion komplexer Nervengeflechte

Die Anwendung der GOÄ-Ziffer 2591 ist auf hochspezialisierte Eingriffe an Nervengeflechten wie dem Plexus brachialis oder dem Plexus lumbosacralis beschränkt. Typische Indikationen sind schwere traumatische Läsionen, beispielsweise nach Motorradunfällen, oder iatrogene Schädigungen nach Tumorresektionen. Der Eingriff erfordert eine extreme Präzision und den Einsatz eines Operationsmikroskops.

Im klinischen Alltag muss die Abgrenzung zu einfacheren Nervenrekonstruktionen exakt erfolgen. Handelt es sich lediglich um die Rekonstruktion eines einzelnen peripheren Nervs (z. B. Nervus radialis) außerhalb des Plexus, sind die Ziffern 2590 oder die Ziffern der Gruppe 2580 ff. heranzuziehen. Die Ziffer 2591 setzt zwingend die Präparation und Rekonstruktion innerhalb der anatomischen Plexusstruktur voraus.

Tipp: Die Entnahme des autologen Nerventransplantats (z. B. des Nervus suralis) ist eine eigenständige Leistung. Sie kann zusätzlich mit der entsprechenden Gebührenziffer, beispielsweise der GOÄ-Ziffer 2595, berechnet werden.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2591

Fallbeispiel 1: Traumatische Plexus-brachialis-Läsion

Ein Patient stellt sich mit einer traumatischen Zerrung und partiellem Riss des Plexus brachialis nach einem schweren Sturz vor. Nach vollständiger Freilegung und Darstellung des Plexus zeigt sich ein Defekt von 3 cm Länge an den Trunci. Es erfolgt die Entnahme eines Nervus-suralis-Transplantats und die anschließende interfaszikuläre Defektüberbrückung mittels mikrochirurgischer Naht.

Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 2591 zum Regelsatz (2,3-fach). Die Entnahme des Transplantats wird gesondert über die GOÄ-Ziffer 2595 liquidiert. Da der Eingriff unter extrem schwierigen Sichtverhältnissen stattfand, kann für die Ziffer 2591 ein erhöhter Steigerungsfaktor begründet werden.

Fallbeispiel 2: Iatrogene Plexusschädigung nach Tumorresektion

Im Rahmen einer radikalen Tumorresektion im Bereich der Axilla musste ein Teil des Plexus brachialis mitreseziert werden. Zur Wiederherstellung der motorischen Funktion erfolgt in derselben Sitzung die Überbrückung des Defekts mit zwei autologen Nerveninterponaten. Die mikrochirurgische Readaptation erfolgt perineural unter dem Operationsmikroskop.

Neben der Primäroperation wird die Rekonstruktion des Plexus mit der Ziffer 2591 abgerechnet. Die Verwendung des Operationsmikroskops ist integraler Bestandteil der Ziffer 2591 und darf nicht über die Ziffer 440 analog berechnet werden, da die mikrochirurgische Naht bereits in der Leistungsbeschreibung verankert ist.

Fallbeispiel 3: Spätkonstruktion bei Plexus-lumbosacralis-Defekt

Monate nach einer komplexen Beckenfraktur zeigt ein Patient persistierende Lähmungserscheinungen. Die operative Revision offenbart eine narbige Kontinuitätsunterbrechung im Plexus lumbosacralis. Nach Neurolyse und Resektion des Neuroms wird der verbleibende Defekt interfaszikulär mit autologen Transplantaten überbrückt.

Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 2591. Die vorbereitende, aufwendige Neurolyse des vernarbten Plexus kann, sofern sie über die reine Darstellung hinausgeht, unter Umständen mit der GOÄ-Ziffer 2560 (Neurolyse) kombiniert werden, sofern es sich um getrennte Segmente handelt.

Häufige Fehler bei der GOÄ 2591: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler ist die fehlerhafte Nebeneinanderberechnung von Ziffer 2591 und Ziffern für einfache Nervennähte (z. B. 2580) am selben Nervensegment. Private Krankenversicherungen prüfen sehr genau, ob tatsächlich eine Plexusrekonstruktion vorlag oder lediglich ein peripherer Nerv rekonstruiert wurde. Die Dokumentation muss den anatomischen Bezug zum Plexus zweifelsfrei belegen.

Zudem wird oft fälschlicherweise die Ziffer 440 (Zuschlag für die Anwendung eines Operationsmikroskops) zusätzlich angesetzt. Da die Leistungslegende der Ziffer 2591 explizit eine "mikrochirurgische Naht" fordert, ist der Einsatz des Mikroskops bereits in der Bewertung der Ziffer enthalten. Ein zusätzlicher Zuschlag nach Ziffer 440 ist daher ausgeschlossen und führt regelmäßig zu Kürzungen.

Achtung: Die Abrechnung mehrerer Einzeltücke eines Transplantats als separate Leistungen unter der Ziffer 2591 ist unzulässig. Die Leistungslegende spricht ausdrücklich von "Transplantaten" im Plural, wodurch die Überbrückung mit mehreren Segmenten innerhalb eines Plexus abgegolten ist.

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Dokumentation der GOÄ 2591: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und detaillierte OP-Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss die vollständige Präparation des Plexus, die genaue Lokalisation des Defekts sowie die Anzahl und Länge der verwendeten autologen Transplantate präzise beschreiben. Auch die Anwendung der perineuralen Nahttechnik unter mikrochirurgischer Sicht muss explizit erwähnt werden.

Darüber hinaus sollte die Indikation zur Defektüberbrückung (z. B. histologisch gesicherter Nervenverlust oder makroskopischer Substanzdefekt) klar aus der Akte hervorgehen. Dies erleichtert die Argumentation bei Rückfragen des Medizinischen Dienstes oder privater Kostenträger erheblich.

Dokumentationsbeispiel: "... Nach vollständiger Darstellung des Plexus brachialis zeigt sich ein 3,5 cm langer Defekt des Fasciculus lateralis. Entnahme eines 4 cm langen Transplantats aus dem N. suralis. Unter dem Operationsmikroskop erfolgt die interfaszikuläre Defektüberbrückung mittels vier einzelner Segmente. Perineurale mikrochirurgische Naht mit Ethilon 10-0 zur spannungsfreien Adaptation..."

GOÄ 2591: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Aufgrund der extremen Komplexität des Eingriffs kann der Schwellenwert von 2,3 oft überschritten werden. Berechtigte Gründe für eine Faktorerhöhung bis zum 3,5-fachen Satz sind beispielsweise eine ausgeprägte Vernarbung des Operationsgebietes nach Voroperationen, anatomische Varianten des Plexus oder ein ungewöhnlich hoher zeitlicher Aufwand bei der mikrochirurgischen Faszikelzuordnung. Diese Erschwernisse müssen individuell im OP-Bericht begründet werden.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ-Ziffer 2591 lässt sich sinnvoll mit anderen operativen Leistungen kombinieren. Häufig wird die Nerventransplantatentnahme nach Ziffer 2595 zusätzlich berechnet. Auch Anästhesieleistungen und postoperative Überwachungsziffern sind regelhaft kombinierbar. Nicht zulässig ist hingegen die gleichzeitige Abrechnung von Ziffer 2590 (Defektüberbrückung eines peripheren Nervs) für denselben rekonstruierten Abschnitt.

Ziffer 2591 in der neuen GOÄ

Die interfaszikuläre Defektüberbrückung eines Nervenplexus mit autologen Transplantaten und perineuraler mikrochirurgischer Naht wird in der neuen GOÄ auf zwei Positionen abgebildet: Nummer 8307 „Dekompression, Neurolyse und Naht eines Nervenplexus mit Implantation autologer Nerventransplantate, ggf. einschließlich mikrochirurgische Technik, Stimulationen und Exzisionen von komprimierenden anatomischen Strukturen" (1.345,53 €) plus Zuschlag Nummer 8322 für interfaszikuläre (epiperineural) Technik der Neurolyse bzw. Naht, je Nerv (216,92 €). Gesamt: 1.562,45 €, verglichen mit dem heutigen 2,3-fachen Satz von 804,36 €. Die alte Nr. 2591 nannte ausdrücklich die interfaszikuläre und perineurale mikrochirurgische Naht; der Zuschlag 8322 bildet diesen Technikaspekt ab. Beide Positionen sind je Eingriff abrechenbar.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2591

Die GOÄ-Ziffer 2591 kostet im einfachen Satz 349,72 € und im Regelhöchstsatz (2,3-fach) 804,36 €. Bei begründeten Erschwernissen kann der Höchstsatz (3,5-fach) mit 1224,02 € liquidiert werden.
Nein, der Zuschlag nach GOÄ-Ziffer 440 für das Operationsmikroskop darf nicht neben der Ziffer 2591 berechnet werden. Die mikrochirurgische Nahttechnik ist bereits fester Bestandteil der Leistungsbeschreibung der Ziffer 2591.
Nein, die Entnahme des autologen Nerventransplantats ist nicht in der Ziffer 2591 enthalten. Diese Leistung kann zusätzlich berechnet werden, beispielsweise über die GOÄ-Ziffer 2595 für die Entnahme eines freien Nerventransplantats.
Eine Steigerung über den 2,3-fachen Satz ist bei besonderen Erschwernissen wie starken Vernarbungen im Operationsgebiet oder anatomischen Besonderheiten zulässig. Auch ein außergewöhnlich hoher zeitlicher Aufwand bei der Faszikelzuordnung rechtfertigt eine Erhöhung des Faktors.
Nein, die Ziffer 2591 ist für die Defektüberbrückung eines Nervenplexus nur einmal je sitzung berechenbar. Da die Leistungslegende ausdrücklich von "Transplantaten" im Plural spricht, sind mehrere Interponate innerhalb desselben Plexus bereits abgegolten.
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