GOÄ 2895: Shuntanlage zur Hämodialyse korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 2895
Anlage eines arteriovenösen Shunts zur Hämodialyse
Punktzahl 1480  
Einfachsatz 86,27 € 1,0x
Regelhöchstsatz 198,42 € 2,3x
Höchstsatz 301,94 € 3,5x
Ausschlüsse

Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2895 (Shuntanlage zur Hämodialyse): Erfahren Sie alles über Fallbeispiele, Ausschlüsse und Dokumentationstipps.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2895

Anlage eines arteriovenösen Shunts zur Hämodialyse

Die GOÄ-Ziffer 2895 beschreibt die operative Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene, um einen dauerhaften Gefäßzugang für die Dialysebehandlung zu schaffen. Diese Leistung ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) unter der Rubrik der Venenchirurgie angesiedelt. Die Bewertung liegt bei 1480 Punkten, was im einfachen Gebührensatz einem Honorar von 86,27 € entspricht.

In der modernen Medizin handelt es sich hierbei meist um die Anlage eines sogenannten Cimino-Brescia-Shunts am Unterarm. Historische oder seltenere Varianten wie der Scribner-Shunt oder Shunts im Bereich der unteren Extremitäten fallen ebenfalls unter diese Leistungsbeschreibung. Die Ziffer umfasst die gesamte operative Präparation, die Gefäßnaht sowie den primären Wundverschluss.

GOÄ 2895 in der Praxis: Indikationen und klinischer Alltag

Die Indikation zur Shuntanlage nach GOÄ 2895 ist bei Patienten mit einer terminalen Niereninsuffizienz gegeben, bei denen eine chronische Hämodialysetherapie eingeleitet werden muss. Der Eingriff wird in der Regel rechtzeitig vor dem geplanten Dialysestart durchgeführt, um eine ausreichende Reifung des Shuntgefäßes zu ermöglichen. Die Wahl des optimalen Shunt-Typs basiert auf einer präoperativen Gefäßdiagnostik.

In den meisten Fällen bevorzugen Chirurgen eine native arteriovenöse Fistel am nicht-dominanten Unterarm. Sollten die körpereigenen Venen des Patienten jedoch ungeeignet sein, muss auf alternative Verfahren ausgewichen werden. Die Abgrenzung zu anderen gefäßchirurgischen Eingriffen ist für eine korrekte Abrechnung essenziell.

Tipp: Führen Sie vor der Operation immer eine präzise sonographische Gefäßdarstellung durch. Diese vorbereitende Diagnostik ist nicht in der GOÄ 2895 enthalten und kann separat berechnet werden.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2895

Fallbeispiel 1: Standardmäßige Anlage eines Cimino-Shunts

Ein Patient mit chronischer Niereninsuffizienz im Stadium G5 stellt sich zur Shuntanlage vor. Der Operateur legt eine native arteriovenöse Fistel am linken Unterarm durch eine Seit-zu-End-Anastomose der Vena cephalica an die Arteria radialis an. Der Eingriff verläuft ohne Komplikationen. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 2895 mit dem Regelhöchstsatz von 2,3 (198,42 €).

Fallbeispiel 2: Erschwerte Shuntanlage bei schwerer Arteriosklerose

Bei einem älteren Patienten mit ausgeprägter Arteriosklerose gestaltet sich die Gefäßnaht aufgrund von Wandverkalkungen extrem schwierig. Es ist eine zeitaufwendige Endarteriektomie im Anastomosenbereich erforderlich. Der Operateur rechnet die GOÄ 2895 mit dem Höchstsatz von 3,5 (301,94 €) ab und begründet dies mit dem erheblichen zeitlichen Mehraufwand.

Fallbeispiel 3: Ambulante Shuntanlage mit OP-Zuschlag

Die Shuntanlage erfolgt ambulant in einer chirurgischen Praxisklinik. Neben der operativen Leistung nach GOÄ 2895 wird der ambulante Operationszuschlag nach GOÄ-Ziffer 445 geltend gemacht. Dies sichert dem Operateur die zusätzliche Vergütung für die Bereitstellung der ambulanten Infrastruktur.

Häufige Fehler bei der GOÄ 2895: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die fehlerhafte Kombination mit anderen gefäßchirurgischen Ziffern. Die GOÄ-Ziffer 2895 ist explizit nicht neben der Ziffer 2889 (Anlage eines Shunts mit alloplastischem Material) abrechenbar. Wenn eine Kunststoffprothese verwendet wird, muss zwingend die höher bewertete GOÄ 2889 gewählt werden.

Ebenfalls ausgeschlossen ist die gleichzeitig Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2896, welche für die Revision oder Korrektur eines bestehenden Shunts vorgesehen ist. Ein Shunt kann in derselben Sitzung nicht gleichzeitig neu angelegt und revidiert werden. Private Krankenversicherungen prüfen diese Ausschlüsse sehr genau und kürzen Rechnungen bei Verstößen konsequent.

Achtung: Die bloße Freipräparation der Gefäße darf nicht als eigenständige Leistung (z. B. nach Ziffern der Neurolyse oder Gefäßfreilegung) neben der GOÄ 2895 abgerechnet werden, da dies ein integraler Bestandteil des Haupteingriffs ist.

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Dokumentation der GOÄ 2895: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das beste Mittel gegen Honorarkürzungen durch Kostenträger. Im Operationsbericht müssen alle Schritte detailliert festgehalten werden. Dazu gehören die genaue anatomische Lokalisation, die Darstellung der verwendeten Gefäße sowie die Art der Anastomosenverbindung.

Besonders wichtig ist der Nachweis des funktionellen Erfolgs noch im Operationssaal. Das Ertasten des typischen Shuntschwirrens oder der sonographische Nachweis des Blutflusses sollte unbedingt schriftlich fixiert werden. Dies belegt die medizinische Notwendigkeit und den Erfolg des Eingriffs.

Dokumentation: Lokalanästhesie am linken Unterarm. Hautschnitt über der A. radialis. Freipräparation der Arterie und der V. cephalica. Seit-zu-End-Anastomose mit fortlaufender Naht (Prolene 6-0). Nach Freigabe der Klemmen zeigt sich ein kräftiges, systolisch-diastolisches Shuntschwirren. Blutstillung, schichtweiser Wundverschluss.

GOÄ 2895: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Der Schwellenwert von 2,3 kann überschritten werden, wenn besondere Erschwernisse vorliegen. Typische Begründungen für eine Faktorerhöhung bis 3,5 sind stark vernarbte Gewebeverhältnisse nach Voroperationen, ausgeprägte Adipositas oder fragile Gefäßwände bei älteren Patienten. Auch ein unerwartet hoher Blutverlust oder anatomische Normvarianten rechtfertigen eine Steigerung.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der GOÄ 2895 können weitere Leistungen anfallen, die separat berechnungsfähig sind. Hierzu gehören die Lokalanästhesie (z. B. nach GOÄ 490), sofern sie vom Operateur selbst durchgeführt wird. Auch postoperative Kontrollen mittels Duplex-Sonographie können nach den entsprechenden Ziffern des Abschnitts VI abgerechnet werden, sofern sie an Folgetagen stattfinden.

Ziffer 2895 in der neuen GOÄ

Die Leistung „Anlage eines arteriovenösen Shunts zur Hämodialyse“ erhält in der neuen GOÄ die Nummer 9815 „Anlage eines arteriovenösen Shunts zur Hämodialyse, ggf. einschließlich Phlebographie“ mit einem festen Satz von 478,01 € — ein Plus von rund 141 % (heute beim 2,3-fachen Satz: 198,42 €).

Direkte Renummerierung; die neue Legende absorbiert die Phlebographie als fakultative Inklusivleistung ('ggf.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2895

Die GOÄ-Ziffer 2895 wird für die operative Anlage eines arteriovenösen Shunts zur Hämodialyse berechnet. Dies umfasst typischerweise die Anlage eines Cimino-Shunts am Unterarm bei chronischer Niereninsuffizienz. Die Ziffer deckt die gesamte operative Verbindung von Arterie und Vene ab.
Die GOÄ-Ziffer 2895 darf nicht am selben Tag neben den Ziffern 2889 und 2896 abgerechnet werden. Die Ziffer 2889 betrifft die Shuntanlage mit alloplastischem Material, während die 2896 für Revisionen reserviert ist.
Ja, bei einer ambulanten Durchführung in der Praxis kann ein entsprechender Zuschlag geltend gemacht werden. Hierfür kommen je nach Konstellation die Zuschläge nach den GOÄ-Ziffern 440 oder 445 infrage.
Eine Steigerung über den 2,3-fachen Satz hinaus erfordert eine patientenindividuelle Begründung. Typische Gründe sind stark verkalkte Gefäße, anatomische Varianten oder ein erhöhter Präparationsaufwand bei ausgeprägter Adipositas.
Nein, die präoperative Gefäßsonographie ist nicht Bestandteil der GOÄ 2895. Sie kann als eigenständige Leistung, beispielsweise nach GOÄ 410 oder 420, gesondert dokumentiert und abgerechnet werden.
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