GOÄ 3285: Leistenbruch-OP korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3285
Operation eines Leisten- oder Schenkelbruches
Punktzahl 1290  
Einfachsatz 75,19 € 1,0x
Regelhöchstsatz 172,94 € 2,3x
Höchstsatz 263,16 € 3,5x
Ausschlüsse

Die Abrechnung der Leistenhernioplastik nach GOÄ 3285 wirft in der Praxis oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Ausschlüssen, Analogbewertungen und Steigerungsfaktoren.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3285

Operation eines Leisten- oder Schenkelbruches

Die GOÄ-Ziffer 3285 beschreibt die operative Versorgung einer Leistenhernie oder einer Schenkelhernie. Diese Leistung umfasst alle klassischen operativen Verfahren zur Behebung der Bruchpforte. Historisch waren dies vor allem Verfahren wie die Operation nach Bassini oder Shouldice.

In der modernen Chirurgie fallen unter diese Ziffer auch neuere, netzfreie oder netzgestützte Verfahren, sofern keine analoge Bewertung angewendet wird. Die Ziffer deckt die gesamte Präparation, die Reposition des Bruchsacks sowie den plastischen Verschluss der Bauchwandlücke ab. Die Vorbemerkungen des Abschnitts L der GOÄ sind dabei stets zu beachten.

GOÄ 3285 in der Praxis: Moderne Hernienchirurgie und Verfahrenswahl

In der täglichen Praxis hat sich das Spektrum der Hernienchirurgie stark gewandelt. Während die GOÄ-Ziffer 3285 ursprünglich für die klassischen Verfahren nach Bassini konzipiert wurde, wird sie heute auch für die Shouldice-Reparation herangezogen. Auch die offene netzgestützte Operation nach Lichtenstein kann unter bestimmten Voraussetzungen über diese Ziffer abgebildet werden, sofern keine Analogabrechnung erfolgt.

Wichtig für die Praxis ist die Unterscheidung zwischen einseitigen und beidseitigen Befunden. Liegt ein beidseitiger Leistenbruch vor, kann die GOÄ 3285 für jede Seite separat berechnet werden. Dies muss auf der Liquidation durch die entsprechenden Zusätze (rechts/links) klar ersichtlich gemacht werden.

Tipp: Bei der laparoskopischen Versorgung (TAPP oder TEPP) mit Netzimplantation ist die Analogabrechnung nach GOÄ 3286 zu prüfen, da diese den erhöhten Aufwand moderner minimal-invasiver Verfahren besser abbildet.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3285

Fallbeispiel 1: Einseitige offene Leistenhernioplastik nach Shouldice

Ein Patient stellt sich mit einer symptomatischen, rechtsseitigen Leistenhernie vor. Es erfolgt die offene operative Sanierung in Lokalanästhesie mittels Dopplung der Fascia transversalis nach Shouldice. Da es sich um ein klassisches, netzfreie Verfahren handelt, wird die GOÄ 3285 einfach angesetzt. Die Lokalanästhesie wird gesondert berechnet.

Fallbeispiel 2: Beidseitige Leistenbruchoperation

Bei einem Patienten wird eine beidseitige Leistenhernie diagnostiziert. Beide Seiten werden in einer Sitzung offen operiert. In der Liquidation wird die GOÄ 3285 zweimal aufgeführt, jeweils mit dem Zusatz "rechts" und "links". Dies ist zulässig, da es sich um zwei getrennte operative Eingriffe an unterschiedlichen Lokalisationen handelt.

Fallbeispiel 3: Kombination aus Leisten- und Schenkelbruch auf einer Seite

Während der Operation einer rechtsseitigen Leistenhernie zeigt sich zusätzlich eine Schenkelhernie auf derselben Seite. Beide Brüche werden operativ versorgt. Da die Leistungsinhalte der Ziffern 3285 und 3286 durch ein "oder" verbunden sind, kann bei dieser speziellen Kombination die GOÄ 3285 doppelt in Ansatz gebracht werden.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3285: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die separate Berechnung der Freilegung des Samenstrangs oder des Samenleiters. Diese Maßnahme gilt als unselbstständiger Bestandteil der Bruchoperation und ist mit der Gebühr für die GOÄ 3285 abgegolten. Eine gesonderte Ziffer darf hierfür nicht herangezogen werden.

Zudem beanstanden private Krankenversicherungen (PKV) und Beihilfestellen regelmäßig die Nebeneinanderberechnung der GOÄ 3285 mit der GOÄ 3286 für denselben Bruch. Ein solcher Ausschluss der Nebeneinanderberechnung ist in den Abrechnungsbestimmungen explizit verankert. Nur bei unterschiedlichen Brüchen oder beidseitigem Geschehen ist eine Kombination statthaft.

Achtung: Die Kombination einer medialen und lateralen Hernie auf derselben Körperseite (sogenannte Gleit- oder Kombinationshernie) berechtigt nicht zur mehrfachen Abrechnung der GOÄ 3285. Hier liegt medizinisch ein einheitlicher Bruch vor.

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Dokumentation der GOÄ 3285: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise OP-Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss den Zugangsweg, die Darstellung des Bruchsacks, die Reposition des Inhalts und die genaue Methode des plastischen Verschlusses detailliert beschreiben. Auch die Seitenangabe ist zwingend erforderlich.

Besonders bei der Abrechnung des erhöhten Schwellenwertes (2,3-fach bis 3,5-fach) müssen die erschwerenden Faktoren im Bericht dokumentiert sein. Dazu gehören beispielsweise ausgeprägte Verwachsungen, ein extrem großer Bruchsack oder anatomische Besonderheiten.

Dokumentation: "...Hautschnitt rechts inguinal. Darstellung und Mobilisation des Bruchsacks. Reposition des unauffälligen Netzes. Plastische Rekonstruktion der Hinterwand nach Shouldice mit fortlaufender Naht. Blutstillung, schichtweiser Verschluss..."

GOÄ 3285: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Der Regelsatz der GOÄ 3285 liegt beim 2,3-fachen Satz bei 172,94 €. Bei besonders schwierigen anatomischen Verhältnissen, wie sie bei Rezidivhernien oder nach Voroperationen im selben Gebiet auftreten, kann der Faktor bis zum 3,5-fachen Satz (263,16 €) gesteigert werden. Die Begründung auf der Rechnung muss patientenindividuell und nachvollziehbar formuliert sein.

Typische Ziffernkombinationen

Wird die Operation ambulant in der Praxis oder einer tagesklinischen Einrichtung durchgeführt, ist der Zuschlag nach GOÄ 445 (Zuschlag für ambulante operative Leistungen) berechnungsfähig. Dieser Zuschlag sichert eine zusätzliche Vergütung für den erhöhten logistischen Aufwand. Anästhesieleistungen (z. B. GOÄ 451 oder 452) und postoperative Überwachungsleistungen können ebenfalls regelhaft kombiniert werden.

Ziffer 3285 in der neuen GOÄ

Die bisherige Ziffer 3285 (Leistenbruchoperation, 2,3-facher Satz: 172,94 €) wird in der neuen GOÄ nach Verfahren und Material differenziert:

  • 10513 (464,48 €)
  • 10514 alloplastisches material offen einseitig (481,78 €)
  • 10515 alloplastisches material laparoskopisch einseitig (555,10 €)
  • 10516 alloplastisches material laparoskopisch beidseitig (800,94 €)
  • 10532 Skrotalhernie; Faszien und Muskelverschiebeplastik ohne alloplastisches material (607,25 €)
  • 10533 Skrotalhernie; alloplastisches material offen chirurgisch einseitig (652,35 €)
  • 10534 Skrotalhernie; alloplastisches material laparoskopisch einseitig (698,94 €)
  • 10535 Skrotalhernie; alloplastisches material laparoskopisch beidseitig (890,47 €)

Die Bewertung reicht von 464,48 € bis 890,47 €. Die Dokumentation von Verfahren (offen/laparoskopisch) und Materialeinsatz ist abrechnungsentscheidend.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3285

Ja, bei einer doppelseitigen Operation kann die GOÄ-Ziffer 3285 zweimal berechnet werden. Wichtig ist hierbei die genaue Dokumentation der Seitenlokalisation (rechts/links) im OP-Bericht. Dies beugt Rückfragen von Kostenträgern effektiv vor.
Nein, die Freilegung des Samenleiters ist ein unselbstständiger Bestandteil der Bruchoperation. Sie darf daher weder offen noch bei laparoskopischen Verfahren eigenständig in Rechnung gestellt werden.
Für die Hernienoperation mit Netzimplantation wird die GOÄ-Ziffer 3286 analog herangezogen. Dies entspricht den Empfehlungen des Zentralen Konsultationsausschusses der Bundesärztekammer. Die Voraussetzungen der analogen Bewertung müssen dabei strikt erfüllt sein.
Die GOÄ-Ziffer 3285 darf nicht neben den Ziffern 3282 und 3286 für denselben Bruch abgerechnet werden. Ein Nebeneinanderbezug auf derselben Körperseite ist somit ausgeschlossen.
Ja, bei ambulanter Durchführung der Operation kann der Zuschlag nach GOÄ 445 hinzugesetzt werden. Dieser Zuschlag beträgt 75,77 Euro (einfacher Satz) und ist nicht steigerungsfähig.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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