GOÄ 3667: Spermienzahl & Motilität korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 3667
Spermienzahl und Motilitätsbeurteilung , mikroskopisch
Punktzahl 70  
Einfachsatz 4,08 € 1,0x
Regelhöchstsatz 4,69 € 1,1x
Höchstsatz 5,30 € 1,3x
Ausschlüsse

Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3667 (Spermienzahl und Motilitätsbeurteilung). Erfahren Sie alles über Fallbeispiele, Ausschlüsse und Dokumentation.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3667

Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) führt die Ziffer 3667 im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) unter den speziellen Laborleistungen auf. Der offizielle Leistungstext beschreibt die Ziffer wie folgt:

Spermienzahl und Motilitätsbeurteilung, mikroskopisch

Diese Leistung ist mit 70 Punkten bewertet. Daraus ergibt sich ein einfacher Gebührensatz von 4,08 €. Im medizinischen Alltag umfasst diese Ziffer zwei wesentliche Säulen der Ejakulat-Basisdiagnostik, die untrennbar miteinander verbunden sind.

GOÄ 3667 in der Praxis: Indikationen und methodische Durchführung

Die primäre Indikation für die Erbringung der GOÄ 3667 ist der unerfüllte Kinderwunsch eines Paares. Die mikroskopische Analyse liefert unverzichtbare Basisparameter zur Beurteilung männlicher Fertilitätsstörungen. Sie erlaubt Rückschlüsse auf die testikuläre Spermienproduktion sowie die Durchgängigkeit der Samenwege.

Für die Bestimmung der Spermienzahl wird die Konzentration vorzugsweise in einer Neubauer-Zählkammer ermittelt. Die Zählung muss in zwei getrennten Ansätzen erfolgen, um einen präzisen Mittelwert zu bilden. Die biologisch aussagekräftige Gesamtspermienzahl ergibt sich schließlich aus der Konzentration multipliziert mit dem Ejakulatvolumen.

Parallel dazu erfolgt die Motilitätsbeurteilung an einem nativen, unverdünnten Ejakulat bei einer Temperatur von 37 °C. Hierbei werden mindestens 200 Spermien in die Kategorien progressive Motilität, nichtprogressive Motilität und Immotilität eingeteilt. Auch dieser Schritt erfordert zwei getrennte Ansätze zur Qualitätssicherung.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3667

Fallbeispiel 1: Basisdiagnostik bei Fertilitätsstörung

Ein Patient stellt sich aufgrund eines unerfüllten Kinderwunsches in der urologischen Praxis vor. Es wird ein Spermiogramm veranlasst, bei dem die Spermienzahl und die Motilität mikroskopisch untersucht werden. Die Abrechnung erfolgt regulär über die GOÄ-Ziffer 3667 zum Regelsatz.

Fallbeispiel 2: Analoge Anwendung bei Verdacht auf Entzündungen

Bei der morphologischen Differenzierung der Spermien fallen vermehrt Rundzellen im Ausstrich auf. Zum Ausschluss einer Entzündung wird eine granulozytenspezifische Peroxidase-Färbung (POX-Färbung) im Nativpräparat durchgeführt. Diese Leistung wird analog nach GOÄ 3667 analog abgerechnet.

Fallbeispiel 3: Abrechnung als Vorhalteleistung

In einer Laborgemeinschaft werden die Teilleistungen der Ejakulatanalyse getrennt voneinander erbracht. Die Bestimmung der reinen Spermienzahl wird als Vorhalteleistung nach GOÄ-Ziffer 3504 abgerechnet. Die isolierte Motilitätsbeurteilung erfolgt hingegen als Vorhalteleistung nach GOÄ-Ziffer 3508.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3667: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die fehlerhafte Nebeneinanderberechnung mit der Ziffer 3668. Die GOÄ-Ziffer 3668 stellt eine Komplexleistung dar, welche die mikroskopische Untersuchung des Ejakulats bereits vollständig abdeckt. Eine gleichzeitige Abrechnung der GOÄ 3667 ist daher strikt ausgeschlossen.

Achtung: Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen die Kombination von GOÄ 3667 und GOÄ 3668 sehr genau. Achten Sie darauf, dass bei einer umfassenden Ejakulatuntersuchung nur die höher bewertete Komplexleistung abgerechnet wird.

Ein weiterer Streitpunkt betrifft die Verknüpfung der beiden Teilleistungen durch das Wort "und". Obwohl es sich um zwei aufwendige, getrennte Arbeitsschritte handelt, ist die Ziffer laut Gesetzgeber je Ejakulat nur einmal berechnungsfähig. Eine doppelte Abrechnung für Zählung und Motilität wird von Prüfstellen regelmäßig beanstandet.

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Dokumentation der GOÄ 3667: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen sowohl das Ejakulatvolumen als auch die ermittelte Spermienkonzentration dokumentiert sein. Nur so lässt sich die geforderte Gesamtspermienzahl nachvollziehbar herleiten.

Zudem müssen die prozentualen Anteile der drei Motilitätsklassen explizit im Befund ausgewiesen werden. Auch der Hinweis auf die Durchführung in zwei getrennten Ansätzen sollte dokumentiert werden, um die methodischen Vorgaben der GOÄ zu erfüllen.

Dokumentation: Ejakulatvolumen: 3,2 ml. Spermienkonzentration: 25 Mio./ml (Mittelwert aus 2 Ansätzen). Gesamtspermienzahl: 80 Mio. Motilität: 55 % progressive Motilität (PR), 15 % nichtprogressive Motilität (NP), 30 % Immotilität (IM).

GOÄ 3667: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Da die GOÄ 3667 dem Abschnitt M II angehört, ist der Gebührenrahmen für Laborleistungen auf das 1,3-Fache begrenzt. Eine Steigerung über den Regelhöchstsatz von 1,15 hinaus erfordert eine medizinische Begründung. Typische Gründe sind eine extrem hohe Viskosität des Ejakulats oder eine ausgeprägte Oligozoospermie, die den Suchaufwand erheblich erhöht.

Tipp: Dokumentieren Sie Erschwerungsgründe wie eine verzögerte Verflüssigung des Ejakulats direkt im Laborbuch. Dies erleichtert die Durchsetzung des erhöhten Steigerungssatzes gegenüber den Kostenträgern.

Typische Ziffernkombinationen

Häufig wird die GOÄ 3667 mit anderen speziellen Laboruntersuchungen kombiniert. Zulässig ist beispielsweise die Nebeneinanderberechnung mit der GOÄ-Ziffer 3664 für den Nachweis von Spermienagglutininen. Auch die Kombination mit mikrobiologischen Untersuchungen zum Ausschluss von Infektionen ist in der Praxis üblich.

Ziffer 3667 in der neuen GOÄ

Die Bestimmung von Spermienzahl und Motilität geht in der neuen GOÄ in der Gesamtleistung „Spermauntersuchung (Spermiogramm), insgesamt" auf — Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl und Spermien-Motilität in drei Bewegungskategorien sind ausdrückliche Bestandteile der neuen Gesamtleistung.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3667

Nein, die Abrechnung der GOÄ 3667 ist neben der umfassenderen Komplexleistung GOÄ 3668 (Ejakulatuntersuchung) ausgeschlossen. Die Ziffer 3668 deckt diese Teilschritte bereits vollständig ab.
Der Regelhöchstsatz (1,15-facher Satz) für die GOÄ 3667 beträgt 4,69 €. Der einfache Gebührensatz liegt bei 4,08 €, während der Höchstsatz (1,3-facher Satz) mit 5,30 € bewertet ist.
Die Bestimmung muss zwingend in zwei getrennten Ansätzen erfolgen, aus denen anschließend der Mittelwert gebildet wird. Beide Ansätze sind mit der einmaligen Berechnung der Ziffer abgegolten.
Bei der Beurteilung müssen die progressive Motilität (PR), die nichtprogressive Motilität (NP) und die Immotilität (IM) unterschieden werden. Die prozentualen Anteile dieser drei Kategorien sind im Befund anzugeben.
Ja, die GOÄ 3667 kann analog für eine granulozytenspezifische Peroxidase-Färbung (POX-Färbung) im Nativpräparat herangezogen werden. Dies ist indiziert, wenn bei der Differenzierung vermehrt Rundzellen auffallen.
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