Die Bestimmung der Osmolalität nach GOÄ Ziffer 3716 ist essenziell bei Wasserhaushaltsstörungen. Erfahren Sie alles zu Indikationen, Abrechnung und Fallstricken.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3716
Osmolalität – 50 Punkte
Die GOÄ-Ziffer 3716 bewertet die Bestimmung der Osmolalität in einer Körperflüssigkeit wie Serum, Plasma oder Urin. Diese physikalische Eigenschaft beschreibt die Teilchenkonzentration pro Kilogramm Lösungsmittel. Im Labor wird die Messung in der Regel mittels Halbmikro-Osmometrie über die Gefrierpunkterniedrigung durchgeführt. Die Methode erfasst präzise alle gelösten, osmotisch aktiven Substanzen.
GOÄ 3716 in der Praxis: Indikationen und klinische Relevanz
Die Bestimmung der Osmolalität ist ein unverzichtbares Werkzeug bei der Abklärung von Elektrolytstörungen. Insbesondere bei ausgeprägten Abweichungen des Natriumspiegels liefert der Wert entscheidende Hinweise auf die Wasserverschiebung zwischen den Flüssigkeitsräumen. Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Differenzialdiagnose der Polydipsie, um zwischen psychogenen Ursachen und einer organischen Hyperosmolalität zu unterscheiden.
Im Urin ist die Bestimmung primär bei unklaren Störungen des Wasserhaushalts oder zur Prüfung der Nierenkonzentrationsleistung angezeigt. Bei Routineuntersuchungen reicht meist die Bestimmung des spezifischen Gewichts mittels Teststreifen aus. Erst bei Verdacht auf eine pathologische Teilchenzusammensetzung ist die präzise Messung der Urin-Osmolalität medizinisch notwendig.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3716
Fallbeispiel 1: Abklärung einer ausgeprägten Hyponatriämie
Ein Patient stellt sich mit einer unklaren, ausgeprägten Hyponatriämie in der Praxis vor. Zur Bestimmung des Hydratationszustands und der Wasserverteilung wird die Serum-Osmolalität bestimmt. Neben der GOÄ 3716 werden die Elektrolyte im Serum abgerechnet. Die Indikation wird auf der Liquidation vermerkt.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf Methanol-Intoxikation
Bei einem komatösen Patienten besteht der dringende Verdacht auf eine Methanol-Intoxikation. Der Arzt veranlasst die Messung der Osmolalität sowie von Natrium, Glukose und Harnstoff zur Ermittlung der osmotischen Lücke. Abgerechnet werden die GOÄ 3716 sowie die Ziffern für die Einzelparameter. Die Berechnung der Lücke selbst erfolgt ohne gesonderte Gebühr.
Fallbeispiel 3: Durchführung eines Durstversuchs
Zur Abklärung einer unklaren Polyurie wird ein Durstversuch durchgeführt. Hierbei erfolgt die parallele Bestimmung der Osmolalität in Serum und Urin zu definierten Zeitpunkten. Die Bestimmungen der Urin-Osmolalität und der Serum-Osmolalität sind jeweils nach GOÄ 3716 nebeneinander berechnungsfähig.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3716: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist der Versuch, die Berechnung der osmotischen Lücke als eigenständige Leistung anzusetzen. Gemäß den Allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M ist diese mathematische Verknüpfung bereits mit den Basistarifen abgegolten. Zulässig ist jedoch die Abrechnung der zugrundeliegenden Laborparameter wie Natrium, Glukose und Harnstoff, sofern diese aktuell bestimmt wurden.
Achtung: Private Krankenversicherungen beanstanden regelmäßig die Abrechnung der Urin-Osmolalität, wenn zuvor kein begründeter Verdacht auf eine gestörte Teilchenzusammensetzung dokumentiert wurde. Die einfache Bestimmung des spezifischen Gewichts mittels Teststreifen ist in der Routine vorzuziehen.
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Dokumentation der GOÄ 3716: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die spezifische Indikation, der gemessene Laborwert in mosmol/kg sowie das verwendete Probenmaterial (Serum, Plasma oder Urin) klar ersichtlich sein. Bei der Berechnung der osmotischen Lücke sollten auch die Werte der Vergleichsparameter dokumentiert werden.
Dokumentation: V. a. SIADH bei Hyponatriämie. Serum-Osmolalität: 265 mosmol/kg (pathologisch erniedrigt), Urin-Osmolalität: 450 mosmol/kg. Freie Wasserclearance berechnet.
GOÄ 3716: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ 3716 dem Abschnitt M III/IV angehört, liegt der normale Gebührenrahmen zwischen dem 1,0-fachen und dem 1,3-fachen Satz. Eine Steigerung auf den Höchstsatz von 1,3-fach ist nur bei Vorliegen besonderer Umstände zulässig. Als Begründung eignet sich beispielsweise eine erschwerte Probenaufbereitung bei extrem lipämischen Blutproben, die eine zusätzliche Ultrazentrifugation erfordern.
Typische Ziffernkombinationen
Die Osmolalität wird selten isoliert bestimmt. Typische Kombinationspartner sind die Bestimmung von Natrium (GOÄ 3558), Glukose (GOÄ 3560) und Harnstoff (GOÄ 3584.H1). Bei der Abklärung von Wasserhaushaltsstörungen wird zudem häufig die Bestimmung des Antidiuretischen Hormons (ADH) nach GOÄ 4061 kombiniert.
Tipp: Achten Sie bei der Kombination von Serum- und Urinbestimmungen am selben Tag darauf, beide Leistungen separat mit dem jeweiligen Probenmaterial auf der Rechnung auszuweisen, um Rückfragen der Erstattungsstellen zu vermeiden.
Ziffer 3716 in der neuen GOÄ
Die Osmolalitätsbestimmung wird zur neuen Nummer 11825 mit einem Festpreis von 9,88 € — deutlich mehr als der heutige 2,3-fache Satz von 3,35 €. Die neue Legende erfasst Serum oder Plasma sowie Urin mittels Osmometrie (z. B. Gefrierpunktserniedrigung); die Berechnung der osmotischen Lücke ist gegebenenfalls eingeschlossen.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3716
Was hat nicht gestimmt?