Die Bestimmung von Myoglobin nach GOÄ-Ziffer 3756 ist ein wichtiger Baustein bei Verdacht auf Rhabdomyolyse. Erfahren Sie alles zur korrekten Abrechnung.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3756
Myoglobin, Ligandenassay – gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve –, Immundiffusion oder ähnliche Untersuchungsmethoden
Die GOÄ-Ziffer 3756 ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) unter dem Unterabschnitt 6 (Proteine, Aminosäuren, Elektrophoreseverfahren) angesiedelt. Mit einer Bewertung von 200 Punkten stellt sie eine spezialisierte laborchemische Analyse dar. Der Leistungstext umfasst explizit auch eventuell notwendige Doppelbestimmungen sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve, sodass diese Schritte nicht separat berechnet werden können.
Als methodische Verfahren nennt die Gebührenordnung den Ligandenassay sowie die Immundiffusion. Beide Begriffe dienen in der GOÄ als Oberbegriffe für eine Reihe moderner, hochspezifischer Nachweisverfahren. Die Ziffer deckt somit verschiedene immunologische und quantitative Analysemethoden ab, die in der modernen Labordiagnostik zum Einsatz kommen.
GOÄ 3756 in der Praxis: Indikationen und klinische Relevanz
Das sauerstoffbindende Protein Myoglobin kommt ausschließlich in der quergestreiften Skelettmuskulatur sowie in der Herzmuskulatur vor. Bei einer Schädigung dieser Gewebe kommt es zu einer raschen Freisetzung in die Blutbahn. Da Myoglobin eine kurze Halbwertszeit besitzt, wird es innerhalb von ein bis zwei Stunden renal eliminiert, was bei hoher Konzentration zu einer Myoglobinurie führt.
Die Hauptindikation für die Bestimmung im Serum oder Plasma liegt im Verdacht auf eine Rhabdomyolyse (Crush-Syndrom). Typische Auslöser sind schwere Polytraumen, Verbrennungen oder elektrische Stromschläge. Je höher die Myoglobinkonzentration im Blut ausfällt, desto größer ist das Risiko für eine schwerwiegende Nierenschädigung bis hin zum akuten Nierenversagen (Crush-Niere).
Tipp: Die Bestimmung von Myoglobin im Urin ist besonders dann sinnvoll, wenn der Urin-Teststreifen nach GOÄ-Ziffer 3511 ein homogen positives Hämoglobin-Feld anzeigt, die Differenzierung zwischen einer Hämoglobinurie und einer echten Myoglobinurie jedoch unklar ist.
Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Verlaufskontrolle nach einer Reperfusionstherapie bei akutem Koronarsyndrom. Durch wiederholte Messungen in kurzen Zeitabständen lässt sich der Erfolg einer Thrombolyse oder einer perkutanen Koronarintervention (PCI) beurteilen. Für die primäre Frühdiagnostik eines Myokardinfarkts ist die Ziffer hingegen veraltet, da hierfür sensitivere Troponin-Bestimmungen (GOÄ-Ziffer 3742) den medizinischen Standard darstellen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3756
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Rhabdomyolyse nach Polytrauma
Ein Patient wird nach einem schweren Verkehrsunfall mit dem Verdacht auf ein Crush-Syndrom in der Praxis oder Ambulanz vorstellig. Zur Abschätzung einer drohenden Nierenschädigung wird umgehend eine quantitative Myoglobin-Bestimmung im Serum veranlasst. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 3756 zum Regelsatz (13,41 €).
Fallbeispiel 2: Differenzierung einer unklaren Myoglobinurie
Bei einer Routineuntersuchung zeigt der Urin-Schnelltest (GOÄ 3511) ein homogen positives Hämoglobin-Feld, ohne dass Erythrozyten im Sediment sichtbar sind. Zur Abklärung einer vermuteten Myoglobinurie wird der Urin sofort alkalisiert und eine quantitative Bestimmung durchgeführt. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3756 neben der Ziffer 3511.
Fallbeispiel 3: Reperfusionskontrolle mittels Point-of-Care-Test
Nach einer erfolgreichen Koronarintervention wird bei einem Patienten zur kurzfristigen Verlaufskontrolle ein quantitativer Myoglobin-Streifentest mit apparativer Auswertung direkt in der Praxis durchgeführt. Da es sich um ein Point-of-Care-Verfahren handelt, ist die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3756 vollumfänglich gerechtfertigt.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3756: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3756 betrifft die Wahl des Probenmaterials im Urin. Wird auf die Bestimmung im Urin nicht verzichtet, obwohl im Serum bereits eine deutliche Erhöhung der Creatinkinase (CK) und des Myoglobins nachgewiesen wurde, gilt die Urinanalyse als medizinisch nicht notwendig. Private Krankenversicherungen kürzen in diesen Fällen regelmäßig das Honorar.
Achtung: Reine qualitative Schnelltests ohne apparatgestützte, quantitative Auswertung dürfen nicht nach GOÄ-Ziffer 3756 berechnet werden. Diese Tests erfüllen nicht die methodischen Kriterien eines quantitativen Ligandenassays.
Zudem beanstanden Prüfstellen häufig die parallele Abrechnung von Myoglobin zur reinen Frühdiagnostik eines Myokardinfarkts. Da die Troponin-Bestimmung (GOÄ 3742) als wesentlich spezifischer gilt, muss bei einer gemeinsamen Abrechnung die medizinische Notwendigkeit (z. B. im Rahmen einer Risikostratifizierung beim akuten Koronarsyndrom) exakt begründet werden.
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Dokumentation der GOÄ 3756: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament für eine erfolgreiche Abrechnung und wehrt unberechtigte Regresse ab. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation (z. B. Crush-Syndrom, V. a. Rhabdomyolyse) sowie das verwendete Probenmaterial (Serum, Plasma oder Urin) präzise festgehalten werden.
Besonders bei der Verwendung von Urin muss dokumentiert werden, dass zuvor ein homogen positives Hb-Feld im Teststreifen vorlag. Auch der Hinweis auf eine sofortige Analyse oder die durchgeführte Alkalisierung der Urinprobe sichert die Abrechnung fachlich ab.
Dokumentationsbeispiel:
Pat. nach Sturz mit langem Liegen. V. a. Rhabdomyolyse bei V. a. Crush-Syndrom. Urin-Stix (Ziffer 3511) zeigt homogen positives Hb-Feld. Urinprobe umgehend alkalisiert. Quantitative Myoglobin-Bestimmung aus Urin mittels Ligandenassay (Ziffer 3756) veranlasst zur Abklärung einer Myoglobinurie.
GOÄ 3756: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ-Ziffer 3756 dem Abschnitt M (Laborleistungen) angehört, unterliegt sie dem speziellen Gebührenrahmen von 1,0 bis 1,3. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung auf den Höchstsatz (1,3-fach, entspricht 15,16 €) erfordert eine schriftliche Begründung auf der Rechnung.
Als Begründung für eine Schwellenüberschreitung kommen ein erhöhter präanalytischer Aufwand (z. B. schwierige Probenaufbereitung bei stark lipämischem Serum) oder methodische Besonderheiten bei der Durchführung des Ligandenassays infrage. Auch eine extrem zeitkritische Notfalldiagnostik bei akutem Crush-Syndrom kann herangezogen werden.
Typische Ziffernkombinationen
In der Praxis wird die GOÄ 3756 häufig mit anderen Parametern der Muskel- und Herzdiagnostik kombiniert. Sinnvoll und zulässig ist die gemeinsame Abrechnung mit der Creatinkinase (CK, GOÄ 3590.H1) sowie der CK-MB-Masse (GOÄ 3788). Auch die Kombination mit dem Troponin-Test (GOÄ 3742) ist im Rahmen einer umfassenden Risikostratifizierung des akuten Koronarsyndroms erstattungsfähig.
Ziffer 3756 in der neuen GOÄ
Die Myoglobin-Bestimmung per Ligandenassay oder Immundiffusion wird zur neuen Nummer 12744 „Myoglobin" mit einem Festpreis von 13,02 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 13,41 €). Die neue Legende erfasst Serum/Plasma oder Urin und benennt quantitative immunologische Verfahren einschließlich latexpartikelverstärkter Immunnephelometrie und -turbidimetrie.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3756
Was hat nicht gestimmt?