Die Bestimmung von SHBG nach GOÄ-Ziffer 3765 ist essenziell für die Diagnostik von Hormonstörungen. Erfahren Sie alles zu Indikationen und Fallstricken.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3765
Die GOÄ-Ziffer 3765 beschreibt eine spezialisierte Laborleistung aus dem Bereich der Endokrinologie. Sie ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt 6 (Proteine, Aminosäuren, Elektrophoreseverfahren) der Gebührenordnung für Ärzte verortet.
Sexualhormonbindendes Globulin (SHBG), Ligandenassay – einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve –
Diese Leistung umfasst die quantitative Bestimmung des Transportproteins SHBG im Blut. Die Analyse erfolgt mittels eines Ligandenassays, wobei das Verfahren eine Doppelbestimmung sowie die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve zwingend einschließt.
GOÄ 3765 in der Praxis: Indikationen und klinischer Nutzen
SHBG ist ein im Blut zirkulierendes Protein, welches Sexualsteroide bindet und transportiert. Eine veränderte Konzentration dieses Proteins beeinflusst direkt die Menge der biologisch aktiven, freien Hormone. Diagnostisch ist dies besonders in Kombination mit dem Gesamt-Testosteron von hoher Relevanz.
Die Bestimmung ist indiziert, wenn eine Diskrepanz zwischen Klinik und Laborwerten vorliegt. Dies ist der Fall bei Verdacht auf einen Androgenexzess oder Androgenmangel, wenn das Gesamt-Testosteron im Normbereich liegt. Auch bei untypischen Testosteronwerten ohne entsprechende klinische Symptome ist die Untersuchung sinnvoll.
Aus den Werten von SHBG und Gesamt-Testosteron wird der Freie Androgen-Index (FTI) berechnet. Dieser Index erlaubt eine präzise Beurteilung des tatsächlich wirksamen Testosterons im Organismus.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3765
Fallbeispiel 1: Verdacht auf PCOS bei einer Patientin
Eine Patientin stellt sich mit Hirsutismus und Zyklusstörungen vor. Das Gesamt-Testosteron liegt im hochnormalen Bereich, was die klinische Symptomatik nicht vollständig erklärt. Zur weiteren Abklärung wird das SHBG bestimmt, um den Freien Androgen-Index zu berechnen. Abgerechnet werden die GOÄ-Ziffern 3765 und 4042.
Fallbeispiel 2: Abklärung eines Hypogonadismus beim Mann
Ein männlicher Patient klagt über Libidoverlust und chronische Müdigkeit. Die Bestimmung des Gesamt-Testosterons zeigt einen grenzwertig niedrigen Befund. Durch die zusätzliche Anforderung der GOÄ 3765 kann der biologisch aktive Hormonanteil exakt bestimmt werden. Dies sichert die Diagnose eines Alters-Hypogonadismus ab.
Fallbeispiel 3: Kontrolle unter hormoneller Kontrazeption
Eine Patientin unter oralen Kontrazeptiva klagt über Stimmungsschwankungen und Libidoverlust. Da Östrogene die Synthese von SHBG in der Leber stark stimulieren, soll der hormonelle Status überprüft werden. Die Bestimmung von SHBG nach GOÄ 3765 dient hier der Beurteilung des freien Testosteronspiegels unter Medikation.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3765: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist die separate Abrechnung der FTI-Berechnung. Gemäß den Allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M ist diese mathematische Kalkulation mit den Gebühren der Primäranalysen abgegolten. Eine zusätzliche Ziffer für die Berechnung existiert nicht und führt regelmäßig zu Rechnungskürzungen.
Achtung: Die rechnerische Ermittlung des Freien Androgen-Index (FTI) darf niemals als eigene Leistung abgerechnet werden, da sie mit den Gebühren für die Ziffern 3765 und 4042 abgegolten ist.
Zudem beanstanden private Krankenversicherungen die Untersuchung, wenn zeitgleich eine direkte Bestimmung des freien Testosterons im Speichel erfolgt. In diesem Fall wird die SHBG-Bestimmung als medizinisch nicht notwendig eingestuft. Ärzte sollten daher auf eine redundante Diagnostik verzichten.
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Dokumentation der GOÄ 3765: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die klinische Symptomatik sowie die Indikation für die SHBG-Bestimmung klar festgehalten werden. Insbesondere die Diskrepanz zwischen Klinik und Gesamt-Testosteron sollte explizit erwähnt werden.
Dokumentation: V. a. Androgenüberschuss bei Hirsutismus. Gesamt-Testosteron im Normbereich. Indikation zur SHBG-Bestimmung (GOÄ 3765) zwecks FTI-Berechnung.
Tipp: Dokumentieren Sie stets die klinische Diskrepanz zwischen Symptomatik und Gesamt-Testosteronwert, um die medizinische Notwendigkeit der SHBG-Bestimmung gegenüber Kostenträgern lückenlos zu belegen.
Auch das Ergebnis der FTI-Berechnung sollte zusammen mit den Rohdaten von SHBG und Testosteron in den Befundberichten dokumentiert werden. Dies erleichtert die Nachvollziehbarkeit bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen.
GOÄ 3765: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Als Laborleistung des Abschnitts M6 unterliegt die GOÄ 3765 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3-fach ist nur bei außergewöhnlich schwierigen Analysen oder besonderen Probenbeschaffenheiten mit schriftlicher Begründung zulässig.
Typische Ziffernkombinationen
Die Ziffer 3765 wird fast immer in Kombination mit der GOÄ-Ziffer 4042 für das Gesamt-Testosteron abgerechnet. Je nach klinischer Fragestellung ist auch die Kombination mit anderen Hormonparametern wie LH (GOÄ 4026) oder FSH (GOÄ 4025) sinnvoll. Eine Doppelabrechnung von ähnlichen Transportproteinen sollte jedoch vermieden werden.
Ziffer 3765 in der neuen GOÄ
Die Ziffer 3765 (Sexualhormonbindendes Globulin (SHBG), Ligandenassay – einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve –) findet ihre Entsprechung in der neuen GOÄ unter Nummer 12711: Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG) Abklärung unklare Testosteron-Werte. Der Festpreis liegt bei 17,47 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 30,16 €). Die Leistung ist 1x je Bestimmung berechnungsfähig.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3765
Was hat nicht gestimmt?