GOÄ 3963: Von-Willebrand-Faktor richtig abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 3963
Von Willebrand-Faktor (vWF ), Ligandenassay – einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve –
Punktzahl 480  
Einfachsatz 27,98 € 1,0x
Regelhöchstsatz 32,18 € 1,1x
Höchstsatz 36,37 € 1,3x

Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 3963 für den Von-Willebrand-Faktor: Erfahren Sie alles über Indikationen, die 2/3-Minderungsregel und die analoge Abrechnung.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3963

Von Willebrand-Faktor (vWF ), Ligandenassay – einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve –

Die GOÄ-Ziffer 3963 beschreibt eine hochspezifische Laborleistung aus dem Bereich der Gerinnungsdiagnostik. Sie umfasst die quantitative Bestimmung des Von-Willebrand-Faktors mittels eines Ligandenassays, in der Regel eines ELISA-Verfahrens. Diese Analyse dient der Erfassung des vWF-Antigens (vWF:Ag) im Blutplasma des Patienten.

Ein zentraler Aspekt dieser Ziffer ist die im Leistungstext geforderte Doppelbestimmung inklusive einer aktuellen Bezugskurve. Wird die Untersuchung in der Praxis als automatisierte Einfachbestimmung durchgeführt, reduziert sich das Honorar gemäß den Allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M auf zwei Drittel der Gebühr. Dies ist bei der Rechnungsstellung zwingend zu berücksichtigen.

GOÄ 3963 in der Praxis: Diagnostik des Von-Willebrand-Syndroms

Die Bestimmung des vWF-Antigens ist der Goldstandard bei Verdacht auf ein angeborenes oder erworbenes Von-Willebrand-Syndrom (vWS). Das vWS ist das weltweit häufigste angeborene Blutungsleiden und äußert sich klinisch oft durch rezidivierendes Nasenbluten, verstärkte Menstruationsblutungen oder eine ausgeprägte Hämatomneigung. Die Ziffer 3963 liefert hierbei den quantitativen Basiswert.

Da der Von-Willebrand-Faktor ein bekanntes Akute-Phase-Protein ist, können entzündliche Prozesse die Plasmawerte künstlich erhöhen. Ein tatsächlich vorliegender Mangel kann dadurch temporär maskiert werden. Aus diesem Grund ist eine wiederholte Messung in entzündungsfreien Intervallen medizinisch vollkommen gerechtfertigt und erneut berechnungsfähig.

Achtung: Bei der Interpretation der Laborwerte muss stets die AB0-Blutgruppe des Patienten einbezogen werden. Personen mit der Blutgruppe 0 weisen physiologisch bis zu 30 Prozent niedrigere vWF-Spiegel auf als Personen anderer Blutgruppen.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3963

Fallbeispiel 1: Abklärung einer verstärkten Blutungsneigung

Eine 24-jährige Patientin stellt sich mit ausgeprägter Hämatomneigung und Hypermenorrhoe vor. Zum Ausschluss eines vWS veranlasst der Arzt die Bestimmung des vWF-Antigens mittels eines automatisierten ELISA-Verfahrens in Einfachbestimmung. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3963, gemindert auf zwei Drittel der vollen Gebühr, da keine Doppelbestimmung erfolgte.

Fallbeispiel 2: Differenzierung und Subtypisierung eines bekannten vWS

Bei einem Patienten mit bekanntem Von-Willebrand-Syndrom soll die genaue funktionelle Einschränkung analysiert werden. Hierzu wird die vWF-Kollagenbindungsaktivität (vWF:CB) bestimmt. Da für diese spezielle Analyse keine eigene Ziffer existiert, erfolgt die Abrechnung analog nach GOÄ 3963 (ebenfalls mit dem 2/3-Abschlag bei Einfachbestimmung).

Fallbeispiel 3: Verdacht auf thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP)

Bei einem schwerkranken Patienten mit Thrombozytopenie besteht der dringende Verdacht auf eine TTP. Der Arzt veranlasst die Bestimmung der ADAMTS-13-Aktivität. Diese hochspezifische Protease-Analyse wird betriebswirtschaftlich sinnvoll und rechtssicher analog nach GOÄ-Ziffer 3939 in voller Höhe abgerechnet.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3963: Was Prüfer beanstanden

Der mit Abstand häufigste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3963 ist das Übersehen der Zwei-Drittel-Regelung. Da moderne Großlabore fast ausschließlich vollautomatische Einfachbestimmungen durchführen, führt die Abrechnung des vollen Satzes regelmäßig zu Beanstandungen durch Privatkassen und Beihilfestellen. Stellen Sie sicher, dass Ihr Laborsystem diesen Abschlag automatisch einpflegt.

Ein weiterer Fehler ist die Verwechslung von Antigen- und Aktivitätsbestimmung. Die Bestimmung der vWF-Aktivität (z. B. Ristocetin-Cofaktor) ist eine eigenständige Leistung und muss über die GOÄ-Ziffer 3956 abgerechnet werden. Beide Ziffern dürfen und sollten bei einer vollständigen Diagnostik nebeneinander berechnet werden.

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Dokumentation der GOÄ 3963: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation (z. B. Verdacht auf hämorrhagische Diathese) sowie die angewandte Untersuchungsmethode präzise festgehalten werden. Auch die Angabe, ob eine Einfach- oder Doppelbestimmung durchgeführt wurde, ist essenziell.

Dokumentation: Verdacht auf Von-Willebrand-Syndrom bei rezidivierender Epistaxis. Bestimmung von vWF:Ag mittels ELISA (Einfachbestimmung) gemäß GOÄ 3963 (analog gemindert auf 2/3). Blutgruppe des Patienten: 0 positiv.

GOÄ 3963: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Laborleistung des Abschnitts M ist die GOÄ 3963 im Regelfall mit dem Faktor 1,15 belegt. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur unter Angabe besonderer, patientenbezogener Erschwernisse möglich. Typische Begründungen sind eine schwierige Probenaufbereitung bei stark lipämischem Plasma oder eine extrem zeitkritische Notfallanalytik.

Typische Ziffernkombinationen

Eine umfassende Gerinnungsabklärung erfordert meist die Kombination mehrerer Parameter. Sinnvoll und zulässig ist die gemeinsame Abrechnung der GOÄ 3963 mit der Ziffer 3956 (vWF-Aktivität) und der Ziffer 3939 (Faktor VIII:C). Sollten Autoantikörper gegen die spaltende Protease ADAMTS-13 gesucht werden, kann zusätzlich die Ziffer 3877 herangezogen werden.

Tipp: Nutzen Sie für die Bestimmung der Kollagenbindungsaktivität konsequent die Analogabrechnung der GOÄ 3963. Dies sichert Ihnen eine adäquate Vergütung für diese wichtige Spezialdiagnostik.

Ziffer 3963 in der neuen GOÄ

Der Von-Willebrand-Faktor (vWF) mittels Ligandenassay wird in der neuen GOÄ auf vier eigenständige Ziffern aufgeteilt, je nach untersuchter Messgröße:

  • 11956 vWF-Antigen: 39,23 €
  • 11957 vWF-Kollagen-Bindungsaktivität: 38,73 €
  • 11959 ADAMTS-13-Aktivität: 38,73 €
  • 11960 ADAMTS-13-Antigen: 39,23 € — nur berechnungsfähig nach einem vorausgehenden pathologischen oder unplausiblen Ergebnis nach 11959

Heute bringt die 3963 beim 2,3-fachen Satz 32,18 €. Was tatsächlich gemessen wurde, entscheidet über die Ziffer — und die ADAMTS-13-Konzentration ist strukturell nachrangig zur Aktivitätsmessung.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3963

Die GOÄ-Ziffer 3963 wird für die Bestimmung des Von-Willebrand-Faktor-Antigens (vWF:Ag) mittels Ligandenassay abgerechnet. Typische Indikationen sind der Verdacht auf ein angeborenes oder erworbenes Von-Willebrand-Syndrom sowie die Abklärung unklarer Blutungsneigungen. Die Leistung umfasst die Doppelbestimmung und eine aktuelle Bezugskurve.
Ja, wenn die Bestimmung des vWF-Antigens als Einfachbestimmung statt als Doppelbestimmung durchgeführt wird, ist die Gebühr um ein Drittel zu mindern. In der modernen Laborpraxis werden automatisierte ELISA-Testformate meist als Einfachbestimmung durchgeführt, weshalb hier nur zwei Drittel der Gebühr berechnet werden dürfen. Dies gilt auch für analoge Abrechnungen wie die vWF-Kollagenbindungsaktivität.
Ja, die Bestimmung der Von-Willebrand-Faktor-Kollagenbindungsaktivität (vWF:CB) kann analog nach der GOÄ-Ziffer 3963 berechnet werden. Da dieser ELISA in der Praxis meist als Einfachbestimmung erfolgt, ist auch hier die Zwei-Drittel-Minderungsregel anzuwenden. Sie dient als wichtiger Baustein zur Differenzierung von Subtypen des Von-Willebrand-Syndroms.
Die Aktivität oder das Antigen der Von-Willebrand-Faktor-spaltenden Protease (ADAMTS-13) kann analog nach GOÄ-Ziffer 3963 oder betriebswirtschaftlich vorteilhafter nach GOÄ-Ziffer 3939 abgerechnet werden. Bei der Abrechnung nach Ziffer 3939 ist es angemessen, die Gebühr in voller Höhe anzusetzen, selbst wenn die Analyse in Einfachbestimmung erfolgt. Dies dient primär dem Ausschluss oder Nachweis einer thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (TTP).
Neben der GOÄ 3963 werden häufig die GOÄ-Ziffer 3956 für die vWF-Aktivität (Ristocetin-Cofaktor) und die GOÄ-Ziffer 3939 für den Faktor VIII:C abgerechnet. Auch die elektrophoretische Auftrennung der vWF-Multimere nach GOÄ-Ziffer 3763 ist bei der Typisierung des Von-Willebrand-Syndroms eine sinnvolle Ergänzung. Diese Leistungen schließen sich gegenseitig nicht aus, da sie unterschiedliche funktionelle Aspekte der Blutstillung erfassen.
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