GOÄ 3984: Blutgruppenmerkmale korrekt abrechnen

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GOÄ 3984
Bestimmung weiterer Blutgruppenmerkmaleim NaCl- oder Albumin-Milieu (z. B. P, Lewis, MNS), je Merkmal
Punktzahl 120  
Einfachsatz 6,99 € 1,0x
Regelhöchstsatz 8,04 € 1,1x
Höchstsatz 9,09 € 1,3x

Bei den Leistungen nach den Nrn. 3984 bis 3986 sind die jeweils untersuchten Merkmale in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3984

Bestimmung weiterer Blutgruppenmerkmale im NaCl- oder Albumin-Milieu (z. B. P, Lewis, MNS), je Merkmal

Die GOÄ-Ziffer 3984 beschreibt eine spezialisierte immunhämatologische Laborleistung. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn über die klassischen AB0- und Rhesus-Merkmale hinaus weitere Antigene auf den Erythrozyten des Patienten bestimmt werden müssen. Diese Untersuchung erfolgt im Kochsalz- (NaCl) oder Albumin-Milieu, um spezifische inkomplette oder komplette Antikörperreaktionen nachzuweisen.

Ein wesentlicher Aspekt dieser Ziffer ist die Abrechnungseinheit. Die Leistung wird je Merkmal berechnet, was bei der Bestimmung mehrerer Antigene eine mehrfache Ansetzung ermöglicht. Gemäß den Abrechnungsbestimmungen der GOÄ müssen die jeweils untersuchten Merkmale zwingend einzeln in der Liquidation aufgeführt werden.

GOÄ 3984 in der Praxis: Indikationen und klinische Relevanz

In der täglichen Praxis ist die Bestimmung weiterer Blutgruppenmerkmale vor allem in der Transfusionsmedizin und der Geburtsmedizin von Bedeutung. Ein typisches Szenario ist die Vorbereitung einer Bluttransfusion bei Patienten, bei denen im Antikörpersuchtest unregelmäßige Antikörper festgestellt wurden. Um eine hämolytische Transfusionsreaktion zu verhindern, müssen die entsprechenden Antigene auf den Spender- und Empfängerzellen präzise bestimmt werden.

Auch im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge kann die Ziffer 3984 relevant werden. Wenn bei einer schwangeren Patientin Antikörper gegen seltenere Blutgruppenmerkmale wie das MNS- oder Lewis-System nachgewiesen werden, ist die genaue Typisierung des mütterlichen und väterlichen Blutes erforderlich. Dies dient der Risikoabschätzung für einen Morbus haemolyticus neonatorum.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3984

Fallbeispiel 1: Abklärung vor Transfusion bei bekanntem Anti-M-Antikörper

Ein Patient mit chronischer Anämie benötigt ein Erythrozytenkonzentrat. Im Vorfeld wird ein Anti-M-Antikörper identifiziert. Zur Sicherheit wird das Blut des Patienten auf das Vorhandensein des M-Antigens im NaCl-Milieu getestet, um die Spezifität zu bestätigen. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 3984 für das Merkmal M.

Fallbeispiel 2: Differenzierung im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge

Bei einer Schwangeren zeigt der Antikörpersuchtest ein positives Ergebnis für ein Antigen des Lewis-Systems (Le-a). Zur weiteren Abklärung wird das Blut der Patientin im Albumin-Milieu auf das genaue Lewis-Merkmal untersucht. Die erbrachte Leistung wird mit der GOÄ 3984 unter Angabe des Merkmals "Lewis a" liquidiert.

Fallbeispiel 3: Mehrfachbestimmung bei komplexer Antikörpersuche

Nach einer vorausgegangenen Transfusion zeigt ein Patient Verdacht auf eine verzögerte hämolytische Reaktion. Es erfolgt die Bestimmung der Merkmale P1, M und N im Kochsalzmilieu. Da drei unterschiedliche Merkmale untersucht wurden, wird die GOÄ-Ziffer 3984 dreimal nebeneinander abgerechnet.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3984: Was Prüfer beanstanden

Der häufigste formale Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3984 ist das Fehlen der konkreten Merkmalsbezeichnung auf der Rechnung. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen die Erstattung konsequent, wenn die untersuchten Antigene nicht explizit genannt werden. Eine bloße Aufzählung der Ziffer ohne Zusatz reicht nicht aus.

Achtung: Achten Sie darauf, dass für jedes angesetzte Merkmal der GOÄ 3984 die genaue Bezeichnung (z. B. "Merkmal M", "Merkmal P1") auf der Rechnung ausgewiesen wird, um Honorarverluste zu vermeiden.

Ein weiterer Fehler ist die Verwechslung der Testmilieus. Wird die Bestimmung mittels enzymatischer Verfahren durchgeführt, ist stattdessen die GOÄ 3985 anzusetzen. Erfolgt der Nachweis im Antiglobulintest (Coombs-Test), ist die GOÄ 3986 die korrekte Ziffer. Eine fehlerhafte Zuordnung führt bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen regelmäßig zu Beanstandungen.

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Dokumentation der GOÄ 3984: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament einer rechtssicheren Abrechnung. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, das verwendete Testmilieu (NaCl oder Albumin) sowie das exakte Testergebnis für jedes einzelne Merkmal dokumentiert werden. Auch die Chargennummern der verwendeten Testseren sollten erfasst werden.

Dokumentation: Bestimmung des Blutgruppenmerkmals N im NaCl-Milieu bei positivem Antikörpersuchtest. Verwendetes Testserum Charge-Nr. 12345. Ergebnis: Merkmal N positiv. Qualitätskontrolle ordnungsgemäß durchgeführt.

Die Dokumentation sollte zudem den Bezug zur therapeutischen Konsequenz herstellen. Dies erleichtert bei eventuellen Rückfragen der Kostenträger den Nachweis der medizinischen Notwendigkeit der Untersuchung.

GOÄ 3984: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Leistung des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) unterliegt die GOÄ 3984 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist nur bei Vorliegen besonderer Erschwernisse zulässig, wie beispielsweise bei stark autoagglutinierenden Proben, die aufwendige Waschschritte erfordern.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 3984 wird selten isoliert erbracht. Sie steht meist in engem Zusammenhang mit anderen immunhämatologischen Leistungen. Typische Kombinationen umfassen die AB0-Bestimmung (GOÄ 3980), den Rhesusfaktor (GOÄ 3981) sowie den Antikörpersuchtest (GOÄ 3983). Auch die Kombination mit dem direkten oder indirekten Coombs-Test nach GOÄ 3986 ist im Rahmen einer erweiterten Diagnostik regelhaft möglich.

Tipp: Nutzen Sie bei der Bestimmung mehrerer seltener Merkmale die Möglichkeit der Mehrfachabrechnung der GOÄ 3984. Jedes separat untersuchte Antigen stellt eine eigenständige Leistung dar und darf einzeln berechnet werden.

Ziffer 3984 in der neuen GOÄ

Die Bestimmung weiterer Blutgruppenmerkmale im NaCl- oder Albumin-Milieu (z. B. P, Lewis, MN, Kell) wird in der neuen GOÄ zur neuen Nummer 11777 mit einem Festpreis von 11,33 € je Merkmal und Milieu (heute beim 2,3-fachen Satz: 8,04 €). Beide alten Milieu-Varianten (NaCl und Albumin) sind in der neuen methodenoffenen Ziffer abgedeckt; die untersuchten Blutgruppenmerkmale sind auf der Rechnung anzugeben.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3984

Die GOÄ-Ziffer 3984 darf abgerechnet werden, wenn weitere Blutgruppenmerkmale wie P, Lewis oder MNS im NaCl- oder Albumin-Milieu bestimmt werden. Dies ist typischerweise bei der Vorbereitung von Transfusionen oder im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge bei positivem Antikörpersuchtest der Fall.
Auf der Rechnung müssen die jeweils untersuchten Blutgruppenmerkmale einzeln und konkret benannt werden. Ohne diese Angabe ist die Liquidation formal fehlerhaft und kann von den privaten Krankenversicherungen zurückgewiesen werden.
Der Unterschied liegt im verwendeten Testverfahren. Während die GOÄ 3984 die Bestimmung im NaCl- oder Albumin-Milieu honoriert, kommt die GOÄ 3985 bei Untersuchungen im enzymatischen Milieu zur Anwendung.
Ja, die GOÄ-Ziffer 3984 ist je untersuchtem Merkmal berechnungsfähig. Werden beispielsweise die Merkmale M und N parallel bestimmt, kann die Ziffer zweimal auf der Rechnung angesetzt werden.
Für die GOÄ 3984 gilt der Gebührenrahmen für Laborleistungen, bei dem der Regelhöchstsatz das 1,15-fache des Einfachsatzes beträgt. Mit einer medizinischen Begründung kann die Gebühr bis zum 1,3-fachen Höchstsatz gesteigert werden.
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