GOÄ 4035: 17-OH-Progesteron rechtssicher abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 4035
Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -17-Alpha-Hydroxyprogesteron
Punktzahl 350  
Einfachsatz 20,40 € 1,0x
Regelhöchstsatz 23,46 € 1,1x
Höchstsatz 26,52 € 1,3x

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4035

Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - 17-Alpha-Hydroxyprogesteron

Die GOÄ-Ziffer 4035 beschreibt eine hochspezifische Laborleistung aus dem Bereich der Endokrinologie. Die Untersuchung basiert auf einem Ligandenassay, welcher moderne immunologische Nachweisverfahren wie ELISA oder RIA umfasst. Die Leistung beinhaltet bereits die Durchführung einer Doppelbestimmung sowie die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve zur Qualitätssicherung.

Der Gesetzgeber schreibt vor, dass die untersuchten Parameter in der Rechnung explizit anzugeben sind. Dies dient der Transparenz und ermöglicht den privaten Krankenversicherungen eine genaue Prüfung der erbrachten Laborleistung.

GOÄ 4035 in der Praxis: Indikationen und klinischer Nutzen

Die Bestimmung von 17-Alpha-Hydroxyprogesteron ist ein zentraler Baustein in der endokrinologischen Diagnostik. Der wichtigste klinische Anwendungsbereich ist der Verdacht auf ein Adrenogenitales Syndrom (AGS), insbesondere die spät manifestierende Form. Diese Erkrankung beruht meist auf einem Mangel des Enzyms 21-Hydroxylase, was zu einer Akkumulation führt.

Darüber hinaus wird die Ziffer 4035 bei Frauen mit Symptomen eines Hyperandrogenismus wie Hirsutismus, Akne oder Zyklusstörungen eingesetzt. Auch im Rahmen der Abklärung eines polyzystischen Ovarsyndroms ist die Abgrenzung zu einem Late-Onset-AGS mittels dieser Hormonbestimmung essenziell.

Tipp: Bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte die Blutentnahme idealerweise in der frühen Follikelphase erfolgen, um zyklusbedingte Schwankungen des Progesteronvorläufers korrekt interpretieren zu können.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4035

Fallbeispiel 1: Verdacht auf Late-Onset-AGS

Eine Patientin stellt sich mit zunehmendem Hirsutismus und Oligomenorrhoe vor. Zum Ausschluss eines Late-Onset-AGS veranlasst die Praxis die Bestimmung von 17-Alpha-Hydroxyprogesteron im Serum.

Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4035 zum Regelsatz. Auf der Rechnung wird der Parameter 17-Alpha-Hydroxyprogesteron ausgewiesen.

Fallbeispiel 2: Verlaufskontrolle bei bekanntem AGS

Ein Patient mit bekanntem klassischen Adrenogenitalen Syndrom unter Substitutionstherapie stellt sich zur Routinekontrolle vor. Zur Überprüfung der therapeutischen Einstellung wird das 17-OHP bestimmt.

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4035 erfolgt hierbei neben der Bestimmung von Cortisol zur umfassenden Beurteilung der Stoffwechsellage. Beide Hormonanalysen sind nebeneinander berechnungsfähig.

Fallbeispiel 3: Abklärung einer Nebennierenraumforderung

Bei einem Patienten wird sonographisch ein Nebennierenadenom festgestellt. Zur hormonellen Inaktivitätsprüfung wird unter anderem 17-Alpha-Hydroxyprogesteron angefordert.

Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 4035. Da es sich um eine komplexe differentialdiagnostische Abklärung handelt, wird der Befund detailliert in der Patientenakte dokumentiert.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4035: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4035 ist das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Liquidation. Private Krankenversicherungen weisen Rechnungen regelmäßig zurück, wenn lediglich die Ziffer ohne den Text aufgeführt ist.

Ein weiterer Stolperstein betrifft die Mehrfachabrechnung. Die Bestimmung desselben Parameters aus derselben Probe darf am selben Tag nicht mehrfach berechnet werden, da die Doppelbestimmung bereits im Leistungstext enthalten ist.

Achtung: Die Abrechnung von Laborleistungen des Abschnitts M unterliegt strengen Höchstwertregelungen. Werden in einer Sitzung mehrere Hormone bestimmt, müssen die laborspezifischen Höchstwerte beachtet werden, um Honorarkürzungen zu vermeiden.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 4035: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament einer erfolgreichen Abrechnung und schützt vor Regressen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, der Zeitpunkt der Blutentnahme sowie das Laborergebnis dokumentiert werden.

Falls die Analyse in einer externen Laborgemeinschaft oder einem Fachlabor durchgeführt wurde, muss dies ebenfalls klar aus den Unterlagen hervorgehen. Die Zuordnung des Befundes zum jeweiligen Patienten muss jederzeit nachvollziehbar sein.

Dokumentation: Verdacht auf Late-Onset-AGS bei Hirsutismus. Blutentnahme am 4. Zyklustag um 08:30 Uhr. Anforderung 17-OHP (GOÄ 4035). Befund: 1,2 ng/ml.

GOÄ 4035: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Da die GOÄ-Ziffer 4035 zum Abschnitt M gehört, ist der Steigerungssatz gesetzlich eingeschränkt. Der Regelhöchstsatz liegt bei 1,15-fach, der maximale Steigerungssatz bei 1,3-fach. Eine Steigerung über den Faktor 1,15 hinaus erfordert eine medizinische Begründung.

Gründe für eine Steigerung auf den 1,3-fachen Satz können beispielsweise schwierige Probenaufbereitungen bei stark lipämischem Serum oder eine extrem dringliche Notfallanalytik außerhalb der regulären Arbeitszeiten sein.

Typische Ziffernkombinationen

In der endokrinologischen Praxis wird die GOÄ 4035 selten isoliert eingesetzt. Häufige und zulässige Kombinationen umfassen die Bestimmung weiterer Steroidhormone. Typische Begleitziffern sind die GOÄ 4024 für Cortisol und die GOÄ 4038 für Testosteron.

Auch die Kombination mit der GOÄ 4026 für DHEA-Sulfat ist bei der Abklärung einer androgenen Symptomatik medizinisch sinnvoll und abrechnungstechnisch vollkommen zulässig, sofern die medizinische Notwendigkeit gegeben ist.

Ziffer 4035 in der neuen GOÄ

\n

Die 17-Alpha-Hydroxyprogesteron-Bestimmung mittels Ligandenassay wird zur neuen Nummer 12006 — „17α-Hydroxyprogesteron" — mit 15,09 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 23,46 €). Die neue Legende nennt Serum oder Plasma; keine Indikationseinschränkung.

\n

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4035

Die GOÄ-Ziffer 4035 kostet im einfachen Gebührensatz 20,40 Euro. Bei Anwendung des Regelhöchstsatzes für Laborleistungen von 1,15-fach beträgt die Gebühr 23,46 Euro, während der Höchstsatz von 1,3-fach bei 26,52 Euro liegt.
Die Untersuchung ist primär bei Verdacht auf ein adrenogenitales Syndrom oder zur Abklärung von Hyperandrogenismus und Hirsutismus indiziert. Auch zur Verlaufskontrolle einer bekannten Therapie wird dieser Parameter regelmäßig bestimmt.
Ja, die GOÄ 4035 ist neben anderen Hormonanalysen wie Cortisol oder Testosteron abrechenbar, sofern die medizinische Notwendigkeit gegeben ist. Es müssen jedoch die allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M III der GOÄ bezüglich Höchstwerte beachtet werden.
Nein, für Laborleistungen des Abschnitts M gilt ein reduzierter Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt bei 1,15-fach und der Höchstsatz bei 1,3-fach, welcher nur mit einer schriftlichen Begründung überschritten werden darf.
Auf der Rechnung muss die Bezeichnung des untersuchten Parameters, also 17-Alpha-Hydroxyprogesteron oder eine allgemein verständliche Abkürzung, explizit angegeben werden. Dies ist eine zwingende formale Voraussetzung gemäß den Abrechnungsbestimmungen der GOÄ.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich