GOÄ 4036: Androstendion-Abrechnung – Tipps für die Praxis

4 Min. Lesezeit
GOÄ 4036
Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Androstendion
Punktzahl 350  
Einfachsatz 20,40 € 1,0x
Regelhöchstsatz 23,46 € 1,1x
Höchstsatz 26,52 € 1,3x

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4036

Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Androstendion

Die Ziffer 4036 beschreibt die quantitative Bestimmung des Steroidhormons Androstendion im Blutserum oder Plasma. Diese Analyse erfolgt mittels eines hochspezifischen Ligandenassays, wie beispielsweise eines Radioimmunoassays (RIA) oder Enzymimmunoassays (ELISA).

Die Leistung umfasst explizit die Durchführung einer Doppelbestimmung zur Qualitätssicherung sowie die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve. Gemäß den Abrechnungsbestimmungen der GOÄ ist der konkret untersuchte Parameter zwingend auf der Liquidation anzugeben.

GOÄ 4036 in der Praxis: Diagnostik von Androgenüberschüssen

Die Bestimmung von Androstendion ist ein zentraler Baustein in der endokrinologischen Diagnostik bei Frauen und Männern. Typische Indikationen umfassen den Verdacht auf ein polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS), Virilisierungserscheinungen oder einen unerklärten Hirsutismus bei weiblichen Patienten.

Auch bei der Abklärung eines adrenogenitalen Syndroms (AGS) oder bei Verdacht auf androgenproduzierende Tumoren der Nebennierenrinde oder der Gonaden liefert dieser Parameter entscheidende Hinweise. Die Ziffer wird daher häufig in der Gynäkologie, Urologie und Endokrinologie herangezogen.

Tipp: Achten Sie bei der Anforderung darauf, dass die Blutentnahme bei Frauen mit regulärem Zyklus idealerweise in der frühen follikulären Phase erfolgt, um verlässliche hormonelle Basiswerte zu erhalten.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4036

Fallbeispiel 1: Abklärung eines polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS)

Eine 26-jährige Patientin stellt sich mit Oligomenorrhoe und ausgeprägter Akne vor. Zum Ausschluss eines PCOS wird ein umfassendes Hormonprofil inklusive Androstendion angefordert. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4036 zum Regelsatz (1,15-fach) neben den Ziffern für die Blutentnahme und andere relevante Hormone.

Fallbeispiel 2: Verdacht auf Late-Onset-AGS

Bei einer Patientin mit Hirsutismus und Zyklusstörungen besteht der Verdacht auf ein late-onset adrenogenitales Syndrom. Neben 17-Hydroxyprogesteron wird Androstendion bestimmt. Die Laborleistung wird korrekt über die Ziffer 4036 abgerechnet und der Parameter "Androstendion" auf der Rechnung explizit ausgewiesen.

Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei Nebennierenhyperplasie

Ein Patient mit bekannter kongenitaler Nebennierenhyperplasie befindet sich zur regelmäßigen Verlaufskontrolle unter Substitutionstherapie. Zur Überprüfung der therapeutischen Einstellung wird Androstendion bestimmt. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ 4036, wobei aufgrund des erhöhten Aufwandes bei der Probenvorbereitung ein begründeter Steigerungssatz gewählt wird.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4036: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung von Speziallaborleistungen ist das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Rechnung. Die GOÄ schreibt explizit vor, dass der untersuchte Parameter – in diesem Fall Androstendion – namentlich genannt werden muss, da die Rechnung andernfalls formal fehlerhaft ist.

Zudem ist die Nebeneinanderberechnung von Ziffern für identische hormonelle Parameter am selben Untersuchungstag unzulässig. Die Doppelbestimmung ist bereits in der Leistungsbeschreibung der GOÄ 4036 enthalten und darf nicht separat als zweite Leistung deklariert werden.

Achtung: Private Krankenversicherungen prüfen verstärkt, ob die Indikation zur Bestimmung mehrerer Androgene (z. B. Testosteron, DHEA-S und Androstendion) medizinisch begründet und dokumentiert ist, um eine Überdiagnostik auszuschließen.

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Dokumentation der GOÄ 4036: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament einer erfolgreichen Abrechnung und schützt vor Honorarrückforderungen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, der genaue Zeitpunkt der Blutentnahme sowie das Laborergebnis dokumentiert sein.

Besonders bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte die Zyklusphase oder der Tag der letzten Menstruation vermerkt werden. Dies stützt die medizinische Notwendigkeit der Untersuchung und erleichtert die Argumentation bei eventuellen Rückfragen der Kostenträger.

Dokumentationsbeispiel: Pat. stellt sich vor mit Hirsutismus (Ferriman-Gallwey-Score: 12). Blutentnahme am 3. Zyklustag zur Bestimmung des Androgenstatus. Anforderung Labor: Androstendion (GOÄ 4036), DHEA-S, freies Testosteron.

GOÄ 4036: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Laborleistungen des Abschnitts M III (Speziallabor) können nach dem 1,15-fachen Gebührensatz (Regelhöchstsatz) abgerechnet werden. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur mit einer schriftlichen, patientenbezogenen Begründung zulässig.

Gründe für eine Überschreitung des Regelsatzes können beispielsweise schwierige Probenverhältnisse (z. B. lipämisches oder hämolytisches Serum) oder ein unvorhergesehener, erheblicher Mehraufwand bei der analytischen Aufbereitung sein.

Typische Ziffernkombinationen

Die Bestimmung von Androstendion erfolgt selten isoliert. Sinnvolle und zulässige Kombinationen umfassen weitere Parameter des Hormonstatus wie DHEA-S (GOÄ 4035), Testosteron (GOÄ 4040) oder SHBG (GOÄ 4039).

Zusätzlich können die Ziffern für die Blutentnahme (z. B. GOÄ 250) und die Beratung (z. B. GOÄ 1 oder GOÄ 3) im selben Behandlungsfall abgerechnet werden, sofern die jeweiligen Leistungsvoraussetzungen erfüllt sind.

Ziffer 4036 in der neuen GOÄ

Die Androstendion-Bestimmung mittels Ligandenassay ist in der neuen GOÄ auf eine Indikation beschränkt:

  • 11986 Androstendion zur Abklärung des weiblichen Androgenhaushalts (z. B. PCOS, Hirsutismus, adrenogenitales Syndrom bei Frauen), 14,89 €

Für andere Indikationen — etwa beim männlichen Patienten oder zur adrenalen Abklärung außerhalb des weiblichen Androgenhaushalts — sieht der Entwurf keinen Androstendion-Nachfolger vor. Heute liegt der 2,3-fache Satz bei 23,46 €.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4036

Die Bestimmung nach GOÄ-Ziffer 4036 kostet im einfachen Gebührensatz 20,40 €. Bei Anwendung des üblichen Regelhöchstsatzes von 1,15-fach beträgt die Gebühr 23,46 €.
Nein, eine separate Berechnung der Doppelbestimmung ist nicht zulässig. Die Doppelbestimmung sowie die Erstellung der aktuellen Bezugskurve sind bereits explizit in der Leistungsbeschreibung der GOÄ 4036 enthalten.
Auf der Liquidation muss der konkret untersuchte Parameter zwingend namentlich angegeben werden. Für die Ziffer 4036 ist daher die Bezeichnung "Androstendion" aufzuführen.
Ja, eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3-fach ist bei Speziallaborleistungen möglich. Dies erfordert jedoch eine medizinische Begründung auf der Rechnung, wie etwa einen außergewöhnlichen analytischen Mehraufwand.
Die GOÄ 4036 kann mit anderen hormonellen Parametern wie DHEA-S (GOÄ 4035) oder Testosteron (GOÄ 4040) kombiniert werden. Auch die Blutentnahme nach GOÄ 250 ist im selben Behandlungsfall berechnungsfähig.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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