Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4039
Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - Östradiol
Die GOÄ-Ziffer 4039 beschreibt eine spezialisierte Laborleistung zur quantitativen Messung des Hormons Östradiol (Estradiol, E2). Diese Untersuchung erfolgt mittels eines Ligandenassays, was moderne immunologische Testverfahren wie RIA, ELISA oder ECLIA einschließt. Die Leistung ist mit 350 Punkten bewertet, was im Einfachsatz einem Honorar von 20,40 Euro entspricht.
Ein wesentlicher Aspekt dieser Ziffer ist, dass eine eventuell durchgeführte Doppelbestimmung sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve bereits mit der Gebühr abgegolten sind. Diese Teilschritte dürfen daher nicht separat in Rechnung gestellt werden. Zudem schreibt die GOÄ explizit vor, dass die untersuchten Parameter in der Liquidation namentlich anzugeben sind.
GOÄ 4039 in der Praxis: Indikationen und klinische Relevanz
Die Bestimmung von Östradiol ist ein zentraler Baustein in der gynäkologischen und endokrinologischen Diagnostik. Typische klinische Situationen umfassen die Abklärung von Zyklusstörungen, Amenorrhoe oder den Verdacht auf eine vorzeitige Ovarialinsuffizienz. Auch im Rahmen der Fertilitätsdiagnostik und der Überwachung einer kontrollierten ovariellen Hyperstimulation spielt der Parameter eine entscheidende Rolle.
Darüber hinaus wird die Ziffer 4039 häufig zur Überwachung einer Hormonersatztherapie (HRT) bei postmenopausalen Frauen eingesetzt. Bei Männern kann die Bestimmung bei Verdacht auf Gynäkomastie oder hormonproduzierende Tumoren indiziert sein. Die Abgrenzung zu anderen Östrogenen wie Östriol (GOÄ 4040) ist dabei strikt einzuhalten, da es sich um unterschiedliche biologische Parameter handelt.
Tipp: Achten Sie darauf, dass bei der Abrechnung der GOÄ 4039 stets der konkrete Parametername "Östradiol" oder "Estradiol" auf der Rechnung ausgewiesen wird, um Rückfragen der Kostenträger zu vermeiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4039
Fallbeispiel 1: Abklärung einer sekundären Amenorrhoe
Eine 28-jährige Patientin stellt sich mit seit sechs Monaten ausbleibender Menstruation vor. Zur differentialdiagnostischen Abklärung veranlasst der Arzt eine endokrine Basisdiagnostik. Neben LH und FSH wird das Östradiol im Serum bestimmt.
Die Begründung für die Untersuchung liegt in der Notwendigkeit, die ovarielle Funktion zu beurteilen. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4039 für das Östradiol neben den Ziffern für LH (GOÄ 4026) und FSH (GOÄ 4024). Die Parameter werden auf der Rechnung einzeln aufgeführt.
Fallbeispiel 2: Monitoring bei In-vitro-Fertilisation (IVF)
Bei einer Patientin im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung erfolgt eine kontrollierte ovarielle Stimulation. Zur Überwachung des Follikelwachstums und zur Vermeidung eines ovariellen Überstimulationssyndroms (OHSS) wird der Östradiolspiegel engmaschig kontrolliert.
Die medizinische Notwendigkeit ergibt sich aus der Steuerung der Gonadotropindosis. Die Abrechnung der GOÄ 4039 erfolgt für jede zeitlich getrennte Blutentnahme an unterschiedlichen Tagen einzeln. Eine mehrfache Berechnung am selben Tag für denselben Parameter ist jedoch ausgeschlossen.
Fallbeispiel 3: V.a. Gynäkomastie beim Mann
Ein 45-jähriger männlicher Patient klagt über eine schmerzhafte Vergrößerung der Brustdrüsen. Zum Ausschluss einer hormonellen Dysbalance oder eines östrogenproduzierenden Tumors wird eine Hormonanalyse durchgeführt.
Die Bestimmung von Östradiol dient hier der Identifikation einer relativen oder absoluten Hyperöstrogenämie. Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4039 ist in diesem klinischen Kontext vollumfänglich gerechtfertigt und medizinisch begründet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4039: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4039 ist die unvollständige Rechnungslegung. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen reklamieren Liquidationen oft, wenn der konkrete Untersuchungsparameter nicht explizit genannt wird. Der bloße Verweis auf die Ziffernnummer reicht gemäß den Bestimmungen der GOÄ nicht aus.
Ein weiterer Streitpunkt ist die unzulässige Mehrfachberechnung. Wird eine Doppelbestimmung zur Qualitätssicherung im Labor durchgeführt, darf diese nicht als zwei getrennte Leistungen abgerechnet werden. Die GOÄ 4039 enthält diese Qualitätsmaßnahme bereits als Leistungsbestandteil.
Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 4039 ist nur dann zulässig, wenn die Analyse im eigenen Labor des Arztes (M III/IV-Berechtigung vorausgesetzt) oder im Rahmen einer Laborgemeinschaft erbracht wird. Bei Überweisung an ein Fremdlabor liquidiert das Labor direkt.
Zudem ist darauf zu achten, dass die Ziffer nicht für qualitative Schnelltests herangezogen wird. Die Leistungsbeschreibung fordert zwingend ein quantitatives Verfahren mittels Ligandenassay. Einfache Teststreifenverfahren erfüllen diese Kriterien nicht und führen bei Prüfungen regelmäßig zur Honorarkürzung.
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Dokumentation der GOÄ 4039: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das wirksamste Mittel gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte muss die Indikation für die Hormonbestimmung klar ersichtlich sein. Dazu gehören dokumentierte Symptome wie Zyklusstörungen, Hitzewallungen oder unerfüllter Kinderwunsch.
Neben der klinischen Indikation müssen auch die Laborergebnisse inklusive der herangezogenen Referenzbereiche dokumentiert werden. Da Östradiolwerte stark zyklusabhängig sind, empfiehlt sich zudem die Erfassung des aktuellen Zyklustages oder des Menopausenstatus der Patientin.
Dokumentationsbeispiel: Pat. stellt sich vor mit sekundärer Amenorrhoe seit 4 Monaten. Blutentnahme zur endokrinen Abklärung (Östradiol, FSH, LH). Zyklustag: unbestimmt. Laborbefund Östradiol: [Wert] pg/ml (Referenzbereich Follikelphase: [Bereich]). Indikation für GOÄ 4039 gegeben.
GOÄ 4039: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ 4039 dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) angehört, unterliegt sie besonderen Regeln bezüglich der Steigerungssätze. Der Regelhöchstsatz für Leistungen des Speziallabors liegt bei dem 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Satz ist nur unter Angabe von besonderen, patientenbezogenen Erschwernissen zulässig.
Gründe für eine Überschreitung des Schwellenwertes können beispielsweise schwierige Probenaufbereitungen bei stark lipämischen oder hämolytischen Seren sein. Auch extrem zeitkritische Notfallanalysen können in Ausnahmefällen eine Faktorerhöhung rechtfertigen. Die Begründung muss individuell und nachvollziehbar auf der Rechnung formuliert werden.
Typische Ziffernkombinationen
In der täglichen Praxis wird die Östradiolbestimmung selten isoliert durchgeführt. Häufig erfolgt die Kombination mit anderen Hormonparametern des weiblichen oder männlichen Regelkreises. Typische Partnerziffern sind die GOÄ 4024 (FSH), die GOÄ 4026 (LH) sowie die GOÄ 4038 (Progesteron).
Auch die Bestimmung von Prolaktin (GOÄ 4035) oder Testosteron (GOÄ 4041) wird regelmäßig am selben Behandlungstag veranlasst. Bei der Kombination ist darauf zu achten, dass keine gegenseitigen Ausschlüsse vorliegen und die Höchstgrenzen für Laboruntersuchungen gemäß den allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M eingehalten werden.
Ziffer 4039 in der neuen GOÄ
Die Östradiol-Bestimmung mittels Ligandenassay wird zur neuen Nummer 12014 — „Östradiol (Estradiol, E2)" — mit 8,72 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 23,46 €). Die neue Legende nennt Serum oder Plasma; keine Indikationseinschränkung.
\nStand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4039
Was hat nicht gestimmt?