GOÄ 4037: DHEA-Bestimmung korrekt abrechnen

6 Min. Lesezeit
GOÄ 4037
Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -Dehydroepiandrosteron (DHEA)
Punktzahl 350  
Einfachsatz 20,40 € 1,0x
Regelhöchstsatz 23,46 € 1,1x
Höchstsatz 26,52 € 1,3x

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4037

GOÄ-Ziffer 4037: Hormonbestimmung mittels Ligandenassay - einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve - Dehydroepiandrosteron (DHEA)

Die GOÄ-Ziffer 4037 beschreibt eine spezialisierte Laborleistung aus dem Abschnitt M III (Speziallabor). Sie umfasst die quantitative Bestimmung des Hormons Dehydroepiandrosteron (DHEA) im Serum oder Plasma mittels eines Ligandenassays. Zu den Ligandenassays zählen moderne immunologische Nachweisverfahren wie der Radioimmunoassay (RIA), der Enzymimmunoassay (EIA/ELISA) oder Lumineszenzimmunoassays.

In der Leistungsbeschreibung ist explizit verankert, dass eine eventuell erforderliche Doppelbestimmung sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve (Kalibrierung) bereits mit der Gebühr abgegolten sind. Diese Teilschritte dürfen daher nicht separat in Rechnung gestellt werden. Zudem gilt die generelle Vorgabe, dass der konkret untersuchte Parameter auf der Liquidation namentlich aufzuführen ist.

GOÄ 4037 in der Praxis: Indikationen und klinischer Nutzen

Die Bestimmung von freiem DHEA ist ein wichtiges Werkzeug in der endokrinologischen Diagnostik. DHEA ist ein schwaches Androgen, das hauptsächlich in der Nebennierenrinde gebildet wird. Die Bestimmung ist insbesondere dann indiziert, wenn der Verdacht auf eine Über- oder Unterfunktion der Nebennierenrinde besteht oder Abklärungen im Rahmen einer Hyperandrogenämie notwendig sind.

Typische klinische Indikationen umfassen den Verdacht auf ein Adrenogenitales Syndrom (AGS), Nebennierentumoren oder ein polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS). Auch bei Abklärung von Hirsutismus, Akne oder Virilisierungserscheinungen bei Frauen liefert der DHEA-Wert wertvolle Hinweise. Im Gegensatz zum stabileren Sulfat DHEA-S unterliegt das freie DHEA einer ausgeprägten zirkadianen Rhythmik, weshalb der Abnahmezeitpunkt präzise dokumentiert werden sollte.

In der Praxis muss die GOÄ 4037 sauber von der GOÄ-Ziffer 4038 (DHEA-Sulfat) abgegrenzt werden. Während DHEA-S aufgrund seiner langen Halbwertszeit als stabiler Marker für die adrenale Androgenproduktion gilt, spiegelt das freie DHEA die akute Sekretionsleistung wider. Beide Parameter ergänzen sich in der differenzialdiagnostischen Abklärung, müssen jedoch jeweils eigenständig begründet und abgerechnet werden.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4037

Fallbeispiel 1: Abklärung eines Hirsutismus bei einer jungen Patientin

Eine 24-jährige Patientin stellt sich mit verstärktem Haarwuchs im Gesicht und Zyklusstörungen vor. Zum Ausschluss einer ovariellen oder adrenalen Hyperandrogenämie wird eine umfassende Hormonanalyse veranlasst. Neben Testosteron und SHBG wird freies DHEA zur Beurteilung der adrenalen Komponente bestimmt. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4037 neben den weiteren hormonellen Parametern.

Fallbeispiel 2: Verdacht auf Late-Onset-AGS (Adrenogenitales Syndrom)

Bei einer Patientin mit unerfülltem Kinderwunsch und Zyklusanomalien besteht der Verdacht auf ein late-onset Adrenogenitales Syndrom. Zur Diagnostik wird ein ACTH-Stimulationstest durchgeführt, bei dem unter anderem DHEA vor und nach Stimulation gemessen wird. Die Bestimmung des DHEA-Werts wird über die GOÄ-Ziffer 4037 liquidiert, wobei die Mehrfachbestimmung im Rahmen des Funktionstests gesondert ausgewiesen wird.

Fallbeispiel 3: Ausschluss eines androgenbildenden Nebennierentumors

Ein Patient zeigt klinische Zeichen eines Cushing-Syndroms gepaart mit rasch fortschreitender Virilisierung. Zur Lokalisations- und Funktionsdiagnostik wird eine hormonelle Abklärung der Nebennierenachse eingeleitet. Die Bestimmung von DHEA mittels Ligandenassay wird durchgeführt und über die GOÄ-Ziffer 4037 abgerechnet, um die hormonelle Aktivität der Nebennierenrinde zu evaluieren.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4037: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung ist die Verwechslung von DHEA (GOÄ 4037) und DHEA-S (GOÄ 4038). Da DHEA-S in der klinischen Routine häufiger angefordert wird, kommt es hierbei oft zu fehlerhaften Zuordnungen in der Praxissoftware. Private Krankenversicherungen prüfen diese Ziffern genau, da sie unterschiedliche Punktwerte und Tarife aufweisen.

Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 4037 setzt voraus, dass tatsächlich das freie DHEA bestimmt wurde. Eine fälschliche Deklaration von DHEA-S unter dieser Ziffer führt bei Prüfungen unweigerlich zu Honorarkürzungen und Rückforderungen.

Ein weiterer Beanstandungspunkt ist das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Rechnung. Gemäß den allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M müssen die untersuchten Parameter zwingend auf der Liquidation angegeben werden. Ein bloßer Verweis auf die Ziffernnummer ohne den Text "DHEA" oder "Dehydroepiandrosteron" ist formal fehlerhaft.

Zudem müssen die allgemeinen Ausschlussregeln für Laborleistungen beachtet werden. Die Bestimmung darf pro Probe und Untersuchungstag nur einmal berechnet werden, selbst wenn aus medizinischen Gründen eine laborinterne Wiederholungsmessung stattgefunden hat. Solche laborinternen Qualitätssicherungsmaßnahmen sind mit der Doppelbestimmungsklausel der Ziffer abgegolten.

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Dokumentation der GOÄ 4037: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament einer erfolgreichen Abrechnung und schützt vor Regressen. In der Patientenakte muss die medizinische Indikation für die DHEA-Bestimmung klar ersichtlich sein. Dies umfasst die Dokumentation von Symptomen wie Zyklusstörungen, Hirsutismus, Akne oder den konkreten Verdacht auf eine Nebennierenerkrankung.

Zusätzlich sollte der genaue Zeitpunkt der Blutentnahme dokumentiert werden, da DHEA einer tageszeitlichen Rhythmik unterliegt. Auch die Dokumentation des verwendeten Testverfahrens (z. B. ELISA, RIA) im Laborbuch belegt die korrekte Erbringung der Leistung gemäß den Vorgaben der Qualitätssicherung.

Dokumentation: Blutentnahme um 08:15 Uhr bei Verdacht auf adrenale Hyperandrogenämie (Symptome: Hirsutismus, Oligomenorrhoe). Anforderung Labor: DHEA (GOÄ 4037) zur differenzialdiagnostischen Abklärung gegenüber PCOS.

GOÄ 4037: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Da die GOÄ-Ziffer 4037 dem Abschnitt M III angehört, unterliegt sie dem eingeschränkten Gebührenrahmen für Laborleistungen. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-Fache der Gebühr. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur in begründeten Einzelfällen zulässig.

Als Begründung für eine Überschreitung des Schwellenwerts kommen außergewöhnliche Schwierigkeiten bei der Probenaufbereitung infrage. Dies kann beispielsweise bei stark lipämischen oder hämolytischen Seren der Fall sein, die eine aufwendige Sonderbehandlung im Labor erfordern, um verlässliche Messergebnisse zu erzielen. Die Begründung muss individuell und nachvollziehbar auf der Rechnung formuliert werden.

Typische Ziffernkombinationen

In der endokrinologischen Diagnostik wird DHEA selten isoliert bestimmt. Typische, medizinisch sinnvolle Kombinationen umfassen weitere Parameter der Steroidhormonachse. Häufig wird die GOÄ 4037 zusammen mit der GOÄ 4035 (Testosteron), der GOÄ 4038 (DHEA-S) und der GOÄ 4040 (Androstendion) abgerechnet.

Tipp: Bei der Kombination mehrerer Hormonparameter ist darauf zu achten, dass für jeden einzelnen Wert eine eigenständige medizinische Fragestellung vorliegt. Eine pauschale Hormon-Such-Batterie ohne differenzierte Indikation wird von privaten Kostenträgern häufig beanstandet.

Auch die Kombination mit übergeordneten Steuerhormonen wie ACTH (GOÄ 4026) oder LH (GOÄ 4030) ist im Rahmen einer erweiterten Funktionsdiagnostik der Hypophysen-Nebennieren-Achse vollumfänglich zulässig und abrechenbar.

Ziffer 4037 in der neuen GOÄ

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Die DHEA-Bestimmung mittels Ligandenassay wird zur neuen Nummer 11990 — „Dehydroepiandrosteron (DHEA)" — mit 13,41 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 23,46 €). Nicht neben 11991 (DHEAS) berechnungsfähig: Werden DHEA und DHEAS in derselben Rechnung angesetzt, ist nur einer der beiden Nachfolger berechnungsfähig.

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Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4037

Die GOÄ-Ziffer 4037 gilt spezifisch für das freie Dehydroepiandrosteron (DHEA), während das häufiger angeforderte Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEA-S) unter der Ziffer 4038 abgerechnet wird. Beide Parameter dürfen nebeneinander berechnet werden, wenn eine medizinische Notwendigkeit für beide Bestimmungen vorliegt.
Für die GOÄ-Ziffer 4037 gilt als Laborleistung des Speziallabors (Abschnitt M III) der reduzierte Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz (23,46 €), während der maximale Höchstsatz beim 1,3-fachen Satz (26,52 €) liegt.
Ja, die GOÄ 4037 ist neben anderen Hormonbestimmungen wie Testosteron (GOÄ 4035) oder Androstendion (GOÄ 4040) abrechenbar. Es müssen jedoch die allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M sowie die medizinische Indikation für die Kombination dokumentiert sein.
Auf der Rechnung muss der konkret untersuchte Parameter explizit genannt werden. Im Fall der GOÄ-Ziffer 4037 ist daher die Bezeichnung "Dehydroepiandrosteron" oder "DHEA" anzugeben, um den Rechnungslegungsvorschriften zu entsprechen.
Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Satz ist nur bei außergewöhnlich schwierigen oder zeitaufwendigen Analysen zulässig. Dies kann beispielsweise bei schwierigen Probenmatrizes oder wiederholten Messungen aufgrund von Störfaktoren der Fall sein und muss patientenbezogen begründet werden.
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