Der Clonidintest nach GOÄ 4092 ist ein zentraler Funktionstest in der Endokrinologie. Erfahren Sie alles zur korrekten Abrechnung, Indikation und Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4092
Clonidintest (Zweimalige Bestimmung von Adrenalin/Noradrenalin im Plasma) - Punktzahl: 1140
Die Gebührenordnungsziffer 4092 beschreibt eine hochspezifische funktionelle Laboruntersuchung aus dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt 15 (Funktionsteste). Diese Leistung umfasst die zweimalige Bestimmung von Adrenalin und Noradrenalin im Plasma im Rahmen eines standardisierten Belastungs- bzw. Suppressionstests. Ziel ist die Beurteilung der körpereigenen Regulation der Katecholaminsekretion unter dem Einfluss des Alpha-2-Rezeptor-Agonisten Clonidin.
Die Ziffer deckt sowohl die basale als auch die nach der Stimulation beziehungsweise Suppression erfolgende Messung ab. Neben der klassischen Bestimmung mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) fallen auch moderne immunoanalytische Verfahren unter dieses Leistungsspektrum. Die methodischen Details der Bestimmung beeinflussen die Abrechenbarkeit nach dieser Ziffer nicht, sofern der funktionelle Charakter des Tests gewahrt bleibt.
GOÄ 4092 in der Praxis: Diagnostik des Phäochromozytoms
Der primäre klinische Einsatzbereich der GOÄ 4092 ist der Clonidin-Suppressionstest zur Diagnostik des Phäochromozytoms. Physiologischerweise hemmt Clonidin die Freisetzung von Adrenalin und Noradrenalin aus dem Nebennierenmark und den peripheren Neuronen. Bei einem hormonaktiven Tumor liegt jedoch eine autonome Sekretion vor, weshalb die physiologische Suppression nach der Clonidingabe ausbleibt.
Für eine valide Durchführung muss der Patient vorab mindestens sieben Tage lang nicht zwingend benötigte Medikamente absetzen. Nach einer Ruhephase von 30 Minuten erfolgt die erste Blutentnahme zur Bestimmung der Basalwerte, gefolgt von der oralen Gabe von 300 µg Clonidin. Die zweite Blutentnahme wird exakt drei Stunden später durchgeführt, während der Blutdruck engmaschig überwacht werden muss.
Tipp: Die laborchemische Diagnostik besitzt bei der Abklärung eines Phäochromozytoms stets absoluten Vorrang vor bildgebenden Verfahren, um falsch-positive Befunde und unnötige Interventionen zu vermeiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4092
Fallbeispiel 1: Klassischer Clonidin-Suppressionstest bei V.a. Phäochromozytom
Ein Patient stellt sich mit krisenhafter Hypertonie und Tachykardie vor. Nach einer siebentägigen Medikamentenkarenz wird der Clonidin-Suppressionstest mit zweimaliger Bestimmung von Adrenalin und Noradrenalin im Plasma durchgeführt. Die Abrechnung erfolgt regulär nach GOÄ-Ziffer 4092 mit dem Regelsatz von 1,15, da keine außergewöhnlichen Erschwernisse vorlagen.
Fallbeispiel 2: Clonidin-Suppressionstest mittels Metanephrin-Bestimmung
Bei einer Patientin mit unklarem Nebenniereninzidentalom wird der Test durchgeführt. Aufgrund der höheren diagnostischen Sensitivität entscheidet sich der Arzt für die Bestimmung von Metanephrin und Normetanephrin anstelle der freien Katecholamine. Da diese Analysen die gleiche Bewertung besitzen, wird der Test ebenfalls regelkonform nach GOÄ 4092 abgerechnet.
Fallbeispiel 3: Analogabrechnung beim Clonidin-Stimulationstest
Zur Abklärung eines vermuteten Wachstumshormonmangels bei einem Kind wird ein Clonidin-Stimulationstest durchgeführt. Da dieser Test die HGH-Sekretion stimuliert, erfolgt die Abrechnung analog nach GOÄ 4092. Die begleitenden mehrfachen HGH-Bestimmungen werden zusätzlich nach GOÄ-Ziffer 4043 (bis zu achtmal) liquidiert.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4092: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die zusätzliche Berechnung der Einzelparameter. Die Bestimmung von Adrenalin und Noradrenalin (nach Nr. 4072) oder der Metanephrine (nach Nr. 4074) ist bereits vollständig abgegolten und darf nicht separat neben der GOÄ 4092 angesetzt werden. Solche Doppelabrechnungen führen bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen regelmäßig zu Beanstandungen.
Ein weiterer Streitpunkt ist die unbegründete Ausweitung des Testprofils. Werden im Rahmen des Tests sowohl die freien Katecholamine als auch die Metanephrine bestimmt, muss diese medizinische Notwendigkeit explizit in der Rechnung begründet werden. Ohne eine nachvollziehbare Begründung streichen private Krankenversicherungen die über die Basisziffer hinausgehenden Leistungen.
Achtung: Die GOÄ 4092 unterliegt den strengen Höchstsätzen des Abschnitts M. Der Regelhöchstsatz liegt bei 1,15 (76,42 €), der maximale Steigerungssatz bei 1,3 (86,39 €). Eine Überschreitung des 1,3-fachen Satzes ist für Laborleistungen gesetzlich ausgeschlossen.
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Dokumentation der GOÄ 4092: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament für eine rechtssichere Abrechnung. In der Patientenakte müssen die genauen Uhrzeiten der Blutentnahmen sowie die Ruhephase des Patienten detailliert festgehalten werden. Auch die Dokumentation der engmaschigen Blutdruck- und Pulsmessungen (mindestens alle 30 Minuten) ist zwingend erforderlich.
Zusätzlich sollte die Einhaltung der präanalytischen Vorgaben, wie das Absetzen störender Medikamente sieben Tage vor dem Test, vermerkt werden. Dies schützt die Praxis bei eventuellen Rückfragen der privaten Krankenversicherungen oder Beihilfestellen.
Dokumentation: Clonidin-Suppressionstest durchgeführt am [Datum]. Medikamentenpause von 7 Tagen eingehalten. Venöser Zugang um 08:00 Uhr gelegt, Patient ruht liegend. 1. Blutentnahme (Basalwert) um 08:30 Uhr, direkt im Anschluss orale Gabe von 300 µg Clonidin. Blutdruck- und Pulskontrollen alle 30 Minuten ohne Komplikationen. 2. Blutentnahme um 11:30 Uhr.
GOÄ 4092: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Obwohl Laborleistungen im Steigerungssatz stark begrenzt sind, kann der Schwellenwert von 1,15 bis zum Höchstsatz von 1,3 gesteigert werden. Dies erfordert eine patientenbezogene Begründung auf der Rechnung. Typische Gründe sind eine extreme Kreislaufinstabilität während des Tests oder schwierige Venenverhältnisse, die den personellen und zeitlichen Aufwand signifikant erhöht haben.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der GOÄ 4092 können klinische Begleituntersuchungen abgerechnet werden. Hierzu gehören die symptombezogene Untersuchung nach GOÄ-Ziffer 5 sowie das Legen eines Verweilkatheters nach GOÄ-Ziffer 271 oder 272 für die Blutentnahmen. Die Blutentnahmen selbst sind jedoch in der Regel mit den Laborgebühren abgegolten, sofern sie im selben organisatorischen Kontext stattfinden.
Ziffer 4092 in der neuen GOÄ
Ziffer 4092 (Clonidintest (Zweimalige Bestimmung von Adrenalin/Noradrenalin im Plasma), bisher beim 2,3-fachen Satz: 76,42 €) wird in der neuen GOÄ je nach Indikation und Methode unterschiedlichen Leistungen zugeordnet:
- 11840 „Clonidin-Stimulations-Test Abklärung Wachstumshormonmangel“ (111,75 €) — bei: Clonidin-Stimulations-Test zur Abklärung eines kindlichen Wachstumshormonmangels
- 11841 „Clonidin-Suppressions-Test Abklärung Phäochromozytom“ (59,81 €)
Je nach Konstellation sind 59,81 € bis 111,75 € abrechenbar — die genaue Indikation und Dokumentation entscheiden.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4092
Was hat nicht gestimmt?