Der CRF-Test (GOÄ 4094) ist ein zentraler Funktionstest in der Endokrinologie. Erfahren Sie, wie Sie die Ziffer rechtssicher und vollständig abrechnen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4094
CRF-Test (Dreimalige Bestimmung von Corticotropin und Cortisol) - Punktzahl: 2190
Die GOÄ-Ziffer 4094 beschreibt den Corticotropin-Releasing-Factor-Test (CRF-Test), welcher in der modernen Medizin meist als Corticotropin-Releasing-Hormone-Test (CRH-Test) bezeichnet wird. Diese Leistung ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt 15 (Funktionsteste) der Gebührenordnung für Ärzte verortet. Sie umfasst die dreimalige Bestimmung der beiden Hormone Corticotropin (ACTH) und Cortisol im Rahmen eines standardisierten Stimulationsprotokolls.
Die physiologische Grundlage dieses Tests basiert auf der Stimulationswirkung von CRH, das im Hypothalamus gebildet wird und die Freisetzung von ACTH aus dem Hypophysenvorderlappen (HVL) anregt. Dies führt im Normalfall zu einer nachfolgenden Ausschüttung von Cortisol aus der Nebennierenrinde (NNR). Die Ziffer deckt die labortechnische Analyse der jeweils drei Proben für beide Parameter ab.
GOÄ 4094 in der Praxis: Indikationen und klinischer Nutzen
Der CRH-Test ist ein unverzichtbares Werkzeug in der endokrinologischen Diagnostik. Die wichtigste Indikation ist die Differenzialdiagnostik des Hypercortisolismus (Cushing-Syndrom). Wenn bereits ein erhöhter Cortisolspiegel nachgewiesen wurde, hilft der Test zu klären, ob die Ursache zentraler Natur ist (Morbus Cushing) oder ob ein ektopes ACTH-Syndrom vorliegt. Ein signifikanter Anstieg von Cortisol (um mehr als 20 Prozent) und ACTH (um mehr als 50 Prozent) spricht hochgradig für einen Morbus Cushing.
Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist der Ausschluss einer sekundären Nebennierenrindeninsuffizienz. Zeigt sich bei niedrigen Basalwerten ein deutlicher Anstieg beider Hormone um mindestens 50 Prozent, deutet dies auf eine tertiäre, also hypothalamisch bedingte Insuffizienz hin. Auch bei der Überprüfung der hormonellen Funktion vor und nach Operationen von Hypophysenadenomen ist die Durchführung der Ziffer 4094 medizinisch begründet.
Tipp: Die Durchführung des Tests sollte am liegenden, ausgeruhten und nüchternen Patienten erfolgen. Ein venöser Zugang sollte mindestens 30 Minuten vor der ersten Blutentnahme gelegt werden, um stressbedingte Hormonanstiege zu vermeiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4094
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Morbus Cushing
Ein Patient stellt sich mit klinischen Zeichen eines Cushing-Syndroms vor. Nach auffälligen Ergebnissen im Dexamethason-Hemmtest wird zur Differenzialdiagnose ein CRH-Test durchgeführt. Es erfolgen drei Blutentnahmen (basal, nach 30 und nach 60 Minuten) zur Bestimmung von ACTH und Cortisol. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4094 zum Regelsatz (1,15-fach), da der Test im Standardprotokoll durchgeführt wurde.
Fallbeispiel 2: Abklärung einer hypophysären Insuffizienz
Bei einer Patientin mit einem bekannten Hypophysenadenom soll vor einer geplanten Operation die corticotrope Achse überprüft werden. Der Test zeigt einen unzureichenden ACTH-Anstieg von unter 30 Prozent, was die Diagnose einer sekundären Nebennierenrindeninsuffizienz sichert. Neben der Ziffer 4094 werden die Injektion und die Blutentnahmen separat liquidiert.
Fallbeispiel 3: Differenzierung bei ektopem ACTH-Syndrom
Bei unklarem Hypercortisolismus ohne radiologischen Nachweis eines Hypophysentumors wird der CRH-Test eingesetzt. Da die Hormonwerte nach CRH-Gabe nahezu unverändert bleiben, erhärtet sich der Verdacht auf ein ektopes ACTH-Syndrom. Die aufwendige laborchemische Analyse der sechs Einzelproben wird über die Ziffer 4094 abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4094: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4094 ist die zusätzliche, separate Abrechnung der Einzelparameter Cortisol (GOÄ 4020) oder ACTH (GOÄ 4049) für die im Test enthaltenen Messungen. Die Ziffer 4094 ist eine Komplexleistung, die die dreimalige Bestimmung beider Analyten bereits vollständig abgilt. Eine Nebeneinanderberechnung dieser Einzelziffern für dieselben Proben führt regelmäßig zur Beanstandung durch private Krankenversicherungen.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Anzahl der Blutentnahmen. Das Standardprotokoll sieht drei Entnahmen vor. Werden im Rahmen spezieller Fragestellungen mehr als drei Proben entnommen (z. B. alle 15 Minuten über eine Stunde), darf die Ziffer 4094 dennoch nur einmal berechnet werden. In solchen Fällen ist jedoch eine Anpassung des Steigerungsfaktors gerechtfertigt, um den erhöhten Aufwand abzubilden.
Achtung: Achten Sie darauf, dass die Injektion des CRH-Präparats (z. B. nach GOÄ 252) und das Legen der Verweilkanüle (GOÄ 271/272) korrekt und getrennt von der Laborleistung dokumentiert und abgerechnet werden, da diese nicht in der Ziffer 4094 enthalten sind.
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Dokumentation der GOÄ 4094: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die genauen Uhrzeiten der Blutentnahmen sowie der Zeitpunkt der CRH-Injektion exakt festgehalten werden. Auch die verabreichte Dosis des Stimulationshormons (üblicherweise 100 µg bei Erwachsenen) muss dokumentiert sein, um die medizinische Notwendigkeit und die korrekte Durchführung des Funktionstests zu belegen.
Zudem sollten die Laborbefunde mit den konkreten Messwerten für alle drei Entnahmezeitpunkte (Basalwert, Wert 2 und Wert 3) fest mit der Akte verknüpft sein. Bei Abweichungen vom Standardprotokoll ist die medizinische Begründung direkt in den Behandlungsunterlagen zu vermerken.
Dokumentationsbeispiel: "CRH-Test durchgeführt am liegenden Patienten. 08:00 Uhr: Legen einer Verweilkanüle. 08:30 Uhr: 1. Blutentnahme (Basalwert). Direkt im Anschluss langsame i.v. Injektion von 100 µg humanem CRH. 09:00 Uhr: 2. Blutentnahme. 09:30 Uhr: 3. Blutentnahme. Keine Komplikationen. Proben zur Bestimmung von ACTH und Cortisol ins Labor versandt."
GOÄ 4094: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ-Ziffer 4094 dem Abschnitt M (Laborleistungen) angehört, liegt der normale Gebührenrahmen zwischen dem 1,0-fachen und dem 1,3-fachen Satz, wobei der Regelhöchstsatz bei 1,15 liegt. Eine Steigerung auf den Höchstsatz von 1,3 ist möglich, wenn ein deutlich erhöhter Aufwand vorlag. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn aufgrund einer schwierigen Venensituation die Blutentnahmen erheblich erschwert waren oder ein erweitertes Entnahmeprotokoll mit mehr als drei Messzeitpunkten medizinisch notwendig war.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der Laborleistung nach GOÄ 4094 können die begleitenden klinischen Tätigkeiten separat berechnet werden. Hierzu gehören die Blutentnahmen nach GOÄ 250 (mehrfach ansetzbar für die einzelnen Entnahmen), das Einbringen einer Verweilkanüle (GOÄ 271 oder 272) sowie die intravenöse Injektion des Testsubstanz nach GOÄ 252. Auch die Beratung des Patienten im Vorfeld (GOÄ 1 oder 3) und die anschließende Befundbesprechung sind eigenständig abrechenbar.
Ziffer 4094 in der neuen GOÄ
Ziffer 4094 (CRF-Test (Dreimalige Bestimmung von Corticotropin und Cortisol)) findet ihren Nachfolger in Nummer 11843 — „CRH-Test oder Desmopressin-Test Abklärung Funktionsachse Hypophyse-NNR (z.B. Hypophysenvorderlappen-[HVL-]Insuffizienz, NNR-Insuffizienz, Cushing-Syndrom); Serum und/oder Plasma; fünfmal ACTH, fünfmal Cortisol; Auswertung: apparativ-quantitativ-deskriptiv.“ — mit festem Satz von 205,91 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 146,80 €).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4094
Was hat nicht gestimmt?