Der GHRH-Test nach GOÄ-Ziffer 4102 dient der Differenzierung eines Wachstumshormonmangels. Erfahren Sie alles zu Abrechnung, Analogbewertungen und Fallstricken.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4102
GHRH-Test (Sechsmalige Bestimmung von Wachstumshormon) - Punktzahl: 2100 - Einfachsatz: 122,40 Euro - Regelhöchstsatz (1,15-fach): 140,76 Euro - Höchstsatz (1,3-fach): 159,12 Euro
Die GOÄ-Ziffer 4102 beschreibt den GHRH-Test (Growth-Hormone-Releasing-Hormone-Test) als funktionelle Laboruntersuchung. Diese Leistung umfasst die sechsmalige Bestimmung des Wachstumshormons (HGH) im zeitlichen Verlauf nach einer gezielten Stimulation. Das im Hypothalamus gebildete GHRH regt im Normalfall den Hypophysenvorderlappen zur Ausschüttung von HGH an.
Die Durchführung erfordert ein exakt getaktetes Protokoll mit der Anlage eines venösen Zugangs und einer anschließenden intravenösen Bolusinjektion von GHRH. Die Bestimmung der HGH-Konzentration erfolgt zu definierten Zeitpunkten vor und nach der Injektion. Die eigentlichen Laboranalysen des Wachstumshormons werden separat über die GOÄ-Ziffer 4043 abgerechnet.
GOÄ 4102 in der Praxis: Differenzialdiagnostik und Analogbewertungen
In der klinischen Praxis dient der klassische GHRH-Test primär der topischen Lokalisation einer endokrinen Störung. Wenn ein Wachstumshormonmangel bereits als gesichert gilt, erlaubt dieser Test die Unterscheidung zwischen einer hypophysären und einer hypothalamischen Ursache. Bei einem hypophysären Mangel bleibt der HGH-Anstieg nach GHRH-Gabe aus oder liegt unter 10 µg/l, während Werte darüber auf eine hypothalamische Genese hinweisen.
Aufgrund einer relativ hohen Rate an falsch-positiven Ergebnissen eignet sich der reine GHRH-Test jedoch nicht zur definitiven Erstdiagnose eines HGH-Mangels. Hierfür kommen etablierte analoge Testverfahren zum Einsatz, die ebenfalls unter der GOÄ-Ziffer 4102 abgerechnet werden. Dazu zählen insbesondere der GHRH-Arginin-Test, der Propanolol-Glukagon-Test, der physiologische Exercise-Test sowie das HGH-Nachtprofil.
Jedes dieser analogen Verfahren folgt eigenen Protokollen bezüglich der Vorbereitung, der Stimulationssubstanzen und der Anzahl der Blutentnahmen. Die Abrechnung der begleitenden HGH-Bestimmungen nach GOÄ-Ziffer 4043 muss exakt an das jeweilige Testprotokoll angepasst werden. So rechtfertigt der GHRH-Arginin-Test beispielsweise eine achtmalige Berechnung der Ziffer 4043.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4102
Fallbeispiel 1: Differenzierung eines gesicherten HGH-Mangels
Bei einem erwachsenen Patienten mit bereits gesichertem Wachstumshormonmangel soll die Ursache der Sekretionsstörung lokalisiert werden. Nach einer zweistündigen Nahrungskarenz und einer einstündigen Ruhephase erfolgt die Durchführung des klassischen GHRH-Tests mit sechs Blutentnahmen. Die Auswertung zeigt einen maximalen HGH-Wert von unter 10 µg/l, was für einen hypophysären Defekt spricht.
Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 4102 zum Regelhöchstsatz (1,15-fach). Zusätzlich werden die sechs HGH-Bestimmungen nach GOÄ-Ziffer 4043 sowie die Blutentnahmen liquidiert.
Fallbeispiel 2: Diagnostik mittels GHRH-Arginin-Test
Zur definitiven Abklärung eines Verdachts auf HGH-Mangel bei einem schlanken Erwachsenen wird ein ambulanter GHRH-Arginin-Test am nüchternen Patienten durchgeführt. Nach Anlage eines venösen Zugangs und Entnahme von zwei Basalwerten erfolgt die kombinierte Gabe von Arginin-HCl als Kurzinfusion und GHRH als i.v. Bolus. Es folgen sechs weitere Blutentnahmen über einen Zeitraum von 120 Minuten.
Dieser Test wird analog nach GOÄ-Ziffer 4102 abgerechnet. Aufgrund des erweiterten Protokolls ist die achtmalige Abrechnung der HGH-Bestimmung nach GOÄ-Ziffer 4043 medizinisch begründet und erstattungsfähig.
Fallbeispiel 3: Physiologischer Exercise-Test bei einem Kind
Bei einem Kind mit retardiertem Längenwachstum soll ein HGH-Mangel mittels eines physiologischen Belastungstests ausgeschlossen werden. Nach einer Ruhephase und zwei basalen Blutentnahmen absolviert das Kind eine zehnminütige körperliche Belastung auf dem Laufband, gefolgt von zwei post-interventionellen Blutentnahmen. Da ein HGH-Wert von über 10 µg/l gemessen wird, kann ein Mangel sicher ausgeschlossen werden.
Die Abrechnung dieses Belastungstests erfolgt analog nach GOÄ-Ziffer 4102. Die begleitende HGH-Analytik nach GOÄ-Ziffer 4043 wird in diesem Fall viermal in Rechnung gestellt.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4102: Was Prüfer beanstanden
Achtung: Der klassische GHRH-Test darf nicht als primärer Suchtest zur Erstdiagnose eines Wachstumshormonmangels eingesetzt werden. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen verweigern in solchen Fällen regelmäßig die Erstattung, da die medizinische Notwendigkeit aufgrund der hohen Falsch-positiv-Rate fehlt.
Ein häufiger Abrechnungsfehler liegt in der Diskrepanz zwischen der dokumentierten Testdauer und der Anzahl der abgerechneten Laborleistungen. Wird der Standard-GHRH-Test durchgeführt, ist die HGH-Bestimmung nach GOÄ-Ziffer 4043 exakt sechsmal berechenbar. Eine unbegründete Über- oder Unterschreitung dieser Frequenz führt bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen unweigerlich zu Beanstandungen.
Zudem müssen bei den analogen Testverfahren die spezifischen Voraussetzungen exakt dokumentiert sein. Beim GHRH-Arginin-Test oder dem Propanolol-Glukagon-Test müssen die verabreichten Substanzen, deren Dosierung bezogen auf das Körpergewicht sowie die exakten Entnahmezeiten lückenlos nachgewiesen werden. Fehlen diese Angaben, droht eine Honorarkürzung wegen mangelhafter medizinischer Begründung der Analogabrechnung.
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Dokumentation der GOÄ 4102: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen alle Phasen des Funktionstests zeitlich exakt erfasst werden. Dies betrifft insbesondere die Einhaltung der Nahrungskarenz, die Ruhephase vor Testbeginn sowie die genauen Uhrzeiten der Substanzapplikation und der einzelnen Blutentnahmen.
Darüber hinaus sollten der aktuelle Body-Mass-Index (BMI) und der Nüchtern-Blutglukosewert des Patienten dokumentiert werden, da diese Parameter für die korrekte Interpretation der Testergebnisse essenziell sind. Bei analogen Tests ist zudem die exakte Berechnung der gewichtsabhängigen Dosierung der Stimulanzien schriftlich festzuhalten.
Dokumentationsbeispiel (GHRH-Arginin-Test):
Patient seit 12 Std. nüchtern. BMI: 22,1. Venöser Zugang um 08:00 Uhr gelegt. Ruhephase bis 08:30 Uhr. Basalblutentnahmen um 08:15 Uhr (-15 Min) und 08:30 Uhr (0 Min). Infusion von 35 g Arginin-HCl (0,5 g/kg KG) über 30 Min gestartet um 08:30 Uhr. Gleichzeitige i.v. Gabe von 70 µg GHRH (1 µg/kg KG). Weitere Blutentnahmen um 08:45, 09:00, 09:15, 09:30, 10:00 und 10:30 Uhr. Keine Komplikationen.
GOÄ 4102: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 4102 gehört zum Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) der Gebührenordnung. Für diese Leistungen gilt ein eingeschränkter Gebührenrahmen, bei dem der Regelhöchstsatz dem 1,15-fachen Satz entspricht. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz vom 1,3-fachen Satz ist nur unter Angabe einer schriftlichen, patientenbezogenen Begründung zulässig.
Relevante Gründe für eine Schwellenwertüberschreitung sind beispielsweise ein extrem schwieriger venöser Zugang bei Kindern oder adipösen Patienten, der zu einer erheblichen zeitlichen Verzögerung führt. Auch ein atypischer, stark verzögerter HGH-Anstieg, der zusätzliche Blutentnahmen nach 90 und 120 Minuten erforderlich macht, rechtfertigt die Anwendung des 1,3-fachen Steigerungssatzes.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der eigentlichen Funktionsziffer 4102 und den HGH-Bestimmungen nach GOÄ-Ziffer 4043 können weitere Begleituntersuchungen anfallen. Häufig ist die Bestimmung des Nüchtern-Blutzuckers nach GOÄ-Ziffer 3514 oder 3560 erforderlich. Auch die Anlage des venösen Zugangs und die Durchführung von Infusionen (z. B. GOÄ-Ziffer 271 oder 272 beim Arginin-Test) sind unter Beachtung der Kombinationsausschlüsse berechenbar.
Tipp: Bei der Durchführung des Propanolol-Glukagon-Tests sollten die patientennahen Blutzuckerkontrollen parallel zu den HGH-Blutentnahmen dokumentiert und über die entsprechenden Ziffern des Abschnitts M separat abgerechnet werden.
Ziffer 4102 in der neuen GOÄ
Ziffer 4102 (GHRH-Test (Sechsmalige Bestimmung von Wachstumshormon), bisher beim 2,3-fachen Satz: 140,76 €) wird in der neuen GOÄ je nach Indikation und Methode unterschiedlichen Leistungen zugeordnet:
- 11848 „GHRH-Test und/oder GHRH-Arginin-Test Abklärung Wachstumshormonmangel“ (178,79 €) — bei: GHRH-Test oder GHRH-Arginin-Test
- 11850 „Glukagon-Test und/oder Propanolol-Glukagon-Test Abklärung Wachstumshormonmangel“ (134,10 €) — bei: Glukagon-Test oder Propanolol-Glukagon-Test
- 11874 „Wachstumshormon-(GH)Nachtprofil Abklärung relativer Wachstumshormonmangel“ (402,29 €) — bei: HGH-Nachtprofil
- Kein Nachfolger in der neuen GOÄ bei: Exercise-Test/Wachstumshormon-Belastungstest
Je nach Konstellation sind 134,10 € bis 402,29 € abrechenbar — die genaue Indikation und Dokumentation entscheiden.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4102
Was hat nicht gestimmt?