GOÄ 4435: Echinokokken-Antikörper korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 4435
Quantitative Bestimmung von Antikörpern mittels Agglutinations- oder Fällungsreaktion (z.B. Hämagglutination, Hämagglutinationshemmung, Latex-Agglutination) -Echinokokken
Punktzahl 240  
Einfachsatz 13,99 € 1,0x
Regelhöchstsatz 16,09 € 1,1x
Höchstsatz 18,19 € 1,3x
Ausschlüsse
437

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4435

Die Gebührenordnungsziffer 4435 beschreibt eine spezialisierte Laborleistung aus dem Bereich der Infektionsdiagnostik. Der offizielle Leistungstext lautet:

Quantitative Bestimmung von Antikörpern mittels Agglutinations- oder Fällungsreaktion (z.B. Hämagglutination, Hämagglutinationshemmung, Latex-Agglutination) -Echinokokken

Die erbrachte Leistung umfasst die quantitative Analyse von spezifischen Antikörpern gegen den Erreger der Echinokokkose. Als methodische Verfahren kommen klassische Agglutinationsreaktionen oder Fällungstests zum Einsatz. Gemäß den allgemeinen Bestimmungen ist die Angabe der untersuchten Parameter auf der Liquidation zwingend erforderlich.

GOÄ 4435 in der Praxis: Diagnostik der Echinokokkose

Die Bestimmung von Echinokokken-Antikörpern ist ein zentraler Baustein bei der Abklärung von zystischen Organveränderungen. Insbesondere bei unklaren Befunden in der Leber oder der Lunge liefert die Serodiagnostik wegweisende Hinweise. Ein klinischer Verdacht ergibt sich häufig nach bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder Computertomographie.

Die quantitative Bestimmung mittels GOÄ 4435 erlaubt nicht nur die Erstdiagnose, sondern dient auch der Verlaufsbeurteilung. Durch die Bestimmung des Antikörpertiters kann der Erfolg einer operativen oder medikamentösen Therapie überwacht werden. Eine Abgrenzung zu qualitativen Suchtests ist für die korrekte Honorierung essenziell.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4435

Fallbeispiel 1: Verdacht auf zystische Echinokokkose

Ein Patient stellt sich mit einem sonographischen Zufallsbefund einer echoreichen, septierten Leberzyste vor. Zur Differenzialdiagnostik veranlasst die Praxis eine serologische Untersuchung auf Echinokokken-Antikörper. Die quantitative Bestimmung erfolgt mittels indirekter Hämagglutination (IHA). Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4435 neben den klinischen Basisziffern.

Fallbeispiel 2: Postoperative Verlaufskontrolle

Bei einer Patientin wurde vor sechs Monaten eine Echinokokkenzyste der Lunge operativ entfernt. Zur Kontrolle des Therapieerfolgs wird eine erneute Titerbestimmung durchgeführt. Der Abfall des Antikörpertiters wird dokumentiert. Die Abrechnung der Titerbestimmung erfolgt regelkonform über die Ziffer 4435.

Fallbeispiel 3: Abklärung bei unklarem Lungenrundherd

Im Rahmen einer Thorax-Röntgenuntersuchung wird ein unklarer Rundherd festgestellt. Da der Patient engen Kontakt zu Jagdhunden hat, besteht der Verdacht auf eine parasitäre Infektion. Die quantitative Antikörperbestimmung sichert die Ausschlussdiagnose. Die Praxis liquidiert die Leistung erfolgreich als Speziallabor-Ziffer.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4435: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4435 ist das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Rechnung. Private Krankenversicherungen fordern die explizite Nennung des untersuchten Parameters, um die Leistung anzuerkennen. Die bloße Angabe der Ziffernummer reicht für eine erstattungsfähige Liquidation nicht aus.

Zudem muss der strikte Ausschluss der Ziffer 437 beachtet werden. Die Nebeneinanderberechnung dieser beiden Ziffern führt regelmäßig zu Beanstandungen durch die Prüfstellen. Auch die Verwechslung mit rein qualitativen Nachweisverfahren wird häufig moniert.

Achtung: Achten Sie penibel darauf, dass die Ziffer 437 niemals auf derselben Rechnung in Kombination mit der GOÄ 4435 auftaucht, da dies einen direkten Verstoß gegen die Abrechnungsbestimmungen darstellt.

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Dokumentation der GOÄ 4435: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Schutzschild gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, das angewandte Testverfahren sowie das quantitative Testergebnis präzise festgehalten werden. Auch der Verlauf von Vorbefunden sollte für eine plausible Argumentation ersichtlich sein.

Besonders bei der Steigerung des Gebührensatzes ist eine detaillierte Begründung in der Akte unumgänglich. Die Dokumentation sollte den medizinischen Mehraufwand für den Einzelfall nachvollziehbar widerspiegeln.

Tipp: Nutzen Sie standardisierte Dokumentationsvorlagen in Ihrer Praxissoftware, um die Erfassung von Methode, Titerhöhe und Indikation zeiteffizient und rechtssicher zu gestalten.

Dokumentation: V. a. Echinokokkose bei unklarem Leberherd. Durchführung der quantitativen Antikörperbestimmung mittels Latex-Agglutinationstest (GOÄ 4435). Ergebnis: Titer 1:320 (positiv). Befund an Patienten übermittelt.

GOÄ 4435: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Leistung des Speziallabors unterliegt die GOÄ 4435 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist nur mit einer medizinischen Begründung zulässig. Typische Gründe sind ein ungewöhnlich hoher manueller Aufwand bei der Titerverdünnung oder schwierige Probenbeschaffenheiten.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 4435 wird häufig im Rahmen eines diagnostischen Gesamtkonzepts erbracht. Sinnvolle Kombinationen ergeben sich mit Beratungsleistungen nach GOÄ 1 oder der symptombezogenen Untersuchung nach GOÄ 5. Auch die Kombination mit sonographischen Leistungen wie der GOÄ 410 ist in der diagnostischen Kette üblich und vollkommen zulässig.

Ziffer 4435 in der neuen GOÄ

Die quantitative Echinokokken-Bestimmung mittels Agglutination wird zur neuen Nummer 11402 — „Echinococcus, AT quantitativ Antikörpernachweis, Genus-spezifisch, Spezies-spezifisch; Agglutinationstest; Auswertung: visuell-quantitativ (Titer)". Festpreis: 33,68 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 16,09 €). Die untersuchte Spezies muss in der Rechnung angegeben werden.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4435

Nein, die GOÄ 4435 ist für die quantitative Bestimmung von Echinokokken-Antikörpern am selben Behandlungstag in der Regel nur einmal berechenbar. Sollten unterschiedliche Antikörperklassen mit verschiedenen quantitativen Verfahren untersucht werden, muss dies auf der Rechnung detailliert begründet und getrennt ausgewiesen werden. Im Normalfall deckt die Ziffer jedoch die gesamte quantitative Bestimmung ab.
Eine Steigerung auf den Höchstsatz von 1,3-fach kann durch einen außergewöhnlich hohen Aufwand bei der Durchführung der Agglutinationsreaktion begründet werden. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn aufgrund sehr hoher Titer extrem viele Verdünnungsstufen manuell angelegt und ausgewertet werden müssen. Auch eine schwierige Probenmatrix, die das Ablesen der Fällungsreaktion erschwert, ist eine anerkannte Begründung.
Der offizielle Leistungstext der GOÄ schreibt explizit vor, dass die untersuchten Parameter in der Rechnung anzugeben sind. Ohne die konkrete Nennung von Echinokokken-Antikörpern oder der angewandten Methode ist die Rechnung formal fehlerhaft. Private Krankenversicherungen verweigern in solchen Fällen regelmäßig die Erstattung.
Die Nebeneinanderberechnung eines qualitativen Suchtests und der quantitativen Bestimmung nach GOÄ 4435 am selben Tag ist nur dann zulässig, wenn es sich um unterschiedliche methodische Ansätze handelt und der Suchtest als Vortest medizinisch notwendig war. In der Praxis sollte die quantitative Bestimmung bei klarem Verdacht direkt angesteuert werden, um Honorarkürzungen zu vermeiden. Eine genaue Dokumentation der diagnostischen Kaskade ist hierbei unerlässlich.
Die Ziffer 437 stellt einen Zuschlag für die Durchführung von Laboruntersuchungen außerhalb der regulären Arbeitszeit dar. Die GOÄ schließt die gemeinsame Abrechnung dieser beiden Ziffern explizit aus. Sollte die Echinokokken-Diagnostik im Notdienst erfolgen, kann der Zuschlag nach Ziffer 437 nicht für die GOÄ 4435 geltend gemacht werden.
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