Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4511
Lichtmikroskopische Untersuchung des Nativmaterials zum Nachweis von Bakterien - einschließlich aufwendigerer Anfärbung - qualitativ, je Untersuchung -Gramfärbung (Liquor-, Blut-, Punktat-, Sputum-, Eiter- oder Urinausstrich, Nasenabstrich) - Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Die Gebührenziffer 4511 beschreibt eine qualitative lichtmikroskopische Untersuchung von nativem Probenmaterial. Diese Leistung umfasst die differenzierte Darstellung von Bakterien mittels einer Gramfärbung. Durch dieses Verfahren lassen sich Erreger in grampositive und gramnegative Bakterien unterteilen.
Die Abrechnung setzt voraus, dass die Untersuchung an einem der im Leistungstext explizit genannten Materialien durchgeführt wird. Dazu gehören unter anderem Liquor, Blut, Punktate, Sputum, Eiter, Urinausstriche oder Nasenabstriche. Die Angabe der untersuchten Parameter auf der Liquidation ist eine zwingende formale Voraussetzung.
GOÄ 4511 in der Praxis: Indikationen und klinischer Nutzen
Die Gramfärbung nach GOÄ 4511 ist ein unverzichtbares Werkzeug in der Akutdiagnostik von Infektionskrankheiten. Sie liefert dem behandelnden Arzt innerhalb kürzester Zeit erste richtungsweisende Hinweise auf die bakterielle Besiedlung. Dies ermöglicht die Einleitung einer kalkulierten, initialen Antibiotikatherapie noch vor dem Vorliegen der endgültigen Kulturergebnisse.
Typische Indikationen für diese Untersuchung sind der Verdacht auf eine bakterielle Meningitis anhand von Liquor oder der Nachweis von Erregern in Gelenkpunktaten. Auch bei schweren respiratorischen Infekten liefert der Sputumausstrich schnelle Ergebnisse. Die Differenzierung hilft, die Qualität des Sputums anhand von Epithelzellen und Leukozyten zu beurteilen.
Tipp: Die Gramfärbung ist besonders bei zeitkritischen Befunden wie dem Verdacht auf Sepsis oder eitrige Arthritis indiziert, um sofort therapeutische Entscheidungen treffen zu können.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4511
Fallbeispiel 1: Verdacht auf bakterielle Meningitis
Ein Patient stellt sich mit akutem Fieber, Nackensteifigkeit und Bewusstseinstrübung vor. Nach einer Lumbalpunktion erfolgt die sofortige Liquordiagnostik im praxiseigenen Labor. Es wird ein Ausstrich angefertigt und eine Gramfärbung durchgeführt, um schnellstmöglich zwischen einer bakteriellen und viralen Genese zu differenzieren.
Die mikroskopische Auswertung zeigt gramnegative Diplokokken. Dies rechtfertigt die sofortige Einleitung einer gezielten Therapie. Abgerechnet wird die Lumbalpunktion sowie die mikroskopische Untersuchung nach GOÄ 4511 unter Angabe des Parameters "Liquor-Gramfärbung".
Fallbeispiel 2: Abklärung einer eitrigen Kniegelenksarthritis
Bei einem Patienten mit einem stark geschwollenen, überwärmten Kniegelenk wird eine Entlastungspunktion durchgeführt. Das gewonnene, trübe Punktat wird umgehend mikroskopisch untersucht. Die Gramfärbung des Kniegelenkpunktats dient dem Ausschluss oder Nachweis von Staphylokokken oder Streptokokken.
Im Mikroskop zeigen sich grampositive Haufenkokken. Neben der Punktion wird die Leistung nach GOÄ 4511 liquidiert. Als Parameter wird "Gramfärbung Kniegelenkpunktat" auf der Rechnung ausgewiesen.
Fallbeispiel 3: Diagnostik bei schwerer Pneumonie
Ein Patient mit produktivem Husten und hohem Fieber liefert Sputum zur Untersuchung ab. Zur Qualitätskontrolle und schnellen Erregerorientierung wird ein Sputumausstrich angefertigt. Die Gramfärbung des Sputums zeigt reichlich Granulozyten und grampositive Diplokokken (Verdacht auf Pneumokokken).
Diese schnelle Orientierung sichert die Diagnose einer bakteriellen Pneumonie ab. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 4511 mit dem Rechnungsvermerk "Sputum-Gramfärbung".
Häufige Fehler bei der GOÄ 4511: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4511 ist das Fehlen der konkreten Parameterangabe auf der Liquidation. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen Rechnungen regelmäßig, wenn lediglich die Ziffer ohne den Zusatz des untersuchten Materials (z. B. "Gramfärbung Liquor") angegeben ist. Die Angabe ist laut Leistungsbeschreibung obligatorisch.
Zudem darf die Ziffer nicht für einfache, unangefärbte Nativpräparate herangezogen werden. Für eine einfache mikroskopische Untersuchung ohne aufwendige Färbung ist stattdessen die GOÄ-Ziffer 3500 zu prüfen. Die GOÄ 4511 setzt zwingend eine differenzierende Färbung wie die Gramfärbung voraus.
Achtung: Die mehrfache Abrechnung der GOÄ 4511 aus demselben Probengefäß für identische Fragestellungen ist unzulässig. Nur bei getrennten Entnahmestellen oder unterschiedlichen Materialien darf die Ziffer mehrfach am selben Tag angesetzt werden.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ 4511: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen das entnommene Material, der Zeitpunkt der Untersuchung sowie das mikroskopische Ergebnis detailliert festgehalten werden. Dabei sollte nicht nur das Vorhandensein von Bakterien, sondern auch deren Morphologie und Färbeverhalten dokumentiert werden.
Zusätzlich empfiehlt es sich, Angaben zur Qualität des Präparats zu machen, beispielsweise das Vorhandensein von Entzündungszellen (Leukozyten) oder Plattenepithelzellen. Dies belegt die medizinische Notwendigkeit und den diagnostischen Aufwand der erbrachten Leistung.
Dokumentation: Gramfärbung Sputum: Reichlich segmentkernige Granulozyten, mäßig Plattenepithelzellen. Nachweis von grampositiven Kettenkokken. Befund telefonisch an Behandler übermittelt.
GOÄ 4511: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da es sich bei der GOÄ 4511 um eine Leistung des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) handelt, unterliegt sie besonderen Bestimmungen bezüglich der Steigerungssätze. Der Regelhöchstsatz liegt bei 1,15. Eine Überschreitung dieses Schwellenwertes bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur mit einer fundierten medizinischen Begründung möglich.
Eine Faktorerhöhung auf 1,3 kann beispielsweise durch eine extrem schwierige Probenaufbereitung gerechtfertigt sein. Dies ist der Fall, wenn stark visköses Sputum oder stark blutiges Punktat die Auswertung erheblich erschweren und eine zeitaufwendige Differenzierung erfordern.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 4511 wird häufig im Rahmen einer komplexeren Diagnostik mit anderen Ziffern kombiniert. Sinnvoll ist die Kombination mit Ziffern für die Probenentnahme, wie der Lumbalpunktion (GOÄ 300) oder der Gelenkpunktion (GOÄ 303). Auch die anschließende Anlage einer Bakterienkultur nach GOÄ 4530 ff. ist eine regelmäßige und zulässige Kombination.
Nicht zulässig ist hingegen die gleichzeitige Abrechnung von Ziffern, die dieselbe färberische Leistung beinhalten, ohne dass ein separates Material vorliegt. Die Kombination mit anderen Spezialfärbungen muss stets medizinisch begründet und getrennt dokumentiert werden.
Ziffer 4511 in der neuen GOÄ
Die Gram-Färbung aus Nativmaterial (Liquor, Blut, Punktat, Sputum, Eiter, Urin, Nasenabstrich) wird zur neuen Nummer 12379 — „Gram-Färbung, Nativmaterial; Färbung, Hellfeldmikroskopie; Auswertung: qualitativ". Festpreis: 4,22 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 7,37 €). Das Nativmaterial ist anzugeben; 12379 ist neben 11035 oder 11038 nicht berechnungsfähig, wenn die Untersuchung aus demselben Probenmaterial erfolgt.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4511
Was hat nicht gestimmt?