Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4520
Qualitative Untersuchung des Nativmaterials zum Nachweis von Bakterienantigenen mittels Ligandenassay (z.B. Enzym- und Radioimmunassay) - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve-, je Untersuchung -Beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe B. Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Die GOÄ-Ziffer 4520 beschreibt eine spezifische laboratoriumsmedizinische Untersuchung aus dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt M II (Untersuchungen im Nativmaterial). Der Fokus liegt hierbei auf dem qualitativen Nachweis von Antigenen der Gruppe-B-Streptokokken (Streptococcus agalactiae).
Die Leistung umfasst die Probenaufbereitung, die Durchführung des Ligandenassays sowie eventuell notwendige Doppelbestimmungen zur Qualitätssicherung. Auch die Erstellung einer aktuellen Bezugskurve ist mit der Gebühr abgegolten und darf nicht gesondert berechnet werden.
GOÄ 4520 in der Praxis: Indikationen und klinischer Alltag
Die Bestimmung von beta-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe B ist insbesondere in der Geburtshilfe und Perinatalmedizin von herausragender Bedeutung. Ein Screening schwangerer Patientinnen zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche dient der Prävention einer neonatalen Sepsis.
Der Nachweis erfolgt in der Regel aus einem vaginal-rektalen Abstrich. Da es sich um eine Leistung des Speziallabors handelt, ist die Indikationsstellung präzise zu dokumentieren, um spätere Rückfragen von Kostenträgern zu vermeiden.
Tipp: Die Durchführung des Schnelltests direkt in der gynäkologischen Praxis ist unter Einhaltung der Qualitätsstandards möglich und wird nach GOÄ 4520 liquidiert, sofern die apparativen Voraussetzungen gegeben sind.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4520
Fallbeispiel 1: Routinescreening in der Schwangerschaft
Eine schwangere Patientin stellt sich in der 36. Schwangerschaftswoche zur Vorsorge vor. Es erfolgt ein vaginal-rektaler Abstrich zum Ausschluss einer vaginalen Besiedlung mit B-Streptokokken.
Die Praxis führt den Antigen-Nachweis mittels Ligandenassay (Schnelltest) direkt vor Ort durch. Abgerechnet werden die symptombezogene Untersuchung nach GOÄ 5, die Probenentnahme nach GOÄ 298 sowie der Antigen-Nachweis nach GOÄ 4520.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf vorzeitigen Blasensprung
Eine Schwangere stellt sich mit Verdacht auf einen vorzeitigen Blasensprung in der 38. Schwangerschaftswoche vor. Zur Risikominimierung einer aszendierenden Infektion wird ein Schnelltest auf B-Streptokokken durchgeführt.
Neben den geburtshilflichen Basisleistungen wird die GOÄ 4520 für den qualitativen Antigen-Nachweis angesetzt. Die medizinische Notwendigkeit ergibt sich direkt aus der Akutsituation und der drohenden Infektion des Neugeborenen.
Fallbeispiel 3: Abklärung bei drohender Frühgeburt
Bei einer Patientin in der 32. Schwangerschaftswoche treten vorzeitige Wehen auf. Zur Entscheidung über eine intrapartale Antibiotikaprophylaxe wird ein vaginaler Abstrich auf B-Streptokokken entnommen und analysiert.
Der Schnelltest wird umgehend im Praxislabor ausgewertet. Die Abrechnung erfolgt mit dem 1,15-fachen Satz der GOÄ 4520, da die labortechnische Untersuchung im eigenen Labor stattfindet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4520: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler liegt in der unvollständigen Rechnungslegung. Gemäß den Abrechnungsbestimmungen der GOÄ müssen die untersuchten Parameter zwingend auf der Liquidation angegeben werden; der bloße Verweis auf die Ziffernummer reicht nicht aus.
Zudem versuchen private Krankenversicherungen gelegentlich, den Ansatz der GOÄ 4520 zu kürzen, wenn gleichzeitig andere mikrobiologische Untersuchungen durchgeführt wurden. Eine Nebeneinanderberechnung ist jedoch zulässig, solange es sich um unterschiedliche Zielorganismen oder differenzierte methodische Ansätze handelt.
Achtung: Die Ziffer 4520 darf nicht neben anderen Ziffern für denselben Erreger aus derselben Probe berechnet werden, wenn diese bereits den Antigen-Nachweis abdecken (z. B. kulturelle Verfahren nach Abschnitt M).
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Dokumentation der GOÄ 4520: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation schützt vor Honorarausfällen. In der Patientenakte müssen das Entnahmedatum, die genaue Lokalisation der Probenentnahme (z. B. vaginal-rektal) sowie das Testergebnis (positiv/negativ) dokumentiert werden.
Auch die verwendete Methode (z. B. Immunoassay) und die Chargennummer des verwendeten Testkits sollten für eventuelle Qualitätskontrollen festgehalten werden. Dies erleichtert die Argumentation bei Nachfragen durch den Medizinischen Dienst oder private Versicherer.
Dokumentation: Vaginal-rektaler Abstrich in SSW 36+2 durchgeführt. Antigen-Nachweis auf beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe B mittels Ligandenassay (Schnelltest) durchgeführt. Ergebnis: Negativ. Charge-Nr. Testkit: 123456.
GOÄ 4520: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ 4520 dem Abschnitt M II angehört, liegt der Regelhöchstsatz beim 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Satz ist nur unter Angabe besonderer, patientenbezogener Erschwernisse zulässig.
Gründe für eine Überschreitung des Schwellenwertes können beispielsweise schwierige Probenaufbereitungen bei stark verunreinigtem Nativmaterial oder atypische Viskositäten des Abstrichsekrets sein, die einen erhöhten Zeitaufwand im Labor verursachen.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die GOÄ 4520 zusammen mit der GOÄ 298 (Probenentnahme) für den Abstrich abgerechnet. Auch die Kombination mit Beratungsleistungen nach GOÄ 1 oder GOÄ 3 sowie der symptombezogenen Untersuchung nach GOÄ 5 ist im klinischen Alltag üblich.
Nicht zulässig ist die gleichzeitige Abrechnung von allgemeinen mikrobiologischen Suchtests aus derselben Probe, wenn diese den spezifischen Nachweis von B-Streptokokken bereits beinhalten. Hier ist auf eine strikte Trennung der Indikationen zu achten.
Ziffer 4520 in der neuen GOÄ
Der qualitative Nachweis von Beta-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe B aus Nativmaterial mittels Ligandenassay hat in der neuen GOÄ keine Nachfolgeleistung. Der Entwurf sieht für diesen spezifischen Nachweis keine eigene Ziffer vor.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4520
Was hat nicht gestimmt?