GOÄ 5443: Zusatzuntersuchung Niere korrekt abrechnen

6 Min. Lesezeit
GOÄ 5443
Zusatzuntersuchung zu den Leistungen nach den Nummern  oder – mit Angabe der Indikation (z. B. zusätzliches Radionephrogramm als Einzel- oder Wiederholungsuntersuchung, Tiefenkorrektur durch Verwendung des geometrischen Mittels, Refluxprüfung, forcierte Diurese) –
Punktzahl 700  
Einfachsatz 40,80 € 1,0x
Regelhöchstsatz 73,44 € 1,8x
Höchstsatz 102,00 € 2,5x

Die GOÄ-Ziffer 5443 regelt nuklearmedizinische Zusatzuntersuchungen der Niere. Erfahren Sie alles über Indikationen, Abrechnungsregeln und typische Fehler.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 5443

Zusatzuntersuchung zu den Leistungen nach den Nummern 5440 oder 5441 – mit Angabe der Indikation (z. B. zusätzliches Radionephrogramm als Einzel- oder Wiederholungsuntersuchung, Tiefenkorrektur durch Verwendung des geometrischen Mittels, Refluxprüfung, forcierte Diurese) –

Die Gebührenordnungsziffer 5443 beschreibt eine nuklearmedizinische Zusatzleistung, die ausschließlich in Kombination mit einer statischen oder dynamischen Nierenszintigraphie erbracht werden kann. Diese Ziffer deckt spezifische, über die Standarduntersuchung hinausgehende diagnostische Schritte ab, die zur präzisen Beurteilung der Nierenfunktion notwendig sind. Dazu gehören beispielsweise die Durchführung einer forcierten Diurese oder die mathematische Tiefenkorrektur.

Die Leistung ist im Abschnitt O (Strahlendiagnostik, Nuklearmedizin, Magnetresonanztomographie und Strahlentherapie) unter dem Unterabschnitt g (Nieren) angesiedelt. Ein wesentliches Merkmal dieser Ziffer ist die strikte Indikationspflicht, die direkt auf der Rechnung ausgewiesen werden muss. Ohne diese Angabe ist die Abrechnung formal fehlerhaft.

GOÄ 5443 in der Praxis: Indikationen und klinische Relevanz

In der nuklearmedizinischen Praxis kommt die GOÄ 5443 häufig bei komplexen Fragestellungen zur Anwendung, die eine Erweiterung der Standard-Nierenszintigraphie erfordern. Ein klassisches Szenario ist der Verdacht auf eine Nierenarterienstenose, bei der eine Funktionsprüfung vor und nach der Gabe von Captopril durchgeführt wird. Hierbei ermöglicht die Zusatzuntersuchung den direkten Vergleich der renalen Perfusion unter pharmakologischer Blockade des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems.

Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet ist die Abklärung einer funktionell relevanten Wanderniere (Nephroptose). Durch szintigraphische Messungen sowohl im Liegen als auch im Sitzen lassen sich lageabhängige Abflussbehinderungen oder Perfusionsminderungen exakt quantifizieren. Auch die Durchführung einer forcierten Diurese mittels Schleifendiuretika zur Differenzierung zwischen einer organischen und einer funktionellen Harnabflussstörung rechtfertigt den Ansatz dieser Ziffer.

Tipp: Dokumentieren Sie bei einer forcierten Diurese den genauen Zeitpunkt der Diuretikagabe und die darauffolgende Änderung der Eliminationskurve detailliert im Befundbericht.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 5443

Fallbeispiel 1: Verdacht auf renovaskuläre Hypertonie

Bei einem Patienten mit therapieresistenter Hypertonie besteht der Verdacht auf eine Nierenarterienstenose. Es wird eine sequentielle Nierenszintigraphie durchgeführt. Nach der initialen Untersuchung erfolgt die Gabe von 25 mg Captopril oral, gefolgt von einer erneuten szintigraphischen Messung zur Captopril-Funktionsprüfung.

Die Abrechnung erfolgt mit der Hauptleistung GOÄ 5441 für die Funktionsszintigraphie inklusive Clearance-Bestimmung. Die zusätzliche Belastungsuntersuchung wird über die GOÄ 5443 liquidiert, wobei auf der Rechnung die Indikation "Verdacht auf Nierenarterienstenose, Captopril-Szintigraphie" angegeben wird.

Fallbeispiel 2: Abklärung einer Nephroptose

Eine Patientin klagt über unklare Flankenschmerzen, die vor allem im aufrechten Stehen auftreten. Zur Abklärung einer Wanderniere wird eine Funktionsszintigraphie im Liegen durchgeführt. Anschließend erfolgt eine Wiederholungsuntersuchung im Sitzen zur Beurteilung der lageabhängigen Nierenfunktion.

Neben der Basisziffer GOÄ 5440 wird die GOÄ 5443 für die Lageänderung angesetzt. Als Begründung wird "Funktionsprüfung bei Verdacht auf Wanderniere im Liegen und Sitzen" auf der Liquidation vermerkt, was die medizinische Notwendigkeit transparent belegt.

Fallbeispiel 3: Differenzierung einer Harnabflussstörung

Bei einem Patienten zeigt sich in der Sonographie eine Dilatation des Nierenbeckenkelchsystems. Zur Differenzierung zwischen einer fixierten mechanischen Stenose und einer funktionellen Ektasie wird eine Funktionsszintigraphie mit forcierter Diurese (Furosemid-Test) durchgeführt.

Die Standard-Clearance-Bestimmung wird nach GOÄ 5441 berechnet. Die zusätzliche Gabe des Diuretikums und die anschließende Akquisition der Eliminationsdaten begründen den Ansatz der GOÄ 5443 mit der Indikation "Forcierte Diurese bei V. a. Harnabflussbehinderung".

Häufige Fehler bei der GOÄ 5443: Was Prüfer beanstanden

Der mit Abstand häufigste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 5443 ist das Fehlen der Indikationsangabe auf der Rechnung. Da der Leistungstext diese Angabe explizit fordert, führt ein Versäumnis regelmäßig zur sofortigen Kürzung durch private Krankenversicherungen oder Beihilfestellen. Eine bloße Dokumentation in der Patientenakte reicht hier nicht aus; der Text muss auf der Liquidation erscheinen.

Ein weiterer Fehler ist der isolierte Ansatz der Ziffer. Die GOÄ 5443 ist eine reine Zuschlags- bzw. Zusatzleistung und kann niemals eigenständig abgerechnet werden. Sie setzt zwingend die Erbringung und Abrechnung der Hauptleistungen nach GOÄ 5440 oder GOÄ 5441 voraus.

Achtung: Die zweifache Berechnung der GOÄ 5443 am selben Tag ist nur bei echten Wiederholungsuntersuchungen zulässig. Dies muss auf der Rechnung besonders detailliert begründet werden, um Rückfragen der Kostenträger zu vermeiden.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 5443: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das Fundament für eine erfolgreiche Honorardurchsetzung. In der Patientenakte müssen neben der klinischen Fragestellung auch der genaue Ablauf der Zusatzuntersuchung und die gewonnenen Messdaten festgehalten werden. Bei einer Captopril-Szintigraphie betrifft dies insbesondere die Dokumentation der Blutdruckwerte vor und nach Applikation des ACE-Hemmers.

Für die Rechnungsstellung sollte ein standardisierter Textbaustein verwendet werden, der die Indikation prägnant zusammenfasst. Dies erleichtert den Verwaltungsaufwand und minimiert das Risiko von Rückfragen seitens der Prüfstellen der Kostenträger.

Dokumentationsbeispiel:
Durchführung einer dynamischen Nierenfunktionsszintigraphie nach GOÄ 5441. Zusatzuntersuchung nach GOÄ 5443: Forcierte Diurese durch intravenöse Applikation von 20 mg Furosemid in der 15. Minute zur Differenzierung einer funktionellen von einer mechanischen Abflussstörung bei bekanntem Megaureter links.

GOÄ 5443: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die GOÄ 5443 kann bei Vorliegen besonderer Umstände über den Regelsatz von 1,8-fach bis zum Höchstsatz von 2,5-fach gesteigert werden. Typische Begründungen für eine Schwellenwertüberschreitung sind ein erheblicher zeitlicher Mehraufwand bei unkooperativen Patienten (z. B. in der Pädiatrie) oder extreme anatomische Schwierigkeiten bei der Lagerung. Auch eine verzögerte Diureseantwort, die eine deutlich verlängerte Messzeit erfordert, rechtfertigt eine Steigerung.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 5443 wird regelhaft mit den nuklearmedizinischen Basisziffern kombiniert. Erlaubt und medizinisch sinnvoll ist die gemeinsame Abrechnung mit der GOÄ 5440 (Nierenszintigraphie) oder der GOÄ 5441 (Nierenszintigraphie mit Clearance). Daneben können bei Bedarf auch Leistungen für die intravenöse Injektion (z. B. GOÄ 252) oder die Verabreichung von Kontrastmitteln/Radiopharmaka angesetzt werden, sofern diese nicht bereits in den Hauptleistungen enthalten sind.

Ziffer 5443 in der neuen GOÄ

Die Zusatzuntersuchung zu Nierenclearance- oder Nierenperfusionsszintigraphie (bisher 2,3-facher Satz 73,44 €) wechselt in der neuen GOÄ die Leistungsart: Aus einer eigenständigen Regelleistung wird ein Zuschlag. Nummer 13522 „Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 13520 oder 13521 für ein zusätzliches Radionephrogramm als Einzel- oder Wiederholungsuntersuchung, ggf. einschließlich Medikamentengabe" kostet 81,05 €.

Die Indikation (z. B. Tiefenkorrektur, Refluxprüfung, forcierte Diurese) ist in der Rechnung anzugeben. Die neue Legende schließt ausdrücklich die Medikamentengabe ein, was in der alten Ziffer nicht explizit war.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 5443

Die GOÄ-Ziffer 5443 ist als Zusatzleistung neben einer Nierenszintigraphie nach den Nummern 5440 oder 5441 berechnungsfähig. Voraussetzung ist das Vorliegen einer speziellen medizinischen Indikation wie einer forcierten Diurese oder einer Captopril-Funktionsprüfung. Diese Indikation muss zwingend auf der Liquidation angegeben werden.
Ja, die GOÄ-Ziffer 5443 kann bei Wiederholungsuntersuchungen auch zweimal am selben Tag berechnet werden. Dies ist beispielsweise bei einer seitengetrennten Funktionsprüfung in unterschiedlichen Körperlagen der Fall. Die medizinische Notwendigkeit muss hierbei besonders detailliert in der Rechnung begründet werden.
Auf der Rechnung muss die konkrete klinische Fragestellung oder Methode angegeben werden, die die Zusatzuntersuchung begründet. Typische Beispiele sind Formulierungen wie 'Captopril-Funktionsprüfung bei Verdacht auf Nierenarterienstenose' oder 'forcierte Diurese'. Ohne diese Angabe riskieren Behandler eine Rechnungskürzung durch die Kostenträger.
Ja, die GOÄ-Ziffer 5443 ist explizit als Zusatzuntersuchung zu den Leistungen nach den Nummern 5440 und 5441 definiert. Sie kann daher problemlos neben der statischen oder dynamischen Nierenszintigraphie abgerechnet werden. Eine isolierte Abrechnung ohne diese Hauptleistungen ist jedoch ausgeschlossen.
Eine Captopril-Szintigraphie wird typischerweise mit der Hauptleistung GOÄ 5441 für die Funktionsszintigraphie und der Zusatzleistung GOÄ 5443 für die Captopril-Gabe liquidiert. Die Indikation der pharmakologischen Belastung muss auf der Rechnung explizit ausgewiesen werden. Eventuell verwendete Medikamente können zusätzlich als Sachkosten in Rechnung gestellt werden.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich