GOÄ 640: Phlebodynamometrie korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 640
Phlebodynamometrie
Punktzahl 650  
Einfachsatz 37,89 € 1,0x
Regelhöchstsatz 68,20 € 1,8x
Höchstsatz 94,72 € 2,5x
Ausschlüsse
435

Die Phlebodynamometrie nach GOÄ 640 ist ein wichtiges invasives Diagnostikverfahren. Erfahren Sie alles zur korrekten Abrechnung und Dokumentation.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 640

Ziffer 640: Phlebodynamometrie – 650 Punkte

Die Phlebodynamometrie nach GOÄ-Ziffer 640 beschreibt ein invasives diagnostisches Verfahren zur Funktionsbeurteilung des Venensystems. Hierbei wird der periphere Venendruck in einer oberflächlichen Fußrückenvene durch das Einführen einer Injektionskanüle gemessen, die mit einem Druckmesssystem verbunden ist.

Während der Untersuchung führt der Patient definierte Beinbewegungen aus, die im gesunden Zustand zu einer Senkung des Venendrucks führen. Nach Beendigung dieser Muskelaktivität steigt der Druck charakteristisch wieder an, was Rückschlüsse auf die Klappenfunktion und etwaige Abflussstörungen zulässt.

GOÄ 640 in der Praxis: Indikationen und klinischer Stellenwert

In der modernen Phlebologie hat die Phlebodynamometrie an Bedeutung verloren, da meist nicht-invasive Verfahren wie die Photoplethysmographie oder die Duplexsonographie bevorzugt werden. Dennoch bleibt die invasive Druckmessung der Goldstandard bei komplexen Fragestellungen, insbesondere vor operativen Eingriffen am tiefen Venensystem.

Typische Indikationen umfassen den Verdacht auf ein postthrombotisches Syndrom oder ausgeprägte Varikosis mit unklaren Abflussverhältnissen. Die Methode liefert präzise hämodynamische Daten, die rein optische oder sonographische Verfahren in Grenzfällen nicht in gleicher Tiefe abbilden können.

Tipp: Da es sich um ein invasives Verfahren handelt, ist eine umfassende Aufklärung des Patienten zwingend erforderlich und sollte gesondert dokumentiert werden.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 640

Fallbeispiel 1: Abklärung eines postthrombotischen Syndroms

Ein Patient stellt sich mit chronisch-venöser Insuffizienz und Verdacht auf ein postthrombotisches Syndrom vor. Zur exakten Beurteilung der tiefen Venenstrombahn erfolgt eine Phlebodynamometrie. Neben der Ziffer 640 wird die notwendige Verbandanlage und die Aufklärung abgerechnet.

Fallbeispiel 2: Präoperative Diagnostik bei rezidivierender Varikosis

Vor einer geplanten komplexen Varizenoperation ist die hämodynamische Relevanz der Klappeninsuffizienz unklar. Die Durchführung der Phlebodynamometrie sichert die Operationsindikation ab. Die Abrechnung erfolgt mit dem Regelsatz (1,8-fach), da keine anatomischen Besonderheiten vorlagen.

Fallbeispiel 3: Erschwerte Venenpunktion bei adipösem Patienten

Bei der Durchführung der Phlebodynamometrie bei einem stark adipösen Patienten gestaltet sich die Punktion der Fußrückenvene extrem schwierig. Aufgrund des deutlich erhöhten Zeitaufwands wird die Ziffer 640 mit einem gesteigerten Faktor von 2,5 abgerechnet.

Häufige Fehler bei der GOÄ 640: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler ist die nebeneinander erfolgende Abrechnung der GOÄ-Ziffer 640 und der Ziffer 435. Die Ausschlussregelung der GOÄ untersagt diese Kombination explizit, da die periphere Druckmessung bereits Teil der Phlebodynamometrie ist.

Zudem darf die Ziffer 640 nicht für Druckmessungen an freigelegten Gefäßen herangezogen werden. In solchen chirurgischen Fällen ist stattdessen die GOÄ-Ziffer 2804 anzusetzen, was bei Prüfungen der privaten Krankenversicherungen streng kontrolliert wird.

Achtung: Die bloße Durchführung einer unblutigen Photoplethysmographie darf niemals unter der Ziffer 640 abgerechnet werden, da diese zwingend ein invasives Vorgehen voraussetzt.

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Dokumentation der GOÄ 640: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist essenziell, um Honorarkürzungen zu vermeiden. Der Bericht muss Angaben zur Punktionsstelle, zum verwendeten Druckaufnehmer, zu den durchgeführten Bewegungszyklen sowie die konkreten Druckmesswerte in Ruhe und unter Belastung enthalten.

Auch die Wiederauffüllzeit der Venen nach Belastung muss präzise in Sekunden dokumentiert werden. Diese Parameter belegen die medizinische Notwendigkeit und den Umfang der erbrachten Leistung zweifelsfrei.

Dokumentation: Punktion einer oberflächlichen Vene am rechten Fußrücken mit 21G-Kanüle. Anschluss an Druckmesssystem. Ruhe-Venendruck: 65 mmHg. Abfall unter Belastung (10 Zehenstände) auf 30 mmHg. Wiederauffüllzeit: 12 Sekunden. Keine Komplikationen.

GOÄ 640: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Eine Überschreitung des Schwellenwertes (1,8-fach) bis zum Höchstsatz von 2,5-fach ist bei besonderem Aufwand möglich. Typische Begründungen sind schwierige Venenverhältnisse, ausgeprägte Ödeme am Fußrücken oder mangelnde Compliance des Patienten bei den Bewegungsübungen.

Typische Ziffernkombinationen

Die Phlebodynamometrie wird häufig mit beratenden Leistungen wie der GOÄ-Ziffer 1 oder 3 kombiniert. Auch die Kombination mit Ultraschalluntersuchungen der Gefäße (z. B. nach GOÄ-Ziffer 410) ist zulässig und bildet die umfassende phlebologische Diagnostik sachgerecht ab.

Ziffer 640 in der neuen GOÄ

Die Phlebodynamometrie (heute beim 2,3-fachen Satz: 68,20 €) wird zur neuen Nummer 2820: „Phlebodynamometrie, je Bein" — Festpreis 44,60 €. Die neue Legende rechnet je untersuchtem Bein ab; wer heute beide Beine misst, setzt künftig 2820 zweimal an.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 640

Zum einfachen Gebührensatz beträgt das Honorar für die GOÄ-Ziffer 640 genau 37,89 €. Bei Anwendung des Regelhöchstsatzes (1,8-fach) belaufen sich die Kosten auf 68,20 €, während der Höchstsatz (2,5-fach) bei 94,72 € liegt.
Die GOÄ-Ziffer 640 darf nicht zusammen mit der Ziffer 435 (periphere Arterien- oder Venendruckmessung) abgerechnet werden. Zudem sind Druckmessungen an freigelegten Gefäßen über die Ziffer 2804 und nicht über die 640 zu liquidieren.
Eine Steigerung über den 1,8-fachen Satz hinaus ist gerechtfertigt, wenn die Venenpunktion durch starke Ödeme oder Adipositas erschwert war. Auch eine eingeschränkte Mobilität des Patienten, die die standardisierten Bewegungsabläufe verzögert, dient als Begründung.
Nein, die GOÄ-Ziffer 640 setzt zwingend ein invasives Verfahren mit einer Kanülierung der Vene voraus. Für nicht-invasive Methoden wie die Photoplethysmographie müssen andere, dafür vorgesehene Ziffern abgerechnet werden.
In der Patientenakte müssen die Punktionsstelle, die Druckwerte in Ruhe und unter Belastung sowie die venöse Wiederauffüllzeit dokumentiert werden. Diese Angaben sind essenziell, um Rückfragen von Kostenträgern erfolgreich abzuwehren.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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