Die Phlebodynamometrie nach GOÄ 640 ist ein wichtiges invasives Diagnostikverfahren. Erfahren Sie alles zur korrekten Abrechnung und Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 640
Ziffer 640: Phlebodynamometrie – 650 Punkte
Die Phlebodynamometrie nach GOÄ-Ziffer 640 beschreibt ein invasives diagnostisches Verfahren zur Funktionsbeurteilung des Venensystems. Hierbei wird der periphere Venendruck in einer oberflächlichen Fußrückenvene durch das Einführen einer Injektionskanüle gemessen, die mit einem Druckmesssystem verbunden ist.
Während der Untersuchung führt der Patient definierte Beinbewegungen aus, die im gesunden Zustand zu einer Senkung des Venendrucks führen. Nach Beendigung dieser Muskelaktivität steigt der Druck charakteristisch wieder an, was Rückschlüsse auf die Klappenfunktion und etwaige Abflussstörungen zulässt.
GOÄ 640 in der Praxis: Indikationen und klinischer Stellenwert
In der modernen Phlebologie hat die Phlebodynamometrie an Bedeutung verloren, da meist nicht-invasive Verfahren wie die Photoplethysmographie oder die Duplexsonographie bevorzugt werden. Dennoch bleibt die invasive Druckmessung der Goldstandard bei komplexen Fragestellungen, insbesondere vor operativen Eingriffen am tiefen Venensystem.
Typische Indikationen umfassen den Verdacht auf ein postthrombotisches Syndrom oder ausgeprägte Varikosis mit unklaren Abflussverhältnissen. Die Methode liefert präzise hämodynamische Daten, die rein optische oder sonographische Verfahren in Grenzfällen nicht in gleicher Tiefe abbilden können.
Tipp: Da es sich um ein invasives Verfahren handelt, ist eine umfassende Aufklärung des Patienten zwingend erforderlich und sollte gesondert dokumentiert werden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 640
Fallbeispiel 1: Abklärung eines postthrombotischen Syndroms
Ein Patient stellt sich mit chronisch-venöser Insuffizienz und Verdacht auf ein postthrombotisches Syndrom vor. Zur exakten Beurteilung der tiefen Venenstrombahn erfolgt eine Phlebodynamometrie. Neben der Ziffer 640 wird die notwendige Verbandanlage und die Aufklärung abgerechnet.
Fallbeispiel 2: Präoperative Diagnostik bei rezidivierender Varikosis
Vor einer geplanten komplexen Varizenoperation ist die hämodynamische Relevanz der Klappeninsuffizienz unklar. Die Durchführung der Phlebodynamometrie sichert die Operationsindikation ab. Die Abrechnung erfolgt mit dem Regelsatz (1,8-fach), da keine anatomischen Besonderheiten vorlagen.
Fallbeispiel 3: Erschwerte Venenpunktion bei adipösem Patienten
Bei der Durchführung der Phlebodynamometrie bei einem stark adipösen Patienten gestaltet sich die Punktion der Fußrückenvene extrem schwierig. Aufgrund des deutlich erhöhten Zeitaufwands wird die Ziffer 640 mit einem gesteigerten Faktor von 2,5 abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 640: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist die nebeneinander erfolgende Abrechnung der GOÄ-Ziffer 640 und der Ziffer 435. Die Ausschlussregelung der GOÄ untersagt diese Kombination explizit, da die periphere Druckmessung bereits Teil der Phlebodynamometrie ist.
Zudem darf die Ziffer 640 nicht für Druckmessungen an freigelegten Gefäßen herangezogen werden. In solchen chirurgischen Fällen ist stattdessen die GOÄ-Ziffer 2804 anzusetzen, was bei Prüfungen der privaten Krankenversicherungen streng kontrolliert wird.
Achtung: Die bloße Durchführung einer unblutigen Photoplethysmographie darf niemals unter der Ziffer 640 abgerechnet werden, da diese zwingend ein invasives Vorgehen voraussetzt.
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Dokumentation der GOÄ 640: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist essenziell, um Honorarkürzungen zu vermeiden. Der Bericht muss Angaben zur Punktionsstelle, zum verwendeten Druckaufnehmer, zu den durchgeführten Bewegungszyklen sowie die konkreten Druckmesswerte in Ruhe und unter Belastung enthalten.
Auch die Wiederauffüllzeit der Venen nach Belastung muss präzise in Sekunden dokumentiert werden. Diese Parameter belegen die medizinische Notwendigkeit und den Umfang der erbrachten Leistung zweifelsfrei.
Dokumentation: Punktion einer oberflächlichen Vene am rechten Fußrücken mit 21G-Kanüle. Anschluss an Druckmesssystem. Ruhe-Venendruck: 65 mmHg. Abfall unter Belastung (10 Zehenstände) auf 30 mmHg. Wiederauffüllzeit: 12 Sekunden. Keine Komplikationen.
GOÄ 640: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Eine Überschreitung des Schwellenwertes (1,8-fach) bis zum Höchstsatz von 2,5-fach ist bei besonderem Aufwand möglich. Typische Begründungen sind schwierige Venenverhältnisse, ausgeprägte Ödeme am Fußrücken oder mangelnde Compliance des Patienten bei den Bewegungsübungen.
Typische Ziffernkombinationen
Die Phlebodynamometrie wird häufig mit beratenden Leistungen wie der GOÄ-Ziffer 1 oder 3 kombiniert. Auch die Kombination mit Ultraschalluntersuchungen der Gefäße (z. B. nach GOÄ-Ziffer 410) ist zulässig und bildet die umfassende phlebologische Diagnostik sachgerecht ab.
Ziffer 640 in der neuen GOÄ
Die Phlebodynamometrie (heute beim 2,3-fachen Satz: 68,20 €) wird zur neuen Nummer 2820: „Phlebodynamometrie, je Bein" — Festpreis 44,60 €. Die neue Legende rechnet je untersuchtem Bein ab; wer heute beide Beine misst, setzt künftig 2820 zweimal an.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 640
Was hat nicht gestimmt?